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Aglaia Kister

Aglaia Kister studierte Germanistik, Philosophie, Literatur- und Kulturtheorie. 2019 wurde sie mit einer Arbeit zu Schwindelerfahrungen und Gleichgewichtsidealen im Werk Thomas Manns promoviert. Derzeit arbeitet sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Deutschen Seminar der Universität Tübingen.

Fragile Balance von Aglaia Kister

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Fragile Balance
  • Fragile Balance
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„Ich bin ein Mensch des Gleichgewichts“, lautet eine berühmte Selbstcharakterisierung Thomas Manns. Das Balancieren erscheint in seinem Werk als Grundbewegung des menschlichen Lebens, die jedoch stets von Gegenkräften – dem Schwindel, der Schwermut, dem Radikalismus – gefährdet bleibt. Aglaia Kister unternimmt eine metaphorologische Analyse der Bildspender, aus welchen sich Thomas Manns Balance-Ideale speisen und die für sein Denken entscheidende Implikationen besitzen. Wie die Lektüre ausgewählter Romane und Essays zeigt, erwachsen seine leidenschaftlich umworbenen Gleichgewichtskonzepte gerade aus den modernespezifischen Erfahrungen des Balanceverlusts: Besonders der Schwindel bildet ein gendertheoretisch, existenzphilosophisch und poetologisch bedeutsames Leitsymptom. Balance erscheint bei Thomas Mann als ein ebenso glückhafter wie fragiler Zustand, der den Krisen des politischen, seelischen oder körperlichen Gleichgewichtsverlusts stets aufs Neue abgerungen werden muss.

"I am a man of equilibrium" is one of Thomas Mann's famous self-characterizations. In his work, balancing figures as a basic movement of human life, which, however, always remains endangered by counterforces – dizziness, melancholy, radicalism. Aglaia Kister undertakes a metaphorological analysis of the imagery Thomas Mann's balancing ideals are informed by, entailing implications that are decisive for his thinking. As her reading of selected novels and essays shows, Mann's passionately courted concepts of balance emerge precisely from the loss of balance specific to modernity: Dizziness in particular is a leading symptom of gender theory, existential philosophy and poetology. For Thomas Mann, balance figures as a state as serendipitous as it is fragile that must be constantly wrested anew from the crises of political, mental, or physical loss of balance.

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