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Bewerter

Uli Geißler aus Fürth

Gesamte Bewertungen 276 (ansehen)


Über mich:
lese gern (vor allem Thriller, Krimis, hin und wieder auch spannende Historische Romane, Kinderbücher und -romane). Eien wesentliche Leidenschaft ist aber auch das Spielen. Meine Einschätzung teile ich gerne mit Anderen. Ebenso suche ich beim Buchkauf Orientierung in den Meinungen anderer Leserinnen und Leser. Darüber hinaus gehören zu meinen liebsten Tätigkeiten das Spielen, Reisen, Radfahren (Touren+Mountainbike) sowie das Fotografieren. Schließlich bin ich auch selbst Spiele- und Buchautor.

Meine Bewertungen

Als Mitläufer neue Ufer nutzen

Uli Geißler aus Fürth , am 20.02.2017

Auch in unseren Zeiten haben Expeditionen durchaus noch ihren Reiz, selbst wenn vermeintlich alles schon erobert, erforscht oder besiedelt wurde. Im Spiel von Wolfgang Kramer gilt es eine Reihe von Zielen teilweise geheim, teilweise für alle erkennbar zu erreichen. Wer das schließlich zuerst geschafft hat, gewinnt das schnelle und lehrreiche Familienspiel.

Die Karten im Spiel vermitteln eine Vielzahl von Informationen und interessanten Aspekten der 80 verschiedenen Sehenswürdigkeiten oder geografischen Besonderheiten auf der großen Weltkarte. Aufgrund farblicher Kennung lassen sich die Karten leicht den jeweiligen Regionen und Zielen zuordnen.

Die Mitspielenden sind gemeinsam gleichzeitig mit drei Expeditionen unterwegs in deren Verlauf die eigenen anfangs auf dem Plan mittels Marker verteilten eigenen Ziele erreicht werden sollen, was Sonderpunkte bringt. Alle Beteiligten unterstützen zwangsläufig auch Expeditionsziele der anderen Mitspielenden mit, welche auch dann eine Zielkarte ablegen können, wenn nicht sie selbst, sondern jemand anderes im Rahmen einer der drei Expeditionen den entsprechenden Zielort besucht.
Zwischendrin kann man auf Sonderfeldern Extrazüge oder so genannte „Flugtickets“ erhalten und damit das Spiel zu eigenen Gunsten beeinflussen.

Insgesamt ist „Expedition“ ein ansprechendes Familienspiel mit einigen taktischen Möglichkeiten, einfachen Spielregeln und angenehmer kurzweiliger Spieldauer für 2-6 Spieler (beste Besetzung ist aber zu viert).

Expedition (Spiel)
von Wolfgang Kramer
(1)
Spielwaren
19,99

Blinder Einsatz weckt Erinnerungen

Uli Geißler aus Fürth , am 20.02.2017

Polizistin Jenny Aaron wird nicht nur gewissermaßen zur „Superheldin“ weil sie als Kind eines GSG9-Spezialisten von klein auf mit dem „Metier“ konfrontiert einfach werden wollte, was ihr Vater war, sondern aufgrund ihrer außergewöhnlichen Leistungsbereitschaft und Kompetenz und ihrem eisernen Willen. Nach einigen beachtlichen Einstiegserfolgen gelangt sie schon nach wenigen Jahren als Elitekämpferin in die so genannte „Abteilung“ und genießt überall höchste Anerkennung. Doch ihr Trauma eines gescheiterten Auftrags folgt auf den Fuß und die lebenslange Konsequenz bedeutet Erblindung und Teilamnesie.
Diese Gegebenheit trägt nun den weiteren Plot des facettenreichen Thrillers. Auch wenn die Absurdität der dargestellten Tatsache, eine blinde Polizistin könne ebenso den normalen Polizeialltag meistern, wie eine sehende Kollegin oftmals schon sehr weit überzogen wirkt, bleibt die Geschichte anfangs noch sehr spannend. Staunend und teilweise um derartige Fähigkeiten wissend verfolgt man, welche Möglichkeiten erblindete Menschen nutzen und einsetzen können, um sich zurecht zu finden. Da mag viel Wahres dran sein und die Recherche des Autors bringt da in der Tat einige Informationen zutage, welche bislang vielleicht ausgeblendet einen eigenen „blinden Fleck“ offenbaren.
Doch die geradezu übermenschlichen Kampfeserfolge und Handlungen von Aaron erscheinen dann doch häufig völlig abgedreht und kaum mehr zum sonstigen glaubhaften System des in einer realen Wirklichkeit angelegten Thrillers zu passen. Das wirft einen aus der Geschichte, weil es schlichtweg selbst bei aller Hochachtung vor den kaum zu glaubenden Möglichkeiten eines Sensibilisierungs- und Mobilitätstrainings unglaubwürdig bleibt.

