Rezensent im Portrait

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aus Fürth

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Über mich
lese gern (vor allem Thriller, Krimis, hin und wieder auch spannende Historische Romane, Kinderbücher und -romane). Eien wesentliche Leidenschaft ist aber auch das Spielen. Meine Einschätzung teile ich gerne mit Anderen. Ebenso suche ich beim Buchkauf Orientierung in den Meinungen anderer Leserinnen und Leser. Darüber hinaus gehören zu meinen liebsten Tätigkeiten das Spielen, Reisen, Radfahren (Touren+Mountainbike) sowie das Fotografieren. Schließlich bin ich auch selbst Spiele- und Buchautor.

Meine Rezensionen

  • Die Seele der Welt
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    Gedanken zum pragmatischen Weltglauben
    Rezension vom 22.07.2014
    Immer stellen Menschen im Angesicht von sinnlosen (Religions)Kriegen und Auseinandersetzungen von Volksgruppen und Ländern die Frage nach dem Gemeinsamen der Religionen und philosophischen Lebensrichtungen. Dabei schwingt stets der Gedanke mit, dass doch alle Menschen die gleichen Sehnsüchte und Träume nach Frieden, Wohlbefinden und Heil der Seele suchen.

    In der erdachten Geschichte um die Suche nach der „Weltseele“ lässt der Autor Frédéric Lenoir - ein renommierter Philosoph und Religionskritiker in Frankreich – eine Reihe von Weisen zusammenfinden. So treffen sich in der Abgeschiedenheit eines tibetischen Dorfes in einem buddhistischen Kloster ein Rabbi aus Israel, ein christlicher Mönch aus den USA, eine indische Mystikerin, ein Taoismus-Meister aus China, ein afrikanischer Sufi, eine niederländischen Philosophin und eine mongolische Schamanin. Zunächst unwissend, wie sich dieses so zufällig aufgrund unterschiedlichster Fügungen ergebene Treffen entwickeln wird und wozu sich diese Zusammenkunft ergab, erkennen sie bald im Austausch, dass sie die wichtigsten Lehren der Weisheit weiter geben sollen, bevor es zu einer alles vernichtende Katastrophe für die Erde kommt. Gebete, Meditation und Reflektion lassen sie erkennen, dass es die zwei ebenfalls im Kloster befindlichen Kinder sind, welche die Lehren erfahren sollen.

    Knackig werden in den folgenden Kapiteln sieben Lebensweisheiten beispielsweise zum Lebenssinn, Körper und Geist, der Freiheit, der Liebe oder auch der Schicksalsergebenheit dargestellt. Die additiven, sich oftmals ergänzenden Gesprächsbeiträge der einzelnen Weisen, deren Aussagen jedoch nicht immer eindeutig einer bestimmten Philosophie oder Religion zuzuordnen sind, sind angenehm zu lesen. Die angesprochenen Themen sind die Lebensthemen, um welche das menschliche Dasein immer wieder kreist und letztlich kommt es zu der gemeinsamen Erkenntnis, dass die Liebe zu sich und dem Gegenüber es ist, welche das Menschsein ausmacht. Deutlich werden die eine Harmonie im Miteinander störenden Aspekte im Zusammenleben der Menschen benannt.

    Dennoch wirken die Lehren bei aller sicher gegebenen Tiefgründigkeit und Essenz doch etwas oberflächlich und manchmal zu platt, vielleicht weil es tatsächlich an sich einfach wäre, Leben friedlich und herzlich zu gestalten. Angeregt wird auf jeden Fall, künftiges Handeln zu überdenken und auch die eigene Haltung und Lebensweise zu überdenken. Die implizierte Gleich-Gültigkeit der Religionen und Weltanschauungen allerdings wird reflektierte und bewusste Religionszugehörige stören.

