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Hochdeutschland

Roman

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Beschreibung


Böse, brillant, humorvoll ist der Spiegelbestseller «Hochdeutschland» der Roman zur politischen, gesellschaftlichen und ökonomischen Gegenwart und der Presseerfolg des Jahres. Victor ist ein erfolgreicher Investmentbanker mit gescheiterter Ehe, heißgeliebter Tochter, Villa im Taunus, Gelegenheitssex im Spa-Bereich des Adlon. Sein Siegerdasein kann er schon lange nicht mehr ernst nehmen. Ihn quält die Gewissheit, mit seinem Leben hinter den eigenen Erwartungen zurückgeblieben zu sein. Er versucht, einen Roman zu schreiben, er versucht, sich in seine Nachbarin zu verlieben, und gründet schließlich eine populistische Bewegung, deren romantische Lebendigkeit ihn erlösen soll. Denn ist es nicht Zeit für einen radikalen Neuanfang?

«Hochdeutschland» ist ein brillanter Roman, der von einer tatsächlich bedenkenswerten Fragestellung ausgeht: Warum die Finanzkrise nicht dazu geführt hat, dass die Einkommensverteilung weithin in Frage gestellt wurde. Zugleich aber denkt er die Wirkung sich daraus ergebender Ideen durchaus zu Ende. Es ist Literatur, die zur Gegenwart etwas sagen will, aber diese Gegenwart nicht einfach nachstellt. ("Spiegel Online")
Schimmelbusch hat einen wahnsinnig lustigen, bösen, politisch klugen Untergangs- und Aufbruchsroman geschrieben. ("LiteraturSPIEGEL")
... entscheidend ist, mit welcher Souveränität Schimmelbusch die Welt hinter den hohen Türmen der Banken nicht nur ins Leben, sondern vor allem in den Bereich der Kultur zurückholt ... Es ist ein raues, schnelles, irres Buch von kristalliner Eleganz. ... Darum wünschte man sich für jedes Regal aus Kiefernholz und jede Studenten-WG in Marburg und Bielefeld, dass dort, wie in der Bibliothek des ehemaligen VW-Chefs Müller, bald Alexander Schimmelbuschs Hochdeutschland stünde: Denn das wäre genau das richtige Buch, um zu zeigen, dass die schärfste kulturelle Kritik des Kapitalismus natürlich nur aus dem Kapitalismus selbst kommen kann, basierend auf einer genauen Detailkenntnis, auf einem Verständnis für die Sucht nach Aufstieg und Fall, inklusive gnädigen Blicks auf die Verkrustungen und Vernarbungen der Bankerseelen. Ein Roman, der zeigt, dass auch hierbei Humor erlaubt ist. ("Die Zeit")
Hätten Romane Farben und Geschwindigkeiten, dann wäre «Hochdeutschland» von Alexander Schimmelbusch stahlblau und polarsilber, mit etwas kühlem Flaschenfrün und Schiefer. ("Welt am Sonntag")
Nicht nur der Roman der Stunde. Wenn man zu End gelacht hat, kann man dann auch endlich anfangen, über die Zeit, in der wir leben, bitterlich zu weinen. ("Der Standard")
Mit seinem Roman ‹Hochdeutschland› wirft Alexander Schimmelbusch ein grelles Licht auf die seelische Verfassung der Nation. ("taz")

Alexander Schimmelbusch, geboren 1975 in Frankfurt am Main, wuchs in New York auf, studierte an der Georgetown University in Washington und arbeitete dann fünf Jahre lang als Investmentbanker in London. Sein Debüt »Blut im Wasser« gewann den Preis der Hotlist der unabhängigen Verlage. 2019 erhielt der Autor ein Stipendium der Villa Massimo. 

