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„So ich noch lebe …“

Meine Annäherung an den Großvater. Eine Geschichte von Mut und Denunziation

EINE ZUTIEFST PERSÖNLICHE UND BEWEGENDE SPURENSUCHE: DIE GESCHICHTE EINER DENUNZIATION IM DRITTEN REICH.

DOKUMENTATION EINES MENSCHLICHEN SCHICKSALS IN DER NATIONALSOZIALISTISCHEN UNRECHTSJUSTIZ
Lange vor der Geburt seines Enkels Wolfgang WIRD HUGO PATERNO UMGEBRACHT. Der Zollbeamte aus Vorarlberg und streng gläubige KATHOLIK wird Opfer der im NATIONALSOZIALISMUS so alltäglichen wie folgenschweren und erbarmungslosen Praxis der DENUNZIATION: Einer Aussage eines Arbeitskollegen gemäß habe er sich abfällig über das NS-REGIME geäußert, was ihm eine Strafversetzung nach Innsbruck einbringt. Eine weitere Denunziation trennt ihn nicht nur räumlich von seiner Familie, sondern KOSTET IHN DAS LEBEN: 1944 wird Hugo Paterno in München-Stadelheim hingerichtet. Zurück bleiben eine alleinerziehende Mutter, vier Halbwaisen und viele offene Fragen.

EINDRÜCKLICH UND HERVORRAGEND RECHERCHIERT: FAMILIENGESCHICHTE, DIE AUCH WELTGESCHICHTE IST:
Großvater Hugo ist für Wolfgang Paterno ein Unbekannter, ein Ausgelöschter. In seinem Buch NÄHERT SICH DER JOURNALIST BEHUTSAM SEINER GESCHICHTE: EINEM INDIVIDUELLEN UND GLEICHZEITIG EXEMPLARISCHEN SCHICKSAL IN DER NS-ZEIT. Wolfgang Paternos SPURENSUCHE ist geprägt von spärlichem, unpersönlichem Material, wie PROTOKOLLEN UND PROZESSAKTEN. Nur wenige Menschen können – oder wollen – mit ihm über das Vorgefallene sprechen. An ARCHIVMATERIAL zu kommen wird zum Kraftakt. Doch der Enkel will ANTWORTEN AUF FRAGEN, die ihn nicht loslassen: Wer war dieser Mann? Welche Menschen, welche POLITISCHEN UND GESELLSCHAFTLICHEN MECHANISMEN haben ihn auf dem Gewissen? Wie gehen die HINTERBLIEBENEN mit diesem Schicksal um – die Nachkommen der OPFER, aber auch der TÄTER?
Portrait
WOLFGANG PATERNO, geboren 1971, studierte Deutsche Philologie, Geschichte und Publizistik in Wien. Seit 2005 ist er Redakteur des Nachrichtenmagazins profil. Er veröffentlichte zahlreiche Artikel, u. a. im FALTER und der ZEIT, sowie Bücher zu historischen und literarischen Themen, zuletzt etwa „Faust und Geist – Literatur und Boxen zwischen den Weltkriegen“ (2017), „Ein Jahrhundert Leben. Hundertjährige erzählen“ (gemeinsam mit Eva Walisch, 2018) und „Das erste Mal. Autorinnen und Autoren über ihr erstes Buch“ (2019).
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Beschreibung

Produktdetails

Einband gebundene Ausgabe
Seitenzahl 304
Erscheinungsdatum 23.03.2020
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-7099-7289-2
Verlag Haymon Verlag
Maße (L/B/H) 21,1/13,6/3,2 cm
Gewicht 440 g
Auflage 2. mit zahlreichen Abbildungen
Verkaufsrang 45961
Buch (gebundene Ausgabe)
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inkl. gesetzl. MwSt.
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Schweigen der Generationen
von Buecherseele79 am 28.03.2020