    (c) 7/2014, Redaktionsbüro Geißler, Uli Geißler, Freier Journalist, Fürth/Bay.
  • Das große Buch vom Heimwerken
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    Anleitungen zum Renovieren, Umbauen, Ausbauen
    Rezension vom 19.07.2014
    Das Leben der Veränderungen umgibt die Menschen alltäglich. Ständig werden Impulse ausgesandt durch Werbung, Medien oder beim Einkaufen, was alles möglich wäre, sein Heim, Wohnung oder Haus zu verschönern. Schnell keimen Ideen und Vorstellungen, wie es wäre, wenn … Doch die Ernüchterung folgt bald, überschlägt man Kosten für Material und erforderliche Fachkräfte.
    Das große Buch vom Heimwerken hilft, eigene Ideen und einfach durchaus anspruchsvolle Veränderungen in der Wohnung oder im eigenen Haus umsetzen zu können. Gut strukturiert und mit zahlreichen Schritt-für-Schritt-Fotos werden in den Kategorien Böden, Fliesen, Sanitär, Elektro, Wände, Dämmen und Dachausbau gängige Renovierungs-, Aus- oder Umbauarbeiten dargestellt.

    Nach einer kurzen Kapitel-Einleitung werden grundlegende Informationen zu den Materialien oder bestimmten Gegebenheiten wie Mauerwerk, Verlauf von Leitungen, Tapetenarten gegeben, dann vorbereitende Maßnahmen beschrieben, bevor nötige Werkzeuge gezeigt und erläutert werden. Dann folgt die Anleitung zur eigentlichen Tätigkeit, wobei nahezu jeder Arbeitsschritt anhand eines anschaulichen Bildes nachvollziehbar wird. Ehrlicherweise muss man sagen, dass es durchaus Kenntnisse in der Auswahl und Berechnung von Materialien, Handwerkliches Geschick und Erfahrung braucht, um die einzelnen Projekte in die Tat umsetzen zu können.

    So wagt man sich eher mal, einen neuen Boden zu verlegen, Schadstellen auszubessern, Fliesen auszutauschen oder schöne Dekorationselemente einzusetzen oder eine neue Duschwanne einzubauen. Oder der Einbau eines Niedervolt-Systems zur attraktiveren Ausleuchtung des Wohnbereiches kann in Angriff genommen werden, nimmt einen das Buch erfahrener Handwerker gewissermaßen „an die Hand“. Die vermutlich häufigste Selbermachaktion ist wohl das Streichen der Wände. Auch hier gibt es viele Hintergrundinformationen zur Farbgebung und wie welche Farbkombinationen oder Gestaltungsmöglichkeiten wirken. Unterschiedliche Streichmöglichkeiten oder auch Dekorideen werden vorgestellt und erläutert, wie sich verschiedene Strukturen erzeugen lassen.

    Immer wichtiger werden besonders in älteren Häusern die Dämmmaßnahmen. Auch hierzu finden sich Anleitungen in dem Buch. Sogar das Einziehen von Zwischenwänden und dadurch bessere Ausnutzung eines bislang vielleicht vernachlässigten Dachbodens wird so erklärt, dass man am Ende einen oder zwei Räume mehr nutzen kann.

    Wer also selbst aktiv das eigene Wohnen praktischer und schöner gestalten möchte und über einige Erfahrung und erforderliche Grundfähigkeiten im Umgang mit Meterstab und Werkzeugen verfügt, findet für einige wesentliche Veränderungsprojekte in diesem Buch die passende fachliche Unterstützung von erfahrenen Profis aus der „Selbst-ist-der-Mann“-Welt. Dabei sollten sich – wenn auch nicht im Titel eigens benannt - selbstverständlich auch Frauen anregen lassen, ihre Wohnträume für Wohnräume zu verwirklichen.

    (c) 7/2014, Redaktionsbüro Geißler, Uli Geißler, Freier Journalist, Fürth/Bay.
  • Blitzdings, Familienspiel (Kosmos 691202)
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    Fix schauen - Wissen raushauen
    Rezension vom 17.07.2014
    So genannte Partyspiele gibt es eine Vielzahl. Allen gemein ist, dass die Regeln kurz, das Spiel kurzweilig und selten hoch anspruchsvoll ist. Trotzdem beweist „BlitzDings“ Niveau.

    Von einem Stapel zieht der Reihe nach jede und jeder Mitspielende vom Ziehstapel in der Tischmitte eine Wortkarte, welche auch noch ein Symbol aufweist, und legt diese vor sich ab. Jede neu gezogene Karte wird so auf die bisherige gelegt, dass sie die vorherige abdeckt. Die Worte sind Überbegriffe, zu welchen es gilt, eine entsprechende passende Antwort zu geben, die Symbole geben vor, welche zwei Personen aus der Spielrunde jeweils aktuell an der Reihe sind.

