Der Keller

3 Romane in einem Band. Deutsche Erstausgabe


Nur Richard Laymon weiß, was im Keller haust

Man nennt es das „Horrorhaus“, denn vor Jahren hat es hier eine ungeklärte Mordserie gegeben. Inzwischen ist es eine Touristenattraktion, täglich besucht von zahllosen Neugierigen. Doch dann gibt es einen neuen Mord. Und noch einen. Und nach und nach stellt sich heraus, dass dies kein gewöhnlicher Killer ist – dass im Keller des Hauses eine Kreatur lebt, die alles andere als menschlich ist. Und sie fängt gerade erst an…

Rezension
Alex Dengler, Deutschlands führender Buchkritiker, denglers-buchkritik.de: So abgefahren wie Richard Laymon schreibt keiner, daher ist er eine Ikone der Spannungs- und Trashliteratur. "Der Keller" ist sein Magnum Opus.
Portrait
Laymon, Richard
Richard Laymon wurde 1947 in Chicago geboren und studierte in Kalifornien englische Literatur. Er arbeitete als Lehrer, Bibliothekar und Zeitschriftenredakteur, bevor er sich ganz dem Schreiben widmete und zu einem der bestverkauften Spannungsautoren aller Zeiten wurde. 2001 gestorben, gilt Laymon heute in den USA und Großbritannien als Horror-Kultautor, der von Schriftstellerkollegen wie Stephen King und Dean Koontz hoch geschätzt wird.
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  • Jenson griff nach dem Funkgerät. Sein Daumen verharrte auf dem Sprechknopf. Noch einmal warf er einen Blick auf das Fenster im ersten Stock des alten viktorianischen Gebäudes, konnte aber nur das Spiegelbild des Mondes auf der Glasscheibe erkennen. Er ließ das Funkgerät sinken.
    Dann zuckte ein zweiter Lichtblitz durch das ansonsten völlig dunkle Haus.
    Er hob das Funkgerät und zwang sich, den Sprechknopf zu drücken. »Jenson an Hauptquartier.« »Hier Hauptquartier, was gibt's?« »Einbrecher im Horrorhaus.«
    »Dafür bist du zuständig, Dan. Was ist da los? Erbitte Antwort.« »Ich wiederhole: Ein Einbrecher im Horrorhaus.« »Himmel! Du gehst besser rein.« »Schickt mir Verstärkung« »Sweeny ist außer Dienst.«
    »Dann ruf ihn an, um Himmels willen! Er isst jeden Abend im Welcome Inn. Ruf ihn an.« »Geh da rein, Jenson.«
    »Ohne Verstärkung geh ich bestimmt nicht in dieses beschissene Haus. Hol mir Sweeny her, sonst kannst du die ganze Sache vergessen.«
    »Ich werde versuchen, ihn zu erreichen. Bleib, wo du bist, und behalte das Haus im Auge, wenn du dich schon nicht reintraust. Und hör auf, über Funk solche Ausdrücke zu benutzen, Freundchen.«
    »Alles klar.«
    Streifenpolizist Dan Jenson ließ das Funkgerät sinken und blickte zu dem Fenster im ersten Stock hinauf. Von dem Schein der Taschenlampe war nichts mehr zu sehen. Er ließ den Blick über die anderen Fenster und den Balkon über der Eingangstür wandern, der im tiefen Schatten lag.
    Dort, im von ihm aus nächstgelegenen Fenster, vollführte der dünne, weiße Strahl einer Taschenlampe einen Schnörkel und erlosch wieder. Jenson spürte, wie es ihm kalt den Rücken hinunterlief, ganz so, als wäre eine Spinne in seinen Kragen gekrabbelt. Er kurbelte das Fenster hinauf und drückte mit dem Ellenbogen auf den Verriegelungsknopf der Tür. Die Spinne kroch weiter.

