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Feuerklingen / Klingen-Romane Bd.2

Roman. Deutsche Erstausgabe

Klingen-Romane Band 2


Der Fantasy-Überraschungserfolg

Ein Barbar, ein Inquisitor, ein Magier – mit seinen einmaligen Helden schuf Joe Abercrombie ein außergewöhnliches Fantasy-Erlebnis. Nach dem großen Erfolg von „Kriegsklingen“ beweist der junge Autor in seinem zweiten Roman einmal mehr, dass die Zukunft der Fantasy schon jetzt begonnen hat!

Für Logen, den Barbarenkrieger, der eigentlich nur seine Ruhe haben will, und den zynischen Großinquisitor Glokta, der eigentlich durch nichts zu erschüttern ist, hat die Begegnung mit einer lebenden magischen Legende alles verändert. Und so finden sie sich plötzlich im Zentrum von Geschehnissen wieder, bei denen es um nichts Geringeres als die Zukunft des Reichs geht …

Portrait
Abercrombie, Joe
Joe Abercrombie arbeitet als freischaffender Fernsehredakteur und Autor. Mit seinen weltweit erfolgreichen Romanen um den Barbaren, den Inquisitor und den Magier hat er sich auf Anhieb in die Herzen aller Fans von packender, düsterer Fantasy geschrieben und schaffte es bereits mehrmals auf die Times-Bestsellerliste. Joe Abercrombie lebt mit seiner Frau und seinen Kindern in Bath.
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  • Verdammter Nebel. Er gerät einem in die Augen, bis man nicht mehr als ein paar Schritte weit sehen kann. Er gerät einem in die Ohren, bis man nichts mehr hört, und wenn doch, dann weiß man nicht, aus welcher Richtung die Geräusche kommen. Er gerät einem in die Nase, bis man nichts mehr riecht außer Feuchtigkeit und Nässe. Verdammter Nebel. Er ist ein Fluch für jeden Kundschafter.
    Ein paar Tage zuvor hatten sie die Weißflut überquert, den Norden verlassen und Angland erreicht, und den ganzen Weg über war der Hundsmann äußerst angespannt gewesen. Ein fremdes Land zu erkunden, während dort Krieg herrschte, der sie eigentlich nichts anging. Von Dreibaum einmal abgesehen, war keiner von ihnen je aus dem Nordland herausgekommen. Außer Grimm vielleicht. Der sagte nicht, wo er gewesen war.
    Sie waren an einigen niedergebrannten Höfen vorbeigekommen, an einem Dorf, in dem niemand zu sehen gewesen war. Unionsgebäude, groß und solide. Spuren hatten sie entdeckt von Pferden und Menschen. Viele Spuren, aber nie hatten sie diejenigen zu Gesicht bekommen, die sie hinterlassen hatten. Hundsmann wusste allerdings, dass Bethod nicht weit sein konnte. Sein Heer hatte sich auf der Suche nach neuen Dörfern zum Niederbrennen, nach Nahrung zum Stehlen und nach Menschen zum Töten über das ganze Land verteilt. Seine Krieger brachten Unheil, wohin sie nur kamen. Er würde auch überall seine Kundschafter haben. Wenn er den Hundsmann schnappte oder einen der anderen, würden sie wieder zu Schlamm werden, aber nicht auf die schnelle Weise. Blutkreuz, aufgespießte Köpfe, das ganze Programm wartete dann auf sie, da war sich Hundsmann sicher.
    Wenn die Union sie erwischte, waren sie aller Wahrscheinlichkeit nach genauso tot. Es herrschte immerhin Krieg, und im Allgemeinen dachten die Leute im Krieg nicht allzu lange nach. Hundsmann ging nicht davon aus, dass sich jemand die Zeit nahm, um einen freundlich gesinnten Nordmann von einem feindseligen zu unterscheiden. Das Leben war voller Gefahren, das war nun mal so. Diese Umstände reichten, um jeden nervös zu machen – und den Hundsmann, der schon zu seinen besten Zeiten ein bisschen angespannt war, sowieso.
