Rezensent im Portrait

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aus Fürth

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Über mich
lese gern (vor allem Thriller, Krimis, hin und wieder auch spannende Historische Romane, Kinderbücher und -romane). Eien wesentliche Leidenschaft ist aber auch das Spielen. Meine Einschätzung teile ich gerne mit Anderen. Ebenso suche ich beim Buchkauf Orientierung in den Meinungen anderer Leserinnen und Leser. Darüber hinaus gehören zu meinen liebsten Tätigkeiten das Spielen, Reisen, Radfahren (Touren+Mountainbike) sowie das Fotografieren. Schließlich bin ich auch selbst Spiele- und Buchautor.

Meine Rezensionen

  • Kaltfront
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    Selbstbetrug und Lebensdrama
    Rezension vom 14.04.2014
    Wegen des Unfalltodes der Eltern mussten die Brüder Markus und Thomas alleine zurecht kommen. Dem Älteren Markus gelingt das offenbar deutlich besser, als dem jüngeren und sich aufgrund seiner Kleinwüchsigkeit minderwertig fühlenden und im Verhalten unberechenbaren Thomas. Als Markus in einer Beziehung mit Roswitha lebt, verliebt sich unerfüllt auch Thomas in die Frau.

    Hart und geradezu unerträglich ist für ihn jedoch das offenbar unbegründete Verschwinden der heimlich Angebeteten, fühlte er sich doch auch schon von seinen Eltern verlassen. Alle Beteuerungen und Versuche seines älteren Bruders, der den wahren Grund für die Abwesenheit von Roswitha kennt, helfen Thomas nicht über den Verlust hinweg. Immer wieder kommt es zum Streit und zur Trennung der beiden Brüder. Erst Jahre später führt sie die vermeintliche Vergewaltigung der mit dem wenig begabten Maler Thomas verheirateten und nun im Koma liegenden Frau Tanja wieder zusammen, da Markus – inzwischen mit der finanziell unabhängigen Claudia verheiratet und mehr oder weniger freiberuflich in deren Kunstgalerie tätig - helfen soll, den Schuldigen ausfindig zu machen.

    Im Verlauf erfährt man aufgrund der Ich-Erzählung des Protagonisten Markus sowie den Aufzeichnungen seiner aufgrund seiner ausgebrochenen Krebserkrankung mit ihm arbeitenden Psychologin immer mehr von seinen dunklen Seiten, so dass man eine anfängliche Identifikation mit der Hauptgestalt bald aufgibt. Aber auch die Psychologin selbst entwickelt ganz eigene Emotionen während der Gesprächssitzungen. Hier war man etwas gespannt, wie sich dieser Erzählstrang entwickeln wird.

    In insgesamt jedoch sehr gemäßigter Spannung und leider teilweise mit Wiederholungen in der Auseinandersetzung zwischen Thomas und Markus begleitet wird man die Geschichte entlang geführt und folgt emotional unentschlossen den Ereignissen ohne eine Ahnung, worauf das Ganze hinauslaufen wird oder soll. Auch wenn sich schließlich ein nachvollziehbarer Schluss ergibt, ist dieser für das hintergründige weniger Psychothriller denn Lebens- und Beziehungsdrama ein verhalten unaufgeregtes Ende.

    (c) 4/2014, Redaktionsbüro Geißler, Uli Geißler, Freier Journalist, Fürth/Bay.
  • Rotwild
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    Märtyrertod oder Rachehinrichtung
    Rezension vom 06.04.2014
    Nach dem ersten Thriller des Autorenpaares geht es spannend weiter, denn ein von Pfeilen durchbohrter nackt an einen Baum gebundener Lehrer wird gefunden. Schnell ergeben sich Vermutungen, es müsse sich wohl um eine Hinrichtung handeln. Die engagierte und kämpferische Stina Forss aus Deutschland findet Hinweise auf eine eventuell religiös motivierte Tat, denn die Todessymbolik verweist auf Darstellungen eines frühchristlichen Märtyrers. Die Vermutung bestärkende Wandschmierereien sowie ein weiterer Mord folgen.