    Sobald zwei Karten das gleiche Symbol aufweisen, spielen die beiden gegeneinander ein Antwort-Duell, vor denen die betreffenden Karten ausliegen. Dabei müssen sie jedoch beachten, dass sie zu dem Überbegriff des oder der Spielpartner/in eine Antwort geben müssen. Da sprudelt man in der Aufregung schon mal schnell das falsche Wort hervor, welches in aller Regel dann gnadenlos vom Gegenüber wiederholt und so die Symbolkarte als Gewinnpunkt einkassiert wird.

    Durch das Gewinnen von Symbolkarten werden darunter liegende Karten aufgedeckt. So passiert es, dass es eine Kettenreaktion geben kann, wenn durch das Wegnehmen einer Karte plötzlich ein bestimmtes Symbol in der Runde nun zweimal zu sehen ist. Auch hier spielen wieder die Beiden, deren Symbole zueinander passen. Die insgesamt 8 Jokerkarten zeigen je zwei unterschiedliche Symbole, was lediglich die Möglichkeit der Duell-Paarungen erweitert, da nun auch Zweierkombinationen der unterschiedlichen ausliegenden Symbole entstehen können.

    Gibt es keine Nachziehkarten mehr, gewinnt, wer die meisten Gewinnkarten besitzt.

    Das wilde Spiel erfordert höchste Konzentration, denn ständig sind alle Mitspielenden beteiligt, um als Erste/r eine entstandene Paarung zu entdecken, den Überbegriff zu lesen und schnellstens ein passendes Wort auszurufen. Das macht Spaß, vor allem, wenn das falsch ausgerufene Wort dem Gegenüber nutzt, und dieses es lediglich nachplappert. Ein klasse Regelarmes und leicht verständliches Spiel für sofortigen Spaß in einer fröhlichen Runde.

    (c) 7/2014, Redaktionsbüro Geißler, Uli Geißler, Freier Journalist, Spiel- und Kulturpädagoge, Fürth/Bay.
  • Kinder, die die Welt verändern
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    Junge Aktive zwischen 9 und 16 Jahren
    Rezension vom 16.07.2014
    Junge Aktive zwischen 9 und 16 Jahren

    Kinder: Die Weltverbesserer. Das lässt sich bei Durchsicht dieses Buches gut unterstreichen. Es stellt 45 Persönlichkeiten vor, die allesamt zwischen 9 und 16 Jahre jung sind, aber durchaus Weltbewegendes in Gang gesetzt haben. Ein Portraitfoto, die Beschreibung der jeweiligen von den Mädchen und Jungen durchgeführten oder betriebenen Aktionen sowie knappe, aber ausreichende Hintergrundinformationen geben Einblicke in die einfallsreichen oft mutigen und wirkungsvollen Projekte.

    Immer wieder wird deutlich, dass die unverbrauchte und unkomplizierte Herangehensweise an die Problemlagen der Welt, die Bedrohungen der Erde und Natur es ist, was aufmerksam werden lässt. Klar in den Zielen und eindeutig in den Aussagen stellen sich die aktiven und für den Erhalt ihres – der Menschheit – Lebensraumes vor die Mächtigen der Welt, wenn sie denn sprechen dürfen. Einigen der jungen Weltverbesserer ist das jedoch gelungen und das Buch stellt sie vor. Da ist Severn Cullis- Suzuki aus Kanada, die vor über zwanzig Jahren in Rio de Janeiro vor der internationalen Konferenz der Vereinten Nationen über Umwelt und Entwicklung“ sprach oder Olivia Bouler aus den USA, die nach der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko eine Spendenaktion losschlägt.

    Einer der etwas älteren Jugendlichen mit 16 Jahren ist Alec Loorz, der gegen die USA Anzeige wegen deren Versagen beim Schutz vor der Erderwärmung erstattete . Nicht zuletzt trifft man auch auf den deutschen Felix Finkbeiner mit seiner als 9-jähriger initiierten beispiellosen und weltweit beachteten und wirkungsvollen Baumpflanzaktion.

    Der wohl beste und berühmteste Luftbildfotograf Yann Arthus-Bertrand steuerte eine Vielzahl seiner phantastischen Aufnahmen von überall aus der Welt bei und setzt so ein Zeichen dafür, wie notwendig und wichtig es ist, die Erde in ihrer unglaublichen Schönheit und Vielfalt zu erhalten.