    Angesichts all dessen rieb Nebel sozusagen nur noch ein bisschen Salz in die Wunde.
    Das Herumkriechen durch den Dreck hatte ihn durstig werden lassen, und daher schlug sich Hundsmann durch das Unterholz zu der Seite hinüber, wo er den Fluss plätschern hörte. Am Ufer kniete er sich hin. Verfaulende Pflanzenreste und altes Blattwerk trübten das Wasser, aber Hundsmann nahm nicht an, dass dieses bisschen Schlamm ihm etwas ausmachen würde, zumal er sich so ausgedörrt fühlte, wie man überhaupt nur sein konnte. Vorsichtig schöpfte er mit den hohlen Händen Wasser und trank. Dort, hinter den Bäumen, kam ein leichter Wind auf, der die Nebelbänke erst näher heranschob und dann wieder davonblies. Und da sah er ihn.
    Er lag auf dem Bauch, die Beine im Wasser, mit dem Oberkörper auf der Böschung. Sie starrten einander eine Weile an, beide gleichermaßen erschrocken und überrascht. Ein langer Stiel ragte aus seinem Rücken. Ein abgebrochener Speer. Da wurde Hundsmann klar, dass der andere tot war.
    Er spuckte das Wasser aus und kroch hinüber, wobei er sich sorgfältig umsah, ob dort auch niemand lauerte, der ihm eine Klinge in den Rücken stoßen wollte. Der Tote war ein Mann, der zwei Dutzend Jahre zählen mochte. Gelbes Haar, braunes Blut auf grauen Lippen. Er war mit einer gefütterten, vor Nässe aufgequollenen Jacke bekleidet, so wie man sie unter einem Kettenhemd trug. Ein Kämpfer demzufolge. Ein Nachzügler vielleicht, der den Anschluss an seine Truppe verloren hatte und dann erschlagen worden war. Zweifelsohne ein Unionsmann, aber er sah für den Hundsmann nicht so viel anders aus als andere, jetzt, da er tot war. Ein Leichnam sieht dem anderen recht ähnlich.
    »Der große Gleichmacher«, murmelte der Hundsmann vor sich hin, als sich eine nachdenkliche Stimmung seiner bemächtigte. So nannten ihn die Bergmenschen. Den Tod. Er machte alle Unterschiede gleich. Ob Namhafter Mann oder ein Niemand, ob Süden oder Norden. Er holte am Ende jeden, und er behandelte alle gleich.
    So wie es aussah, war dieser Mann höchstens ein paar Tage tot. Demzufolge war derjenige, der ihn getötet hatte, möglicherweise noch in der Nähe, und das machte den Hundsmann nervös. Der Nebel schien plötzlich voller Geräusche. Vielleicht lauerten außerhalb der Sichtweite ein paar hundert Carls. Vielleicht war es auch nur der Fluss, der an seinen Ufern schmatzte. Hundsmann ließ den Toten liegen und schlich zurück ins Gebüsch, wobei er von einem Baum zum nächsten eilte, die in der grauen Suppe vor ihm auftauchten.
    Beinahe stürzte er über einen weiteren Toten, der halb unter einem Blätterhaufen vergraben war, auf dem Rücken liegend und mit ausgebreiteten Armen. Er kam an einem weiteren vorbei, der auf den Knien lag; ein paar Pfeile staken in seiner Seite, und er streckte das Gesicht gen Boden und den Hintern in die Luft. Der Tod kennt keine Würde, das ist nun einmal Tatsache. Der Hundsmann beeilte sich, es drängte ihn danach, zu den anderen zurückzukehren und ihnen zu erzählen, was er gesehen hatte. Und von diesen Leichen wegzukommen.
