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Die Nickel Boys

Roman

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gebundene Ausgabe
Florida, Anfang der sechziger Jahre. Der sechzehnjährige Elwood lebt mit seiner Großmutter im schwarzen Ghetto von Tallahassee und ist ein Bewunderer Martin Luther Kings. Als er einen Platz am College bekommt, scheint sein Traum von gesellschaftlicher Veränderung in Erfüllung zu gehen. Doch durch einen Zufall gerät er in ein gestohlenes Auto und wird ohne gerechtes Verfahren in die Besserungsanstalt Nickel Academy gesperrt. Dort werden die Jungen missbraucht, gepeinigt und ausgenutzt. Erneut bringt Whitehead den tief verwurzelten Rassismus und das nicht enden wollende Trauma der amerikanischen Geschichte zutage. Sein neuer Roman, der auf einer wahren Geschichte beruht, ist ein Schrei gegen die Ungerechtigkeit.
Portrait
Colson Whitehead, 1969 in New York geboren, studierte an der Harvard University und arbeitete für die New York Times, Harper's und Granta. Whitehead erhielt den Whiting Writers Award (2000) und den Young Lion’s Fiction Award (2002) und war Stipendiat der MacArthur „Genius“ Fellowship. Für seinen Roman Underground Railroad wurde er mit dem National Book Award 2016 und dem Pulitzer-Preis 2017 ausgezeichnet. Bei Hanser erschienen bisher John Henry Days (Roman, 2004), Der Koloß von New York (2005), Apex (Roman, 2007), Der letzte Sommer auf Long Island (Roman, 2011), Zone One (Roman, 2014) und Underground Railroad (Roman, 2017). Im Sommer 2019 folgt Die Nickel Boys (Roman). Der Autor lebt in Brooklyn.
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Beschreibung

Produktdetails

Einband gebundene Ausgabe
Seitenzahl 224
Erscheinungsdatum 03.06.2019
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-446-26276-8
Verlag Hanser
Maße (L/B/H) 21,8/14,1/3 cm
Gewicht 408 g
Originaltitel ??
Übersetzer Henning Ahrens
Verkaufsrang 4720
Buch (gebundene Ausgabe)
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23,70
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inkl. gesetzl. MwSt.
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Buchhändler-Empfehlungen

Die Hoffnung stirbt zuletzt

Gregor Schwarzenbrunner, Thalia-Buchhandlung Linz, Zentrale

Im Roman “Die Nickel Boys” erzählt der Schriftsteller Colson Whitehead vom jahrzehntelangen Missbrauch von Schützlingen in der Besserungsanstalt Nickel Academy. Es ist aus der Sicht des sechzehnjährigen Elwood geschrieben. Elwood selbst ist eine fiktive Person, die Dinge, die ihm widerfahren sind allerdings real. Die Besserungsanstalt gab es tatsächlich und nachdem unweit der Anstalt ein neues Büroviertel geplant war, stieß man auf einen grausigen Fund: Unzählige im Boden verscharrte Leichen. Beim Lesen möchte man vor dem erschütternden Leid, dem Rassismus und der Gewalt die Augen verschließen. Ähnlich ging es dem Schriftsteller, der bezüglich seiner Recherchearbeit, im Interview mit der L.A. Times folgendes sagte: “I’ll never go there. It's a place of incredible evil.” Colson Whitehead, der für seinen letzten Roman „Underground Railroad“ über die amerikanische Sklaverei mit dem Pulitzer Prize ausgezeichnet wurde, lotst den geneigten Leser auf zwei Zeitebenen zu einem grausamen Ende. Auf der ersten begegnen wir Elwood als Jugendlichen, der unrechtmäßig verurteilt worden ist und sein Dasein in der Anstalt fristete. Auf der zweiten Zeitebene lernt der Leser den Erwachsenen kennen, der rückblickend auf die Ereignisse der „Nickel Boys“ blickt. Langsam erschleicht sich eine Ahnung und dennoch hofft man als Leser, dass alles gut ausgehen wird. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zu Letzt.