„Held bin ich ja“, aber nur ein trauriger. Warum musste ich nur so dumm sein und jetzt meinen Lieben solche Not auferlegen?“ (Seite 216) Wolfgang Paterno begibt sich auf Spurensuche seine Großvaters Hugo Paterno. In der Familie ist er der leise „Geist“, der Opa ohne Kopf, man verschweigt ihn lieber, spricht sehr selten von ihm... „Held bin ich ja“, aber nur ein trauriger. Warum musste ich nur so dumm sein und jetzt meinen Lieben solche Not auferlegen?“ (Seite 216) Wolfgang Paterno begibt sich auf Spurensuche seine Großvaters Hugo Paterno. In der Familie ist er der leise „Geist“, der Opa ohne Kopf, man verschweigt ihn lieber, spricht sehr selten von ihm, legt ein Tuch der Stille über Dinge die sich damals zugetragen haben. Das Leben seines Großvaters passt in zwei Aluminiumkisten, mit ihren Inhalten versucht der Enkel Wolfang Paterno das Leben seines Großvaters zu „rekonstruieren“. Vorweg – dieses Buch ist absolut lesenswert weil es eine Geschichte aufzeigt die im damaligen Nationalsozialismus täglich zigtausend Mal geschehen ist. Und dieses Buch, diese Familientragödie möchte ich schon sagen, zeigt ebenfalls auf dass ein Verbrechen, eine Denunziation wie in diesem Fall, auch noch auf weitere Generationen übergeht, dass dieses Verbrechen, dieser Schatten wie hier bei Hugo Paterno, weiterhin auf allen liegt. Hugo Paterno war 4facher, stolzer Familienvater, sehr verliebt in seine Frau Maria und ein sehr gottesfürchtiger Mann. Wer sich mit dem Nationalsozialismus auskennt weiss aber dass dies zu Zeiten des Dritten Reiches gar nicht gerne gesehen war. Und doch war Hugo in seinem Glauben, in seiner ehrlichen Art unerschütterlich. Als Zollbeamter macht Hugo Karriere, ist bei vielen für seine hilfsbereite und höfliche Art bekannt. Und doch stammt er von italienischen Wurzeln ab, was vor dem Nationalsozialismus schon schwer war wird jetzt nicht leichter. Und doch lässt er sich weiterhin nicht unterkriegen, mit dem Dritten Reich und seinen glühenden Anhängern, Orden und Vereinen haben Hugo und seine Frau Maria nicht sonderlich viel zu tun. Schon 1938 wird Hugo bei oberen Stellen „gemeldet“ weil er nicht von Glauben Abstand nimmt, mit seiner Meinung aber auch nicht hinter dem Berg hält. Eine ehrliche Seele eben. Ab da haben ihn Vorgesetzte und andere Abteilungen auf dem Schirm. 1940 geschieht eine erneute Denunziation die Hugo einiges in seinem Job kosten wird. Doch der „finale“ Schlag gegen ihn erfolgt 1943 als eine Frau ihn erneut denunziert und Hugo von der Gestapo festgenommen wird. Anhand von Bildern, Briefen, Ausweisen, Schriftstücken und Dokumente versucht hier der Autor Wolfang Paterno seinen Großvater zum Leben zu erwecken, was ihm sehr gut gelingt. Er fügt Briefe, Fotos und Dokumente in dem Buch bei, es gibt einen großen Anhang zum Ende und alles ist gut recherchiert, sehr verständlich und vor allem voller Gefühle zu lesen. Man merkt wie sehr dem Autor das Schicksal seines Großvaters nahe geht, wenn man 2 Kisten hat und mehr nicht, aber ihn nie vor sich stehen hatte, ihn nie lachen, fluchen, schimpfen oder hat reden hören. Ein Versuch einen Menschen zu zeigen von dem man aber nicht alles weiß. Wie schon oben erwähnt ist dieses Buch auch so lesenswert weil man hier merkt wie sehr eine Familie , noch heute, unter dieser Denunziation leidet. Was dies mit ihnen gemacht hat, das Schweigen, das nicht darüber reden, das sich schämen, obwohl es keinerlei Gründe dafür gibt. Das Verhalten der Täter, deren Enkel, Weggefährten von Hugo die noch leben, werden auch genannt und kommen zu Wort, ebenso was nach dem Zerfall des Dritten Reiches mit dem Fall „Hugo Paterno“ geschehen ist. Ein Buch was ich für sehr wichtig empfinde und ich dem Autor für seine Spurensuche einen sehr großen Respekt aussprechen möchte. Eine klare Leseempfehlung.