    Er hatte schon viele gesehen, natürlich. Mehr, als ihm zukam. Aber er hatte sich nie wirklich an sie gewöhnt. Es ist leicht, einen Menschen in einen Kadaver zu verwandeln. Hundsmann kannte tausend Arten, das zu tun. Aber wenn man es getan hat, gibt es kein Zurück mehr. Eben noch ist er ein Mensch, voller Hoffnungen, Gedanken und Träume. Ein Mensch mit Freunden, mit Familie, mit einer Heimat. Einen Augenblick später ist er wieder Schlamm. Es erinnerte den Hundsmann an all die Scharmützel, in die er geraten war, an die Kämpfe und Schlachten, an denen er teilgenommen hatte. Es ließ ihn daran denken, wie glücklich er sich schätzen konnte, dass er noch immer atmete. Geradezu blödsinnig glücklich. Und es ließ ihn fürchten, sein Glück könnte nicht von Dauer sein.
    Jetzt rannte er schon beinahe. Leichtsinnig. Er stolperte durch den Nebel wie ein unerfahrener Junge. Nahm sich keine Zeit, reckte die Nase nicht in den Wind, lauschte nicht. Ein Namhafter Mann wie er, ein Kundschafter, der den ganzen Norden erkundet hatte, hätte es besser wissen sollen, aber man kann nicht stets in Habachtstellung sein. Und so geschah es dann.
    Er bekam einen schweren Schlag gegen die Seite, der ihn bäuchlings zu Boden warf. Als er sich aufzurichten versuchte, gab ihm jemand einen Tritt, dass er wieder hinfiel. Hundsmann kämpfte, aber wer auch immer der Drecksack hinter ihm war, er war fürchterlich stark. Bevor er wusste, wie ihm geschah, lag er auf dem Rücken am Boden, und das hatte er sich ganz allein selbst zuzuschreiben. Sich selbst und den Leichen und dem Nebel. Eine Hand packte seinen Hals und drückte ihm die Kehle zu.
    »Gurgg«, krächzte er und kratzte an der Hand. Ihm war, als habe nun seine letzte Stunde geschlagen. All seine Hoffnungen würden zu Schlamm. Der große Gleichmacher kam nun auch zu ihm …
    Dann hörten die Finger auf zu drücken.
    »Hundsmann«, sagte eine Stimme nahe an seinem Ohr, »bist du das?«
    »Gurgg.«
    Die Hand löste sich von seiner Kehle, und er holte tief Luft. Fühlte sich an seiner Jacke gepackt und emporgezogen. »Scheiße noch mal, Hundsmann! Ich hätte dich umbringen können!« Jetzt erkannte er die vertraute Stimme. Der Schwarze Dow, dieser Drecksack. Hundsmann war halb erzürnt, dass man ihn beinahe zu Tode gewürgt hatte, und zur anderen Hälfte geradezu blödsinnig glücklich darüber, noch am Leben zu sein. Er hörte, wie Dow über ihn lachte. Ein herbes Lachen, wie der Schrei einer Krähe. »Alles klar?«
    »Ich bin schon herzlicher begrüßt worden«, krächzte Hundsmann, der noch immer nach Luft rang.
    »Du kannst verdammt froh sein, ich hätte auch härter zupacken können. Viel härter. Ich hab dich für einen von Bethods Kundschaftern gehalten. Dachte, du wärst drüben auf der anderen Seite des Tals.«
    »Wie du siehst«, flüsterte Hundsmann, »bin ich das nicht. Wo treiben sich die anderen herum?«
    »Die sind rauf auf einen Hügel, um über diesen Scheißnebel hinauszukommen. Sehen sich ein bisschen um.«
    Hundsmann deutete mit dem Kopf in die Richtung, aus der er gekommen war. »Da drüben liegen Leichen. Jede Menge.«
    »Jede Menge Leichen, echt?«, fragte Dow, als glaube er nicht, dass der Hundsmann wusste, wie jede Menge Leichen aussahen. »Ha!«
    »Joh, jedenfalls ziemlich viele. Tote Unionsmänner, nehm ich an. Sieht aus, als hätte es hier einen Kampf gegeben.«