Gefangen in Freiheit

Lukas Bärwald, Thalia-Buchhandlung St. Pölten

„Dieser Roman ist fiktiv, alle Charaktere sind erfunden“, heißt es im Nachwort des Autors. Doch eben jene Fiktionalität, die es Colson Whitehead erlaubt, seinen literarischen Blick auf Menschen und Geschichte in Worte zu kleiden und in eine Dramaturgie einzubetten, ist zutiefst eingebettet Rassismus, Gewalt und Angst historischer Realität der 1960er Jahre Amerikas. Im Jahr 2017 gewann sein herausragender Vorgängerroman „Underground Railroad“ den Pulitzer Preis. Darin beschrieb er auf eindringliche Weise die mehrjährige Flucht einer jungen Sklavin zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Die Sklaverei haben die USA zur Zeit der „Nickel Boys“ zwar schon hinter sich gelassen, doch hat sich der Rassenwahn neue Bahnen gebildet: Elwood ist 16 Jahre alt, zurückhaltend und riskiert auch, unter seinen Freunden als Streber anzuecken, solange er dadurch die Chance erhält, aufs College gehen zu können. Doch kurz bevor dieser Traum Realität werden kann, gerät er in die Mühlen des Zufalls und wird fälschlicherweise als scheinbarer Autodieb in die „Besserungsanstalt“. In der streng nach Hautfarben getrennten Nickel Academy landen Jugendliche, die straffällig wurden, Jungen, die die Frau oder Tochter des falschen Mannes zu lang angeschaut hatten und ähnliche Schicksale, bei denen die Willkür des staatlichen Systems dem Lebensweg eines jungen Menschen eine neue Richtung verleihen wollte. Innerhalb von durchschnittlich zwei Jahren sollen die Nickel Boys durch eingetrichterten Gehorsam und psychische wie körperliche Züchtigung in sozialverträgliche Mitglieder der Gesellschaft verwandelt werden – so der offiziell nach außen kommunizierte Plan. Was Elwood in seiner Zeit dort jedoch begegnet, ist der kontinuierliche Versuch seitens der Anstaltsleitung und Betreuer, die Jungen systematisch zu brechen. Isolationshaft, Ausbeutung und körperlicher Missbrauch stehen an der Tagesordnung und wenn jemand eines Tages in sein altes Leben entlassen wird, ist er in den seltensten Fällen immer noch der intakte Mensch, als der er die Nickel Academy betrat. Dem tief verwurzelten Rassismus stellt Colson Whitehead aufblitzende Begegnungen und Momente entgegen, in denen die Sehnsucht nach Zusammenhalt und Fürsorge spürbar werden. Sein Protagonisten wird angetrieben von seiner Hoffnung auf ein besseres „Danach“, einer Rückkehr in ein Leben in Freiheit und seinem durch Martin Luther King inspirierten Streben nach einer besseren Welt abseits von Schwarz und Weiß. „Die Nickel Boys“ ist fokussiertes Gesellschaftsportrait, zeithistorisches Drama und gleichermaßen von aktueller Relevanz. Gewalt, Hass und Unterdrückung werden von Elwoods Hoffnungen und Whiteheads virtuos gefühlvoller und bildstarker Sprache konterkariert. Wem „Underground Railroad“ gefallen hat, sei dieser außergewöhnliche Roman sehr ans Herz gelegt.

Kundenbewertungen

Durchschnitt
106 Bewertungen
Übersicht
61
31
13
1
0

von einer Kundin/einem Kunden am 20.08.2019
Bewertet: anderes Format

Erschütternd, aber hervorragend erzählt! Unter der Sozialkritik, der Gewalt und Ungerechtigkeit über die Whitehead schreibt liegt eine leise Hoffnung begraben.