Unabhängig davon versteht es allerdings der Autor Seelenleben, Ängste aber auch Überlegenheiten der unterschiedlichen Protagonistinnen und Protagonisten vielschichtig darzustellen und die Leserschaft in Bann zu halten. So beschreibt er zwar eine überzogene Superheldin einerseits und gleichzeitig aber eine schwache von inneren Zweifeln und vor allem eigener Unzulänglichkeit zermarterte Hauptdarstellerin, deren Ende immer wieder kurz bevor steht. Auch das Offenhalten nötiger Erklärungen bis weit in die letzten Seiten hinein binden an das Buch.

Endgültig
von Andreas Pflüger
(72)
Buch (gebundene Ausgabe)
20,60

Wenn der Körper mit der Umgebung verschmilzt

Uli Geißler aus Fürth , am 16.01.2017

Es würde schon sehr überraschen, wenn man durch unberührte Naturlandschaften streift und dann plötzlich etwas Auffälliges wie die von verschiedenen Kunstschaffenden gestalteten Menschen wie verschmolzen mit der Natur entdecken würde.

Erst beim zweiten Hinsehen nämlich entdeckt man die bemalten und kunstvoll mit der Landschaft und natürlichen Umgebung mimikrierten Körper. Mal findet sich die lebende Bildkunst auf einer weißsandigen Fläche vor Eisberggleichen Steilwänden, verwebt sich an anderer Stelle mit dem Gehölz eines Mischwaldes, verschwindet geradezu im Strandsand an erahnbarer Meeresküste, fließt Uferverbunden mit dem Bach gleich dahin oder streckt sich im Koniferen-Club gen Himmel.

Stets unwirklich natürlich, irgendwie entrückt und doch stark Umgebungsverbunden zeugen die in kurzzeitiger Unbeweglichkeit verharrenden Objekte von der visionären Kraft der sie Gestaltenden. Die Wahl der Aufnahmeorte dokumentieren die Herausforderung durch Strukturen, Farben, Licht und die ausgezeichneten Fotografien von Léonie Gené, Laila Ramona Pregizer und Uwe Schmida stellen ergänzend zu den bemalten Körpern ganz eigenständige Werke dar.

„Metamorphosen“ sind ein immer wieder zur Betrachtung einladender ästhetischer und anregender Jahreswandschmuck.

Metamorphosen 2017 / Kalender
von Uwe Schmida
(1)
Kalender
34,99

Vereinfachung des Komplexen

Uli Geißler aus Fürth , am 16.01.2017

Weshalb die politischen Visionen in einer Rede von Winston Churchill aus dem Jahr 1946 der Autor als Ausgangsbegründung seiner - leider etwas oberflächlich wirkenden - Werbung für Europa wählt, ist eventuell der Eindeutigkeit dessen klarer Worte geschuldet. Vieles davon ist sicher die richtige und sinnvolle Idee für einen im Hinblick auf die massiven Herausforderungen der Zukunft dringend nötigen starken und handlungsfähigen Zusammenschluss.

Sympathisch und dennoch nicht Geschichtsklitternd ist es schon, den Aspekt, Spannungen und Krisen gemeinsam zu überwinden, „… die Fehler der Zwischenkriegszeit …“ wie Walter Steinmeier schreibt nicht zu wiederholen. Hier ist konstruktive Geschichtsfortschreibung gemeint. Ohne die Gräuel der Vergangenheit zu vergessen gilt es die angespannte Gegenwart überwinden und so die Zukunft einer friedlichen Weltordnung meistern.