    Der Schwarze Dow lachte wieder. »Einen Kampf, meinst du?« Hundsmann war sich nicht sicher, was er damit meinte.
    »Scheiße«, sagte er.
    Sie standen oben auf dem Hügel, alle fünf. Der Nebel hatte sich verzogen, aber beinahe wünschte Hundsmann sich jetzt, er wäre noch da. Er sah nun, was Dow gemeint hatte, und wie. Das ganze Tal war voller Leichen. Sie lagen verstreut auf den Hängen, eingeklemmt zwischen Felsen, ausgestreckt unter dem Ginster. Sie lagen auf dem Gras im Tal wie Nägel, die aus einem Sack gefallen sind, zusammengekrümmt und furchtbar zugerichtet auf der braunen Erde der Straße. Man hatte sie am Fluss aufgetürmt, in einem hohen Haufen am Ufer aufgeschichtet. Arme und Beine und zerbrochene Waffen ragten aus den letzten Nebelfetzen heraus. Sie waren überall. Mit Pfeilen gespickt, mit Schwertern erstochen, mit Äxten zerfleischt. Krähen ließen ihre Schreie ertönen, während sie von einer Mahlzeit zur nächsten hüpften. Heute war ein guter Tag für die Krähen. Es war schon eine Weile her, dass Hundsmann ein richtiges Schlachtfeld gesehen hatte, und der Anblick löste einige bittere Erinnerungen aus. Fürchterlich bittere.
    »Scheiße«, sagte er wieder. Ihm fiel nichts anderes ein.
    »Ich nehme an, die Unionsmänner kamen diese Straße entlangmarschiert«, sagte Dreibaum mit gerunzelter Stirn. »Wahrscheinlich hatten sie es eilig. Versuchten wohl, Bethod zu überraschen.«
    »Sieht aus, als hätten sie das Gelände nicht gut genug ausgekundschaftet«, grollte Tul Duru. »Und dann hat Bethod sie wohl überrascht.«
    »Vielleicht war es neblig«, sagte der Hundsmann. »So wie heute.«
    Dreibaum zuckte die Achseln. »Vielleicht. Ist ja die Jahreszeit dafür. Jedenfalls waren sie auf der Straße, in einer Kolonne, müde nach einem langen Tagesmarsch. Bethod hat sie von hier aus angegriffen, und von dort drüben, vom Hügelkamm. Zuerst mit Pfeilen, um die Kolonne aufzubrechen, dann mit den Carls, die brüllend und zu allem entschlossen von den Hängen ins Tal vorgestoßen sind. Die Unionstruppen sind schnell auseinander gebrochen, vermute ich.«
    »Verdammt schnell«, sagte Dow.
    »Und dann folgte ein Gemetzel. Schutzlos auf der Straße, vor dem Ufer eingekesselt. Kaum noch Fluchtmöglichkeiten. Männer, die hastig versuchen, ihre Rüstungen abzuwerfen, oder in voller Montur den Fluss durchschwimmen wollen. Die in Panik geraten und übereinanderstürzen, während ihnen die Pfeile um die Ohren fliegen. Einige haben es vielleicht sogar bis in das Wäldchen da vorn geschafft, aber wie ich Bethod kenne, hatte er dort sicher ein paar Reiter versteckt, die dann den Rest besorgt haben.«
    »Scheiße«, sagte Hundsmann, dem mehr als nur ein bisschen schlecht war. Er hatte auch schon auf der Verliererseite eines solchen Gemetzels gestanden, und die Erinnerungen daran waren alles andere als angenehm.
    »Sauber wie eine gerade Naht«, sagte Dreibaum. »Das muss man Bethod, diesem Drecksack, lassen, er versteht sein Handwerk wie kein anderer.«
    »Ist das nun schon das Ende, Häuptling?«, fragte Hundsmann. »Hat Bethod bereits gewonnen?«
    Dreibaum schüttelte den Kopf, ganz ruhig und langsam. »Es gibt ziemlich viele Südländer. Jede Menge. Die meisten leben auf der anderen Seite des Meeres. Es heißt, da gibt es mehr von ihnen, als man zählen kann. Mehr Menschen, als es Bäume im Norden gibt. Es wird vielleicht eine Weile dauern, aber sie werden kommen. Das ist nur der Anfang.«