Sozialkritik ohne wirklichen Biss
von anushka am 14.08.2019

Florida, Anfang der 1960er: Der 16-jährige Elwood lebt bei seiner Großmutter. Die Eltern haben ihn Jahre zuvor zurückgelassen. Bislang ist es Elwood gut gelungen, sich im Farbigen-Ghetto von Tallahassee aus Ärger herauszuhalten. Aber auch er kennt bereits Demütigungen. Und als seine Großmutter ihm eine Platte einer Rede von Mart... Florida, Anfang der 1960er: Der 16-jährige Elwood lebt bei seiner Großmutter. Die Eltern haben ihn Jahre zuvor zurückgelassen. Bislang ist es Elwood gut gelungen, sich im Farbigen-Ghetto von Tallahassee aus Ärger herauszuhalten. Aber auch er kennt bereits Demütigungen. Und als seine Großmutter ihm eine Platte einer Rede von Martin Luther King schenkt, wird sich Elwood der Ungerechtigkeiten immer bewusster. Die Zukunft sieht vielversprechend aus als Elwood einen Platz am College bekommt. Doch dann trampt er in einem gestohlenen Auto und wird als Autodieb ohne gerechtes Verfahren in die Besserungsanstalt Nickel Academy gesperrt. Dort muss er erleben, wie Wärter und Gesellschaft ihren Rassismus ungehemmt ausleben. Colson Whitehead hat sich auch mit diesem Buch dem Thema des Rassismus gewidmet und reale Ereignisse zugrundegelegt. Zunächst steigt das Buch ein mit einem Team von Studenten, die auf dem Gelände der ehemaligen Anstalt Ausgrabungen vornehmen und abseits des offiziellen Friedhofs menschliche Überreste finden. Dann wechselt die Geschichte zu Elwood, dessen Aufwachsen und schließlich Jugendzeit der Leser ausschnittweise begleitet. Durchsetzt ist dieser Strang immer wieder mit Ausschnitten aus Elwoods Erwachsenenleben als Überlebender der Anstalt. Der Schreibstil ist ansprechend und poetisch, fast zu "schön" für solch eine grausame Geschichte, die jedoch selten explizit grausam ist. Im Gegensatz zum vorherigen Buch "Underground Railroad" sind die Gewaltszenen dieses Mal wesentlich weniger explizit und oft sogar nur angedeutet. Dementsprechend ist es jedoch auch weniger erschütternd. Zumal alle Jungen zu leiden haben: die Weißen genauso wie die Latinos und die Farbigen, wobei letztere noch einmal schlechter behandelt werden. Ergreifend ist eher, wie Elwoods Träume platzen und er sich wie all die anderen (farbigen) Jungs in das seit Jahrhunderten gängige Schicksal fügen soll, was ihm jedoch zunehmend schwerfällt. So richtig Biss hat die Sozialkritik jedoch nicht und es gibt wenig deutliche Positionierung. Es wird nicht ganz deutlich, was nun zentraler ist: der generelle institutionelle Missbrauch von Kindern oder die Rassendiskriminierung. Trotz der Kritikpunkte hat mir das Buch insgesamt gut gefallen und es hätte gern länger sein dürfen, ich hätte sicherlich weitergelesen. Vielleicht wäre man dann Elwood auch noch näher gekommen. Mir haben zudem die Kapitel des Erwachsenenalters gefallen. Und schließlich gab es noch einmal eine überraschende Auflösung, die der Geschichte noch eine neue Perspektive gegeben hat.

„Gewalt ist der einzige Hebel, der groß genug ist, um die Welt zu bewegen.“
von einer Kundin/einem Kunden am 13.08.2019

Als sich seine Eltern aus dem Staub machen, ist Elwood Curtis sechs Jahre alt. In der Obhut seiner Großmutter wird er liebevoll, aber streng erzogen und wächst so zu einem verantwortungsbewussten, gradlinigen und klugen Jugendlichen heran. Als er sich auf den Weg zum Probeunterricht am College macht, wird er unverschuldet in ein... Als sich seine Eltern aus dem Staub machen, ist Elwood Curtis sechs Jahre alt. In der Obhut seiner Großmutter wird er liebevoll, aber streng erzogen und wächst so zu einem verantwortungsbewussten, gradlinigen und klugen Jugendlichen heran. Als er sich auf den Weg zum Probeunterricht am College macht, wird er unverschuldet in eine Sache verwickelt, die sich für ihn in Auswirkung und Konsequenz als absolut tragisch herausstellen wird. Er fährt ins Nickel ein, eine Erziehungs- und Besserungsanstalt für jugendliche Straftäter. Um dort überleben zu können, bildet Leidensfähigkeit den Rahmen… Erneut verhandelt Colson Whitehead in einer atemberaubend spannenden Geschichte das Thema Rassismus und damit unmittelbaren Auswirkungen wie Gewalt, Ohnmacht und Rechtlosigkeit. Aufwühlend, eindringlich & erschütternd!