    Ziemlich packend wird man in die Mordsgeschichte zweier, wie sich herausstellt offensichtlich in Verbindung mit der damaligen „Stasi“ der DDR stehenden Ermordeten hineingesogen und erreicht immer tiefere Schichten charakterlicher Eigenschaften der Protagonistinnen, denn neben den privaten Seiten und Gedanken der Deutschschwedin Forss bekommt man auch die beklemmenden Sorgen der von einer möglichen Krebserkrankung bedrohten Chefin Ingrid Nyström aus Växjö mit.

    Sieht man mal vom etwas sich hinziehenden Mittelteil der Geschichte ab, blickt man doch immer tiefer in die Vergangenheit der möglichen Täterinnen oder Täter, versucht, den Prolog zu deuten und mit den aktuellen Geschehnissen zu verginden. Dann erfährt man von gut recherchierten geradezu unglaublichen politischen und kriminellen Vorgängen vergangener Tage im von Terror geprägten „Deutschen Herbst“ und den Jahren danach bis hin in die Jahre nach der Wiedervereinigung des geteilten Deutschlands. Doch so, wie langsam die Zusammenhänge erklärlich werden und man sich auf dem richtigen Weg wähnt, so plötzlich und unaufgeklärt trifft einen das offen bleibende Ende.

    Es fehlt dem an sich fesselnden (Polit)Thriller ein letzter aufklärender Hinweis, welcher zu einem akzeptierbaren Abschluss führt. So bleibt es der eigenen Phantasie überlassen, was vorher in ausgezeichneter Weise konstruiert und aufgebaut wurde, nun für sich selbst aufzulösen. Dafür ein Stern Abzug.

    (c) 4/2014, Redaktionsbüro Geißler, Uli Geißler, Freier Journalist, Fürth/Bay.
  • V8 - Komm, wenn du dich traust! Band 1
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    Feindschaft, Mut und gute Freunde
    Rezension vom 03.03.2014
    Als Erwachsener ein Kinder- oder Jugendbuch zu lesen, macht zwar Spaß, lässt aber immer auhch deutlich werden, dass man oftmals mit einer gewissen Distanz die Geschichten aufnimmt.

    Die Geschichte um David und seinen Traum, Rennfahrer werden zu wollen, der zudem die Möglichkeit erhält, in der „Burg“ - die Rennfahrerschule, aus der viele Weltmeister kommen - eine Testrunde fahren zu dürfen, fesselt sicher und der Autor erzählt auch mit einem gewissen Witz von den nötige Anstrengungen für den Jungen, dieses Ziel zu erreichen. Seine Einstellung gegenüber der für ihn und sein Vorhaben etwas anstrengenden Schwester Luca bedient – leider - typische Klischees.

    Trotzdem entsteht nicht zuletzt wegen der lauernden Gefahr durch die gegnerische Rennfahrerbande „Barakudas“, der Unsicherheit, ob die Testrennen mit guten Ergebnissen laufen und die – meiner Ansicht nach etwas unpassenden, aber Kindern sicher gefallenden – „magischen“ Ereignisse (Münzenglitzern) aufregende Spannung und das im Prinzip offene Ergebnis ist selbstverständlich der erwünschten Fortsetzung der Geschichte im Buch (und Film) geschuldet.

    Mir persönlich gefällt die etwas anbiedernde und nur vermeintlich Kind- oder Jugendgerechte Sprache nicht so sehr, denn zahlreiche Schimpfwörter sind sicher den Lesern und Leserinnen bekannt und vielleicht auch durch eigenen Gebrauch geläufig und passt eventuell auch in gespielten Szenen in einem Film. Von einem guten Buch erwarten jedoch auch Kinder eine gewisse Vorbildhafte Sprache.

    Der Auftrag für David, vier Kinder zu Freunden machen, offenbart die Botschaft des Buches, wie wichtig Freundschaft und Zusammenhalt sind. Außergewöhnlich und innovativ ist die grafische Gestaltung und das Layout des Buches. Es wirkt sehr zeitgemäß und „cool“und wird sicher viele junge Leserinnen und Leser ansprechen.

