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Beschreibung

Dora ist mit ihrer kleinen Hündin aufs Land gezogen. Sie brauchte dringend einen Tapetenwechsel, mehr Freiheit, Raum zum Atmen. Aber ganz so idyllisch wie gedacht ist Bracken, das kleine Dorf im brandenburgischen Nirgendwo, nicht. In Doras Haus gibt es noch keine Möbel, der Garten gleicht einer Wildnis, und die Busverbindung in die Kreisstadt ist ein Witz. Vor allem aber verbirgt sich hinter der hohen Gartenmauer ein Nachbar, der mit kahlrasiertem Kopf und rechten Sprüchen sämtlichen Vorurteilen zu entsprechen scheint. Geflohen vor dem Lockdown in der Großstadt muss Dora sich fragen, was sie in dieser anarchischen Leere sucht: Abstand von Robert, ihrem Freund, der ihr in seinem verbissenen Klimaaktivismus immer fremder wird? Zuflucht wegen der inneren Unruhe, die sie nachts nicht mehr schlafen lässt? Antwort auf die Frage, wann die Welt eigentlich so durcheinandergeraten ist? Während Dora noch versucht, die eigenen Gedanken und Dämonen in Schach zu halten, geschehen in ihrer unmittelbaren Nähe Dinge, mit denen sie nicht rechnen konnte. Ihr zeigen sich Menschen, die in kein Raster passen, ihre Vorstellungen und ihr bisheriges Leben aufs Massivste herausfordern und sie etwas erfahren lassen, von dem sie niemals gedacht hätte, dass sie es sucht.

Juli Zehs neuer Roman erzählt von unserer unmittelbaren Gegenwart, von unseren Befangenheiten, Schwächen und Ängsten, und er erzählt von unseren Stärken, die zum Vorschein kommen, wenn wir uns trauen, Menschen zu sein.

»Ein Buch, das einem die Augen öffnet für unsere bundesrepublikanische Wirklichkeit.« ("Denis Scheck / SWR Fernsehen lesenswert")
»Mitten ins Herz der deutschen Überforderung schießt Juli Zehs neues Werk: mit viel Witz und Mitgefühl und auch mit einer großen Portion Hoffnung auf eine versöhnlichere Gesellschaft.« ("Felicitas Twickel / ZDF aspekte")
»Unaufgeregt und trotzdem politisch pointiert zeichnet sie das Porträt eines Dorfes mit aussterbender Infrastruktur, prekären Biografien, rechter Gesinnung.« ("Stephanie Metzger / Bayern2")
»Juli Zeh ist mit ›Über Menschen‹ ein großer Wurf gelungen. Der Roman packt und macht es sich und seinem Publikum nicht einfach.« ("Nadine Kreuzahler / rbb Inforadio")
»›Über Menschen‹ blickt unter die Oberfläche von Ideologien und Gesinnungen.« ("Stefan Kister / Stuttgarter Zeitung")
»Juli Zeh erzählt gewandt, findig und szenisch spannend von einer postheroischen Figur, mit Arbeits- statt Angstschweiß, zwischen Durchhalten und Durchhangeln.« ("Michael Braun / Kölner Stadt-Anzeiger")
»Ein versöhnlicher Roman, der nichts Böses verschweigt, aber demonstriert, dass die Welt, weniger ideologisch betrachtet, ein bisschen menschlicher sein könnte.« ("Jörg Magenau / Deutschlandfunk Kultur")
»›Über Menschen‹ ist das Buch der Stunde gerade zu Corona-Zeiten, wo sich so vieles klärt und beschleunigt, samt Abstürzen, Einsamkeit, heilsgewissen Hassausbrüchen.« ("Jutta Duhm-Heitzmann / WDR 3")
»Ich würde das wahnsinnig gerne Allen zum Lesen empfehlen, um mal diese ganzen Mauern einzureißen, die irgendwie zwischen den verschiedenen Gruppen existieren.« ("Frank Dietschreit / rbb Kultur")

