Thalia.at
 
Warenkorb
0
Keine Artikel
suche...

Bewerter

Uli Geißler aus Fürth Top 100 Bewerter

Gesamte Bewertungen 303 (ansehen)


Über mich:
lese gern (vor allem Thriller, Krimis, hin und wieder auch spannende Historische Romane, Kinderbücher und -romane). Eien wesentliche Leidenschaft ist aber auch das Spielen. Meine Einschätzung teile ich gerne mit Anderen. Ebenso suche ich beim Buchkauf Orientierung in den Meinungen anderer Leserinnen und Leser. Darüber hinaus gehören zu meinen liebsten Tätigkeiten das Spielen, Reisen, Radfahren (Touren+Mountainbike) sowie das Fotografieren. Schließlich bin ich auch selbst Spiele- und Buchautor.

Meine Bewertungen

Tödliche Erinnerungen Leben lang

Uli Geißler aus Fürth , am 26.08.2015

Der seit etwa zwei Monaten pensionierte Kriminalkommissar Franck will eigentlich – irgendwie aber auch eigentlich nicht … - seinen Ruhestand langsam genießen lernen. Seine von ihm selbst sich ergebene Aufgabe als Todesnachrichtüberbringer soll ihr Ende gefunden haben.
Als jedoch der Vater der sich vor zwanzig Jahren mit gerade mal 17 sich erhängten Esther ihn bittet, den seiner Überzeugung nach Mord an seiner Tochter aufzuklären, lässt sich Jakob Franck samt seiner ihm eigenen Qualität der „Gedankenfühligkeit“ auf die Recherche ein.

Mehr und mehr taucht er in die Lebens- und vor allem Gedankenwelt der nach außen unauffälligen Familie des Mädchens ein und entschlüsselt dabei selbst kleinste Anzeichen von Unstimmigkeiten der Geschichte. Seine Kontakte mit damaligen Zeuginnen und Zeugen, Klassenkameradinnen und Nachbarn lassen ein diffuses Bild der Geschehnisse entstehen, welches zunächst mehr dem Zweifel als der Klarheit Raum bietet. Als sich auch noch unsägliche Vorwürfe gegenüber Ludwig Winther ergeben, ist sich auch der erfahrene Franck zunächst unsicher.

Doch seine Fähigkeit, hinter den Fakten auch die emotionale Wahrheit zu erspüren, lässt ihn schließlich eine ganz eigene Vorstellung zu den Hintergründen und Ursachen des jugendlichen Suizids entwickeln. Die Frage nach Schuld wird zum wesentlichen Handlungsleitfaden. Mit ausnahmsweiser Unterstützung seines früheren Kollegen und in Kenntnis des ihm fast zufällig überlassenen Tagebuchs der ebenfalls durch Selbsttötung ein Jahr nach dem Tod ihrer Tochter aus dem Leben gegangenen Ehefrau Winthers nähert sich der Kriminalist der Auflösung.

Dem Lebensumstand des Protagonisten angemessen entfaltet der versierte Autor einen geradezu gelassenen, wenngleich nicht unspannenden Plot. Selbst hintersinnigste Gedanken sowohl des Rechercheurs als auch der von diesem befragten Personen werden lesbar, wodurch auch eigene Wertungen der Vorkommnisse aufkeimen. So wird man in das belastende Geschehen hineingezogen, um doch mit der so gelassenen kritischen Distanz Francks ebenso genügend Abstand zu dem sich Ereigneten behalten zu können.

Eine tolle erzählerische Leistung, denn obwohl nichts wirklich drastisches geschieht - und bisweilen die allerdings doch etwas langatmig scheinenden Gefühle und Gedanken sich in dem Roman abwechseln - bleibt man in der traurige Melancholie ausstrahlenden Geschichte haften und klappt schließlich in gewisser Weise abgeklärt und verstehend das Buch am Ende zu.

(c) 8/2015, Redaktionsbüro Geißler, Uli Geißler, Freier Journalist, Fürth/Bay.

Der namenlose Tag

Der namenlose Tag

von Friedrich Ani

20,60

Atmosphärische Stadt-Geschichte

Uli Geißler aus Fürth , am 18.08.2015

Das so pittoreske und historische,aber in manchen Vierteln auch etwas düstere, geheimnisvolle und schmutzige Prag Ende des 19. Jahrhunderts ist Schauplatz der Morde an Prostituierten. Der kranke, promiskuite und Drogenabhängige Adelige Graf Arco – genannt Adi – ist durch die Vorfälle in gewisser Weise angeregt. Als schließlich seine Geliebte ebenfalls Opfer des Mörders wird, begibt er sich auf die Jagd nach dem Verbrecher.