Dabei ist ihm auch bewusst, dass die augenblickliche Dringlichkeit in der politischen Landschaft der richtige Umgang mit der Problematik einer keineswegs „rund“ laufenden Flüchtlingspolitik ist. Hier braucht es mehr gemeinschaftlich ausgehandelte Übereinkünfte und Beweise, dass Europa sicherer und stärker ist. Auch in Bezug auf die Asylsysteme sind Absprachen nötig und nicht zuletzt eine Wachstumsdynamik, von welcher die Menschen profitieren.

Als konkrete Handlungsanweisung für Mitentwickler eines Zukunftsfähigen Europas wählt der Autor abschließend in seinem Essay symbolisch die Unternehmung des „Eisernen Gustav“, welcher mit seiner Droschke nach Paris fuhr um für seine Zunft zu werben und eine fixe Idee in tätiges Handeln umzusetzen.

Den Schlusspunkt als Aufforderung zum Durchstarten jedoch setzt die komplette Züricher Rede Winston Churchills, welche er pathetisch beendet: „Lasst Europa auferstehen.“

Europa ist die Lösung
von Frank-Walter Steinmeier
(1)
Buch (gebundene Ausgabe)
8,00

Ein Spiel mit aber keines für Hornochsen- Zahlenspielerei upgrade

Uli Geißler aus Fürth , am 09.01.2017

Ein Spiel mit aber keines für Hornochsen- Zahlenspielerei upgrade

Zahlenkarten von 1-100 und 7 Reihen-Karten bestimmen dieses teiltaktische Kartenspiel. Drei Reihenkarten kennzeichnen offen ausgelegt, dass im Spiel eine Reihe mit bis zu drei, eine mit bis zu vier und eine mit bis zu fünf Karten gelegt werden dürfen. Von den restlichen Reihen-Karten legt sich jeder eine davon vor sich. An diese werden aufgrund bestimmter Bedingungen erhaltene Zahlenkarten angelegt.

Zum Spielstart bekommen alle nach dem Mischen acht Zahlenkarte auf die Hand. Gleichzeitig entscheidet sich jede und jeder für eine davon und gemeinsam decken alle ihre gewählte Karte auf. Die nun folgende Anlegeregel höher und mit der geringsten Differenz zu ausliegenden Karten werden die Hornochsen-Karten beginnend mit der niedrigsten an eine der drei Reihen angelegt.

Sobald jemand mit der abgelegten Karte die zulässige Anzahl der Reihenkarten überschreitet, müssen alle Karten bis auf die eben abgelegte genommen werden. Aus diesen Strafkarten ist eine für die eigene X-Reihe vor sich auszuwählen und dort anzulegen, falls möglich, die restlichen kommen auf die Hand.

Auch die jeweils eigene X-Reihe ist übrigens Zahlenwertansteigend zu erstellen. Klappt das nicht, bleibt die neu anzulegende Karte als neue Startkarte für die X-Reihe liegen, die bisher dort liegenden werden als verdeckter Stapel auf die andere Seite der X-Karte gelegt und die aufgedruckten Hornochsen zählen am Ende zum Ärgernis doppelt als Minus.

Sobald jemand seine letzte Handkarte ausgespielt hat, endet das Spiel. Nun zählen die abgedruckten Hornochsen auf der Hand Minus sowie die besagten Karten aus dem verdeckt abgelegten X-Reihe-Stapel. Die Karten der X-Reihe bringen glücklicherweise keine Minuspunkte.