Details

Verkaufsrang

5367

Einband

Gebundene Ausgabe

Erscheinungsdatum

22.03.2021

Verlag

Luchterhand

Seitenzahl

416

Beschreibung

Details

Verkaufsrang

5367

Einband

Gebundene Ausgabe

Erscheinungsdatum

22.03.2021

Verlag

Luchterhand

Seitenzahl

416

Maße (L/B/H)

22,1/14,7/4 cm

Gewicht

643 g

Sprache

Deutsch

ISBN

978-3-630-87667-2

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Sehr angenehmes Buch :)

Bewertung am 26.05.2022

Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)

Habe das Buch in 2 Tagen durchgelesen und fand es durchweg sehr angenehm und auch spannend. Hier und da etwas vorhersehbar aber einfach eine schöne leichte Lektüre. Es zeigt, wie wichtig es ist, auch hinter die Fassade eines Menschen zu schauen. Manchmal lohnt es wirklich, wenn man seine Vorurteile links liegen lässt und über manches hinwegsieht.

Sehr angenehmes Buch :)

Bewertung am 26.05.2022
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)

Habe das Buch in 2 Tagen durchgelesen und fand es durchweg sehr angenehm und auch spannend. Hier und da etwas vorhersehbar aber einfach eine schöne leichte Lektüre. Es zeigt, wie wichtig es ist, auch hinter die Fassade eines Menschen zu schauen. Manchmal lohnt es wirklich, wenn man seine Vorurteile links liegen lässt und über manches hinwegsieht.

Gut gemeint ist halt nicht gut.

Bewertung aus Pregassona am 23.03.2022

Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)