Dabei wird er auch mit einer geisterhaften Gestalt, dem so genannten „Kleinfleisch“, , einer hässlichen und brutalen Figur der jüdischen Mythologie, konfrontiert, soll dieser doch sein Todbringendes Unwesen im Assanierungsgebiet der Stadt treiben. Vorgeblich der hygienischen und sozialen Entwicklung geschuldet, betreiben Investoren und Bauunternehmer ihr falsches Spiel.

Gelungen lässt der Autor das Wesen und den Geist der Stadt erzählerisch nachspürbar werden und man kann sich gut die Atmosphäre des Wandels, den Alltag und die Lebensumstände der Moldaustadt vorstellen. Die Kontakte der Protagonisten bewegen sich im Wechselspiel von Vertrauen und Dramatik, Kampf und Zukunftsvisionen, Macht und Verrat.

Leider verliert die vermutete Kriminalgeschichte sehr an Bedeutung und Kraft, so dass das Buch eher als spannende historische Stadt- und Lebensanalyse zu werten ist, denn als Kriminalroman.

Mord in der Josefstadt

Mord in der Josefstadt

von Milos Urban

10,30

Gelungene Motivation zum Nachwandern in einer der besten Wanderregionen

Uli Geißler aus Fürth , am 04.08.2015

Bekannt für gut recherchierte und attraktive Reiseführer bietet der Erlanger Verlag mit dem Wanderführer „Fränkische Schweiz“ – nicht mit dem Reisehandbuch gleichen Titels verwechseln – einen hervorragenden Begleiter außergewöhnlicher Qualität.
Das praktische Buch im handlichen 20x11x1,5 cm Format hat nicht nur einen abwischbaren Umschlag, eine ausgezeichnete Bindung, die auch das komplette Umschlagen der Buchdeckel nach hinten erlaubt, sondern eine Reihe von hilfreichen Besonderheiten, welche folgend vorgestellt werden sollen.

Am Buchanfang gibt es eine Legende zu den verwendeten Symbolen in den Karten. Nach Himmelsrichtungen geordnet finden sich dann die Touren mit Titel, Streckenlänge und Gehdauer im Inhaltsverzeichnis. Hier kann man schon das erste Mal eine Wahl treffen. Da die Kapitel (Lage der Routen) farblich unterschiedlich und sogar nach Schwierigkeitsgraden gekennzeichnet sind, findet sich alles sehr schnell. Kinderfreundliche Wanderungen sind ebenfalls eigens gekennzeichnet. Die abgedruckten Karten werden entweder im Maßstab 1:25.000 oder 1:50.000 dargestellt und die Übersichtskarte zeigt nach dem dreifachen Auffalten das Gebiet samt platzierter Tourennummern im übersichtlichen Maßstab 1:220.000.

Einleitend liefert die Autorin sowohl Informatives über Entstehung, Geologie, ein bisschen Fauna und Flora der Fränkischen Schweiz als auch einige hilfreiche und wohlgemeinte Tipps zum Wandern im Allgemeinen, zur Ausrüstung, zur Verpflegung (samt Hinweis auf die gastronomische Initiative „Gscheit gut“) und zur Vorbereitung samt Kontaktdaten zu wichtigen touristischen Einrichtungen und Angeboten wie Bademöglichkeiten oder Museen. Schon dabei wird die akribische Recherche der Wanderbegeisterten Autorin deutlich, denn diesen Hinweisen wurden die jeweiligen Tourenbezifferungen zugeordnet.