Bei allem Glücksanteil, welches Kartenspiele mit zufälliger Kartenverteilung und zufälliger Auslageentscheidung der Mitspielenden nun mal haben, ist „X nimmt!“ ein dennoch niveauvolles, gemäßigt taktisches und spannendes, bisweilen auch eine witzige Stimmung erzeugendes Spiel. Gegenüber dem „Ur“-Spiel „6 nimmt“ hat das Spiel einen deutlich höheren Überlegens- und Einfluss-Faktor. Eine klasse Idee ist die neue Regel, dass aufzunehmende Karten aus einer Reihe nicht automatisch Minuspunkte erbringen, sondern durch geschickte – und etwas glückliche – Wiederauslage oder Ablage in der eigenen X-Reihe eliminiert werden können. Auch erhöht sich die Möglichkeit, vorhandene Karten der Gegenspieler zu erahnen, sofern man mit einem gehörigen Maß an Merkvermögen gesegnet ist.

Insgesamt ist „X nimmt“ ein klasse Spiel mit wenig Material für alle Spielgelegenheiten mit kleinen Spielrunden.

X nimmt! (Kartenspiel)
von Reinhard Staupe
(3)
Spielwaren
8,99

Motivation zum Aufbruch

Uli Geißler aus Fürth , am 01.01.2017

„Das Auge wandert mit“ könnte man etwas Augenzwinkernd sagen, wenn man die herrlichen Aufnahmen mehr oder weniger bekannter Wanderstrecken betrachtet.

Belegt mit schönen Aussagekräftigen Aufnahmen bietet der Ganzjahres-Wandschmuck Empfehlungen für zwölf phantastische Wanderungen in den besten Landschaftsregionen Europas.
Neben der Bezeichnung des jeweiligen Wanderweges wird die Tour in einem kurzen Text dargestellt. So kann man anhand des visuellen Reizes durch das Foto im Großformat sowie der Kurzbeschreibung zu weiteren Recherchen anregen lassen.

Die Ansichten motivieren ohnehin, gleich die Schuhe zu schnüren und sich auf den Weg zu machen. Mal geht es den winterlichen Kungsleden entlang, durch das Frühlingsleuchtende Mallorca, über den etwas düsteren und geheimnisvollen Laugavegur in Island, den herben Kerry Way auf der grünen Insel Irland weiter oder den geradezu unwirklich anmutenden St. Olausleden in Schweden an ungezählten mystischen Steinhäufchen vorbei.

Der starke Kalender ist wie alle Produkte des herausgebenden Verlages Klimaneutral nachhaltig produziert und ist auch noch am Jahresanfang ein sinn- und niveauvolles Geschenk für sich oder andere.

Europas schönste Wanderwege 2017 / Kalender
(1)
Kalender
24,99

Sehnsuchtsvolle Weitsicht

Uli Geißler aus Fürth , am 11.12.2016

Der Anblick der so still in den Himmel wachsenden Bergschönheiten in der unverbauten Natur strahlen Ruhe aus. Fast scheint es, als stünde man direkt vor Ort und es man könnte die frische, reine Luft atmen, das Sirren der Insekten, das leichte Säuseln der sich im Wind wiegenden Wiesen oder das schrille Rufen des Falken oder Adlers hören, wenn diese ihre Kreise in der Höhe ziehen.
Der schön gemachte, sicher eher traditionelle Kalender in einem ansprechenden und idealen „Stuben“-Format bietet herrliche Ansichten der uns so nahen Gipfel und Bergzüge.
Da wird der Blick entlang des winterlichen Baches Richtung Sonnenuntergang geführt, man blickt auf die Roselend-Talsperre des Beaufortain-Massivs in den französichen Alpen, blickt über die Margeritenwiese auf die von der Morgensonne angestrahlten rötlich glühende Sella-Gruppe der Dolomiten in Südtirol oder über die Lärchenwipfel vor dem Matterhorn.
Stets breitet sich ein Gefühl von Wanderlust aus und am liebsten würde man sich gleich auf den Weg machen, um all diese steinernen Schönheiten aus nächster Nähe betrachten zu können.
Selbstverständlich gibt es praktische Kalendarium unter jeder Gebirgsansicht, welches in Wochen unterteilt, Sonn- und Feiertage hervorheben und Platz für knappe Notizen für jeden Tag bieten.
So ist der Kalender nicht nur schön, sondern auch praktisch und passt in jede wohnliche Stube, schmückt jedes Zimmer mit einem kleinen Stückchen alpenländischer Heimeligkeit. © Uli Geißler, Fürth