Ich mag Juli Zeh. Ich verfolge ihre Auftritte sei es als Literaturkritikerin, sei es als Gast in Talkshows. Ich mag ihre Ansichten, und die Art, wie sie ihre Standpunkte vertritt. Ich kenne sie als moderate, verbindende Person, die sich klar gegen Extremismus jeglicher Couleur stellt. Ich kannte sie allerdings nicht als Schriftstellerin. Und mit dieser Einstellung ging ich in dieses Buch. Die Geschichte ist simpel. Grossstadt-Mensch flieht aufs Land, in die tiefste Provinz, ehemalige DDR. Angeblich wegen Corona, aber bald stellt sich heraus, dass es mehrere Gründe gibt. Und auf dem Land, in der (ehemaligen) DDR trifft sie auf den Dorf-Nazi, gewalttätig, vorbestraft, alkoholiker, zerrüttete Existenz. Natürlich AfD Wähler. Somit öffnet Juli Zeh verschiedene Spannungsfelder: die Spaltung zwischen Stadt und Land (besser gesagt zwischen Berlin-Prenzlauer Berg und einem desolatem Kaff, dass in der DDR stecken geblieben ist). Zwischen gebildeten Menschen und solchen aus der "bildungsfernen" Unterschicht. Zwischen Dialog und Gewalt. Interessant, könnte man denken. Die 350 Seiten sind sehr gut strukturiert, mit relativ kurzen Kapiteln. Sozusagen mungerechte Häppchen die leicht zu verdauen sind. Doch damit kommt Juli Zeh an ihre Grenzen. Die Juristin und Richterin schafft es nicht, ihre berufliche Sprache anzupassen. Genau wie vor Gericht schreibt sie zwar extrem präzise, allerdings komplett frei von Gefühlen und Emotionen. Sie erzählt die Geschiche sehr genau. Fast wie eine Reportage. Jegliche Art von Sprachton, Farbe oder Poesie lässt sie nicht zu. Das Buch wird somit recht kühl und emotionslos. Nur Dora und Gote kriegen ein bisschen Tiefgang. Ihre Charaktere werden ein bisschen besser ausgeschmückt. Alle anderen Figuren sind reinste Komparsen, ein paar wenige haben eine Sprechrolle. Die andere grosse Grenze, die Juli Zeh nicht überwindet, and der sie sogar kläglich scheitert, ist der Inhalt der Geschichte. Auf der einen Seite die gebildete Dora, aus sehr gutem Hause, erfolgreich im Beruf, mit hippen Menschen um sich, und einer ncht mehr ganz so tollen Beziehung. Auf der anderen Seite der dumme Ossi, der auch Asi ist. Der nicht reden kann, sich nur durch brummen und Körpergerüche ausdrückt. Dessen Familie kaputt ist. Der schon wegen körperlicher Gewalt in der Kiste sass. Der in einem Bauwagen lebt. Der sich mit rechtsradikalen Nazis vollaufen lässt und dazu SS Lieder singt. Also ganz klar Gut versus Böse. Juli Zeh versucht dann, ganz ihrer Art folgend, in dem Bösen auch was Gutes zu finden. Klar, auch Nazis liebe ihre Kinder, auch Nazis grillen gerne in geselliger Runde. Auch Nazis können schöne Kunstwerke fabrizieren. Sie können sogar sehr nett sein. Fast liebenswert. Auch im bösen Nazidorf leben Menschen, die sich gegenseitig helfen und sich über ein Dorffest freuen. Und auch die Gute merkt irgenwann, dass ihr Standpunkt vielleicht am Prenzlauer Berg vertretbar ist, in der Provinz aber an der Wirklichkeit zerschellt. Dass ihre Ansichten nicht nur gut, sonder auch arrogant und überheblich sind. Und somit landet Juli Zeh in der totalen Bredouille. Und kommt nicht mehr raus. Irgendwann kommt irgendwas wie Liebe zwischen Dora und Gote auf. Doch kann man einen Nazi lieben? Darf man einen Nazi lieben? Sie versucht, sich den Nazi schön zu schreiben. Das geht allerdings nicht. Auch wenn er sich liebevoll um seine Tochter kümmert, wenn er Dora die schönsten Möbel baut, wunderbare Skulpturen kreiert, bleiben seine Einstellungen und Handlungen inakzeptabel. Ausländerfeindlichkeit, gar Gewalt gegen Ausländer, wie Heime "abfackeln", oder Homophobie kann man sich einfach nicht schön schreiben. Und man kann es als "sogenannter Gutmensch", oder besser "Mensch auf der richtigen Seite", auch nicht relativieren. Man kann nicht darüber hinwegsehen. Gewalt und Hass sind nicht verhandelbar. Un so nimmt das Dilemma seinen Lauf. Man merkt, dass Juli Zeh vor hatte, Brücken zu bauen. Das Gute mit dem Bösen zu verbinden. Zu zeigen, dass die zwei Welten nicht nur gegesätzlich sind, sondern auch Gemeinsamkeiten haben. Aber das ist ihr nicht gelungen. Oder vielleicht ist es ganz einfach nicht möglich. Vielleicht sind es wirklich zwei Welten, die nicht zusammen existieren können. Eigentlich ein sehr interessanter Ansatz, den sie allerdings nicht vertieft hat. Gote, der Böse, bleibt immer vorhesehbar. Ein bisschen plump. Fast klischeehaft. Und auch Dora macht eigentlich keine wirkliche Entwicklung. Sie fühlt ich zu Gote hingezogen, doch dann straft sie ihre eigene Moral und Weltanschauung. Die Beziehung zwischen ihnen, also zwischen Gut und Böse, Richtig und Falsch, bleibt sehr an der Oberfläche hängen. Ich hätte mir da von Juli Zeh schon ein bisschen mehr Tiefgang gewünscht. Eine bessere Analyse dieser zwei Wertesysteme. Sie hat es versucht. Lange. Um genau zu sein bis Seite 197. Dann hat sie die Notbremse gezogen. Die Reissleine. Gote, der Dorf-Nazi kann nicht integriert werden, also muss er sterben. Ein sogenanntes Deus ex Machina. Ein bösartiger Hirntumor. Inoperabel. Todesurteil. Man gewährt dem Todgeweihten noch ein paar schöne Tage. Und dann ist Ende im Gelände. Zudem lässt Juli Zeh den Dorf-Nazi Suizid begehen. Oder präziser einen Unfall bauen, bei dem er ums Leben kommt. Und das ist dann doch irgendwie grottesk. Was ist das? Gerechtigkeit? Oder ist es ein Schuldeingeständnis des Nazis? Eine gerechte Strafe für seine Taten? Diese Fragen bleiben offen. Fazit: Juli Zehs "Über Menschen" ist ein sehr leicht zu lesendes Buch, dass vorgibt, sich mit ganz grundlegenden Problemen unserer Gesellschaft auseinanderzusetzen, das aber immer nur an der Oberfläche kratzt. Tiefgang haben weder die Figuren, noch die Geschichte. Die Spache ist einer Juristin angemessen. Sehr präzise und sachlich, allerdings ohne jegliche Emotionen, Gefühle und Poesie. Für mich ist diese Buch leichte Kost. Aber sicherlich keine Literatur. Und zudem kam es mir andauernd vor, als ob eine sehr versierte prominente Person, zwei absolut hype Themen genommen hat (Corona und die Spaltung der Gesellschaft), die sicher sehr viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen werden, um daraus ein Buch zu schreiben. Sie ist bewusst an der Oberfläche geblieben, damit dieses Buch auch nicht allzu weh tut und massentauglich beibt. Es ist auch ganz klar ein kurzlebiger Hit, denn in ein paar Jahren, wenn Corona nicht mehr das dominante Thema sein wird, erinnert sich niemand mehr an Juli Zehs "Über Menschen", und es landet dort, wo es eigentlich hingehört, nämlich in der Vergessenheit.