    (c) 2/2014, Redaktionsbüro Geißler, Uli Geißler, Freier Journalist, Fürth/Bay.
  • Do! It! Yourself!
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    32 Designobjekte zum Selbermachen
    Rezension vom 28.02.2014
    Außergewöhnliche Objekte für die Wohnung von bekannten internationalen Kunstschaffenden sind in diesem Buch versammelt. Dabei muss man sich nicht damit begnügen, die unterschiedlichen Objekte mehr oder weniger staunend zu betrachten, sondern wer mit Engagement und etwas handwerklichen Geschick ausgestattet ist, kann alle vorgestellten Möbelstücke, Dekorationsgegenstände und Alltagsaccessoires nachbauen.

    Die „Do-it-Yourself“-Welle – aktuell um den Trend des „Upcycling“ erweitert- - rollt ungebrochen und erhält durch die hier vorgestellten Designerstücke neue Nahrung. Für jede Idee gibt es ein ganzseitiges Farbfoto vom fertig gestalteten und gebauten Ding, eine Übersicht der benötigten Materialien, grafisch in Einzelschritten dargestellte Arbeitsschritte und selbstverständlich eine nachvollziehbar formulierte Beschreibung, was zu tun ist.

    Man kann eine Tischlampe von Gesa Hansen, ein praktisch-schönes Regal von Sebastian Herkner, eine urige Astlampe nach Nils Holger Moormann, einen derb-attraktiven Strandgut- oder Holzpaletten-Stuhl von Martino Gamper oder einen originellen Garderobeständer „Mikado“ von Sarah Illenberger und 28 weitere Gebrauchsskulpturen bauen. Zu den Kunstschaffenden gibt es jeweils eine kurze Information über deren Herkunft und Werk.

    Etwas Mut zum Außergewöhnlichen braucht es allerdings schon und der Umgang mit einigen wenigen Werkzeugen sollte auch geübt sein, um sich selbst als Sekundärdesignerin oder Objektgestalter an das Nachbauen zu wagen. Wer das tut wird jedoch nicht nur die Befriedigung, etwas Eigenes durch eigener Hände Werk geschaffen zu haben, erfahren, sondern auch noch einige Freude über ein gelungenes Objekt mit Designer-Herkunft genießen können.

    Das Buch wird all denjenigen Freude machen, die gerne selbst werkeln und gestalten und mit außergewöhnlichen Objekten und Gegenständen ihr Umfeld ausstatten wollen. Der „große Wurf“ eines gelungenen und ansprechenden Re- oder Upcycling ist es allerdings nicht. Design und Kunst sind eben immer auch Anschauungssache.

    (c) 2/2014, Redaktionsbüro Geißler, Uli Geißler, Freier Journalist, Fürth/Bay.
  • Bornholm
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    Inseltour zum Nacherleben
    Rezension vom 26.02.2014
    Ein Reiseführer soll die Lust auf das dargestellte Land oder den betreffenden Ort wecken, auf einer Übersichtsseite die wichtigsten Reise- und Versorgungshinweise bieten, darüber informieren, wie man dort hin kommt und wieder zurück.
    Auf welche Weise man die besuchte Region erkunden kann, wo man eine Unterkunft findet und sich satt essen kann, welche geologischen, klimatischen Bedingungen herrschen sollte ebenfalls Bestandteil des Buches sein, wie die Vorstellung von Flora und Fauna, die Erklärung, mit welcher Währung man wo was einkaufen kann und wie hoch es bezahlen ist, wo man Hilfe und Unterstützung in alltäglichen Dingen erhält, mit welchem Grundwortschatz man grüßen, danken oder bitten kann, wo sich die schönsten Stellen und wo die unbedingt zu besuchenden Sehenswürdigkeiten zu finden sind.

    Darüber hinaus sollte erläutert werden, weshalb alles so ist, wie es ist, woher bestimmte vorfindliche Traditionen kommen, zu welchem Zweck Gebäude, Anlagen oder Gebilde dienen, wie sich die geschichtliche Entwicklung der Bevölkerung darstellt, welches Gewicht und welche Bedeutung die Religion, Kunstwerke und markante Stätten und Gebäude haben und welche Besonderheiten bestimmte Land- und Stadtteile aufweisen.