Sehr berührend!
von einer Kundin/einem Kunden aus Cottbus am 23.03.2020

Über LOVELYBOOKS durfte ich das Buch " So ich noch lebe " testlesen. Autor : Wolfgang Paterno Handlung : Eine zutiefst persönliche und bewegende Spurensuche: die Geschichte einer Denunziation in der NS-Zeit. Dokumentation eines menschlichen Schicksals in der nationalsozialistischen Unrechtsjustiz Lange vor der Ge... Über LOVELYBOOKS durfte ich das Buch " So ich noch lebe " testlesen. Autor : Wolfgang Paterno Handlung : Eine zutiefst persönliche und bewegende Spurensuche: die Geschichte einer Denunziation in der NS-Zeit. Dokumentation eines menschlichen Schicksals in der nationalsozialistischen Unrechtsjustiz Lange vor der Geburt seines Enkels Wolfgang wird Hugo Paterno umgebracht. Der Zollbeamte aus Vorarlberg und streng gläubige Katholik wird Opfer der im Nationalsozialismus so alltäglichen wie folgenschweren und erbarmungslosen Praxis der Denunziation: Einer Aussage eines Arbeitskollegen gemäß habe er sich abfällig über das NS-Regime geäußert, was ihm eine Strafversetzung nach Innsbruck einbringt. Eine weitere Denunziation trennt ihn nicht nur räumlich von seiner Familie, sondern kostet ihn das Leben: 1944 wird Hugo Paterno in München-Stadelheim hingerichtet. Zurück bleiben eine alleinerziehende Mutter, vier Halbwaisen und viele offene Fragen. Mein Fazit : Anfangen möchte ich meine Rezension heute mit einem Zitat : " Und immer sind da Spuren deines Lebens, Gedanken, Bilder und Augenblicke. Sie werden uns an dich erinnern, uns glücklich und traurig machen und dich nie vergessen lassen. " In dem Buch " So ich noch lebe " erzählt der Enkel Wolfgang Paterno die sehr bewegende Lebensgeschichte seines Großvaters , der wegen regimekritischer Aussagen am 7. Juli 1944 hingerichtet wurde. Ein sehr bewegender Roman .... Das Cover gefällt mir sehr gut und auf dem Foto sieht man Hugo Paterno , mit seiner Frau Maria und seiner Tochter. Das Bild einer glücklichen Familie die zerstört wurde.... Der Schreibstil des Autors ist einfach und flüssig, er erzählt die Geschichte seines Großvaters in einfachen , aber sehr prägnanten Worten. Man ist sofort von der Geschichte gefesselt und möchte die Fragen die sich der Autor stellt , beantwortet haben. * Wer war dieser Mann? ( der Großvater ) Ein sehr netter liebenswerter Mensch, der seine Familie liebte , seine Frau Maria und seine 4 Kinder. Seinen Beruf als Zollwachbeamter liebte . Ein streng gläubiger Katholik. Ein Mensch der nicht viel auffiel und eher zurückgezogen lebte . Von seinem Leben blieben nur einige Gegenstände zurück : ein Bajonett aus dem 1. Weltkrieg , eine grüne Uniformjacke , viele Fotos....... 1944 wird Hugo Paterno in München-Stadelheim hingerichtet. Zurück bleiben eine alleinerziehende Mutter, vier Halbwaisen und viele offene Fragen. * Welche Menschen , politischen und gesellschaftliche Mechanismen haben ihn auf dem Gewissen? Zitat : " Einer Aussage eines Arbeitskollegen gemäß habe er sich abfällig über das NS-Regime geäußert, was ihm eine Strafversetzung nach Innsbruck einbringt. Eine weitere Denunziation trennt ihn von seiner Familie und schließlich wird er hingerichtet " Warum wird Hugo P. denunziert von seinem Kollegen , nur weil er angeblich eine falsche Äußerung gemacht hat ? Da muss mehr dahinter stecken . Ich denke Neid unter Kollegen spielte da auch eine große Rolle. Äußerungen die nie gesagt oder verdreht wurden und schließlich führte das zu seinem Todesurteil...... Menschen die einfach von der Bildfläche verschwinden sollten , weil sie nicht mehr ins Regime passten , weil sie lästig wurden , weil der Kollege den Posten haben wollte.....Es gab viele Gründe für Denunzierungen. Aber kaum einer machte sich Gedanken über die Schicksale die dahinter stehen. * Wie gehen die Hinterbliebenen damit um? Das 1. Gnadengesuch was Maria am 12. Mai 1944 an den Berliner Reichsminister für Justiz geschrieben hat und das 2. an Adolf Hitler persönlich, hat mich tief im Herzen berührt... Als ich die persönlichen , herzzerreißenden Briefe von Hugo P. an seine Frau Maria und seine Kinder gelesen habe, stieg die Wut in mir auf. Wut auf den Denunzanten , seine Frau und den Schwager. Man fragt sich immer wieder , Warum ??? Hatten diese Menschen kein Gewissen? Auch wenn sie am Ende bestraft wurden , sie haben mutwillig ein Leben ausgelöscht. Der Frau den liebenden Ehemann genommen und den Kindern den Vater.... Was ist ein Menschenleben wert ? Die Geschichte über Hugo Paterno läßt den Leser sprachlos zurück. Dem Autor ist es gelungen mit diesem Buch seinem Großvater ein " Denkmal " zu setzen. Es ist nur " ein " bewegendes Einzelschicksal aus der Zeit des Nationalsozialismus , aber es wird die Leser berühren. Man merkt das der Autor das Buch mit sehr viel Herzblut geschrieben und sehr gut recherchiert hat. Die vielen Fotos, Kopien von Dokumenten unterstreichen die Geschichte.