Allen dann beschriebenen Wanderrouten gemein sind neben den anregenden und Wanderlust weckenden, das 230 Seiten starke Buch gut auflockernden Farbbildern eine übersichtliche und sehr feine Karte nach den neuesten Regeln kartographischer Kunst, allesamt GPS-erstellt und zudem klar mit den Ziffern im Fließtext beschriebener Besonderheiten und auch weiteren touristischer oder kultureller Details versehen. Die Gehanleitungen in lockerer ermutigender Weise formuliert lassen einen nahezu blind den beschriebenen Wegen und Abzweigungen folgen und es ist schwer vorstellbar, sich einmal zu verlaufen. Stets gibt es Hinweise auf erkennbare Zeichen, Schilder, Gebäude oder Ansichten, an welchen man sich orientieren kann. Im Text selbst findet sich so manche verschmitzte oder alltagskulturkundliche Bemerkung.
Eine hervorragende Beigabe sind die zu jeder Tourenbeschreibung abgedruckten Weg-Zeit-Höhendiagramme vom Feinsten, denn an diesen lässt sich ablesen, wie viel Zeit im „Normalgang“ für eine bestimmte Strecke benötigt wird, an welchen Stellen des Weges sich die beschriebenen Sehenswürdigkeiten oder Besonderheiten befinden und wie viele Höhenmeter dabei zu überwinden sind. Das ist wahrlich eine hervorragende Service-Beigabe.

Weiter weisen alle Kapitel Informationskästen auf, in welchen Hinweise zur Qualität und Schwierigkeit der Strecke, Einkehrmöglichkeiten samt Rufnummer und Öffnungszeiten oder auch Anreisebeschreibung, Vorbereitungstipps, Abkürzungs- oder Verlängerungsmöglichkeiten gegeben werden. Auch die eine oder andere Erfahrung der Autorin oder kleine Nebengeschichte gibt es nachzulesen. Technikaffine erhalten alle Touren auch als App für i- und Smartphone oder als Dateien zum Download auf ein GPS-Gerät. Da fehlt ehrlich gesagt nichts, was zu verbessern wäre. Die vollmundige Andeutung auf die Qualität des Wanderführers aufgrund der Haupttätigkeit der Autorin ist somit voll und ganz erfüllt und ohne jeden Zweifel gerechtfertigt.

Fränkische Schweiz MM-Wandern

Fränkische Schweiz MM-Wandern

von Angela Nitsche

15,40

Mut ist gut aber manchmal auch wie verhext

Uli Geißler aus Fürth , am 30.07.2015

Sieben Spielrunden lang versuchen die 2 bis 5 Mitspielenden mutig oder auch mal feige die gestellten Aufgaben zur Auslieferung bestimmter Zauber- und Heiltränke zu erfüllen. Sie dürfen jeweils zu Beginn einer Runde vier Karten aus ihren Kartensets á zehn Rollenkarten mit Gewürze-, Früchte- oder Tränkesammlern, Heide-, Hügel-, Wald- oder Berghexen, Berg- beziehungsweise Tal-Druiden oder einer Wetterfee auswählen und entscheiden dann nach Gutdünken, wann sie welche der gewählten Karten ausspielen.
Spielen weniger als fünf Personen mit, werden von den Rollenkarten eine, zwei oder drei je nach Mitspielendenanzahl zu Beginn als „verwunschen“ ausgelost, was bei deren Einsatz im Spiel allerdings Punkte kostet.

Die Rollen können sich mutig oder feige verhalten, was sich im Risiko niederschlägt, die angegebene Handlung vollziehen zu können, also beispielsweise gibt es für einen mutigen Sammler zwei Zaubertränke und einen Zauberstaub, für den feigen hingegen nur einen Trank, den aber sicher. Die Mutigen brauchen hingegen noch das Glück, dass niemand Nachfolgendes die gleiche Karte ausspielt, denn dann geht die Aktion an diese/n Spieler/in über. Ausgewählte Ereigniskarten beeinflussen das Spiel durch kleine Regelveränderungen.

Der Spielplan zeigt unterschiedliche Landschaftsflächen wie Hügel, Heide, Wald oder Berge sowie nicht betretbare Wasserflächen und zwei Burgen als Startorte für die Holzfiguren, wovon je zwei alle Mitspielenden in ihrer Spielfarbe erhalten. Weiter finden sich bewegliche Wolkenplättchen mit unterschiedlicher Blitzeanzahl (später gibt es für die aufgedruckten Blitze Siegpunkte, je mehr Blitze, desto mehr Punkte) abgelegt und verteilt im Gelände zeigen sich eine Anzahl nummerierte und farblich markierte Türmchen. Sie entsprechen den Zielorten für die jeweiligen Zaubertrank-Lieferungen, welche durch Plättchen in den Trankfarben lila, orange und grün symbolisiert werden. Wird der passende Trank im Spielverlauf geliefert, gibt es unterschiedliche Belohnungen in Form von Siegpunkten und Zauberstäben dafür. Manche Türme können mehrfach beliefert werden, andere nur ein mal. Die Wetterfee kann die ausliegenden Wolken weg hexen, sofern man die entsprechende Anzahl an Zauberstäben abgeben kann.

