Warenkorb

Geschichten aus dem Wiener Wald

Volksstück

Reclams Universal-Bibliothek Band 18613

In Zusammenarbeit mit dem Literaturarchiv der Österreichischen Nationalbibliothek, an dem zur Zeit die neue historisch-kritische Ausgabe entsteht, erscheinen Horváths wichtigste Werke jetzt in der 'Universal-Bibliothek' - in einer anhand der Originale revidierten, verlässlichen Textgestalt, zusammen mit den wichtigsten Vorstufen und Entwürfen und einem Kommentar auf neuestem Forschungsstand.

Das 1931 uraufgeführte Stück um Marianne, den Fleischhauer Oskar, dem sie versprochen ist, und Alfred, mit dem sie zusammenlebt und einen Sohn hat, enthüllt die latente Brutalität und den Opportunismus der Beteiligten durch ihre Sprache, durch pathetische Floskeln und hohle Wiener Stereotypen. Erstmals wird in dieser Ausgabe auch die frühere Version des Stückes rund um die Zentralfigur eines Hofrates - eine der wichtigsten Vorstufen - vollständig abgedruckt und kommentiert.
Portrait
Ödön von Horváth, 9. 12. 1901 Fiume (Rijeka) - 1. 6. 1938 Paris. Der Sohn eines ungarischen Diplomaten machte nach zahlreichen Wohnsitzwechseln 1919 in Wien das Abitur, und kam dann über München 1924 nach Berlin. 1933 ging er nach Österreich (Salzburg, Wien), trat aber 1934 dem nationalsozialistischen Reichsverband Deutscher Schriftsteller bei, aus dem er 1937 wieder ausgeschlossen wurde. Noch vor dem Anschluss verließ H. Wien und gelangte über Budapest, Prag, Zürich, Brüssel und Amsterdam am 28. 5. 1938 nach Paris. Drei Tage später wurde er von einem herabfallenden Ast auf den Champs-Elysées erschlagen. H.s Volksstücke, die das Zentrum seines Werkes bilden, bringen heutige Menschen aus dem Volk auf die Bühne, und das sind nach H. Kleinbürger und Proletarier. Bei der Demaskierung des Bewußtseins (H.), die die Stücke betreiben, kommt der Sprache eine entscheidende Rolle zu. In ihr spielt sich das eigentliche Geschehen ab, in einem unechten, geliehenen Bildungsjargon, der den Dialekt ersetzt hat und in dessen Phrasen und Sprüchen sich die Kleinbürgermentalität in ihrer Entfremdung und ihren Illusionen verrät. Seinen ersten großen Bühnenerfolg hatte H. mit dem Stück Italienische Nacht (UA 1931), das in der Konfrontation von Sozialisten und Faschisten die Hohlheit politischer Schlagworte satirisch entlarvt. Die Geschichten aus dem Wiener Wald (UA 1931) - für das bekannteste seiner Stücke erhielt H. den Kleist-Preis - zeichnen eine tödliche Idylle: Hinter der verlogenen Fassade von Familie, Geschäft, Vergnügen stecken Egoismus, Unterdrückung (der Frauen), Sentimentalität, Brutalität und Schlimmeres. In der Ballade Kasimir und Karoline (UA 1932) ist das Münchner Oktoberfest zugleich Sinnbild der Welt und Kulisse eines tristen Dramas der durch die gesellschaftlichen und ökonomischen Verhältnisse hervorgerufenen Entfremdung. Die soziale Anklage verschärft sich in dem letzten vor Hitlers Machtergreifung geschriebenen Volksstück Glaube Liebe Hoffnung, der Geschichte einer Frau, die an ihrer Vergangenheit und der Gesellschaft scheitert und in den Tod getrieben wird. Die für Januar 1933 vorgesehene Uraufführung in Berlin ließ sich nicht mehr verwirklichen; sie fand dann 1936 in Wien statt. Von den im Exil geschriebenen Dramen - u. a. Himmelwärts, Don Juan kommt aus dem Krieg, Figaro läßt sich scheiden, Der Jüngste Tag - konnten noch einige aufgeführt werden. Viele Texte wurden erst postum gedruckt. Das Verfahren seiner Stücke, Entlarvung durch die Sprache, wandte H. auch in seinem Roman Der ewige Spießer an. In: Reclams Lexikon der deutschsprachigen Autoren. Von Volker Meid. 2., aktual. und erw. Aufl. Stuttgart: Reclam, 2006. (.) - © 2001, 2006 Philipp Reclam jun. GmbH & Co., Stuttgart.
… weiterlesen
  • Artikelbild-0
In den Warenkorb