 

 

Details

Einband

Taschenbuch

Erscheinungsdatum

17.09.2019

Verlag

Rowohlt Taschenbuch

Seitenzahl

224

Maße (L/B/H)

19/12,3/2 cm

Beschreibung

Details

Einband

Taschenbuch

Erscheinungsdatum

17.09.2019

Verlag

Rowohlt Taschenbuch

Seitenzahl

224

Maße (L/B/H)

19/12,3/2 cm

Gewicht

198 g

Auflage

1. Auflage

Sprache

Deutsch

ISBN

978-3-499-27643-9

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Am Ende leider verunglückt

Bewertung aus Viersen am 05.06.2018

Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)

Victor ist saturierter Investmentbanker, der vor lauter Langeweile über die klaffende Teilung der Gesellschaft durch unangemessene Verteilung des Reichtums sinniert. Er hat sich mit Mergers & Acquisitions dumm und schuppig verdient. Der Protagonist, 39 Jahre alt, inzwischen Anteilseigner der Birken Bank zählt sich zur Elite der Gesellschaft [Memo an mich selbst: Diskurs über Definition von Elite anstoßen]. Er hat eine - der vorherrschenden Meinung nach - hochkarätige Ausbildung zu einem effizienten, vor allem amoralischen Funktionierer in seinem Fachbereich genossen. Das stellt er selbst zynisch fest. Er lebt das Leben der Happy Few, ohne happy zu sein, fährt einen Porsche mit allen technischen Schikanen, hat ein stylisches Haus, auch ausgestattet mit dem neuesten heißen Scheiß. Sex hat er nach Bedarf mit der Frau seines Nachbarn oder er lässt sich im Spa des Adlon gegen Geld verwöhnen. Das einzige Wesen, dem Victor augenscheinlich zugetan ist, ist seine Tochter aus einer gescheiterten Beziehung. Auf dem Gipfel, nein, richtiger formuliert: vom Gipfel seines Erfolges sieht er hinab in die Niederungen, herab auch auf die Niederen und ist schockiert vom Zustand der Gesellschaft, ja sogar ganz Deutschlands. Dabei entpuppt Victor sich als arroganter Klischeewiederkäuer der übelsten Sorte: "[...] die Gehäuse der Mehrheit enthielten keine digitalisierten Bibliotheken, keine Reflexionstreiber, keine analytischen Prozessoren, keine hochentwickelten Melancholiemodule sowie nur rudimentäre Texterfassungssysteme. All diese Menschen, war ihm klar geworden, obwohl sie dieselbe Luft wie er atmeten, existierten auf einer völlig anderen Wahrnehmungsebene." Für dieses Pauschalurteil reicht dem smarten Victor ein Einkauf beim Elektro-Discounter. Sogleich stilisiert er diese Beobachtung – eine Momentaufnahme – zum Ergebnis einer fundierten Analyse, die eher von seinem Ekel vor Menschen zeugt, als differenzierender Reife. Und nun leiert er sich mit dem Impetus des Retters sein „Manifest“ aus den hipp gestählten Rippchen. Der nur vorgeblich selbstreflektierte Erfolgsmensch Victor (Erfolg nur gemessen in Geld wohlgemerkt!) meint nun, seinen Erfolg intellektuell aufladen zu sollen, um die dümpelnde Mehrheit an seinem Wesen genesen zu lassen und Deutschland, Deutschland für immer über alles zu stellen. So eine - intellektuell im Vergleich zu Victor sicher minderbemittelte – „erfolgreiche“ Matschbirne hat sich ja bereits in den USA mit populistischem Programm („America First“) an die Macht gelogen. Victor ist die feinere, rechtsintellektuelle Version in linker Verkleidung. Kern seiner Idee ist die Obergrenze für Vermögen, die sich in unserer Neidhammel-Kultur sicher auch „in echt“ bestens verkaufen lässt. Nach Enteignung der Superreichen - mit Ehrenbezeugung, Fackelzug und Gedenktafel in der Walhalla (mein Vorschlag) - sollen die Penunzen in einen staatlichen Fonds eingebracht werden, den ausschließlich die finanzwirtschaftliche Elite [Memo an mich wegen Memo] führen soll, um sodann fröhlich-enthemmt zum Wohle des deutschen Volkes weltweit mit dem Geld der Anderen weiterzocken zu können. Victor spielt das Pamphlet seinem Freund Ali Osman zu, der den Grünen enttäuscht den Rücken kehrt und mit Victors Idee die Partei „Deutschland AG“ gründet. Osman ist nicht nur eine Erfolgsgeschichte der Integration, sondern in seinem patriotischen Eifer assimiliert bis zur Arschkrampigkeit. Und nun nimmt das Schicksal seinen Lauf. Ali Osman knickert sich im Hintergrund seine neue Bewegung zusammen. Victor pitcht erfolgreich. Er läutet mit Protektion des zuständigen Bundesfinanzministers den Rückerwerb eines Energieversorgers ein, bringt seine Partner in der Bank auf den neuen Kurs: „Privatisierung ade! Staat als Unternehmer olé!