Besonders schön an diesem Spiel ist der spannende Kitzel bei der Planung der eigenen Aktion und dem Hoffen und Bangen, ob die gewählte Rollenaktion „durchkommt“ und man die avisierten Punkte auch erlangt. Da man mit verschiedenen Rollenaktionen Siegpunkte ergattern kann und sogar die „verwunschenen“ Rollen – wenngleich teurer - einsetzbar sind, sorgt das für ein bereicherndes Überraschungsmoment. Bluff- und Ärgerelemente erfreuen auch etwas anspruchsvolle Mitspielende. Einige Varianten vor allem für die etwas komplexere Spielplanrückseite und weitere Zusatzplättchen (Sturmwolken, Amulette) sorgen für weiteren Reiz in dem interaktiven Spiel. Das etwas „gehobene“ Familienspiel „Broom Service“ (Besen-Dienst) wurde zum „Kennerspiel des Jahres“ gekürt, hat Spannung und der Wiederspielreiz ist ganz sicher gegeben.

Broom Service - Kennerspiel des Jahres 2015

Broom Service - Kennerspiel des Jahres 2015

bisher 39,99 34,99

Dramatische Entwicklung rücksichtslosen Erfolgs

Uli Geißler aus Fürth , am 08.07.2015

Ein als Korruption und unlautere Wettbewerbsvorteilserschleichung einzuordnendes Vergehen dreier Mitarbeitender in einer Werbeagentur sorgt für den unaufhaltsamen Weg ins Verderben der drei Männer. Subtil und immer drauf bedacht, keinen Hinweis auf seine mörderischen Pläne aufkeimen zu lassen, geschweige irgendwelche Spuren zu hinterlassen, quält sich die Hauptfigur Charlie Morris vom Ereignis zur unaufhaltsamen Tat.

Mangelnde Empathie und fehlende Gabe zur kritischen und realistischen Selbsteinschätzung vergrößern nach und nach den menschlichen Abgrund, in dessen Tiefe sich der nach dem für ihn zwangsläufigen Mord zum Büroleiter avancierten Morris kaltblütig und gewissenlos stürzt. Zunächst noch von der Solidarität der Mitwisser Reddy und Oldroyd gestützt, wackelt dieses Podest vermeintlicher kollegial getragener Sicherheit bald. Charlie Morris muss handeln.

Angespannt verfolgt man das skrupellose und einzig individuellen Vorteilen dienende wahrlich perfide Handeln des moralisch verdorbenen Emporkömmlings. Drohend bauen sich für den zum Mörder gewordenen und extrem ehrgeizigen Kreativen immer wieder Hemmnisse auf, droht der erste Mord und die diesen ausgelösten Verfehlungen aufgedeckt zu werden, was Existenzbedrohende Folgen nicht nur für sich, sondern auch für seine kleinbürgerliche Familienwirklichkeit hätte.

Die psychologisch feinsinnige und präzise Darstellung des emotionalen und psychischen Zustands der Protagonisten lässt die Lesenden gut eintauchen in die 1920er Jahre eines konservativen und christlich-moralischen Englands. Insofern heißt es auch, das krude vom Autor verbreitete Frauenbild der Geschichte nicht als stete Anfechtung des emanzipatorischen Fortschritts zu empfinden.

Es ist C. S. Forester eine wirkliche treffende Zustandsbeschreibung damaligen gesellschaftlichen Alltags und Denkens gelungen. Die Spannung baut sich stufenweise und bedächtig in einer bis zum Schluss ansteigenden Linie auf und doch bleibt dem Autor genügend literarischer und kreativer Freiraum, eine nicht erwartete Wendung zum Schluss zu erdenken.

(c) 7/2015, Redaktionsbüro Geißler, Uli Geißler, Freier Journalist, Fürth/Bay.