Noch fünf Sterne für eine bewegende Spurensuche und einen wertvollen Beitrag gegen das Vergessen
von Elke Seifried aus Gundelfingen am 22.03.2020

„Hätte Hugo sein Maul gehalten, wäre er nicht der Großvater ohne Kopf gewesen. Womöglich hätte ich ihn dann gefragt: Was hast du damals im Krieg gemacht? Wie war das damals? Gut möglich aber auch, dass wir nie darüber gesprochen hätten. Mit etwas Glück wäre Hugo bei meiner Geburt am Leben gewesen, ein Mann von 75 Jahren, der vie... „Hätte Hugo sein Maul gehalten, wäre er nicht der Großvater ohne Kopf gewesen. Womöglich hätte ich ihn dann gefragt: Was hast du damals im Krieg gemacht? Wie war das damals? Gut möglich aber auch, dass wir nie darüber gesprochen hätten. Mit etwas Glück wäre Hugo bei meiner Geburt am Leben gewesen, ein Mann von 75 Jahren, der vielleicht jede Frage weggelächelt hätte. Lange Zeit bin ich nicht auf die Idee gekommen, dass er in Wahrheit ein Held meines Lebens ist.“ Der Journalist Wolfang Paterno hat seinen Großvater Hugo nie kennengelernt, weiß nur, dass er 1944 wegen Wehrkraftzersetzung geköpft wurde. Die Erkenntnis, dass der Opa sein Held gewesen und über den man unbedingt mehr erfahren muss, einmal gefällt, galt„ Zu Beginn der Spurensuche, im Sommer 2010, stand ein Briefbündel […] Dazu die Geschichten über Hugo, die nie auserzählt, immer nebenher fallengelassen wurden, umnebelt blieben. Ein Großvater ohne Kopf, der einem nichts weiter hinterlässt als einen Packen ungelesener Briefe und verstreute Erzählungen.“ Hatte der Autor zu Beginn seiner Suche nur einen Bündel Briefe, hat er nach jahrelanger Suche zwei Aluminiumkisten mit je 47 Liter Fassungsvermögen gefüllt. Allein schon das zeigt die Tatsache, wie intensiv er seine Spurensuche betrieben hat. Auch im Buch wird sehr deutlich, welch einen Aufwand dieses Aufspüren von kleinen Puzzleteilchen wohl bedeutet, wie genau er ein jedes einzelne untersucht haben muss. Ein jedes war ihm wohl auch enorm wenig und eine Auswahl bekommt man hier als Leser in Form von Abbildungen von Fotos, Taufscheinen, Briefen, Büchern, Meldezetteln, Zeugen- und Vernehmungsprotokollen, Ausschnitten aus Gerichtsakten oder Anschuldigungsschriften oder auch Zeugenprotokollen geboten. Anhand dieser Bruchstücke rekonstruiert er die Lebensgeschichte seines Großvaters, nähert sich ihm so langsam und lässt den Leser daran teilhaben, sodass man am Ende des Buchs eine ziemlich genaue Vorstellung davon bekommt, welch ein Mann Hugo wohl gewesen sein muss, wie sein Leben verlief und wie es zu dem Todesurteil kommen konnte und auch auf die Zeit danach wird ein Blick geworfen. Es geht los mit der Geburtsurkunde. Hugo Paterno ist Sohn einer italienischen Gastarbeiterfamilie, die in Vorarlberg heimisch geworden ist, hat im Ersten Weltkrieg auf Seiten Österreich-Ungarns gekämpft hat und wurde dann Zollwachbeamter. Man lernt ihn als einen Beamten, der seinen Dienst außerordentlich gewissenhaft versieht, der von seinen Vorgesetzten gelobt