Gut gemeint ist halt nicht gut.

Bewertung aus Pregassona am 23.03.2022
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)

Ich mag Juli Zeh. Ich verfolge ihre Auftritte sei es als Literaturkritikerin, sei es als Gast in Talkshows. Ich mag ihre Ansichten, und die Art, wie sie ihre Standpunkte vertritt. Ich kenne sie als moderate, verbindende Person, die sich klar gegen Extremismus jeglicher Couleur stellt. Ich kannte sie allerdings nicht als Schriftstellerin. Und mit dieser Einstellung ging ich in dieses Buch. Die Geschichte ist simpel. Grossstadt-Mensch flieht aufs Land, in die tiefste Provinz, ehemalige DDR. Angeblich wegen Corona, aber bald stellt sich heraus, dass es mehrere Gründe gibt. Und auf dem Land, in der (ehemaligen) DDR trifft sie auf den Dorf-Nazi, gewalttätig, vorbestraft, alkoholiker, zerrüttete Existenz. Natürlich AfD Wähler. Somit öffnet Juli Zeh verschiedene Spannungsfelder: die Spaltung zwischen Stadt und Land (besser gesagt zwischen Berlin-Prenzlauer Berg und einem desolatem Kaff, dass in der DDR stecken geblieben ist). Zwischen gebildeten Menschen und solchen aus der "bildungsfernen" Unterschicht. Zwischen Dialog und Gewalt. Interessant, könnte man denken. Die 350 Seiten sind sehr gut strukturiert, mit relativ kurzen Kapiteln. Sozusagen mungerechte Häppchen die leicht zu verdauen sind. Doch damit kommt Juli Zeh an ihre Grenzen. Die Juristin und Richterin schafft es nicht, ihre berufliche Sprache anzupassen. Genau wie vor Gericht schreibt sie zwar extrem präzise, allerdings komplett frei von Gefühlen und Emotionen. Sie erzählt die Geschiche sehr genau. Fast wie eine Reportage. Jegliche Art von Sprachton, Farbe oder Poesie lässt sie nicht zu. Das Buch wird somit recht kühl und emotionslos. Nur Dora und Gote kriegen ein bisschen Tiefgang. Ihre Charaktere werden ein bisschen besser ausgeschmückt. Alle anderen Figuren sind reinste Komparsen, ein paar wenige haben eine Sprechrolle. Die andere grosse Grenze, die Juli Zeh nicht überwindet, and der sie sogar kläglich scheitert, ist der Inhalt der Geschichte. Auf der einen Seite die gebildete Dora, aus sehr gutem Hause, erfolgreich im Beruf, mit hippen Menschen um sich, und einer ncht mehr ganz so tollen Beziehung. Auf der anderen Seite der dumme Ossi, der auch Asi ist. Der nicht reden kann, sich nur durch brummen und Körpergerüche ausdrückt. Dessen Familie kaputt ist. Der schon wegen körperlicher Gewalt in der Kiste sass. Der in einem Bauwagen lebt. Der sich mit rechtsradikalen Nazis vollaufen lässt und dazu SS Lieder singt. Also ganz klar Gut versus Böse. Juli Zeh versucht dann, ganz ihrer Art folgend, in dem Bösen auch was Gutes zu finden. Klar, auch Nazis liebe ihre Kinder, auch Nazis grillen gerne in geselliger Runde. Auch Nazis können schöne Kunstwerke fabrizieren. Sie können sogar sehr nett sein. Fast liebenswert. Auch im bösen Nazidorf leben Menschen, die sich gegenseitig helfen und sich über ein Dorffest freuen. Und auch die Gute merkt irgenwann, dass ihr Standpunkt vielleicht am Prenzlauer Berg vertretbar ist, in der Provinz aber an der Wirklichkeit zerschellt. Dass ihre Ansichten nicht nur gut, sonder auch arrogant und überheblich sind. Und somit landet Juli Zeh in der totalen Bredouille. Und kommt nicht mehr raus. Irgendwann kommt irgendwas wie Liebe zwischen Dora und Gote auf. Doch kann man