Aufzeichnungen aus einem Totenhause
Band 2647

Aufzeichnungen aus einem Totenhause

Nachw. v. Birgit Harreß

Buch (Taschenbuch)

11,10 €

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Beschreibung

Details

Einband

Taschenbuch

Erscheinungsdatum

01.01.1999

Verlag

Reclam, Philipp

Seitenzahl

511

Maße (L/B/H)

14,9/9,7/2,8 cm

Beschreibung

Details

Einband

Taschenbuch

Erscheinungsdatum

01.01.1999

Verlag

Reclam, Philipp

Seitenzahl

511

Maße (L/B/H)

14,9/9,7/2,8 cm

Gewicht

228 g

Übersetzt von

Hermann Röhl

Sprache

Deutsch

ISBN

978-3-15-002647-2

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" Überall gibt es schlechte Menschen und unter den schlechten auch Gute "

Jérôme aus Bad Eilsen am 18.03.2014

Bewertungsnummer: 838623

Bewertet: Buch (Taschenbuch)

Was ist Dostojewski in jenen Jahren seiner Gefangenschaft wiederfahren, wodurch seine großen Werke später so grundlegend bestimmt werden sollten. Welchen kostbaren Erfahrungen und Einflüssen, verdanken wir seine großen Werke ? Es sind seine " Aufzeichnungen aus einem Totenhaus ", die einen autobiographischen Aufschluss darüber geben, woher er seinen Ideenreichtum und seine Menschenkenntnis bezog. Speziell die Analysierung des Verbrechens, das Überschreiten jener Grenze, die einen Täter zu jenem plötzlichen Sprung in einen anderen Bereich des menschlichen Lebens verleiten, wie es ein Raskolnikoff beispielsweise tat, finden hier ihre Motive für jenen Absprung. Die Veranlassung für Dostojewskis Deportation ins sibirische Gefängnis, ist auf die revolutionären, frühsozialistischen Aktivitäten bei den Petraschewzen, einem Kreis bei denen sich junge Intellektuelle trafen, zurückzuführen. Nachdem es der Regierung des Zaren Nikolaus gelungen war, einen Spitzel in die Gruppe einzuschleusen, kam es auch schon bald zur Aufdeckung der Verschwörung. 15 von ihnen, darunter Dostojewski, wurden schließlich zum Tode verurteilt. Am Tag der Hinrichtung kam es allerdings lediglich zu einer Inszenierung, bei der die Verurteilten, die sich schon im Jenseits gesehen haben, im letzten Moment begnadigt und ihre Strafen in jahrelange Haft umgewandelt wurden. Seine vierjährige Haftstrafe im sibirischen Omsk, bildet schließlich die Grundlage seiner Aufzeichnungen, die aufgrund der starken Zensur, die Gründe für seine Verhaftung nicht thematisieren. Stattdessen werden die Erlebnisse im sibirischen Ostrogg durch einen unbekannten Ich-Erzähler vorgetragen, der die Aufzeichnungen aus der Perspektive des Protagonisten Alexander Petrowitsch Gorjantschikoff wiedergibt, der wegen eines Mordes zu zehn Jahren Haft verurteilt wurde. Im Folgenden werden nun Eindrücke, Erlebnisse, Dialoge zwischen den Häftlingen, Charakterisierungen der Täter, die Hierachie der Wachhabenden und auch die Verbrechen selbst thematisiert. Der vorherrschende Konsens, nachdem die schwere Arbeit, das schlechte Essen oder die mangelnde Hygiene die Gefangenschaft so unerträglich machen, ist es vielmehr dem Umstand zuzuschreiben, dass die fehlende Privatsphäre und die damit zusammenhängende Schwierigkeit sich vor der Masse zurückzuziehen , als eigentliches Hauptproblem angesehen werden sollte. Die von Sartre geprägte Maxime, " Die Hölle, das sind die anderen ", spiegelt hervorragend Dostojewskis Quintessenz, über das Zusammenleben in der Gefangenschaft wieder. Es ist die zermürbende Zwangsgemeinschaft, welche den Häftlingen jegliche Privatsphäre entzieht und sie einer beständigen Interaktion mit den anderen Insassen aussetzt. Eine weitere schmerzliche Erfahrung, die das Einleben für Dostojewski sehr erschwerte, war die soziale Hierachie, die ihm, der aus adligen Verhältnissen stammte, von den anderen Häftlingen Spott und Hass einbrachte. Doch neben diesen Erfahrungen, scheinen immer wieder auch Momente der Menschlichkeit durch, wie dem Weihnachtsfest, bei dem brüderlich geteilt wurde oder Theateraufführungen, denen die Häftlinge mit kindlichem Staunen und Vergnügen beiwohnten. Selbst unter den gemeinsten Häftlingen, schimmern nicht für möglich gehaltene Züge durch, so das Dostojewski geneigt ist zu sagen, " Überall gibt es schlechte Menschen, und unter den schlechten auch Gute " . Zeit seines Lebens wird er an seinem Ideal der Christlichkeit und an das Leben in einer friedlichen, menschenachtenden Gemeinschaft festhalten. Insgesamt sehr interessante Aufzeichnungen, die den Leser verstehen lassen, welchen Einfluss die Gefangenschaft, für sein späteres Schaffen hatte, aber auch einen tiefen Einblick in die Psyche eines Verbrechers geben.
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" Überall gibt es schlechte Menschen und unter den schlechten auch Gute "