    Schön ist, wenn es für verschiedene Interessen Tipps und Hinweise gibt, Vorschläge für Unternehmungen gemacht werden und zahlreiche Farbaufnahmen die eigene Vorstellungen vom Reiseziel unterstützen. Möglicherweise bietet so ein Reiseführer auch noch eine ganze Reihe von Detailkarten von Orts- und Stadteilen, Straßenkarten für ausgewählte Strecken oder vielleicht 10 ausgearbeitete und beschriebene Wander- oder Radtour-Empfehlungen mit herunterladbaren GPS-Daten sowie nicht zuletzt farbig hervorgehobene Hintergrundinformationen zu wichtigen Persönlichkeiten oder Örtlichkeiten, geografischen oder kulturellen Besonderheiten. Ein kleiner Sprachführer sollte jedes Reisehandbuch ergänzen.

    All das und noch mehr leistet und bietet „Bornholm“ aus dem bekannten Erlanger Verlag und man kann sich gut begleitet auf die Reise begeben und sich mit allen wesentlichen Informationen versorgt wissen. Das sind mir fünf Sternchen wert.

    (c) 2/2014, Redaktionsbüro Geißler, Uli Geißler, Freier Journalist, Gernfernreisender, Fürth/Bay.
  • Die Schockwelle
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    Kalter Krieg in neuer Gestalt
    Rezension vom 23.02.2014
    Riku Tanner steht mächtig unter Druck. Sein letzter Fall brachte ihn fast selbst hinter Gitter und der aktuelle Mord an der russischen Journalistin Vera Dobrina fordert ihn mit allen Fasern seines Daseins. Vera wollte ihrer Gastgeberin Elina Aro wollte kurz vor ihrer Ermordung noch etwas mitteilen, als der Täter zuschlug, ohne zu wissen, dass Elina die Tag mitbekam.

    Für Riku Tanner entwickelt sich der undurchsichtige Fall und dessen Aufklärung noch deutlich schwieriger, als auch noch eine „undichte“ Stelle in den Reihen der Polizei zu existieren scheint. Tanner muss sich der Verfolgung durch seine eigenen Kollegen entziehen. Es beginnt eine spannende Recherche und Spurensuche, die immer komplexere Verflechtungen zwischen Vertuschungen aus Zeiten des Kalten Krieges und Geheimdienstlicher Aktivitäten der DDR-STASI und des russischen KGB, aber auch brisante aktuelle wirtschaftliche Interessen der Energielobby offenbaren.

    Die Qualität der Thriller von Ilka Remes liegt meistens in genau diesen gekonnt kombinierten Inhalten geschichtlich-historischer Fakten, Begebenheiten und Hintergründen aktuellen Zeitgeschehens und einer sich daraus nährenden Fiktion und Phantasie des Autors.

    Der vielschichtige Plot nimmt die Lesenden gefangen in eine Welt von Spannung, Geheimdienstwesen, krimineller Energie und eiskalter Menschheitsverachtung zugunsten wirtschaftlichen Gewinns Einzelner. Dabei kommen aber auch die menschlichen Emotionen, freundschaftlichen Beziehungen und familiären Bindungen nicht zu kurz. Selbst Einblicke in die Überlegungen und Gedanken einzelner Handelnder fördern empathische Identifikation und lassen Charaktere nah sein.

    Das heftige Ende mag überzogen wirken, doch es folgt der Logik der Geschichte und ist – Gott sei Dank – nur das Ende eines starken Thrillers.

    (c) 11/2013, Redaktionsbüro Geißler, Uli Geißler, Freier Journalist, Fürth/Bay.
  • Das Geheimnis von Ashton Place
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    Die Jagd ist eröffnet
    Rezension vom 01.01.2014
    Dieses Mal verschlägt es die verantwortungsvolle und liebenswürdige Gouvernante und Erzieherin der drei „Unerziehbaren“ –bei Wölfen aufgewachsenen Geschwister – in die Großstadt London. Auch für Lady Ashton ist dieser Stadtaufenthalt eine willkommene Möglichkeit, den Nervtötenden Aufräum- und Renovierungsarbeiten nach einem etwas unglücklichen Weihnachtsball inklusive entsprechender Verwüstungen durch die Kinder und deren ungestümes und entglittenes wildes Verhalten, zu entkommen.

