Das Elend der Verschickungskinder

Kindererholungsheime als Orte der Gewalt

Anja Röhl

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Beschreibung

»Endlich! Anja Röhl hat ein erstes Grundlagenbuch über die gigantische Verdrängung einer kollektiven Traumatisierung von Millionen von Kindern durch Verschickungen geschrieben. Dank ihrer Beharrlichkeit und dem Mut zahlloser Betroffener beginnt nun die so notwendige Aufarbeitung.«
Karl-Heinz Brisch

Zwischen den 1950er und 1990er Jahren wurden in Westdeutschland zwischen acht und zwölf Millionen Kinder im Alter von zwei bis zehn Jahren auf kinderärztliches Anraten und auf Kosten der Krankenkassen ohne Eltern zur »Erholung« verschickt. Während der meist sechswöchigen Aufenthalte an der See, im Mittelgebirgsraum oder im Hochgebirge sollten die Kinder »aufgepäppelt« werden. Tatsächlich erlebten sie dort jedoch oft Unfassbares: Die institutionelle Gewalt, die sich hinter verschlossenen Türen ereignete, reichte von Demütigungen über physische Gewalt bis hin zu sexuellem Missbrauch. Betroffene leiden noch heute an den Folgen der erlittenen Traumata.

Anja Röhl gibt den Verschickungskindern eine Stimme und möchte die Träger ehemaliger Verschickungsheime in die Verantwortung nehmen. Sie zeigt, welches System hinter den Kinderkuren stand, und geht möglichen Ursachen für die dort herrschende Gewalt nach. Das Buch ist ein erster großer Schritt zur Aufarbeitung eines bisher unerforschten Bereichs westdeutscher Nachkriegsgeschichte und zur Anerkennung des Leids Betroffener.

Produktdetails

Einband Taschenbuch
Erscheinungsdatum 01.01.2021
Verlag Psychosozial
Seitenzahl 305
Maße (L/B/H) 21,1/14,7/2,6 cm
Gewicht 449 g
Reihe Sachbuch Psychosozial
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-8379-3053-5

Kundenbewertungen

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Ein kluges und einfühlsames Buch über ein lange verschüttetes Thema
von einer Kundin/einem Kunden aus Berlin am 29.01.2021

Selbst eines der Verschickungskinder kann ich dieses Buch nur allen wärmstens ans Herz legen, die mehr über das Thema Kinderverschickungen erfahren wollen. Historisch klug eingebettet und dennoch voller Empathie für die Kinder, die diese furchtbaren "Erholungsreisen" machen mussten. Empfehlung: Tasse Tee und lesen, einfach nur ... Selbst eines der Verschickungskinder kann ich dieses Buch nur allen wärmstens ans Herz legen, die mehr über das Thema Kinderverschickungen erfahren wollen. Historisch klug eingebettet und dennoch voller Empathie für die Kinder, die diese furchtbaren "Erholungsreisen" machen mussten. Empfehlung: Tasse Tee und lesen, einfach nur lesen. Es tut gut zu erfahren, dass man mit diesen furchtbaren Erlebnissen nicht alleine ist.


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  • Das Verdrängte kehrt zurück – Vorbemerkung

    Verschickungskinder finden sich
    Erste Schritte zur Aufarbeitung
    Erste Indizien
    Aufarbeitung und Anerkennung des Leids

    Ein Blick in die Literatur
    Kinderverschickung – bisher kein Forschungsgegenstand
    Medizinische Pädagogik in pädiatrischer Fachliteratur
der 1950er und 1960er Jahre
    Hände hoch! Medienresonanz

    »Verschickung« – Versuch einer kritischen Annäherung
    Begriff, Definition und historischer Hintergrund
    Erste Zahlen für die 1960er Jahre
    Diagnostik im Sinne des Geschäftsmodells
    Bedingungen des Aufenthalts

    Kindererholungsheime
    Die Kinderheilstätte Seehospiz auf Norderney
    Heime und Berichte der Nordseeinsel Föhr
    Heime und Berichte der Insel Borkum
    Bad Salzdetfurth als Kinderheim-Heilbad
    Der Kurort Bad Rothenfelde und seine Heime
    Der Heimkurort Bad Sachsa
    Berchtesgaden
    Scheidegg

    Erste empirische Zahlen
    Bestrafungen für unwillkürliche Vorgänge
    Zu Demografie und Trägeranalyse

    Ursachensuche
    Erster Ursachenstrang: Biografische Prägung während des Nationalsozialismus
    Zweiter Ursachenstrang: Prägung durch NS-Schwesternschaft und Pflegeberuf
    Dritter Ursachenstrang: Strafende Pädagogik
    Vierter Ursachenstrang: »Totale Institution«
    Fünfter Ursachenstrang: NS-Geschichte der Kinderheilkunde
    Sechster Ursachenstrang: Balneologie sowie Klimaheilkunde und -therapie
    Siebter Ursachenstrang: Medizinische Forschungen
    Achter Ursachenstrang: Ökonomie und Rendite
    Neunter Ursachenstrang: Sadismus

    Für eine empathische Pädagogik – Schlussbemerkung

    Literatur

    Danksagung