    Das Buch zeigt das Schützenswerte unseres Planeten in aufdringlicher Pracht, beschreibt Aktivitäten der Hoffnung für die kommenden Generationen, erdacht und vorangetrieben von denjenigen, welchen schon die Älteren stets eine bessere Welt hinterlassen wollten. Wer sich umsieht weiß, dass dieser Plan sich bislang eher ins Gegenteil kehrte. Daher gilt es, ab sofort diejenigen zu unterstützen, die sich heute schon in jungem Lebensalter für das Morgen einsetzen.

    (c) 7/2014, Redaktionsbüro Geißler, Uli Geißler, Freier Journalist, Fürth/Bay.
  • Flizz & Miez, Kinderspiel (Stadlbauer 17180002)
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    Renntumult mit wehenden Schnurrhaaren und quietschenden Krallen …
    Rezension vom 04.07.2014
    In diesem Spiel werden gleich zwei beliebte Interessen von Mädchen und Jungen zusammengeführt, der Spaß an Autos und insbesondere an Rennautos und der bekannten Carrera-Autorennbahn und das Vergnügen und die Liebe zu dem Haustier Katze.

    Die Idee ist, dass auf dem Brett geschieht, was im wirklichen Leben manchmal zu Problem führt, wenn nämlich die Rennbahn aufgebaut, ein flottes Rennen gefahren wird und plötzlich die Katze die dahin flitzenden Autos zu „jagen“ und auf die Bahn zu springen.
    Die Mitspielenden führen jede Runde eine andere Rolle aus, denn es gibt die Rolle Katze(nwürfler/in), Rennleiter/in oder Rennfahrer/in (Puzzler/in). Es gilt bei „Flizz & Miez“ aus Pappteilen eine Rennabfolge für das eigene Fahrzeug zusammen zu puzzeln. Wer ein passendes Teil angelegt hat, ruft „Wrroom“, wer das Katzensymbol erwürfelt hat „Miau“ und daraufhin wird das eigene Rennauto oder aber die Katze auf der Rennstrecke vorwärts bewegt.
    Sobald die Katze jedoch das aktuell fahrende Auto einholt oder aber, wenn das Rennauto die Ziellinie überfährt, endet die Etappe. Schon stellt sich das nächste Fahrzeug in die Poleposition, die Aufgabenrollen wechseln und der aufregende Spaß beginnt erneut.

    Es gibt noch die Möglichkeit, die Schwierigkeit des Spiels zu variieren, aber auch noch mehr verrückte Gaudi zu haben, denn auf der Rückseite des Spielplans ist eine weitere Rennstrecke aufgedruckt. Dort sind an bestimmten Streckenabschnitten auch noch zusätzliche Geräusche auszurufen.

    Es macht großen Spaß, dieses auch etwas hektische und mit der verrückten Geräuschkulisse untermalte Rennen auszutragen und Buben und Mädchen ab 5 Jahren - ganz ehrlich aber sicher auch noch bis zu Zehnjährige – werden ihren Spaß bei dem 2014 zum „Kinderspiel des Jahres“ nominierten Spiel haben.

    (c) 7/2014, Redaktionsbüro Geißler, Uli Geißler, Freier Journalist, Spiel- und Kulturpädagoge, Fürth/Bay.
  • Das Todesjahr des Ricardo Reis
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    Auferstehung eines Erfundenen
    Rezension vom 22.06.2014
    Die Rückkehr des von Lissabon 1919 nach Brasilien ausgewanderten Protagonisten Ricardo Reis in seine Heimat ist an sich nichts Außergewöhnliches. Und doch merkt man schnell, dass der in die Fremde gezogene nun im vermeintlich sicheren Heimathafen erst recht fremd zu sein scheint.

    So findet der Arzt und Heimkehrer 1935 keinen Ankerplatz, als in einem kleinen Hotel und lässt sich von den Abläufen eines tristen Alltags zunächst treiben, ohne Freude und Lust, ohne wirkliche Beziehungen. Lediglich das Zimmermädchen Lídia ist ein gewisser Lichtblick für den von Trugbildern heimgesuchten Mann. Später entsteht eine platonische Sehnsucht und Liebelei zu Marcenda, die mit ihrem Vater im gleichen Hotel logiert, einen bewegungslosen linken Arm hat und lediglich dem Wunsch des Vaters nach medizinischer Hilfe nach Lissabon folgte.