    Der Hundsmann blickte auf das feuchte Tal, auf all die toten Männer, die zusammengekrümmt, ausgestreckt oder verdreht am Boden lagen und jetzt nichts weiter waren als Futter für die Krähen. »Ein ziemlich übler Anfang, jedenfalls für sie.«
    Dow rollte seine Zunge ein und spuckte aus, so geräuschvoll er konnte. »Zusammengetrieben und abgeschlachtet wie ’ne Herde Schafe! Willst du so draufgehen, Dreibaum? Hä? Willst du dich wirklich auf deren Seite stellen? Scheiß-Union! Die verstehen ja überhaupt nichts vom Krieg!«
    Dreibaum nickte. »Dann werden wir ihnen wohl etwas beibringen müssen.«
    Vor den Toren drängte sich eine große Menschenmenge. Es waren Frauen, ausgemergelt und mit hungrigem Blick. Es waren Kinder, zerlumpt und dreckig. Es waren Männer, alte und junge, die schweres Gepäck geschultert hatten oder Ausrüstung umklammert hielten. Einige hatten Maultiere oder Karren dabei, die sie schoben und auf denen sich allerlei nutzlos aussehendes Zeug stapelte. Holzstühle, Zinntöpfe, Ackergeräte. Viele hatten gar nichts außer ihrem Elend. Der Hundsmann vermutete, dass es zumindest davon reichlich gab.
    Sie verstopften die Straße mit ihren Körpern und ihrem Gerümpel. Selbst die Luft schien dick vor Bitten und Drohungen. Hundsmann konnte ihre Angst riechen, die ihm so dickflüssig wie Suppe in die Nase stieg. Sie alle flüchteten vor Bethod.
    Sie drängten sich mit viel Kraft gegeneinander, manche schoben nach innen, andere nach außen, und gelegentlich rutschte jemand in den Dreck zu ihren Füßen. Sie alle versuchten verzweifelt das Tor zu erreichen, als sei es die Milchzitze ihrer Mutter. Aber die Menge als Ganzes bewegte sich nirgendwohin. Hundsmann sah Speerspitzen über den Köpfen der Menschenmenge aufblitzen und hörte harte Stimmen rufen. Vorn standen Soldaten, die niemanden in die Stadt hineinließen.
    Hundsmann beugte sich zu Dreibaum hinüber. »Sieht aus, als wollten sie nicht mal ihre eigenen Leute«, raunte er. »Meinst du, da wollen sie uns, Häuptling?«
    »Sie brauchen uns, das ist eine Tatsache. Wir werden mit ihnen reden, und dann werden wir sehen. Oder hast du einen besseren Vorschlag?«
    »Nach Hause gehen und sich raushalten?«, murmelte Hundsmann unterdrückt, folgte Dreibaum dann aber doch.
    Die Südländer glotzten sie an, als sie sich einen Weg durch die Menschen bahnten. Ein kleines Mädchen starrte Hundsmann mit großen Augen an, als er vorbeiging, und hielt dabei einen alten Lumpen an sich gepresst. Hundsmann versuchte zu lächeln, aber seit langer Zeit hatte er nur mit harten Männern und hartem Metall zu tun gehabt, und es geriet wohl nicht besonders freundlich. Das Mädchen kreischte und rannte davon, und es war nicht allein mit seiner Angst. Die Menge teilte sich misstrauisch und schweigend, als die Leute Hundsmann und Dreibaum kommen sahen, obwohl sie ihre Waffen bei den anderen zurückgelassen hatten.