“ Nebenbei versucht Victor sich daran, einen Roman zu schreiben – ein krudes Geschwurbel über eine entwürdigte Deutsche, die während des Zweiten Weltkriegs in den USA Zuflucht sucht, aber nicht findet, und einen deutschen U-Boot-Kommandanten, der sich mit seinem Vehikel bis nach New York verirrt. Beide kennen sich aus ihrem Vorleben. Wird er sie retten? Weiß man’s. Metaebene dieses den Lesefluss störenden Erzählzweigs soll vielleicht der Hinweis auf generationsübergreifende Kriegstraumata und die noch nachhallende Niederlage sein, die einen kollektiven Gang auf die Couch eines Psychiaters nahelegen. Victor gehört dort jedenfalls hin. Mitten im Zeugungsakt der „Deutschland AG“ stoppt Schimmelbusch und dreht die Uhr 15 Jahre weiter. Alis und Victors Plan ging auf. Der eine wurde Bundeskanzler, der andere Vorsitzender der GINA (German Investment Authority). Und hätte die RAF nicht eine lächerliche Wiederauferstehung als PAF (Porsche Armee Fraktion) erlebt, herrschte Friede, Freude, Überbeschäftigung. Tatsächlich macht es am Ende PAFF und einer der beiden Deutschland-Retter ist tot. Mit einer albernen Schlusspointe fällt der Vorhang. Herr Schimmelbusch, see me sitting in the palm tree! Sie haben mich dabei erwischt, wie ich anfangs der ein oder anderen Diagnose Victors und daraus abgeleitetem „Therapieansatz“ zugenickt und somit meine „blinden Flecken“ und „Vor-Urteile“ zum Selbstschämen peinlich offenbart habe. Sie haben der German Angst, die wohl auch in mir wohnt, so richtig Zucker gegeben. Ich bin durch „Hochdeutschland“ provoziert worden, meine Positionierung zu prüfen. Wenn ein Buch das leistet, ist das nicht wenig. Dennoch hat der Roman seine Möglichkeiten verschenkt. An der Stelle, an der es interessant geworden wäre, stiehlt sich m. E. der Autor zu früh aus seiner Geschichte. Dem Werk hätte ein weiterer Erzählstrang gutgetan, nämlich die Darstellung der Umsetzung der von Victor im Suff hingerotzten Idee. Schimmelbusch hätte den antidemokratischen Nukleus herausarbeiten können. Er hätte die internationalen Verquickungen darstellen können, die ein ausschließlich dem Erhalt seiner wirtschaftlichen Stärke verpflichtetes Deutschland mit Heuschrecken-Antlitz verursachen würde. Gerne hätte ich auch das Szenario einer GINA in der nächsten Bankenkrise oder beim Zusammenbruch des Euros gelesen. Schimmelbusch hingegen unterstellt, dass sie sogar 15 Jahre (!) erfolgreich wirtschaftet und das angeführt von einem Charakter wie Victor, den ich vor dem Schlusskapitel als Karikatur auf die wert(e)lose Wirtschaftselite begriffen hatte. Hier geht etwas nicht auf. Habe ich etwa „Hochdeutschland“ (bis zu diesem gewählten Ende) nur für eine bitterböse, brillant formulierte Satire gehalten, in Wirklichkeit verbirgt sich aber eine Blaupause dahinter? Ein Vergleich mit „Unterwerfung“ von Houellebecq tut dem Roman von Schimmelbusch übrigens nicht gut. Der französische Autorenkollege hat mit Subtilität und konstruktivem Geschick - am Beispiel und aus der Warte eines mittelmäßigen Akademikers, auch der Elite [an mich: siehe oben] zugehörig - schmerzvoll durchexerziert, wie die Schritte zur Transformation einer abgelenkten Gesellschaft gesetzt werden. Da hatte Schimmelbusch längst die Füße hochgelegt und das halbfertige Manuskript beim Verlag abgegeben. Und der hat es genommen, anstatt ihn nachsitzen zu lassen. Gekonnt hätte Schimmelbusch es doch. Schade.

