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Psychomotorik bei Kindern mit Körperbehinderungen

Entwicklung und Förderung

Bernd Hachmeister

1.2 Sensorische Integration (S. 18-19)

Der Begriff der sensorischen Integration geht auf die amerikanische Beschäftigungstherapeutin Jean Ayres zurück. Ausführliche Beschreibungen der Theorie der sensorischen Integration finden sich bei Ayres 1984 selbst, bei Brand et al. 1985, Doering / Doering 1990, Kesper / Hottinger 2002 und Brüggebors 1992. Daher seien hier nur die Grundgedanken kurz dargestellt.

Sensorische Integration ist ein alltäglicher und für die meisten Menschen unbewusst ablaufender Prozess der Aufnahme und Ordnung von Empfindungen und Informationen im Gehirn. Sensorische Integration meint aber vor allem die Assoziation zwischen den Sinnen. "Etwas zu integrieren heißt, die unterschiedlichen Teile zu einem Ganzen zusammenzubringen. Wenn etwas ,integriert' ist, arbeiten alle seine Teile zusammen"" (Ayres 1984, 5).

Integration ist also einerseits ein permanent stattfindender Prozess, um Sinnesreize zu verarbeiten und entsprechend reagieren zu können. Integration meint aber auf die Entwicklung bezogen auch die zunehmende Anpassung und Organisation des Gehirns. Nach Ayres führen angepasste Reaktionen zu einer weiteren Integration von Empfindungen und bringen damit das Gehirn in einen besser gegliederten Zustand. Von besonderer Bedeutung ist die Hervorhebung der Nahsinne gegenüber den Fernsinnen. Mit den Nahsinnen sind

- das vestibuläre System (Gleichgewichtssinn),
- das taktile System (Berührungssinn) und
- das propriozeptive oder kinästhetische System (Tiefenwahrnehmung)

gemeint. Die Integration dieser Sinne bildet die Basis für eine gelungene motorische Entwicklung. "Das Kleinkind benutzt in seinen einzelnen Entwicklungsstufen jede Aktivität, um ,Bausteine' zu entwickeln, die jeweils das Fundament für eine komplexere und reifere Entwicklung bilden. Es ist ständig damit beschäftigt, seine Tätigkeiten zu vervollkommnen, um damit höher geordnete Funktionen zu entwickeln"" (Ayres 1984, 18).

Kann die Integration der Sinneseindrücke vom Gehirn nicht entsprechend geleistet werden, spricht Ayres von Integrationsstörungen, deren Ursache in einer Schädigung des Gehirns zu suchen ist. "Ein Ereignis, das gewöhnlich zu einer schlechten sensorischen Verarbeitung führt, stellt der Hirnschaden dar"" (71). Bei den meisten Kindern mit sensorischen Integrationsstörungen liegt jedoch ein solcher Hirnschaden nicht vor, sondern eher eine minimale Hirnfunktionsstörung, die neurologisch kaum feststellbar sein wird. Hier besteht eine Parallele zur Psychomotorik, denn auch diese geht von der Diagnose der "minimalen cerebralen Dysfunktion"" aus. Minimale cerebrale Dysfunktion, minimale Hirnfunktionsstörung, aber manchmal auch synonym benutzte Begriffe wie Hyperaktivität oder hyperkinetisches Syndrom sind ein Ausdruck von begrifflicher und inhaltlicher Verwirrung. Sie meinen letztlich eine medizinisch nicht feststellbare, sich aber im motorischen Verhalten äußernde Störung. Doering und Doering (1990, 17) betrachten Wahrnehmungs- und damit Integrationsstörungen als Folge unterschiedlicher Prozesse, deren Ursachen ebenso physiologische wie psychisch / emotionale Störungen sein können."
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Beschreibung

Kurztext Schon seit Jahren wird mit körperbehinderten Kindern psychomotorisch gearbeitet, aber es gibt kaum Arbeitsberichte darüber. Zudem werden innerhalb der Psychomotorik Kontroversen zwischen verschiedenen Schulen und Richtungen teils heftig ausgetragen, teils in Selbstabgrenzung vermieden. Die "deutsche" Psychomotorik z. B. hat zwar die in den USA entwickelte Sensorische Integration aufgenommen, aber die französische Psychomotorik nach Bernard Aucouturier oft außen vor gelassen. Endlich liegt mit Hachmeisters Buch ein Werk vor, das die verschiedenen Konzepte mit ihren Schwerpunkten und Chancen berücksichtigt. Hachmeister zeigt in beispielhafter Sorgfalt die Möglichkeiten einer Psychomotorik, die motologische, neurophysiologische und psychologische Komponenten einfließen läßt. Dieses Buch ist ein Muß für alle, die psychomotorisch mit behinderten Kindern arbeiten.

Autoreninformation Bernd Hachmeister, Bielefeld, Studium der Sonderpädagogik, Zusatzausbildungen in Motopädagogik und Sensomotorischer Wahrnehmungsförderung, Lehrgänge bei Bernard Aucouturier; seit 1987 Lehrer an Schulen für Schwerstbehinderte und Körperbehinderte.

Produktdetails

Einband Taschenbuch
Seitenzahl 195
Erscheinungsdatum 01.09.2006
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-497-01856-7
Verlag Ernst Reinhardt Verlag
Maße (L/B/H) 21,3/13,4/1,4 cm
Gewicht 282 g
Abbildungen und erw. mit 26 Abbildungen 21,5 cm
Auflage 2. überarbeitete u. erweiterte Auflage

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  • 1;Inhalt;6
    2;Vorwort;8
    3;1 Entwicklung der Psychomotorik;12
    3.1;1.1 Psychomotorische Ansätze im deutschen Sprachraum;15
    3.2;1.2 Sensorische Integration;19
    3.3;1.3 Psychomotorik nach Aucouturier;23
    4;2 Normale Entwicklung;26
    4.1;2.1 Der Zusammenhang von Bewegung und Wahrnehmung;26
    4.2;2.2 Die Rolle der psychomotorischen Entwicklung;38
    5;3 Körperbehinderung;52
    5.1;3.1 Frühkindliche Hirnschädigungen;69
    5.2;3.2 Kinder mit schwersten Behinderungen;88
    5.3;3.3 Progressive Muskeldystrophie;92
    5.4;3.4 Spina bifida;100
    5.5;3.5 Sonstige Körperbehinderungen;106
    6;4 Die psychomotorische Praxis;107
    6.1;4.1 Grundlegende Ziele und Prinzipien;107
    6.2;4.2 Schwerpunkte in Therapie und Unterricht;113
    7;5 Aufgabenfelder psychomotorischer Förderung ;123
    7.1;5.1 Psychomotorik in der Therapie;127
    7.2;5.2 Psychomotorik als Unterrichtsmethode;132
    7.3;5.3 Psychomotorik als "Unterrichtsfach" bzw. im Sportunterricht;137
    7.4;5.4 Psychomotorische Förderung von Kindern mit schwerster Behinderung;154
    8;6 Klettern;165
    9;Schlussbemerkung;185
    10;Literatur;187
    11;Sachregister;193
    12;Leseprobe Klaus Fischer Einführung in die Psychomotorik;197