    Sie kamen ohne weiteres bis vor das Tor, ohne sich mehr als ein kleines bisschen an einigen Männern vorbeischieben oder drängeln zu müssen. Jetzt bemerkte Hundsmann die Soldaten, ungefähr ein Dutzend, die in einer Reihe das Tor versperrten und dabei einer wie der andere aussahen. Noch nie zuvor hatte er derartig schwere Rüstungen gesehen. Sie waren von Kopf bis Fuß von Metallplatten umschlossen, die auf blendenden Glanz poliert worden waren, sie trugen Helme, die ihre Gesichter bedeckten, und standen bewegungslos da wie Metallpfeiler. Er fragte sich, wie man gegen so einen kämpfte, wenn es sein musste. Ein Pfeil würde wohl nicht viel ausrichten, ein Schwert vielleicht auch nicht, wenn man nicht gerade mit viel Glück ein Gelenk traf.
    »Dafür braucht man eine Spitzhacke oder so was.«
    »Was?«, zischte Dreibaum.
    »Nichts.« Ganz offensichtlich hatten sie da unten in der Union ein paar seltsame Einfälle, was die Kriegsführung anging. Wenn jene Seite, die am meisten glänzte, die Kriege gewann, dann hätten sie Bethod wohl kräftig heimgeleuchtet, nahm der Hundsmann an. Leider war es aber ja nicht so.
    Ihr Häuptling hatte sich in ihrer Mitte aufgepflanzt, er saß hinter einem kleinen Tisch, auf dem ein paar Papierfetzen lagen, und er sah noch seltsamer aus als alle anderen. Er trug eine komische Jacke, leuchtend rot. Ein seltsamer Stoff für einen Anführer, dachte Hundsmann. Er bot ein prächtiges Ziel für einen Pfeil, selbst aus großer Entfernung. Außerdem war er ziemlich jung für so einen Posten. Er hatte noch kaum Bartwuchs, obwohl er dennoch sehr von sich überzeugt wirkte.
    Ein großer Mann in einem dreckigen Mantel stritt sich mit ihm herum. Hundsmann strengte seine Ohren an, um etwas von ihrem Unionsgerede zu verstehen. »Ich habe fünf Kinder bei mir«, sagte der Bauer, »und nichts für sie zu essen. Was soll ich Ihrer Meinung nach tun?«
    Ein alter Mann drängte sich vor. »Ich bin ein enger Freund des Lord Statthalters, ich verlange, dass Sie mich vorlassen …«
    Der junge Bursche ließ keinen von ihnen ausreden. »Mir ist völlig egal, wer Ihre Freunde sind, und mich kümmert nicht, ob Sie vielleicht hundert Kinder haben! Die Stadt Ostenhorm ist voll. Lord Marschall Burr hat verfügt, dass täglich nur zweihundert Flüchtlinge eingelassen werden, und wir haben diese Grenze schon heute Morgen erreicht. Ich schlage vor, dass Sie morgen wiederkommen. Am besten möglichst früh.«
    Die zwei Männer standen da und starrten ihn an. »Welche Grenze?«, fauchte der Bauer.
    »Aber der Lord Statthalter …«
    »Verdammt noch mal«, schrie der junge Mann und schlug aufbrausend mit der Faust auf den Tisch. »Verderben Sie es nicht mit mir! Sonst lasse ich Sie tatsächlich rein! Indem ich Sie hineinschleifen und als Verräter aufhängen lasse!«
    Das reichte den beiden, und sie zogen sich schnell zurück. Hundsmann dachte, dass es klug wäre, dasselbe zu tun, aber Dreibaum marschierte bereits auf den Tisch zu. Der junge Bursche sah sie mit einem verächtlichen Gesichtsausdruck an, als ob sie schlimmer stanken als zwei frische Scheißhaufen. Hundsmann hätte das nicht eigentlich nicht viel ausgemacht, wenn er sich nicht vorher extra noch gewaschen hätte. Er war so sauber wie seit Monaten nicht mehr. »Was, zur Hölle, wollt ihr? Wir brauchen keine Spitzel oder Bettler!«
    »Gut«, antwortete Dreibaum ruhig und geduldig. »Wir auch nicht. Mein Name ist Rudd Dreibaum. Das hier ist der Hundsmann. Wir sind gekommen, um mit demjenigen zu reden, der hier die Befehle erteilt. Wir sind gekommen, um eurem König unsere Dienste anzubieten.«
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Beschreibung