    Eine etwas merkwürdige Bemerkung einer Wahrsagerin in einer dunklen Gasse sorgt für Unruhe sowohl bei der jungen Penelope Lumley, denn bald schon stecken sie und die Kinder mitten im nächsten Abenteuer. Der freundliche Simon – wie sich zeigen wird, die wohl erste junge Liebe der braven Kinderbetreuerin – lädt die Vier ins Theater ein. Schon nach dem ersten Akt eines Piratenstückes schlägt das kulturelle Ereignis in eine unglaubliche wilde Flucht in der rettenden Kutsche des alten Timothy über Stock und Stein, durch die verwinkelten Gassen Londons bis in die wenig einladenden Geheimgänge des Britischen Museums, verfolgt von aufgebrachten Piratenschauspielern um.

    Wieder gelingt es der Autorin in etwas altertümlicher und doch anregender Erzählweise die Entwicklung der Kinder zu gebildeten und zivilisierten Mitgliedern der Gesellschaft einigermaßen spannungsvoll darzustellen und einige aufregende Ereignisse, aber auch geheimnisvolle Fragen in die Geschichte einzufügen. Trotzdem entstehen Längen und es bleibt zu hoffen, dass in einem vermutlich noch folgenden dritten Teil das Geheimnis der Drei gelüftet wird.

    (c) 1/2014, Redaktionsbüro Geißler, Uli Geißler, Freier Journalist, Fürth/Bay.
  • Täuscher
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    Historischer Fall aktuell spannend
    Rezension vom 30.12.2013
    Die literarisch fiktionale Um-Schreibung des echten Falles – Mord an der Musiklehrerin Clara Ganslmeier und deren Mutter Elsa samt Diebstahl einiger Wertgegenstände aus der Wohnung - ist der Autorin gut geglückt, denn unabhängig davon, dass der Vorfall schon annähernd hundert Jahre alt ist, verfolgt man – leider jedoch aufgrund der sehr zurückhaltenden und kaum spektakulären Erzählung – nicht durchgängig gespannt den Verlauf des Kapitalverbrechens 1922 in Landshut.

    Kriminaloberwachtmeister Johann Huther befasst sich mit den Morden. Der Verdacht fällt schnell auf Huther, den Sohn eines örtlichen Unternehmers, der ein Doppelleben führte. Einerseits war er der feste Freund von Thea Schwankl, andererseits hatte er sich heimlich mit Clara verlobt. Auch ein Zusammenhang mit dem Schmuckraub scheint es gegeben zu haben, denn ein Huther bekannter Kleinkrimineller - Luck Schinder – behauptete, den Schmuck von Huther erhalten zu haben. Der bestreitet das jedoch.

    Eine Reihe erdachter Auszüge aus Vernehmungsprotokollen, Aussagen und Einschätzungen und ausgedachten Hergängen fügt die Autorin zu ihrem Roman zusammen.

    Auch wenn man kaum merkt, wann historische Wahrheit, individuelle Bewertung tatsächlicher Geschehnisse oder auch erfundene Geschehnisse die Zeilen füllen, so folgt man doch manchmal etwas zweifelnd der Erzählung. Das liegt freilich auch mit dem von Andrea Maria Schenkel beschriebenen, kaum zu glaubenden Vorgehen der Gerichtsbarkeit einerseits, der etwas sprunghaften Geschichte andererseits.

    Ein etwas bemühter, unterhaltender Kriminalroman, der seine Spannung durch die Authenzität eines echten Falles und interessanter fiktiver Ergänzungen erhält.
  • Todesbraut
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    Kulturaneignung als Mordslösung
    Rezension vom 29.12.2013
    Eine vermutlich als „Ehrenmord“ verübte Gewalttat an der jungen und Lebenslustigen Kurdin und zweifachen Mutter Shirin Talabani fordert die in den USA ausgebildete und nun eher mit Büroarbeit betraute in Hannover tätige Profilerin Wencke Tydmers heraus. Der Bruder der Toten gilt aufgrund eines schon früher verübten Anschlags auf seine Schwester schnell als Hauptverdächtiger, gesteht sogar die Tat, doch glaubt Frau Tydmers nicht an diese Version. Sie folgt gegen die Einschätzung ihrer Chefin ihrem Gefühl und bringt damit nicht nur sich, sondern auch die gemeinsam mit ihr „an einem Strang ziehende“ Anwältin des erst wenige Wochen aus dem Gefängnis entlassenen Armanc und schließlich auch noch ihren kleinen Sohn Emil in Gefahr.