Am Ende leider verunglückt

Bewertung aus Viersen am 05.06.2018
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)

Victor ist saturierter Investmentbanker, der vor lauter Langeweile über die klaffende Teilung der Gesellschaft durch unangemessene Verteilung des Reichtums sinniert. Er hat sich mit Mergers & Acquisitions dumm und schuppig verdient. Der Protagonist, 39 Jahre alt, inzwischen Anteilseigner der Birken Bank zählt sich zur Elite der Gesellschaft [Memo an mich selbst: Diskurs über Definition von Elite anstoßen]. Er hat eine - der vorherrschenden Meinung nach - hochkarätige Ausbildung zu einem effizienten, vor allem amoralischen Funktionierer in seinem Fachbereich genossen. Das stellt er selbst zynisch fest. Er lebt das Leben der Happy Few, ohne happy zu sein, fährt einen Porsche mit allen technischen Schikanen, hat ein stylisches Haus, auch ausgestattet mit dem neuesten heißen Scheiß. Sex hat er nach Bedarf mit der Frau seines Nachbarn oder er lässt sich im Spa des Adlon gegen Geld verwöhnen. Das einzige Wesen, dem Victor augenscheinlich zugetan ist, ist seine Tochter aus einer gescheiterten Beziehung. Auf dem Gipfel, nein, richtiger formuliert: vom Gipfel seines Erfolges sieht er hinab in die Niederungen, herab auch auf die Niederen und ist schockiert vom Zustand der Gesellschaft, ja sogar ganz Deutschlands. Dabei entpuppt Victor sich als arroganter Klischeewiederkäuer der übelsten Sorte: "[...] die Gehäuse der Mehrheit enthielten keine digitalisierten Bibliotheken, keine Reflexionstreiber, keine analytischen Prozessoren, keine hochentwickelten Melancholiemodule sowie nur rudimentäre Texterfassungssysteme. All diese Menschen, war ihm klar geworden, obwohl sie dieselbe Luft wie er atmeten, existierten auf einer völlig anderen Wahrnehmungsebene." Für dieses Pauschalurteil reicht dem smarten Victor ein Einkauf beim Elektro-Discounter. Sogleich stilisiert er diese Beobachtung – eine Momentaufnahme – zum Ergebnis einer fundierten Analyse, die eher von seinem Ekel vor Menschen zeugt, als differenzierender Reife. Und nun leiert er sich mit dem Impetus des Retters sein „Manifest“ aus den hipp gestählten Rippchen. Der nur vorgeblich selbstreflektierte Erfolgsmensch Victor (Erfolg nur gemessen in Geld wohlgemerkt!) meint nun, seinen Erfolg intellektuell aufladen zu sollen, um die dümpelnde Mehrheit an seinem Wesen genesen zu lassen und Deutschland, Deutschland für immer über alles zu stellen. So eine - intellektuell im Vergleich zu Victor sicher minderbemittelte – „erfolgreiche“ Matschbirne hat sich ja bereits in den USA mit populistischem Programm („America First“) an die Macht gelogen. Victor ist die feinere, rechtsintellektuelle Version in linker Verkleidung. Kern seiner Idee ist die Obergrenze für Vermögen, die sich in unserer Neidhammel-Kultur sicher auch „in echt“ bestens verkaufen lässt. Nach Enteignung der Superreichen - mit Ehrenbezeugung, Fackelzug und Gedenktafel in der Walhalla (mein Vorschlag) - sollen die Penunzen in einen staatlichen Fonds eingebracht werden, den ausschließlich die finanzwirtschaftliche Elite [Memo an mich wegen Memo] führen soll, um sodann fröhlich-enthemmt zum Wohle des deutschen Volkes weltweit mit dem Geld der Anderen weiterzocken zu können. Victor spielt das Pamphlet seinem Freund Ali Osman zu, der den Grünen enttäuscht den Rücken kehrt und mit Victors Idee die Partei „Deutschland AG“ gründet. Osman ist nicht nur eine Erfolgsgeschichte der Integration, sondern in seinem patriotischen Eifer assimiliert bis zur Arschkrampigkeit. Und nun nimmt das Schicksal seinen Lauf. Ali Osman knickert sich im Hintergrund seine neue Bewegung zusammen. Victor pitcht erfolgreich. Er läutet mit Protektion des zuständigen Bundesfinanzministers den Rückerwerb eines Energieversorgers ein, bringt seine Partner in der Bank auf den neuen Kurs: „Privatisierung ade! Staat als Unternehmer olé!