    Im Haus versuchte der Junge verzweifelt, nicht loszuheulen, während ihn sein Vater am Arm festhielt und von einem finsteren Raum in den nächsten schleifte.
    »Siehst du? Hier ist nichts. Oder siehst du irgendwas?«
    »Nein«, wimmerte der Junge.
    »Keinen Geist, keinen Butzemann, keine Bestie?«
    »Nein.«
    »Also gut.«
    »Können wir jetzt gehen?«, fragte der Junge. »Nicht so schnell, junger Mann. Wir waren noch nicht auf dem Dachboden.«
    »Sie hat gesagt, er wäre abgesperrt.« »Wir kommen schon irgendwie rein.« »Bitte nicht.«
    »Glaubst du, dass die Bestie dort oben auf uns wartet? Oh bitte.« Er öffnete eine Tür auf dem Korridor und ließ den Schein der Taschenlampe in den Raum fallen. Es war ein leerer Wandschrank. Grob zerrte er den Jungen durch den engen Korridor zu einer weiteren Tür.
    »Dad. Lass uns nach Hause gehen.«
    »Hast du Angst, dass die Bestie dich erwischt?« Der Vater des Jungen lachte bitter. »Wir werden diese Bruchbude erst verlassen, wenn du zugibst, dass es kein Monster gibt. Ich werde nicht dulden, dass einer meiner Söhne als Feigling durchs Leben geht, der sich bei jeder kleinen Gelegenheit in die Hose macht und Angst vorm Dunkeln hat.«
    »Aber die Bestie gibt es wirklich«, widersprach der Junge.
    »Dann zeig sie mir.«
    »Die Führerin hat gesagt ...«
    »Die Frau hat uns nur Quatsch erzählt. Das ist ihr Job. Du merkst nicht mal, wenn dir jemand direkt ins Gesicht lügt, junger Mann. Monster sind Quatsch. Geister und Kobolde und Hexen sind Quatsch. Genau wie diese Bestie.« Er packte den Knauf, riss die Tür auf und ließ den Schein der Taschenlampe auf eine steile, enge, tunnelartige Treppe fallen, die nach oben zu einer weiteren geschlossenen Tür führte. »Los.«
    »Nein, Dad. Bitte nicht.«
    »Widersprich mir nicht.«
    Der Junge versuchte vergeblich, sich aus dem Griff seines Vaters zu befreien. Er fing an zu weinen.
    »Hör auf zu flennen, du kleiner Schisser.« »Ich will nach Hause.«
    Der Mann schüttelte den Jungen heftig. »Wir gehen jetzt diese Treppe hoch. Je eher wir da oben sind und nach deinem Monster suchen, desto schneller können wir wieder von hier verschwinden. Aber keine Minute früher, verstanden?«
    »Ja«, brachte der Junge mit Mühe heraus.
    »Also gut. Dann los.«
    An der Seite seines Vaters ging der Junge die Treppe hinauf. Die Holzstufen ächzten und knarrten. Die Taschenlampe warf eine helle, kleine Lichtscheibe auf jede Stufe. Ihre Beine und die Wände waren in trübes Licht getaucht.
    »Dad!«
    »Ruhe.«
    Der Lichtstrahl fiel auf die Speichertür weit über ihnen.
    Der Junge wollte schniefen, traute sich aber nicht, ein Geräusch
    zu machen. Der warme Rotz lief seine Oberlippe herunter, bis er ihn ablecken konnte. Er schmeckte salzig.
    »Na also«, sagte sein Vater. »Wir sind fast .«
    Von oben ertönte ein Geräusch, das wie das Schnüffeln eines Hundes klang.
    Der Mann wich zurück, und seine Finger bohrten sich schmerzhaft in den Arm seines Sohnes. Der Junge machte einen Satz, als sich die Speichertür langsam öffnete.
    Im Schein der Taschenlampe war nichts dahinter zu erkennen.
    Dann durchbrach ein heiseres Lachen die Stille. Für den Jungen klang es wie das Gekicher eines sehr alten Mannes.
    Aber was durch die Tür sprang, war kein alter Mann. Die Taschenlampe fiel zu Boden, und ihr Strahl beleuchtete eine haarlose Schnauze.