    Immerhin wird er skurriler Weise kurz nachdem er dessen Grab aufgesucht hatte von dem kürzlich verstorbenen Fernando Pessao aufgesucht, der mit ihm über das Leben und sein Handeln, insbesondere herablassend über die in Pessaos Augen wohl eher kindischen Liebeleien des Arztes mittleren Alters philosophiert.

    Eine plötzliche Vorladung zur Polizei führt ihm die Wirklichkeit politischer Unzulänglichkeiten und gesellschaftlicher Realitäten zur Zeit des Salazar-Regimes erkennen. Er nimmt sich eine Wohnung und versucht auch trotz finanzieller Unabhängigkeit eine Arbeitsstelle zu finden, was in einer nahegelegenen Klinik auch gelingt. Seine Sehnsucht nach einem normalen Leben bleibt bestehen, findet jedoch keine rechte Erfüllung, zu wankelmütig und unentschieden tändelt Ricardo Reis durch den Alltag. Auch die Mitteilung über Lídias Schwangerschaft lässt den werdenden Vater keineswegs seine Verantwortung erkennen und wahrnehmen, vielmehr distanziert er sich von ihr und versteift sich fast noch mehr auf die unerfüllte Sehnsucht nach Marcenda.

    Das Ende der Geschichte könnte auch das Ende des Protagonisten sein, die Melancholie, die unerfüllten Hoffnungen auf ein besseres Jetzt und ein noch besseres Morgen zerfallen geradezu zwischen den Zeilen, als ein Aufstand gegen die Herrschenden schon vor dem richtigen Ausbruch niedergeschlagen wird.
    Auch hier fehlt Reis die nötige Empathie Lídia gegenüber, deren Bruder, wie er von ihr wusste, als Aktivist und Oportonist sicher mit bei dem Putschversuch beteiligt war und augenfällig zu Tode kam.

    In der Sogwirkung der Saramagotypischen Erzählweise unendlicher Satzkonstruktionen trägt einen der Roman dahin und es ist schwer, einen Spannungsbogen auszumachen. Alles spielt sich gewissermaßen auf einer Wellenlänge ab, was sich schnell als Durchschnitt auswirkt. So ist das Buch gut, aber nicht sehr gut und erst recht nicht so hervorragend, wie man es von dem Autor erwartet hätte. Motiv und Vorhaben, dem spanischen Dichter ein Denkmal zu setzen, lassen sich eben noch aus dem Kladdentext entnehmen, die Geschichte selbst gibt es meiner Ansicht nach her.

    (c) 5/2014, Redaktionsbüro Geißler, Uli Geißler, Freier Journalist, Fürth/Bay.
  • Der Riese
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    Kleine Geschichte groß erzählt
    Rezension vom 21.06.2014
    Diese – vermutlich – Parabel erzählt der Autor in einer so leicht zu verfolgenden Sprache, dass man ohne Pause das ganze Buch lesen kann und man schnell die Zeit und das Außenherum vergisst, obwohl es einen in der Geschichte um den immer weiter wachsenden Tilman Wölzinger längst eingefangen hat.

    Die Geschichte ist einerseits skurril und unglaublich, andererseits aber auch von solcher Unspektakularität über ein Leben gekennzeichnet, welches nur deshalb erzählenswert scheint, weil der Protagonist an einer merkwürdige Krankheit leidet.

    Das ist aber auch, was den Reiz des Romans ausmacht, dieses plötzliche Entstehen einer Sensation, die niemand wollte, erzeugte, vorbereitete, eine Aufregung, die einfach so entsteht, weil sich etwas aus dem Alltäglichen ein kleines wenig hervorhebt. Gierig-distanziert verhalten sich die Menschen Tilmann gegenüber, weil niemand es wagt, nachzufragen, sich wundern oder einfach zu sagen, so ist es. Die Norm überschreitende Größe des Mannes mit 2,06 m im jugendlichen Alter und später 2,36 m als Größter Mann Deutschlands wird zum Faktum der Berühmtheit ohne Leistung. Welche Vergleiche ließen sich da nicht zu vielen aktuellen Stars und Persönlichkeiten ziehen …

    In angenehmer und geradezu bedächtiger Erzählform erfährt man vom Leiden und den inneren Nöten, des jungen Mannes, der Stigmatisierung durch die ihn umgebenden Menschen, die ihn meiden und ausgrenzen. Er bleibt ungeliebt. Die für einen Menschen so wichtige Beziehung zu anderen wird nur kurz durch die Freundschaft zu einem Mädchen befriedigt, doch selbst die ist lediglich auf ihren eigenen Nutzen aus. Tragisch.