Jérôme aus Bad Eilsen am 18.03.2014
Bewertungsnummer: 838623
Bewertet: Buch (Taschenbuch)

Was ist Dostojewski in jenen Jahren seiner Gefangenschaft wiederfahren, wodurch seine großen Werke später so grundlegend bestimmt werden sollten. Welchen kostbaren Erfahrungen und Einflüssen, verdanken wir seine großen Werke ? Es sind seine " Aufzeichnungen aus einem Totenhaus ", die einen autobiographischen Aufschluss darüber geben, woher er seinen Ideenreichtum und seine Menschenkenntnis bezog. Speziell die Analysierung des Verbrechens, das Überschreiten jener Grenze, die einen Täter zu jenem plötzlichen Sprung in einen anderen Bereich des menschlichen Lebens verleiten, wie es ein Raskolnikoff beispielsweise tat, finden hier ihre Motive für jenen Absprung. Die Veranlassung für Dostojewskis Deportation ins sibirische Gefängnis, ist auf die revolutionären, frühsozialistischen Aktivitäten bei den Petraschewzen, einem Kreis bei denen sich junge Intellektuelle trafen, zurückzuführen. Nachdem es der Regierung des Zaren Nikolaus gelungen war, einen Spitzel in die Gruppe einzuschleusen, kam es auch schon bald zur Aufdeckung der Verschwörung. 15 von ihnen, darunter Dostojewski, wurden schließlich zum Tode verurteilt. Am Tag der Hinrichtung kam es allerdings lediglich zu einer Inszenierung, bei der die Verurteilten, die sich schon im Jenseits gesehen haben, im letzten Moment begnadigt und ihre Strafen in jahrelange Haft umgewandelt wurden. Seine vierjährige Haftstrafe im sibirischen Omsk, bildet schließlich die Grundlage seiner Aufzeichnungen, die aufgrund der starken Zensur, die Gründe für seine Verhaftung nicht thematisieren. Stattdessen werden die Erlebnisse im sibirischen Ostrogg durch einen unbekannten Ich-Erzähler vorgetragen, der die Aufzeichnungen aus der Perspektive des Protagonisten Alexander Petrowitsch Gorjantschikoff wiedergibt, der wegen eines Mordes zu zehn Jahren Haft verurteilt wurde. Im Folgenden werden nun Eindrücke, Erlebnisse, Dialoge zwischen den Häftlingen, Charakterisierungen der Täter, die Hierachie der Wachhabenden und auch die Verbrechen selbst thematisiert. Der vorherrschende Konsens, nachdem die schwere Arbeit, das schlechte Essen oder die mangelnde Hygiene die Gefangenschaft so unerträglich machen, ist es vielmehr dem Umstand zuzuschreiben, dass die fehlende Privatsphäre und die damit zusammenhängende Schwierigkeit sich vor der Masse zurückzuziehen , als eigentliches Hauptproblem angesehen werden sollte. Die von Sartre geprägte Maxime, " Die Hölle, das sind die anderen ", spiegelt hervorragend Dostojewskis Quintessenz, über das Zusammenleben in der Gefangenschaft wieder. Es ist die zermürbende Zwangsgemeinschaft, welche den Häftlingen jegliche Privatsphäre entzieht und sie einer beständigen Interaktion mit den anderen Insassen aussetzt. Eine weitere schmerzliche Erfahrung, die das Einleben für Dostojewski sehr erschwerte, war die soziale Hierachie, die ihm, der aus adligen Verhältnissen stammte, von den anderen Häftlingen Spott und Hass einbrachte. Doch neben diesen Erfahrungen, scheinen immer wieder auch Momente der Menschlichkeit durch, wie dem Weihnachtsfest, bei dem brüderlich geteilt wurde oder Theateraufführungen, denen die Häftlinge mit kindlichem Staunen und Vergnügen beiwohnten. Selbst unter den gemeinsten Häftlingen, schimmern nicht für möglich gehaltene Züge durch, so das Dostojewski geneigt ist zu sagen, " Überall gibt es schlechte Menschen, und unter den schlechten auch Gute " . Zeit seines Lebens wird er an seinem Ideal der Christlichkeit und an das Leben in einer friedlichen, menschenachtenden Gemeinschaft festhalten. Insgesamt sehr interessante Aufzeichnungen, die den Leser verstehen lassen, welchen Einfluss die Gefangenschaft, für sein späteres Schaffen hatte, aber auch einen tiefen Einblick in die Psyche eines Verbrechers geben.

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von Fjodor M. Dostojewski

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