Produktdetails

Einband Taschenbuch
Seitenzahl 795
Erscheinungsdatum 03.09.2007
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-453-53253-3
Reihe Die Klingen-Romane 2
Verlag Heyne
Maße (L/B/H) 20,5/13,6/5,8 cm
Gewicht 806 g
Originaltitel Before They are Hanged
Illustrator Dominic Harman
Übersetzer Kirsten Borchardt
Buch (Taschenbuch)
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inkl. gesetzl. MwSt.
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Kundenbewertungen

Durchschnitt
19 Bewertungen
Übersicht
18
1
0
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0

Es geht weiter!
von einer Kundin/einem Kunden am 17.06.2019

Die Union befindet sich im Krieg gegen die Barbarenhorden. Oberst West hat die Mission den Kronprinzen heile durch den Krieg zu bekommen, was sich als ziemlich harte Aufgabe heraus stellt. Der Großinquestor Glokta wird währenddessen in eine Kolonie in Übersee ausgesandt, um das Verschwinden seines Vorgängers aufzuklären und um d... Die Union befindet sich im Krieg gegen die Barbarenhorden. Oberst West hat die Mission den Kronprinzen heile durch den Krieg zu bekommen, was sich als ziemlich harte Aufgabe heraus stellt. Der Großinquestor Glokta wird währenddessen in eine Kolonie in Übersee ausgesandt, um das Verschwinden seines Vorgängers aufzuklären und um die Stadt gegen die angreifenden Gurkhisen zu verteidigen. Der oberste Magi Bayaz hingegen hat sich eine kleine Gruppe zusammen gestellt, um eine verbotene magische Waffe zu suchen und Logan ist natürlich auch wieder mit von der Partie… Joe Abercrombie geht mit „Feuerklingen“ in die nächste Runde und lässt wieder einmal ein ordentliches Spektakel von der Leine, in dem es…sorry, aber es ist so…ordentlich auf die Fresse gibt. Seine Charaktere sind wieder einmal klassisch, weniger klassisch und behalten auch weiterhin ihre Ecken und Kanten. Selbst die sympathischen Figuren haben ihre dunkle Seite, aber dafür sind auch die eigentlichen Unsympathen der Geschichte nicht konsequent unsympathisch. Abercrombie geht hier weiter fleißig seinen Weg des besonderen und lässt Charaktere auf den Leser los, denen er in dieser Form wahrscheinlich selten begegnet ist. Aber abgesehen davon bewegt sich der Autor weiter in seiner recht klassischen Fantasywelt, die zwar die ein oder anderen überraschenden Wesen zu bieten hat, sich aber zumeist aus nördlichen Helden- und Mythensagen speist und oft so wirkt, als würde Abercrombie über Wikinger schreiben. Wie bereits bei seinem Vorgänger prallen auch hier der schwarze Humor auf eine wunderbar in Szene gesetzte Geschichte und großartige Charaktere, die dem Leser wirklich ans Herz wachsen. So muss und darf Fantasy sehr gerne sein und deswegen ist auch der zweite Band der Klingen-Trilogie Pflichtlektüre für alle Fans des Genres!

von einer Kundin/einem Kunden am 28.11.2018
Bewertet: anderes Format

Der zweite Teil einer tollen Fantasy Reihe. Blutig, spannend, kämpferisch und zuweilen mit schwarzem Humor gespickt.

von einer Kundin/einem Kunden am 01.09.2018
Bewertet: anderes Format

Tolle Fortsetzung, noch ein bisschen besser als Kriegsklingen!