    Der „Nagoldshausener Riese“ wie er schnell genannt wird ist getrieben von dem Kampf nach Anerkennung und der Notwendigkeit des Verschwindens. Das Konsum- und Gewinndenken seines Vaters stößt ihn ab und er flieht zunächst, später mit wachsender Begeisterung und Vergeistigung in die Musik und vor allem Literatur.

    Irgendwann vollzieht sich ein Wandel, denn Tilmann beginnt Nutzen aus der Sensationsgier der Menschen zu machen, verkauft sich und sein Leben an Presse und Öffentlichkeit, lässt sich als Größter Mensch der Welt mit 2,67 m vermarkten.

    Erst spät entsteht eine neue Beziehung zu einer Frau, die ihn liebt, wie er ist. Tilmann beginnt eins mit seinem unsäglichen Riesendasein zu werden, arrangiert, ja versöhnt sich gewissermaßen mit seiner Krankheit, nutzt sie zum Leben und genießt, was ihm in seiner Situation zu genießen möglich ist. Er denkt und vor allem fühlt, ein normales Leben zu führen, das auch normal enden wird.

    Dem Autor gelingt es in einer ganz unprätentiösen Weise eine einerseits tragische, andererseits aber auch nach vorne gerichtete Geschichte zu erzählen, die von Phantasie, maßgeblich jedoch von erforderlichem Respekt und gelebter Würde getragen wird.
  • Wer mordet schon in Franken?
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    Mordstour durch Nordbayern
    Rezension vom 21.06.2014
    Diese Anthologie aus Kriminalgeschichten und Freizeitinformationen sind eine gute Kombination und für den Aufenthalt und Kurzurlaub in Ober-, Unter- und Mittelfranken bestens geeignet. Alle Geschichten spielen in und um die genannten Urlaubsregionen.

    Es gibt keine durchgängige Protagonistin oder eine wiederkehrende Hauptfigur. Immerhin zwei Mal ermittelt eine Bamberger Privatdetektivin namens Katinka Palfy. Vielleicht oder sogar wahrscheinlich wäre es besser gewesen, es hätte ein Kontinuum in Persona einer Kommissarin oder eines Kommissar gegeben. Vielleicht beim nächsten Mal!?

    Nachdem man vergeblich ein Inhaltsverzeichnis oder andere kurze Hinweise auf die insgesamt 11 Geschichten gesucht und nicht gefunden hat, liest man sich etwas orientierungslos durch die Geschichten durch, immer gedanklich die Landkarte Bayerns und insbesondere Frankens vor Augen, wenn es nach Bamberg, Coburg, Würzburg oder Nürnberg, in die Rhön oder ins Fichtelgebirge geht.

    Die gute Idee, im Text benannte Sehenswürdigkeiten oder Orte mit einer Kennnummer zu versehen, unter welcher man jeweils am Ende einer Geschichte ein paar touristische Hinweise und Freizeittipps findet, hätte mit einer kleinen Übersichtskarte eine gute Ergänzung gefunden. So muss man angetan von den durchaus anregenden und interessanten Hinweisen im Text etwas mühsam herausfinden, wo sich die jeweiligen Ereignisse abgespielt haben.

    Die Geschichten sind zwar bisweilen richtige Mordsgeschichten, aber aufgrund ihrer sprachlichen Direktheit und Kürze leicht zu lesen und teilweise hat man den Eindruck, selbst die Lösung des Falles aufgeklärt zu haben. Es gibt merkwürdige Todesursachen wie beim Ableben der Anhalterin, obwohl ein anderes Ende durchaus im Bereich des Möglichen lag, Ereignisse, die nachvollziehbar und doch unverständlich bleiben wie bei den drei verschwundenen Jugendlichen im Fichtelgebirge oder einen krass tragischen Unfall wie der eines reumütigen Vaters.


    Einfach erzählt unterhalten die Geschichten gut und lassen die Fränkische Landschaft und die städtischen oder landschaftlichen Sehenswürdigkeiten gut vorstellbar werden, die Ereignisse nacherleben. Die eingestreuten Freizeittipps oder touristischen Hinweise ergänzen das Ganze schön und entweder, das Buch weckt die Besuchslust für die vorgestellten Tatorte oder ergänzen eigene Erkundungen am Urlaubsort.