    Bald schon muss sie der Spur folgend nach Istanbul reisen, um ihren entführten Buben zu finden und den Fall zu lösen. Etwas Unterstützung erfährt sie bei ihren Recherchen und Aktivitäten auch von ihrem Ex-Kollegen und –Geliebten, inzwischen jedoch verheirateten Axel Sanders.

    Die spannende Geschichte fesselt einerseits durch die eindrückliche Darstellung kultureller Denkweise der Beteiligten, informative Rahmendaten über die Handlungsorte oder auch geschichtliche Randbemerkungen, die anregende Sprache und vor allem die Charakterliche Beschreibung der Protagonistinnen und Protagonisten. Gegen Ende wirkt mancher Hergang und manche Verbindung allerdings etwas bemüht, was die literarische Qualität jedoch geringfügig schmälert. Der Unterhaltungswert des Romans bleibt dennoch unbestritten hoch.

    Das Ende ist vielleicht nicht ganz „rund“, dennoch gehört „Todesbraut“ in die Riege bester, packender, mitreißender Kriminalromane.

    (c) 11/2011, Redaktionsbüro Geißler, Uli Geißler, Freier Journalist, Fürth/Bay.
  • Das Geheimnis von Ashton Place. Aller Anfang ist wild
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    Wolfskinder werden zivilisiert
    Rezension vom 11.12.2013
    Die im etwas gestelzten Schreibstil einer vergangenen Zeit verfasste Geschichte für Kinder beginnt zurückhaltend spannend, auch wenn die Tatsache, dass eine jugendliche Gouvernante als Erzieherin für drei ungezähmte bei Wölfen aufgewachsene Kinder ihre Tätigkeit in einem ehrwürdigen englischen Haus aufnehmen soll, die tollsten und aufregendsten Ereignisse vorhersehen lässt.

    Nun, ein wenig träge zieht sich die Erzählung schon hin und auch die Aufregungen sind zunächst nur bedingt wirklich Adrenalinfördernd, zu harmlos wirkt das, was die drei „Wolfskinder“ anfänglich anstellen. Ein leicht gebelltes „Wawuff“ ist da schon als verwegen anzusehen … Erst im späteren Verlauf der Ereignisse werden die so genannten „Unerziehbaren“ dem ihnen zugerechneten Ungehobelt Sein gerecht.

    Dennoch entfaltet sich allmählich und eben weniger schrill und ohne dauernde gruselige Horrorbegebenheiten eine durchaus spannende Beschreibung des Wirkens der gerade mal 15 Jahre zählenden, ausgesprochen liebenswerten, hoffnungsvollen und mit einer guten Portion Selbstbewusstsein und Sendungsorientierung ausgestatteten Penelope Lumley und des so ungewohnten Lebens der drei „wilden“, aber im Prinzip hochgradig liebenswerten und lernbereiten Kinder. Auch bekommt man aufgrund der guten Charakterisierung einen guten Eindruck der handelnden Personen des Geschehens.

    Für die wirkliche Dramatik in Ashton Place sorgen nicht die drei vom Hausherrn im Wald „gefundenen“ sich aber schon bald sich sehr gesittet und angepasst verhaltenden Alexander, Beowolf und Cassiopeia, sondern viel mehr die unberechenbare Lady Ashton und später die geradezu bösartigen Gäste der Weihnachtsparty.

    Der ausgesprochen fulminante und sich auch vorhergeahnte Höhepunkt des ersten Bandes zeugt von weiteren verrückten und aufregenden Entwicklungen dieser so außergewöhnlichen Kindheitsgeschichte, deren Fortführung man nach dem Zuklappen des Buches umgehend ersehnt. Wie wird sich der Verbleib der Kinder, die Erziehung durch Penelope, die Lady und das Geheimnis um den stillen Kutscher Timothy weiter entwickeln. Wohin führt das Ganze und wird man je erfahren, woher die Kinder stammen und weshalb sie überhaupt im Wald bei den Wölfen landeten? Man darf gespannt auf den nächsten Band sein und das zu Recht.

    (c) 11/2013, Redaktionsbüro Geißler, Uli Geißler, Freier Journalist, Fürth/Bay.