Beschreibung

Produktdetails

Einband Taschenbuch
Herausgeber Klaus Kastberger, Nicole Streitler
Seitenzahl 243
Erscheinungsdatum 04.02.2009
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-15-018613-8
Verlag Reclam, Philipp
Maße (L/B/H) 14,7/9,3/1,5 cm
Gewicht 113 g
Abbildungen schwarz-weiss Illustrationen
Verkaufsrang 5558
Buch (Taschenbuch)
Buch (Taschenbuch)
5,00
5,00
inkl. gesetzl. MwSt.
inkl. gesetzl. MwSt.
zzgl. Versandkosten
Versandfertig innerhalb 48 Stunden,  Kostenlose Lieferung ab 30  € Einkaufswert ,  Versandkostenfrei für Bonuscard-Kunden
Versandfertig innerhalb 48 Stunden
Kostenlose Lieferung ab 30  € Einkaufswert
Versandkostenfrei für Bonuscard-Kunden
In den Warenkorb
Vielen Dank für Ihr Feedback!
Entschuldigung, beim Absenden Ihres Feedbacks ist ein Fehler passiert. Bitte versuchen Sie es erneut.
Ihr Feedback zur Seite
Haben Sie alle relevanten Informationen erhalten?
Ihr Feedback ist anonym. Wir nutzen es, um unsere Produktseiten zu verbessern. Bitte haben Sie Verständnis, dass wir Ihnen keine Rückmeldung geben können. Wenn Sie Kontakt mit uns aufnehmen möchten, können Sie sich aber gerne an unseren Kundenservice wenden.

Weitere Bände von Reclams Universal-Bibliothek

mehr

Kundenbewertungen

Durchschnitt
1 Bewertungen
Übersicht
0
1
0
0
0

Seifenoper in Reinkultur
von Daniela Ammann aus Wien am 04.02.2013
Bewertet: Einband: gebundene Ausgabe

Eine kleine Straße in der Josefstadt, drei Geschäfte und deren Besitzer verstrickt in eine Vielzahl von Dreiecksbeziehungen. Aber beginnen wir am Anfang: Alfred besucht mit seinem Freund dem Hierlinger Ferdinand und seiner Geliebten Valerie seine Mutter und Großmutter in der Wachau. Es stellt sich früh heraus, dass Alfred ein Zo... Eine kleine Straße in der Josefstadt, drei Geschäfte und deren Besitzer verstrickt in eine Vielzahl von Dreiecksbeziehungen. Aber beginnen wir am Anfang: Alfred besucht mit seinem Freund dem Hierlinger Ferdinand und seiner Geliebten Valerie seine Mutter und Großmutter in der Wachau. Es stellt sich früh heraus, dass Alfred ein Zocker und Frauenheld ist. Valerie besitzt die Trafik in eben jener Straße in der Josefstadt. Gleich daneben befindet sich die "Puppenklinik" des Zauberkönigs und seiner Tochter Marianne, ein typisches Wiener Mädl, die mit dem Fleischhauer Oskar von der Fleischhauerei nebenan verlobt ist. Ein ehemaliger Rittmeister ist in der Straße wohl bekannt und ist wohl der Einzige, der das Chaos in den verschiedenen Beziehungen durchschaut, denn es kommt in der Familie des Zauberkönigs zum Skandal, als seine Tochter Marianne mit dem Spieler Alfred durchbrennt und noch dazu ein Kind von ihm bekommt. Der Zauberkönig verstoßt seine Tochter, Valerie und der Rittmeister versuchen zu vermitteln, scheitern aber. Schließlich eskaliert es auch zwischen Marianne und Alfred. Er verlässt sie und bringt das Kind zu seiner Mutter in die Wachau. Marianne verdingt sich als Varieté-Tänzerin. Diese Tätigkeit wird vom Rittmeister offenbart, als alle zusammen nach einem Heurigerabend in das Nacht-Lokal gehen. Marianne wird an diesem Abend vor ihrer Familie bloßgestellt und schlussendlich beim Diebstahl erwischt, so dass sie ins Zuchthaus kommt. Nach ihrer Entlassung kehrt sie in die Josefstadt zurück, wo es Valerie gelingt eine Versöhnung zwischen ihr und ihrem Vater zu erreichen. Horváth schafft mit seinem Volksstück ein wahres Feuerwerk an Emotionen. Mit viel Ironie und Witz stellt er die einzelnen Beziehungen dar. Die Herausforderung: Schritt zu halten bei den vielen Beziehungen. Aber ein wahres Must-to-read wenn es um österreichische Literatur geht.