Schönes Alpenland 2017 / Kalender
(1)
Kalender
14,99

Zu späte glücklose Befreiung

Uli Geißler aus Fürth , am 09.08.2016

Es war vermutlich nicht leicht, die unerträglichen Erfahrungen des Protagonisten zu dessen Kinderzeit ausgerechnet noch in Heiligsheim erträglich zu formulieren. Daher braucht sogar die fiktive Hauptperson Coelestin ("der Himmlische") ein Pseudonym. Als Ludwig Dragomir kehrt der ehemals missbrauchte Bub vierzig Jahre nach den schrecklichen Geschehnissen im Gemeindewald in sein Heimatdorf zurück und lässt seiner Wut geplant, gezielt und doch unnachgiebig ihren Lauf. Menschen verschwinden, sterben, so wie der kleine Hans damals, der nach dessen Androhung, von dem ungezügelten und menschliche Werte außer Acht lassenden Treiben zu berichten, auf freier Strecke aus einem Auto ausgesetzt und dann mehrmals überrollt wurde.

Getrieben von eigenen Schuldgefühlen, seinen Altersgenossen damals nicht geholfen zu haben einerseits, seiner brennenden und nicht mehr zurück zu haltenden Wut andererseits setzt „Luggi“ wie er noch heute von den Widerlingen genannt wird, seinen unaufhaltsamen Genugtuungs- und Rachefeldzug um. Täter von damals sterben offiziell
als Unfälle wahrgenommen unerwartet und nicht mal die nach dem ersten Fall ermittelnde Kommissarin Anna kann dem Geheimnis wirklich auf die Spur kommen.

Der Roman fesselt thematisch, berührt schnell und tief. Fast unreflektiert und in gewisser Weise Gedankenlos folgt man den unweigerlichen Geschehnissen, bleibt ohne Emotion für die Getöteten, aber auch anfängliches Verständnis für den Akteur wandelt sich schnell. Unbefriedigt über den sinnlosen und tragischen Versuch Dragomirs, sich genugtuend von Schuld aber auch Erniedrigung zu befreien, entwickelt sich mehr und mehr das ungute Gefühl, dass nichts mehr geheilt werden kann. Es bleibt nur übrig, was grausam war und grausam ist.

Die trotz aller Tragik gegebene Spannung stören eingestreute frei assoziative Aufzählungen von Ludwigs Gedanken den Lesefluss. Es sind einfach Gedanken, die ungefasst erscheinen und somit das „Eintauchen“ in die Geschichte mühsam machen. Irgendwie bleibt man draußen, liest weitestgehend distanziert fast wie einen Wochenmagazinartikel über die Geschehnisse. Zu weit weg und zu wenig nachvollziehbar entwickelt sich der Roman dann doch ohne ausreichend empathische Anknüpfungspunkte.

1 von 1 Kunden fanden diese Bewertung hilfreich.
Nackter Mann, der brennt
von Friedrich Ani
(7)
Buch (gebundene Ausgabe)
20,60

Gesunde Gedanken über eine oft verkannte Krankheit

Uli Geißler aus Fürth , am 03.08.2016

Der Autor hat gleich zu Beginn zweierlei geschafft: erstens, dass er sich selbst heilend gewagt hat, seine eigenen Geschichte für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen, zum anderen, dass er das Interesse der Öffentlichkeit wecken konnte, seine persönliche Geschichte erfahren zu wollen. Mag sein, dass der Titel – so wie bei mir – dazu beitrug, denn der darin enthaltene Optimismus trägt all diejenigen, welche von der beschriebenen Belastung und Krankheit nicht erfasst sind.

Matt Haig beschreibt in geradezu erstaunlich leichter Weise seine eigenen Erfahrungen, die sich langsam entwickelnde Erkrankung, seine Gedanken und Gefühle. So vermittelt er Erzählstil eine ganze Reihe von Fakten über das Wesen der Krankheit und informiert, ohne ein Fachbuch verfasst zu haben. Das ist authentisch und wer nicht selbst unter Depressionen leidet oder litt, kann sich zumindest besser in so eine Lage hineinversetzen.