    © 6/2014, Redaktionsbüro Geißler, Uli Geißler, Freier Journalist, Fürth/Bay.
  • Die Legenden von Andor (Kosmos 691745)
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    Gemeinsam die Welt retten – zumindest die des fiktiven Königreiches
    Rezension vom 21.06.2014
    Schnell ist klar, dass es sich bei diesem geradezu epischen Spiel um kein Wettkampfspiel handelt. Wie aus den Anfängen der kooperativen Kinderspiele bekannt rücken die zu bekämpfenden Gegner unaufhörlich in Richtung des Zielfeldes „Riedburg“, welches sie eben auf keinen Fall erreichen sollen und daher das kluge Zusammenwirken aller Mitspielenden erfordert, um das zu verhindern.

    Gemeinsame Planung ist das „A“ und das „O“ bei diesem Spiel, im Alleingang wird man die jeweiligen Legenden mit ihren Anforderungen und Aufgaben nicht erfüllen können. Das merken alle Beteiligten spätestens nach der ersten „Niederlage“. Übersicht und strategische Überlegungen sind entscheidend, um das in den Abläufen durchaus einfache Spiel mit Erfolg zu spielen, das Legendenziel zu schaffen. Hierin steckt auch eine Gefahr für den Spielspaß, denn allzu nachdenkliche Grübler und Wahrscheinlichkeitsberechnende könnten die phantastische Atmosphäre durch zu viel abstrakte Logik gefährden.

    Die Legenden werden anhand entsprechender Karten vorgegeben und bauen aufeinander auf. Im Spiel selbst befinden sich fünf davon und es gibt inzwischen auch schon Erweiterungen auf der Spiel-Internetseite sowie eine zum Nachkauf: „Der Sternenschild“.

    Als erstes wird der hervorragend illustrierte und sehr große Spielplan ausgelegt, die zu spielende Legende ausgewählt und die dafür erforderlichen Vorbereitungen (Vergabe der Helden-/Rollentableauts mit entsprechenden Willens- und Stärkepunkten, Materialauswahl, Spielaufbau) vorgenommen. Die mitspielenden vier Charakterfiguren (Zwerg/in, Krieger/in, Bogenschütz/in oder Zauber/in) versuchen in den Spielrunden, die einen 7-stündigen Tag zuzüglich bis zu drei zusätzlichen Stunden lang dauern, die gestellte Aufgabe zu lösen, wie beispielsweise das Verteidigen der Riedburg. Jede einzelne Bewegung einer Figur auf dem Spielfeld kostet eine Stunde, was auf der aufgedruckten Zeitleiste markiert wird.

    Wie bei den allen „Fantasy“-(Rollen)Spielen kommt es auch in diesem Brettspiel zu Kämpfen mit allen möglichen bösartigen Gegnern, die es zu besiegen gilt. Diese Auseinandersetzungen werden per Würfel ausgetragen, was Willenspunktezuwachs auf der eigenen Heldentafel bringen kann.

    Durch die verschiedenen von der am Rande des Spielplan laufenden Erzählerfigur im Verlauf des Spiels eingebrachten neuen Ereignisse bzw. Legenden entstehen immer wieder neue Konstellationen und Herausforderungen für Spielenden, die auch unterschiedlich schwierig zu bewältigen sind und selbst für Spielerinnen und Spieler, die normalerweise lieber wettbewerbsorientierte Spiele bevorzugen, spannend sind und bleiben.

    Klasse ist auch neben der hervorragenden grafischen Gestaltung und der zahlreichen spielerischen Varianten das üppig vorhandene Material, auch wenn man dieses kaum in der Schachtel unterbringt. Die leichte Sofortlosspielmöglichkeit gefällt ebenfalls, so dass man die Finessen des Spiels im Vollzug entdecken und sich damit vertraut machen kann. Das hilft, wenn dann nach und nach weitere Regeln und neue Spielelemente hinzukommen.
    Die steigende Regelfülle führt aber auch hin und wieder zu Unsicherheiten und Überraschungen (vor allem, wenn man eine vorgelesene Regel vergessen hatte und sich ein Spieler plötzlich doch wieder daran erinnert …). Daher ist es gut, mit der gleichen Spielgruppe mehrere Legenden durchzuspielen und außerdem immer die Verbindung zur Spieleigenen Internetseite zugriffsbereit zu halten, um hilfreiche Erläuterungen dort nachlesen zu können. Zudem finden sich dort auch weitere Varianten und Ergänzungen.