einen Nazi lieben? Darf man einen Nazi lieben? Sie versucht, sich den Nazi schön zu schreiben. Das geht allerdings nicht. Auch wenn er sich liebevoll um seine Tochter kümmert, wenn er Dora die schönsten Möbel baut, wunderbare Skulpturen kreiert, bleiben seine Einstellungen und Handlungen inakzeptabel. Ausländerfeindlichkeit, gar Gewalt gegen Ausländer, wie Heime "abfackeln", oder Homophobie kann man sich einfach nicht schön schreiben. Und man kann es als "sogenannter Gutmensch", oder besser "Mensch auf der richtigen Seite", auch nicht relativieren. Man kann nicht darüber hinwegsehen. Gewalt und Hass sind nicht verhandelbar. Un so nimmt das Dilemma seinen Lauf. Man merkt, dass Juli Zeh vor hatte, Brücken zu bauen. Das Gute mit dem Bösen zu verbinden. Zu zeigen, dass die zwei Welten nicht nur gegesätzlich sind, sondern auch Gemeinsamkeiten haben. Aber das ist ihr nicht gelungen. Oder vielleicht ist es ganz einfach nicht möglich. Vielleicht sind es wirklich zwei Welten, die nicht zusammen existieren können. Eigentlich ein sehr interessanter Ansatz, den sie allerdings nicht vertieft hat. Gote, der Böse, bleibt immer vorhesehbar. Ein bisschen plump. Fast klischeehaft. Und auch Dora macht eigentlich keine wirkliche Entwicklung. Sie fühlt ich zu Gote hingezogen, doch dann straft sie ihre eigene Moral und Weltanschauung. Die Beziehung zwischen ihnen, also zwischen Gut und Böse, Richtig und Falsch, bleibt sehr an der Oberfläche hängen. Ich hätte mir da von Juli Zeh schon ein bisschen mehr Tiefgang gewünscht. Eine bessere Analyse dieser zwei Wertesysteme. Sie hat es versucht. Lange. Um genau zu sein bis Seite 197. Dann hat sie die Notbremse gezogen. Die Reissleine. Gote, der Dorf-Nazi kann nicht integriert werden, also muss er sterben. Ein sogenanntes Deus ex Machina. Ein bösartiger Hirntumor. Inoperabel. Todesurteil. Man gewährt dem Todgeweihten noch ein paar schöne Tage. Und dann ist Ende im Gelände. Zudem lässt Juli Zeh den Dorf-Nazi Suizid begehen. Oder präziser einen Unfall bauen, bei dem er ums Leben kommt. Und das ist dann doch irgendwie grottesk. Was ist das? Gerechtigkeit? Oder ist es ein Schuldeingeständnis des Nazis? Eine gerechte Strafe für seine Taten? Diese Fragen bleiben offen. Fazit: Juli Zehs "Über Menschen" ist ein sehr leicht zu lesendes Buch, dass vorgibt, sich mit ganz grundlegenden Problemen unserer Gesellschaft auseinanderzusetzen, das aber immer nur an der Oberfläche kratzt. Tiefgang haben weder die Figuren, noch die Geschichte. Die Spache ist einer Juristin angemessen. Sehr präzise und sachlich, allerdings ohne jegliche Emotionen, Gefühle und Poesie. Für mich ist diese Buch leichte Kost. Aber sicherlich keine Literatur. Und zudem kam es mir andauernd vor, als ob eine sehr versierte prominente Person, zwei absolut hype Themen genommen hat (Corona und die Spaltung der Gesellschaft), die sicher sehr viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen werden, um daraus ein Buch zu schreiben. Sie ist bewusst an der Oberfläche geblieben, damit dieses Buch auch nicht allzu weh tut und massentauglich beibt. Es ist auch ganz klar ein kurzlebiger Hit, denn in ein paar Jahren, wenn Corona nicht mehr das dominante Thema sein wird, erinnert sich niemand mehr an Juli Zehs "Über Menschen", und es landet dort, wo es eigentlich hingehört, nämlich in der Vergessenheit.