wird und dem man auch Führungsaufgaben übertragen werden, kennen. Man erfährt von seiner Frau und ihren vier Kindern, von seiner tiefen Gläubigkeit und auch von seiner Ablehnung der Naziparolen. Ein streng gläubiger Katholik passt nicht ins Bild und eine unbedachte Äußerung, die in die falschen Ohren gelangt, führen zu einer ersten Denunziation. Einbußen im Verdienst und Strafversetzung von seinem Heimatort Lustenau nach Innsbruck sind die Folge. Dort wird es erneut denunziert und dann gilt, „Der Oberfinanzpräsident weiß die Klaviatur ungezügelter Feindseligkeit zu bedienen. Das Agitieren gegen Hugo wächst sich aus.“, er wird inhaftiert. In einem Prozess, der für Hugo von vornherein verloren ist, wird er zum Tod verurteilt. Da auch alle Versuche, die Urteilsvollstreckung zu verhindern, scheitern, wird Hugo Paterno wird in München-Stadelheim von Staats wegen exekutiert und so zum Großvater ohne Kopf. Wolfang Paterno ist Journalist, er vermag sich auszudrücken gar keine Frage und die Darstellungen sind leicht verständlich zu lesen. Er konnte mich auch emotional fesseln. War ich doch oft sprachlos ob der Ungerechtigkeiten oder der Widerwärtigkeiten mancher Menschen, die mir so gar nicht in den Kopf wollten. Was veranlasst jemanden dazu, einen anderen bei einer Behörde anzuzeigen, welch niedere Beweggründe müssen das sein, waren Fragen, die ich mir oft gestellt habe. Bei Sätzen wie „Purer Zynismus ist, wenn sich Denunzianten, den roten Faden eines Lebenslaufs durchschnitten haben, nach ihrer Tat unschuldig bekennen.“, und den dazu passenden Zeugenaussagen dazu, habe ich so auch regelrecht Hass aufkommen verspürt. Da schon ich, als nicht Familienmitglied, von der Geschichte so betroffen bin, kann ich gut nachvollziehen, dass der Autor auch einem jeden der hier verarbeiteten Dokumente so akribische Aufmerksamkeit widmet. Für mich hat sich so die eine oder andere Wiederholung ergeben. Ein Einzelschicksal, ganz klar, aber ein wertvoller Beitrag, um das Wissen um die Naziverbrechen zu erweitern und nichts könnte eindringlicher sein als eine wahre Geschichte. Richtig gut hat mir auch gefallen, dass man so eben auch Details erfährt, die so nicht im Geschichtsbuch stehen, wie z.B. die Werbeversprechen der Bausparkasse Wüstenrot, die in Kriegszeiten per Flyer fürs Sparen wirbt. „Hugos Eintritt in das Beamtenverhältnis wird im Nachhinein herabgewürdigt – dem Taugenichts sei es gelungen, in der Zollwache „unterzukommen“.“ Alle Unterlagen werden zurechtgebogen, eine Verhandlung, die einer Farce gleicht, und danach will niemand mehr etwas davon wissen. Als Leser erhält man hier einen guten Einblick in das Unrechtssystem der Nazidiktatur, wird Zeuge wie Denunziation Leben zerstört, und so wieder dankbarer in einer Demokratie leben zu dürfen, schon allein deshalb lohnt es sich für einen jeden dieses Buch zu lesen. Wünschenswert wäre natürlich auch wenn aktuelle Hass-Parolen aufgrund dieses Buches wieder mehr hinterfragt werden.