“ Nebenbei versucht Victor sich daran, einen Roman zu schreiben – ein krudes Geschwurbel über eine entwürdigte Deutsche, die während des Zweiten Weltkriegs in den USA Zuflucht sucht, aber nicht findet, und einen deutschen U-Boot-Kommandanten, der sich mit seinem Vehikel bis nach New York verirrt. Beide kennen sich aus ihrem Vorleben. Wird er sie retten? Weiß man’s. Metaebene dieses den Lesefluss störenden Erzählzweigs soll vielleicht der Hinweis auf generationsübergreifende Kriegstraumata und die noch nachhallende Niederlage sein, die einen kollektiven Gang auf die Couch eines Psychiaters nahelegen. Victor gehört dort jedenfalls hin. Mitten im Zeugungsakt der „Deutschland AG“ stoppt Schimmelbusch und dreht die Uhr 15 Jahre weiter. Alis und Victors Plan ging auf. Der eine wurde Bundeskanzler, der andere Vorsitzender der GINA (German Investment Authority). Und hätte die RAF nicht eine lächerliche Wiederauferstehung als PAF (Porsche Armee Fraktion) erlebt, herrschte Friede, Freude, Überbeschäftigung. Tatsächlich macht es am Ende PAFF und einer der beiden Deutschland-Retter ist tot. Mit einer albernen Schlusspointe fällt der Vorhang. Herr Schimmelbusch, see me sitting in the palm tree! Sie haben mich dabei erwischt, wie ich anfangs der ein oder anderen Diagnose Victors und daraus abgeleitetem „Therapieansatz“ zugenickt und somit meine „blinden Flecken“ und „Vor-Urteile“ zum Selbstschämen peinlich offenbart habe. Sie haben der German Angst, die wohl auch in mir wohnt, so richtig Zucker gegeben. Ich bin durch „Hochdeutschland“ provoziert worden, meine Positionierung zu prüfen. Wenn ein Buch das leistet, ist das nicht wenig. Dennoch hat der Roman seine Möglichkeiten verschenkt. An der Stelle, an der es interessant geworden wäre, stiehlt sich m. E. der Autor zu früh aus seiner Geschichte. Dem Werk hätte ein weiterer Erzählstrang gutgetan, nämlich die Darstellung der Umsetzung der von Victor im Suff hingerotzten Idee. Schimmelbusch hätte den antidemokratischen Nukleus herausarbeiten können. Er hätte die internationalen Verquickungen darstellen können, die ein ausschließlich dem Erhalt seiner wirtschaftlichen Stärke verpflichtetes Deutschland mit Heuschrecken-Antlitz verursachen würde. Gerne hätte ich auch das Szenario einer GINA in der nächsten Bankenkrise oder beim Zusammenbruch des Euros gelesen. Schimmelbusch hingegen unterstellt, dass sie sogar 15 Jahre (!) erfolgreich wirtschaftet und das angeführt von einem Charakter wie Victor, den ich vor dem Schlusskapitel als Karikatur auf die wert(e)lose Wirtschaftselite begriffen hatte. Hier geht etwas nicht auf. Habe ich etwa „Hochdeutschland“ (bis zu diesem gewählten Ende) nur für eine bitterböse, brillant formulierte Satire gehalten, in Wirklichkeit verbirgt sich aber eine Blaupause dahinter? Ein Vergleich mit „Unterwerfung“ von Houellebecq tut dem Roman von Schimmelbusch übrigens nicht gut. Der französische Autorenkollege hat mit Subtilität und konstruktivem Geschick - am Beispiel und aus der Warte eines mittelmäßigen Akademikers, auch der Elite [an mich: siehe oben] zugehörig - schmerzvoll durchexerziert, wie die Schritte zur Transformation einer abgelenkten Gesellschaft gesetzt werden. Da hatte Schimmelbusch längst die Füße hochgelegt und das halbfertige Manuskript beim Verlag abgegeben. Und der hat es genommen, anstatt ihn nachsitzen zu lassen. Gekonnt hätte Schimmelbusch es doch. Schade.