    Wer sich von dem kooperativen Ansatz und der Thematik ansprechen lässt, wird noch oft ansprechende Spielrunden erleben können. „Die Legenden von Andor“ ist ein niveauvolles Spiel für Spielerinnen und Spieler aller Altersklassen ab 10 Jahren. Wer sich in die phantastische Welt der Zwerge und Monster hineinversetzen und zudem fähig ist, im Team Entscheidungen treffen und akzeptieren zu können, wird sicher eine Menge Spaß an dem Spiel haben und auch mehrmals den Weg nach Andor einschlagen. Eine richtige (Spiel)Legende.

    Die erste Kauferweiterung „Der Sternenschild“ bietet schön gestaltetes zusätzliches Materialien (Katapult, Belagerungsturm, Tempelfundament) und neben neuen Aufgaben auch einen deutlich höheren Schwierigkeitsgrad. Es lassen sich neue taktische Züge ausprobieren und die neuen bieten erneut attraktiven Spielspaß. Wer also das Durchhaltevermögen besitzt, sich weitere Spielrunden im Königreich Andor aufzuhalten, bekommt mit der Erweiterung und neuen Aufgaben genug Anreiz dazu.

    (c) 10/2013, Redaktionsbüro Geißler, Uli Geißler, Freier Journalist, Spiel- und Kulturpädagoge, Fürth/Bay.
  • Urban ArtCore
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    Aktiv Kunst des Vergänglichen gestalten
    Rezension vom 04.06.2014
    Straßenkünstlerinnen und Straßenkünstler – bislang wohl eher als Musikanten, stocksteif dastehende Lebensskulpturen, Äquilibristen, Keulen- oder Balljonglierende bekannt, lassen sich nicht mehr so leicht in die wenigen Kategorien einordnen.
    Zudem geht es Vielen nicht mehr nur um das Herzeigen eines fertigen Werkes. Vielmehr gehört der Entstehensprozess zum Ausdruck dazu und „Kunst im Öffentlichen Raum“ bekommt eine deutlich aktivere, Soziale und Freiheitliche Beteiligungskomponente hinzu. Mitmachen für „Nichtkünstler/innen“ ist oftmals Programm, macht Kunst menschlich.

    Das anregende, stark mit Bildern und Illustrationen aufbereitete Buch stellt zahlreiche Kunstschaffende vor, klärt über deren Anfänge, Anlässe, Arbeitsweisen und Botschaften auf und stellt jeweils einen kleinen Ausschnitt ihrer Werke dar. Spannend sind die sich den jeweiligen Kunst-Genres folgenden Anregungen und Anleitungen, selbst aktiv künstlerisch ausdrucksfähig zu werden. Plakate, Veränderung von Großwerbung, Sprühstempel mit Schablonen, Siebdruck, Sticker, Freihandmalen, Installationen oder Guerilla-Guardening werden als neue, wenn man so will „Jedermensch-Kunst“ propagiert.

    Es macht Spaß, durch das Buch zu blättern, die Statements der Kunstaktivistinnen und -aktivisten zu lesen und ständig die Lust in sich zu verspüren, gleich mal loszuziehen und im Quartier oder um die Ecke selbst gestalterisch zu wirken. Politische oder soziale Aufmerksamkeiten können entstehen, Missstände aufgezeigt, Forderungen verdeutlicht werden.

    Kein Wort wird übrigens über mögliche Strafrechtliche Folgen dieser Kunstformen verloren, was jedoch durchaus zu überlegen ist, will man nicht in Sachbeschädigungsprozesse verwickelt werden. Hier gilt es also stets zu prüfen, wie stark Eingriffe in Fremdes Eigentum vorgenommen werden und die veröffentlichte Kunst auf Straße, Wand und Objekten möglichst temporär anzulegen. Hier endet „Urban Art“ möglicherweise schnell an der eigenen Grenzüberschreitungsbereitschaft.

    (c) 5/2014, Redaktionsbüro Geißler, Uli Geißler, Freier Journalist, Fürth/Bay.