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Middle England

Roman

Transfer Bibliothek Band 148

Der Brexit spaltet die britische Gesellschaft und ganz Europa – Coes klug-ironische Komödie zeigt, wie es dazu kommen konnte.
Benjamin Trotter zieht in eine romantische Wassermühle in die Grafschaft Shropshire, ins Herz des ländlichen England, um seinen Roman, an dem er schon 30 Jahre arbeitet, zu beenden. Seine Nichte Sophie fühlt sich im multikulturellen London zu Hause, lebt aber nach der Heirat mit ihrem Mann in der Provinz und spürt ein zunehmendes Unbehagen; ist auch er so fremdenfeindlich wie seine Mutter? Doug, Journalist und Labour-Anhänger, schämt sich für sein luxuriöses Leben im reichen Chelsea, das sich kaum jemand noch leisten kann. In den vermeintlich idyllischen Midlands mit festen Werten und Traditionen kommt eine bizarre Sehnsucht nach Englishness auf, und eine tiefe Kluft zieht in diesem abgehängten Landesteil durch alle menschlichen Beziehungen. Ab wann lief alles schief? Dieser unterhaltsame und fein gesponnene Gesellschaftsroman blickt tief in die Seele des englischen Wesens.
Portrait
Jonathan Coe, 1961 in Birmingham geboren, studierte in Cambridge und Warwick, lebt in London. Er zählt zu den wichtigsten und witzigsten lebenden zeitgenössischen britischen Autoren. Zahlreiche Auszeichnungen, u. a. Prix Médicis, Ordre des Arts et des Lettres. Seine Bücher sind in viele Sprachen übersetzt: u. a. Die Familie Winshaw, Das Haus des Schlafes, Die ungeheuerliche Einsamkeit des Maxwell Sim. Zuletzt auf Deutsch bei Folio ist erschienen: Nummer 11 (2017).
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Beschreibung

Produktdetails

Einband gebundene Ausgabe
Seitenzahl 480
Erscheinungsdatum 11.02.2020
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-85256-801-0
Verlag Folio
Maße (L/B/H) 21,8/14,6/4,5 cm
Gewicht 715 g
Auflage 1
Übersetzer Cathrine Hornung, Dieter Fuchs
Verkaufsrang 372
Buch (gebundene Ausgabe)
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Benjamin Totter ist Schriftsteller. Als er beschließt, aufs Land zu ziehen, wird er von Familie und Freunden eher bemitleidet als bewundert. Er hat eine wunderschöne, alte Mühle gekauft und umgebaut. Nun ist er nach dem Begräbnis seiner Mutter auf dem Weg dorthin. Ein idyllischer Fleck Erde, der nun sein Eigentum ist. Benjamins Mühle wird der Treffpunkt für Familie und Freunde. Viele Gedanken beschäftigen Benjamin. Seine Familie, seine Freunde, sein Buch, sein eigenes Leben und die Veränderungen die immer klarer sichtbar werden.

Kundenbewertungen

Durchschnitt
9 Bewertungen
Übersicht
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von einer Kundin/einem Kunden am 28.03.2020
Bewertet: anderes Format

Der Brexit und wie es dazu kommen konnte. Der Autor Jonathan Coe zeigt uns an Hand der Familie Trotter und deren Freunden, über einen Zeitraum von 10 Jahren, wie sich Einstellungen, Ansichten und Überzeugungen schleichend verändern können. Gute britische Unterhaltung!

Very british- im besten Sinne
von einer Kundin/einem Kunden am 17.03.2020

Wer die Briten verstehen will und nachvollziehen möchte, wie es zum Brexit kommen konnte, der muss dieses Buch lesen (am besten im englischen Orginal). Drei Generationen einer Familie erleben ihr Heimatland und dessen Entwicklung auf völlig unterschiedliche Weise. Traurig, komisch, britisch- top!

