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Autorenbild von Andrea Blunschi

Andrea Blunschi

Andrea Blunschi ist die Tochter des unehelichen Kindes von Martina Bucher. Ihre Grossmutter starb 2003, ohne aus ihrem früheren Leben erzählt zu haben. Sie hinterliess indes zahlreiche Fotografien, Briefe und ein Tagebuch. Von 2005 bis 2009 führte Andrea Blunschi Interviews mit Verwandten und Bekannten, besuchte Archive in der Schweiz und in Deutschland. Ein reichhaltiger Quellenfundus entstand. Die Spurensuche verdichtete sich allmählich zu einer spannenden Geschichte, die mit vielen Originaltexten, Stimmen und Fotos aus verschiedenen Perspektiven erzählt wird.

Die Frau des Dorfarztes und der Wehrmachtoffizier von Andrea Blunschi

Neuerscheinung

Die Frau des Dorfarztes und der Wehrmachtoffizier
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Es war die Hochzeit des Jahres, als Martina Bucher und Hugo Fischer 1938 in Escholzmatt im Entlebuch heirateten. Sie, die schönste Frau im Tal, aus gutem Haus. Er, der Dorfarzt, vielseitig gebildet, geschätzt und geachtet. Doch nach einigen Jahren glücklicher Ehe mit drei Kindern lebten sie sich auseinander. Im Sommer 1945 begegnete Martina dem Militärinternierten Karl Michel. Sie verliebten sich und verbrachten gemeinsam den Sommer in Weesen am Walensee. Er versprach ihr den Himmel auf Erden, wünschte sich ein Kind und riet ihr zur Scheidung. Die akribischen Aufzeichnungen von Hugo Fischer und Martinas Briefe geben einen sehr persönlichen Einblick in die Ereignisse von damals: die Chronologie einer Scheidung in all ihren Facetten. Im Dorf wird geredet. Man betrachtet Martina als krankhaft, die Einweisung in eine Anstalt wird erwogen. Karl Michel war kurz vor Kriegsende in die Schweiz geflüchtet. Als Hauptmann der deutschen Wehrmacht im Generalstab, zuständig für Fremde Heere Ost, wurde er von den Schweizer Behörden beschattet, vom Nachrichtendienst einvernommen. Er gab an, am Widerstand um Stauffenberg beteiligt gewesen zu sein, war Autor verschiedener Bücher und Artikel und bewegte sich im Umfeld der Moralischen Aufrüstung (MRA). Michel jonglierte sich durch viele behördliche Instanzen. In der Schweiz verkehrte er in der besten Gesellschaft von Zürich. Martina tauchte in seine Welt ein.1946 bringt sie in Zürich eine uneheliche Tochter zur Welt und kehrt ins Elternhaus zurück. Sie wird in ihrem Dorf geächtet. Die Vormundschaftsbehörde wird eingeschaltet, das Kind soll fremdplatziert werden. Martina flüchtet mit ihrem Baby ins Tessin, wo die Polizei sie aufspürt und ihr das Kind wegnimmt. Es wächst in einer Pflegefamilie auf. Der Kindsvater verlässt die Mutter und die Schweiz, wo er sporadisch, undurchsichtige Geschäfte treibend, auftaucht. Karl Michel hinterlässt eine abenteuerliche Spur eines Lebens mit vielen weissen Flecken.

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