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Doras Beziehung hat während der Corona-Pandemie einen ziemlich heftigen Knacks erlitten. So schlimm ist es, dass sie kurzerhand ein Haus auf dem Land kauft und mit ihrem Hund alleine dort hin zieht - Home Office macht vieles möglich, ihre Brötchen kann die Werbetexterin auch außerhalb von Berlin verdienen. Raus aus dem Bobo-Leben, rein in die Idylle. Obwohl Dora verbissen im Garten buddelt und viele Spaziergänge unternimmt, will sich die Zufriedenheit nicht so richtig einstellen. Dora hadert mit sich, und wie! Anschluss in Bracken zu finden entpuppt sich als beinahe unmöglich, Städter werden bestenfalls belächelt. Der erste Kontakt mit dem Nazi-Nachbarn verläuft auch nicht optimal und Dora beginnt sich schon ein bisschen in der Einsamkeit zu suhlen, als plötzlich einige Dinge in ihrem Garten und Haus passieren, die sie sich nicht ganz erklären kann. Ehe Dora es bemerkt, hat sie sich mit Leuten angefreundet, über die sie bei Treffen mit Freunden in Berlin hergezogen ist. Sie erkennt, dass das Leben nicht schwarz-weiß ist. Ob Dora ihr Glück in Bracken findet, müsst ihr selbst herausfinden! Juli Zehs Roman ist zum Schmunzeln, aber auch zum Weinen. Viele Gedankengänge der Protagonistin Dora werden Lesern nicht unbekannt sein, der Roman regt auf alle Fälle zum Nachdenken an. Und er ist natürlich ganz in Juli-Zeh-Manier geschrieben: nach Seite 1 schon möchte man das Buch nicht mehr aus der Hand legen!
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Ein Roman über die Menschlichkeit

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Juli Zeh‘s wunderbarer Schreibstil erzählt von der Menschlichkeit in Zeiten der sozialen Distanzierung und von einem Leben in dem es nicht nur Schwarz und Weiß gibt. Mein bisheriges Lesehighlight 2021!
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