Order, Ladies and Gentlemen!!
von einer Kundin/einem Kunden am 09.03.2020

Fragen Sie sich auch, wie nur um Himmels Willen es zum Brexit kommen konnte? Und - wenn wir schon dabei sind - warum wurde dieses fatale Referendum von der Regierung Cameron überhaupt angesetzt? Sie könnten es nun mit Asterix halten und achselzuckend sagen: die spinnen eben, die Briten! Oder: Sie lesen "Middle England" von Jonat... Fragen Sie sich auch, wie nur um Himmels Willen es zum Brexit kommen konnte? Und - wenn wir schon dabei sind - warum wurde dieses fatale Referendum von der Regierung Cameron überhaupt angesetzt? Sie könnten es nun mit Asterix halten und achselzuckend sagen: die spinnen eben, die Briten! Oder: Sie lesen "Middle England" von Jonathan Coe. Definitiv die bessere Alternative, ja, geradezu ein kluge Entscheidung. In "Middle England" befinden wir uns auf zweierlei Weise im Herzen Englands: regional und gesellschaftlich. Wer die Bücher von Jonathan Coe kennt (leider in Deutschland immer noch viel zu wenige), kennt auch die Trotters aus Birmingham, deren Mikrokosmos aus Familie und Freunden in zwei früheren Romanen bereits die 70er und 90er Jahre - stellvertretend für die englische Gesellschaft - durchlebte und durchlitt. Die Trotters und alle, die irgendwie zu ihnen gehören, bilden sozusagen den Seismographen des englischen Mittelstands, an dessen Ausschlägen Coe misst, was die politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Veränderungen und Zäsuren mit den Menschen, die sich gezwungenermaßen mit ihnen auseinandersetzen und arrangieren müssen, machen. Middle England spielt zwischen den Jahren 2010 und 2018, also gewissermaßen zwischen Finanzkrise und Brexit. 2012 finden in London die olympischen Sommerspiele statt, und es scheint als erlebe England noch einmal, ein letztes Mal, ein berauschendes Wir-Gefühl. Die Menschen sitzen vor ihren Fernsehern und verfolgen gebannt die Eröffnungsfeier im neu gebauten Olympiastadion. Die grandiose Show (Sie erinnern sich an Mr. Bond und Her Majesty The Queen beim Fallschirmsprung aus dem Helikopter?) ist eine Reise durch die englische Geschichte im Zeitraffer, die allen, auch den Trotters und ihren Trabanten, vor Augen führt, was das Land an Großem und Umwälzenden hervorgebracht hat, und jeder kann sich als Teil davon begreifen. Aber eine Show ist letztlich immer eine Illusion, und während selbst die kritischeren Geister vor dem Fernseher begeistert in nostalgisch - nationalen Gefühlen schwelgen, ist die gesellschaftliche Realität, in Nüchternheit betrachtet, eine ganz andere. Die Sicherheit der vermeintlich verlässlichen Selbstverortung des Einzelnen in der englischen Gesellschaft scheint lange dahin. Finanzielle Großdesaster, massive Deindustrialisierung, zunehmende Migration, ausgeprägte Individualisierung, all das hat längst zu massiven Unsicherheiten und Rissen kreuz und quer durch eine Gesellschaft geführt, die wohl niemals eine gerechte war, in der aber, der nostalgischen Legende nach, jeder seinen Platz und seinen Wert kannte. Die aus ihrer (Selbst-)Zufriedenheit aufgestörte Mittelschicht reagiert darauf auf unterschiedliche Weise: mit massivem, unterschwellig schon lange gepflegtem Misstrauen gegen jegliche Veränderung, mit wohlfeilen Schuldzuweisungen, von wo aus der Weg zum mehr oder weniger offen gezeigten Rassismus nicht mehr weit ist; aber auch – und das betrifft besonders ihren jüngeren, eher urban geprägten und gebildeten Teil - mit Aufbruch, Sehnsucht nach mehr (internationaler) Öffnung, aber auch unversöhnlicher Rebellion, die ihrerseits wieder neue Gräben aufreißt. Manch einer, wie bspw. Benjamin Trotter, Mittfünfziger und verhinderter Autor, wählt angesichts eines gefühlten Außenseitertums und der verwirrenden Unübersichtlichkeit gesellschaftlicher Entwicklungen die innere Emigration, indem er sich in eine tolkiensche Auenlandidylle zurückzieht und still und staunend lange Zeit lediglich kopfschüttelnd beobachtet. Benjamins langjähriger Freund Doug dagegen, ist - als eher linker Journalist und politischer Kolumnist – stets ganz nahe an der Politik und ihren absurden Entscheidungen und Figuren, die ihrerseits (zumindest teilweise) das bizarre Ergebnis des englischen Bildungs- und Gesellschaftssystems sind (was man nicht zwingend an merkwürdigen Frisuren oder einem extravaganten Schuhtick erkennt, aber es passt so schön ins Bild…..) Wirklich klüger macht ihn diese Nähe zur politischen Klasse nicht, bestenfalls fassungslos, schlimmstenfalls zynisch. Wer hätte gedacht, dass er sich in eine konservative Politikerin verlieben würde und beide am Ende als vermeintliche Verräter ihrer Überzeugungen dastehen? Angesichts dieser allgemeinen Unübersichtlichkeit und der deutlichen Verhärtung gesellschaftlicher Fronten, könnte man natürlich auch die tatsächliche Emigration wählen und sich, wie Benjamin Trotter, außerhalb Englands eine kleine multikulturelle Idylle schaffen, gewissermaßen eine eigene kleine EU, aber dann ist man eben auch nicht mehr in England…. Jonathan Coe hat einen mitreißenden, hochaktuellen Roman geschrieben, der immer wieder, geradezu zwangsläufig, satirische Züge annimmt. Er ist ein wacher und präziser Beobachter und seine Analyse der gesellschaftlichen und politischen Entwicklung seines Landes bestechend – einer Entwicklung, die uns auf dem Kontinent, bei aller nationalen und historischen Unterschiedlichkeit zu England, vertrauter ist, als uns womöglich lieb sein kann. Dabei ist Coe ein blendender, (selbst-)kritischer und empathischer Erzähler, der die Kunst der ironischen Brechung in Perfektion beherrscht, der seine Figuren liebt und gleichzeitig entlarvt und dem auch blanker Sarkasmus durchaus nicht fremd ist. Und der obendrein keinen Zweifel an seiner eigenen politischen Position lässt. Die mag einem gefallen oder nicht, um eine Auseinandersetzung damit kommen wir nicht herum. Am Ende geht es auch um die Frage: wer wollen wir sein, und wie wollen wir leben? Warten wir es ab, womöglich werden wir den Trotters in ein paar Jahren wieder begegnen, wenn der Brexit längst endgültig vollzogen und ihre (und unsere) Welt neu geordnet ist….