Gnadenlose Gier

Gnadenlose Gier

von C. S. Forester

15,40

Spontanes Glück wird zur tragischen Katastrophe

Uli Geißler aus Fürth , am 01.07.2015

Es ist ein hartes Brot für die kleine englische Familie aus der – vielleicht – unteren Mittelschicht, die mit dem spärlichen Gehalt des William Marble auszukommen hat. Geldsorgen drücken und es ist ein nachvollziehbar tristes und belastetes Leben, denn auch das Ansehen der vierköpfigen Familie im Stadtteil schwindet und bei den Händlern des täglichen Bedarfs ist es bis an die Grenzen der Geduld angespannt. Dazu kommen die sich schleichend zur Routine gewordenen Entfremdungstendenzen in der geradezu kläglich gewordenen Ehe.

Als dann plötzlich ein unbekannter Verwandter mit zudem ausreichend Geld vor der Tür steht, wird der Einlass zunächst nur zögernd gewährt. Doch schon bald reift ein perfider Plan im Kopf des Gastgebers, so dass er sogar die letzten Reserven seines edlen Whiskeys dafür einsetzt. Allerdings ist damit das familiäre und persönliche Glück der Marbles endgültig dem Untergang geweiht.

Emotionale Belastungen und die ständige Angst, entdeckt zu werden, führen stetig und unaufhaltsam in die Katastrophe. Angespannt und atemlos liest man sich mit gemischten Gefühlen Stufe um Stufe der Ereignisse dem Unvermeidlichen entgegen und hört erst wieder auf, als das dann doch überraschende Ende eintritt.

Der Autor verhilft dazu, einzutauchen in eine längst vergangene Zeit einer stark reglementierten und eng gefassten gesellschaftlichen Moral und den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen Englands vor knapp 90 Jahren. Das gelingt C.S. Forester sehr empathisch, so dass sich sehr intensiv die seelisch-emotionale Befindlichkeit der verzweifelten Hauptfigur nachvollziehbar durchleben lässt. Das auch, da der Autor psychologisch tiefgründig und feinsinnig die Personen der Geschichte darstellt und lebendig werden lässt, aber auch über die entscheidenden Fragen nach Schuld, Sühne, Wahrheit und Gerechtigkeit sinnieren lässt.

Es ist ein hervorragender Kriminalplot, welcher ohne ablenkende Nebenstränge und Ereignisse geradezu beschaulich und wegen der akribischen Empfindsamkeit geradlinige Unterhaltung und Spannung bietet.

(c) 7/2015, Redaktionsbüro Geißler, Uli Geißler, Freier Journalist, Fürth/Bay.

Grausame Schuld Roman

Grausame Schuld Roman

von C. S. Forester

15,40

Skurrile Trauer sorgt für richtig viel Ärger

Uli Geißler aus Fürth , am 01.07.2015

Allein der Start ließ schon vermuten, dass dieser Krimi etwas skurriler ist, als es vielleicht üblich ist. Selbst wenn man relativ schnell merkt, um wen es bei der ersten Leiche geht, hat das schon einen gewissen Witz. Als der neben der Hauptfigur LKA-Ermittler Martin Nettelbeck heimliche Protagonist Bilal Gösemann für eine ungewöhnliche Bestattungsidee eine Menge Geld benötigt, nimmt die Geschichte „Fahrt auf“.

Die aufgrund verschiedener Handlungsstränge leicht verwirrende Geschichte bereitet neben der sich aufbauenden Spannung auch ein gewisses Maß an Spaß. Alles spielt in Berlin, wenngleich der Handlungsort letztlich unbedeutend ist und man auch in keiner Weise von einem Regionalkrimi sprechen kann. Das soll jedoch in keiner Weise wertend sein.

Einzig typisch für Berlin wirken die kulturellen Unterschiede welche sich beispielswiese in der verrückten Heiratsorganisation Bilals Onkel Walid Sharif für dessen Tochter oder verwegene Drogengeschäfte ausdrücken. Auch die weiteren kleinen Nebengeschichten über einen gerissenen Anwalt oder Hasso Rohloff, einen alternden Dandy, welcher – mehr oder weniger versehentlich - seine Frau ins Jenseits stürzt bereichern den kurzweiligen und doch spannenden Plot.

Der lockere, ehrliche Schreibstil gefällt und so war das Buch während einer Hin- und Rückfahrt zwischen Nürnberg und Berlin komplett ausgelesen.

(c) 7/2015, Redaktionsbüro Geißler, Uli Geißler, Freier Journalist, Fürth/Bay.