Eine Verbindung zur Welt stellt er her, indem er auch über andere Erkrankte berichtet oder darstellt, wie die Krankheit sich unterschiedliche Erscheinungsweisen sucht und sich bei jeder und jedem Betroffenen sehr individuell zeigt.

Er stellt fest und legt offen, dass Depressionen oftmals längst da sind, bevor man sich dessen vielleicht bewusst ist, aber zum Glück benennt er auch immer wieder hilfreiche Möglichkeiten, damit umgehen zu können. Freilich kein Allheilmittel und sicher nicht die einzige oder starke Hilfe macht er doch deutlich, dass einen wesentlichen Anteil an einem Lebenserhaltenden Umgang mit der Krankheit gute Beziehungen und Kontakte zu und mit anderen Menschen beitragen können.

Ob das Buch von Depression gepeinigten Menschen helfen kann, wage ich zu bezweifeln, die enthaltenen Verhaltensweisen, Zusprüche, Lebensbejahenden Aspekte und Gründe und die vermittelte innere und äußere Haltung der Krankheit gegenüber im erlebten Alltag einer erkrankten Person, könnten es meiner Ansicht nach jedoch. Ein ermutigendes Buch über eine verkannte und vielfach im Verborgenen verbreiteten Krankheit mit einem angedeuteten Weg aus dem Dunkel ins lichte Leben.

Ziemlich gute Gründe, am Leben zu bleiben
von Matt Haig
(20)
Buch (gebundene Ausgabe)
19,50

Vegetarische Ermittlungen

Uli Geißler aus Fürth , am 19.07.2016

Das trifft den Eberhofer, ganz besonderer Kommissar aus Niederkaltenkirchen schon sehr: seine Cholesterin-Werte sind so hoch, dass ernährungsrelevante Konsequenzen auf den Fuß folgen und Oma plötzlich ganz anders kocht als bisher. Es ist auch noch ein grausiger Mord in Liesl Mooshammers Pension geschehen. Der ginge den Franz an sich nichts an, aber zum Einen geriet der örtliche angolische Fußballer als Mordverdächtiger ins Visier, zum anderen wurden die Ermittlungen an den Staatsbeamten übertragen. So macht er sich zusammen mit seinem alten Freund und Ex-Arbeitskollegen Rudi Birkenberger dann doch an die Arbeit.

Die Vaterpflichten für das samt Mutter Susi getrennt von ihm lebenden Söhnchen Paul bereiten ihm auch gelegentlich Sorgen und auch das Sohn-Dasein bei dem kiffenden und bisweilen liebesblind im „dritten Frühling“ handelnden Vater tragen nicht immer zur inneren Harmonie bei.

Wie immer macht es Spaß, das so aufgescheuchte Leben in der ländlichen Idylle zu verfolgen, sich anhand lokalgefärbter Beschreibungen, aber auch manchmal etwas banaler oder schlichter Unterhaltungen eines - in Wirklichkeit fiktiven – Alltags im Dorf hineinzuversetzen und gewissermaßen mit zu ermitteln, mit zu leiden und sich mittendrin zu fühlen.


Hilfreich für alle Dialekt-Unkundigen ist das kleine Bayrisch-Glossar am Ende des Buches und wer die Rezepte der Oma nachkochen möchte, findet einige davon – wie in jedem Band der Reihe – abgedruckt.

So ist der siebte Fall dieser Reihe wieder eine manchmal skurrile und unterhaltsame Lektüre, wenngleich die Spannung und Erzählkraft dieses Mal als etwas „flau“ zu bezeichnen sind und manchmal aufgrund des breit dargestellten komplexen Privatlebens des Protogonisten gewisse Längen erzeugt.

Leberkäsjunkie / Franz Eberhofer Bd.7
von Rita Falk
(38)
Buch (Paperback)
16,40

 
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