Gesellschaftskritik

stefanb am 29.05.2018

Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)

Schimmelbuschs Buch „Hochdeutschland“ spielt in Frankfurt und Umgebung und handelt von Victor, einem ennuyierten Investmentbanker der bereits auf der ersten Seite sehr treffend als „flexible Persönlichkeit“ [1] beschrieben wird. Es mangelt ihm an Herausforderungen. Er hat für sich alles erreicht, ist reich – da Teilhaber der Birken Bank. Seine Ehe ist gescheitert. Aber Glück und Zufriedenheit kann man mit all dem Geld nicht kaufen. Dies muss auch Victor feststellen. Schimmelbusch zeigt sehr pointiert wie Victor seinen Platz in der Gesellschaft erreicht hat und was dem Erfolg geschuldet ist. Sein eigenes Glück schmieden – was für ein verlogenes Bild… [] Der Blick auf das Deutschland dieser Zeit, der am Anfang bissig, lustig, böse aber durchaus treffend herüberkommt, weicht immer mehr dem Gesellschaftlichen und die politische Ansichtsweise kommt immer stärker zum Tragen. „Es geht hier um Deutschland Habibi. Nicht um irgendein in sich ruhendes Chillout-Land. Deutschland funktioniert nur, wenn alle die ganze Zeit arbeiten, sonst kommt der Deutsche auf dumme Gedanken – haste den schonmal im Urlaub gesehen?“ [174] Und so erarbeitet Victor ein Manifest und legt dieses Ali Osman, seinem Freund und Mitglied des Bundestages für die Grünen vor. Dies kommt dem Bundestagsabgeordneten sehr gelegen, da er Gedanken für eine „die Deutschland AG“ hat. Dieser politische Entwurf soll nichts anderes machen, als Deutschland radikal umzubauen, wie es ja in der Wirtschaft oft vorgelebt und auch umgesetzt wird. Dabei bedient sich Victor bei seinen Formulierungen dem kompletten politischen Spektrum, sowohl rechts als auch links außen. Er versucht dabei das Leistungsprinzip auf die BRD bzw. der Gesellschaft zu übertragen und dem Großen und Ganzen zu unterstellen. In diesem Manifest, es liest sich wie ein Wahlprogramm einer populistischen Partei, wird auch die Einkommensverteilung - „25 Millionen (Eigenvermögen) sind genug.“ [ 115 ] - in Frage gestellt. An vielen Stellen von Schimmelbuschs Buch fühlt man sich an "American Psycho" von Bret Easton Ellis erinnert. "Sie trug einen schwarzen Jumpsuit von Jil Sander, signalrote Turnschuhe von Adidas by Yohji Yamamoto... [204] Aber auch "Unterwerfung" von Michel Houellebecq kommt dem Leser in den Sinn. Nicht nur weil sich Houellebecq als Gesellschaftsdenker darstellt, sondern auch weil dort der Protagonist François sich auf eine Reise in sein Inneres begibt. Der Roman von Schimmelbusch hat sehr wenig Handlung und die Interaktion zwischen den Charakteren leidet, da keinerlei kritische Hinterfragung stattfindet. „Isch fick disch, Alter" „Isch fick deine Mutter" [176] Obwohl Schimmelbusch mit großen Worten nur um sich schmeißt, lässt sich sein Werk bestens lesen. Man ist auf jeden Fall gut unterhalten und wird mit einigen Gedankenspielereien bedacht, welche auch nach der Beendigung des Romans den Leser weiter beschäftigen.