    Dan Jenson hörte den Schrei und wusste, dass er nicht länger auf Sweeny warten konnte. Er nahm die Browning-Schrotflinte aus ihrer Halterung, riss die Wagentür auf und stürmte auf die Straße. Er rannte an der von einer Straßenlaterne beleuchteten Bude vorbei, in der die Eintrittskarten verkauft wurden. HORRORHAUS stand auf einem Holzschild in roten, tropfenden Buchstaben, die an Blut erinnern sollten.
    Er drückte gegen das Drehkreuz, das jedoch nicht nachgab. Also sprang er darüber.
    Weitere Schreie ertönten. Die Schmerzensschreie eines Kindes.
    Jenson rannte die Treppe zur Veranda hinauf, wobei er immer zwei Stufen auf einmal nahm. Die Tür war verschlossen. Er ließ eine Patrone in die Kammer der Schrotflinte gleiten, zielte auf das Schloss und drückte ab. Die Waffe riss ein Loch in die Tür. Er trat sie ein und stürmte ins Foyer.
    Von oben hörte er reißende Geräusche und atemloses, tierisches Grunzen.
    Das Mondlicht reichte aus, um den Fuß der Treppe erkennen zu können. Er stieß sich am Geländer ab und rannte hinauf. Bald stand er in völliger Finsternis und musste sich am Geländer festhalten und vorsichtig weitertasten. Oben angekommen blieb er stehen und lauschte. Von links ertönten grunzende, knurrende Geräusche.
    In der Dunkelheit war ein einzelner heller Fleck auf dem Boden zu erkennen. Er stammte von einer Taschenlampe.
    Jenson brauchte diese Lampe. Aber sie lag zu weit weg, zu nahe an der unheimlichen Quelle dieses schnellen, lauten Keuchens.
    Mit der Schrotflinte im Anschlag rannte er auf die Taschenlampe zu. Seine Schritte hallten im Korridor wider, und sein eigenes scharfes Keuchen übertönte die anderen Atemgeräusche. Dann trat er auf etwas Rundes, ähnlich einem Baseballschläger, nur weicher. Möglicherweise ein Arm. Dann stolperte er über einen harten Gegenstand, spürte, wie seine Zähne aufeinanderschlugen, als er in die Finsternis stürzte. Die Schrotflinte quetschte beim Aufprall seine Finger.
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Beschreibung

Produktdetails

Einband Taschenbuch
Seitenzahl 1231
Erscheinungsdatum 04.08.2008
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-453-43351-9
Verlag Heyne
Maße (L/B/H) 20,7/13,7/5,2 cm
Gewicht 894 g
Originaltitel The Cellar/The Beasthouse/The Midnight Tour
Übersetzer Kristof Kurz
Verkaufsrang 45539
Buch (Taschenbuch)
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16,50
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Buchhändler-Empfehlungen

Genial!

Michaela Graf, Thalia-Buchhandlung Wels

Wieder ein tolles Buch von Laymon! Ich habe auch die anderen von ihm gelesen und wieder hat er es zu einem Meisterwerk gebracht. Es ist natürlich nichts für leichte Mägen, allerdings haben mich "Feuchtgebiete" mehr angeekelt. ;-)

Kundenbewertungen

Durchschnitt
28 Bewertungen
Übersicht
22
4
2
0
0

von einer Kundin/einem Kunden am 19.10.2018
Bewertet: anderes Format

Typisch Laymon inklusive Brutalität, Fantasy Elementen und sexistisch obszönen Szenen. Das Buch war zwar nicht ganz mein Fall, aber trotzdem spannend.

von einer Kundin/einem Kunden am 18.09.2018
Bewertet: anderes Format

Horror vom feinsten. Besser nicht kurz vorm Schlafen gehen lesen.

Absolutes Meisterwerk
von einer Kundin/einem Kunden aus Dresden am 08.05.2017

Ich persönlich bin ein riesen Fan der Horrorliteratur. Dabei darf Laymon's Keller auf keinen Fall fehlen! Dieses Buch ist ein Paradebeispiel eines Horrorromanes. Absolut krasse Story und sehr detailreich beschrieben. Nichts für schwache Nerven. Die über 1000 Seiten habe ich sehr schnell verschlungen. Habe bis dato nichts verglei... Ich persönlich bin ein riesen Fan der Horrorliteratur. Dabei darf Laymon's Keller auf keinen Fall fehlen! Dieses Buch ist ein Paradebeispiel eines Horrorromanes. Absolut krasse Story und sehr detailreich beschrieben. Nichts für schwache Nerven. Die über 1000 Seiten habe ich sehr schnell verschlungen. Habe bis dato nichts vergleichbares gelesen und für mich das beste Werk Laymons. Lest es, liebe Fans der Horrorliteratur!