Kalter Hund

Kalter Hund

von Rainer Wittkamp

10,30

Das Quizspiel fürs Auge

Uli Geißler aus Fürth , am 18.06.2015

Auch wenn viele Menschen behaupten, Quizspiele nicht zu mögen, der Erfolg derartiger Spiele sowohl in einem üblichen Spielkarton, als auch in elektronischen Formaten als Apps oder auch seit vielen Jahren im Fernsehen beweist das Gegenteil, erfreut sich diese Spielart doch großer Akzeptanz. Möglicherweise liegt das daran, dass es schon gut „den Bauch pinselt“, wenn man zu eher unbedeutenden oder trivialen, alltäglichen, hin und wieder auch kniffligen oder schwierigen Fragen eine Antwort kennt und damit „punktet“ und somit auch Spaß an dem Spiel findet.

Bei dem mit einer elektronischen Mehrspielwertmöglichkeit aufgepeppten „Eye know“ ist das nicht anders. Dreihundert Bildkarten mit rückseitig aufgedruckten Fragen aus den Kategorien Natur & Co (grüne Kennfarbe), Leute & Charaktere (rot), Dies & Das (blau) sowie Zeichen & Symbole (gelb) werden gemischt und auf dem Spielplanrund 14 davon aufgelegt, so dass die Bildseite oben liegt. Die restlichen Karten legt man als Nachziehstapel bereit. Alle Mitspielenden erhalten große Kunststoffchips in einem Nennwert von 5.

Der oder die Startspieler/in wählt eine Bildkarte aus, benennt, was zu sehen ist. Die rechts daneben sitzende Person prüft die Richtigkeit der Aussage und vergibt entweder einen Richtig-Chip oder eben nicht. Bei falscher Bezeichnung werden in der Reihenfolge die nächsten Spielenden befragt, bis jemand richtig tippt. Diese Person kann dann Chips einsetzen, um eine umseitig aufgedruckte Quizfrage zu beantworten. Die Fragearten sind unterschiedlich und je nachdem erhält man für richtige Antworten den Einsatz zurück, z. B. bei einer Wahr-/Falsch-Frage wird der Einsatz verdoppelt, bei einer Multiple-Choice-Frage verdreifacht und bei der offenen Frage sogar vervierfacht.

Richtigtipper erhalten die Fragekarte und für bestimmte Kartensets kann man bei Spielende Bonuspunkte erhalten.
Das Spiel hat trotz bekanntem Genre aufgrund des schnellen Durchlaufs – eine Partie dauert in der Regel 20 Minuten – sowie des neuartigen Wett- und Wertungssystems doch einen gewissen „Pfiff“ und macht Spaß, egal ob auf dem Brett oder Tablet. Teilweise sind die Fragen sehr schwer, aber das ich wie so oft bei derartigen Spielen immer relativ.

(c) 6/2015, Redaktionsbüro Geißler, Uli Geißler, Freier Journalist, Spiel- und Kulturpädagoge, Fürth/Bay.

EYE KNOW: Play it smart

EYE KNOW: Play it smart

von Paul Berton

32,99

Lust und Kraft eigener Ideen

Uli Geißler aus Fürth , am 15.06.2015

Fast scheint es eine Gegenbewegung zu sein, wenn Kinder sich künstlerisch betätigen. Die doch sehr medial von virtuellen Realitäten beeinflussten Mädchen und Jungen müssen motiviert werden, das Eigene zu entfalten. Gelingt das, werden sie Zeit und Raum vergessen, sich lustvoll und kreativ betätigen und ihre Selbstwirksamkeit entdecken. Voller Gestaltungskraft und Phantasie entstehen nach einer anfänglichen Ideenfindung wundervolle Objekte und Ergebnisse, welche von ihren Schöpferinnen und Schöpfern erzählen.