Gesellschaftskritik

stefanb am 29.05.2018
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)

Schimmelbuschs Buch „Hochdeutschland“ spielt in Frankfurt und Umgebung und handelt von Victor, einem ennuyierten Investmentbanker der bereits auf der ersten Seite sehr treffend als „flexible Persönlichkeit“ [1] beschrieben wird. Es mangelt ihm an Herausforderungen. Er hat für sich alles erreicht, ist reich – da Teilhaber der Birken Bank. Seine Ehe ist gescheitert. Aber Glück und Zufriedenheit kann man mit all dem Geld nicht kaufen. Dies muss auch Victor feststellen. Schimmelbusch zeigt sehr pointiert wie Victor seinen Platz in der Gesellschaft erreicht hat und was dem Erfolg geschuldet ist. Sein eigenes Glück schmieden – was für ein verlogenes Bild… [] Der Blick auf das Deutschland dieser Zeit, der am Anfang bissig, lustig, böse aber durchaus treffend herüberkommt, weicht immer mehr dem Gesellschaftlichen und die politische Ansichtsweise kommt immer stärker zum Tragen. „Es geht hier um Deutschland Habibi. Nicht um irgendein in sich ruhendes Chillout-Land. Deutschland funktioniert nur, wenn alle die ganze Zeit arbeiten, sonst kommt der Deutsche auf dumme Gedanken – haste den schonmal im Urlaub gesehen?“ [174] Und so erarbeitet Victor ein Manifest und legt dieses Ali Osman, seinem Freund und Mitglied des Bundestages für die Grünen vor. Dies kommt dem Bundestagsabgeordneten sehr gelegen, da er Gedanken für eine „die Deutschland AG“ hat. Dieser politische Entwurf soll nichts anderes machen, als Deutschland radikal umzubauen, wie es ja in der Wirtschaft oft vorgelebt und auch umgesetzt wird. Dabei bedient sich Victor bei seinen Formulierungen dem kompletten politischen Spektrum, sowohl rechts als auch links außen. Er versucht dabei das Leistungsprinzip auf die BRD bzw. der Gesellschaft zu übertragen und dem Großen und Ganzen zu unterstellen. In diesem Manifest, es liest sich wie ein Wahlprogramm einer populistischen Partei, wird auch die Einkommensverteilung - „25 Millionen (Eigenvermögen) sind genug.“ [ 115 ] - in Frage gestellt. An vielen Stellen von Schimmelbuschs Buch fühlt man sich an "American Psycho" von Bret Easton Ellis erinnert. "Sie trug einen schwarzen Jumpsuit von Jil Sander, signalrote Turnschuhe von Adidas by Yohji Yamamoto... [204] Aber auch "Unterwerfung" von Michel Houellebecq kommt dem Leser in den Sinn. Nicht nur weil sich Houellebecq als Gesellschaftsdenker darstellt, sondern auch weil dort der Protagonist François sich auf eine Reise in sein Inneres begibt. Der Roman von Schimmelbusch hat sehr wenig Handlung und die Interaktion zwischen den Charakteren leidet, da keinerlei kritische Hinterfragung stattfindet. „Isch fick disch, Alter" „Isch fick deine Mutter" [176] Obwohl Schimmelbusch mit großen Worten nur um sich schmeißt, lässt sich sein Werk bestens lesen. Man ist auf jeden Fall gut unterhalten und wird mit einigen Gedankenspielereien bedacht, welche auch nach der Beendigung des Romans den Leser weiter beschäftigen.

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