Das Buch ist eine ideale Hilfe, derartige Gestaltungs- und Schaffensprozesse mit Kindern anzugehen. Die zahlreichen Bilder der von Kindern und Jugendlichen gestalteten Objekten, Gebilden, Skulpturen, Gemälden, Drucken, Reliefs, Gerätschaften und sonstigen Kunstwerken zeugen nicht nur von der möglichen Vielfalt sondern auch der unglaublichen Phantasie der Beteiligten.
Zu den verschiedenen Materialien finden sich kurze, durchaus ausreichende Materiallisten und Angaben zur Umsetzung von Gestaltungsvorschlägen, so dass schnell mit der eigentlichen „Arbeit“ begonnen werden kann. Dabei werden auch viele sehr ungewöhnliche und neuartige Arbeitstechniken vorgestellt und erläutert. Das Buch dient der Anregung, sich mit den so vielfältigen Möglichkeiten des Gestaltens mit in der Regel Kostenlosen oder günstigen Materialien zu beschäftigen und etwas ganz Neues daraus entstehen zu lassen.

Pädagogische Hinweise gibt es keine, so dass Leserinnen und Leser sich selbst Schritte überlegen müssen, auf welche Weise Mädchen und Jungen angeregt und inspiriert werden können, selbst künstlerisch aktiv zu werden. Auch zeigt sich, dass das Buch kein Lehrbuch darstellt und auch keine detaillierte Bauanleitungen bietet. Neben der offenen Aufgabe, wie mit dem Ideenspender umgegangen werden kann, sind auch die Fragen der Sicherheit im Umgang mit Werkzeugen oder Materialien individuell zu klären und anzusprechen.

Das Buch regt jedoch ohne Druck und pädagogische Leitorientierung zu künstlerischem Arbeiten an und weckt die Lust zum Selbsttun.

(c) 6/2015 Redaktionsbüro Geißler, Uli Geißler, Freier Journalist, Fürth/Bay.

1 von 1 Kunden fanden diese Bewertung hilfreich.
Feder, Draht und Pinsel

Feder, Draht und Pinsel

von Katrin Regelski

25,60

Kribbeliges Wettkrabbeln

Uli Geißler aus Fürth , am 11.06.2015

Ameisenstraßen im Wald werden zur Rennstrecke, welche die beiden Spinnenbrüder Roberto und Klaus gemeinsam mit ihrer Schwester Spinderella von oben aus dem Geäst der Bäume und Sträucher beobachten. Die beiden spinnen einen Faden zwischen sich und Spinderella lässt sich an einem daran befestigten Faden hinunterbaumeln. Sie versucht, auf die auf dem Waldboden um die Wette flitzenden Ameisen ein wenig zu ärgern und wieder an den Start zurück zu befördern.

Der Spielplan besteht aus zwei Ebenen. Auf der oberen spannen die beiden Spinnenjungs ihren Haltefaden und Spinderella lässt sich von der Unterseite dieser Fläche an einem Faden nach unten. Die Ameisen bewegen sich nach Würfelwurf die verschlungenen Wege auf dem unteren Spielplan herum Richtung Futterhäufchen als Ziel. Da die Ameisen dieses Spiels sowie Spinderella magnetisch sind, haftet so manches Mal eine Ameise an Spinderella an und kann so zum Startpunkt zurückgestellt werden. Schutz für die Ameisen bietet einzig alte Borke (angemodertes Aststück), unter welcher sich sogar mehrere Ameisen vor der frechen Jagdspinne verstecken können. Auch die Spinnen werden nach Würfelwurf gezogen und man muss gut überlegen, wie die Punkte auf Roberto und Klaus verteilt werden, damit Spinderella sich über einer Ameise platzieren kann, denn je näher die beiden Brüder beieinander stehen, desto tiefer hängt deren Schwester an ihrem Faden über dem Waldboden.

Sobald es jemand gelingt die eigenen, farbgleichen Ameisen zum Futterplatz zu ziehen, steht fest, wer gewonnen hat und das Spiel ist aus.

Das ist ein wirklich würdiges Spiel für ein „Kinderspiel des Jahres“ (2015), denn es macht Spaß, die Spinnen und ihren Faden herum zu bugsieren, bis die hängende Spinne eine Ameise schnappt, was sogar ein wenig zu hören ist. Planerisch durchdacht lässt sich allerdings das Geschnapptwerden auch umgehen und bleibt bis zum Ende spannend, wer wohl Spinderella am besten aus dem Weg gehen konnte.

(c) 6/2015, Redaktionsbüro Geißler, Uli Geißler, Freier Journalist, Spiel- und Kulturpädagoge, Fürth/Bay.

1 von 1 Kunden fanden diese Bewertung hilfreich.
Spinderella - Kinderspiel des Jahres 2015

Spinderella - Kinderspiel des Jahres 2015

30,99