Kuhhandel

Ein Allgäu-Krimi

von Nicola Förg

Buch

Taschenbuch (284 Seiten)

Sprache: Deutsch

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Nicht nur für Allgäuer - ein Allgäuer Regionalkrimi


Die Tote, die Kommissar Gerhard Weinzirl an der Ruine Eisenberg in Zell im Allgäu findet, war eine alte Bekannte: Dass die lebenslustige Tierärztin Svenja Selbstmord begangen haben soll, kann der Kommissar kaum glauben - daran ändert auch der Abschiedsbrief nichts, der sich wenig später findet. Auch Jo, die Tourismusdirektorin und beste Freundin der Toten, hat ihre Zweifel und nimmt die Sache selbst in die Hand: Im Alleingang und jenseits der Legalität spioniert Jo Svenjas Chef, dem dubiosen Tierarzt Dr. Ostheimer nach. Und stößt nicht nur auf zahllose Ungereimtheiten, sondern auch auf mysteriöse Todesfälle im Stall eines Bauern ...


Der dritte Fall für Kommissar Gerhard Weinzirl und die Spürnase Johanna Kennerknecht.


Pressestimmen:

"Mit Witz und Charme bereitet Förg vergnügliche Lesestunden." Münchner Merkur

Produktdetails

Verkaufsrang: 3.661
ISBN-10: 3-442-47015-3
EAN: 9783442470150
Erschienen: 08.03.2010
Verlag: Goldmann Taschenbuch
Einband: Taschenbuch
Sprache(n): Deutsch
Seitenzahl: 284
Länge/Breite: 189mm/120mm
Gewicht: 240 g
Reihe: Goldmanns Taschenbücher
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Nicola Förg

Nicola Förg, geb. 1962 im Oberallgäu, ist als Reise , Berg , Ski- und Pferdejournalistin tätig. Mit ihrer Familie sowie mehreren Ponys, Katzen und Kaninchen lebt sie auf einem Anwesen im südwestlichen Eck Oberbayerns, wo die Natur opulent ist und ein ganz besonderer Menschenschlag wohnt.

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  • Kuhhandel Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv

    von Brigitte Bouman-Mengering, am 01.07.2010

    0 von 0 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.

    Also,um es vorweg zu sagen. Das Allgäu ist scheinbar eine höchst gefährliche Gegend. Oder aber der Landstrich regt die kriminelle Phantasie an. Anders ist es kaum zu erklären,daß so zahlreiche,spannende Krimis in dieser Gegend spielen. Wie auch das jüngste Werk von Nicola Förg.Kommissar Weinzirl uns seine "Kollegin" Johanna müssen den gewaltsamen Tod ihrer Freundin Svenja untersuchen. An der voreilig aufgestellten Selbstmordtheorie zweifeln beide jedoch sehr.Eine spannende Jagd quer durch das Allgäu und diverse Viehställe beginnt und führt zu einem überraschenden Ergebnis.Ein erfrischend anderer Krimi,der Lust auf mehr macht.

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Jo schaute auf die Uhr. So unpünktlich war Svenja eigentlich nie. Jo hasste Unpünktlichkeit, Falco wohl auch. Er hatte einem Entfesselungskünstler gleich bereits zum dritten Mal den Knoten seines Führstricks aufgebissen. Die eifrigen Autoren von Pferderatgebern sollten ihn mal kennen lernen. Falco öffnete jeden auch noch so unlösbaren, angeblich absolut pferdesicheren Knoten. Fenja hingegen verbiss sich gerade in ihre Anbindestange, sie empfand sich wohl als die Reinkarnation eines kanadischen Bibers, und Fjölla, Fenjas zweijährige, halbstarke Tochter, grub um. Sie hackte und harkte mit dem rechten Vorderhuf und würde es wohl heute noch bis zum Mittelpunkt der Erde schaffen - falls Svenja nicht bald auftauchen würde.
Jo rief in der Praxis an, der AB verwies auf eine Mobilnummer. Nachdem es quälend lange geläutet hatte, sagte Svenjas tiefe Altstimme, man möge in extremen Notfällen doch bitte die Tierklinik in Gessertshausen oder Dießen anrufen oder aber eine Nachricht hinterlassen. Na ja, eine Impfung war ja kein echter Notfall.
»Hi, Viechdokterin, Jo hier, vielleicht hab ich da was durcheinandergebracht, aber ich dachte, wir wären am Donnerstag um 14 Uhr 30 bei mir am Hof verabredet gewesen. Wegen der Impfung. Ja, äh, okay, vielleicht rufst du mal zurück. Du hast vielleicht 'ne Steißgeburt oder hängst sonst bis zum Hals in 'ner Kuh. Also nicht du hast die Steißgeburt.« Jo gluckste und brach ab. Svenja war seit vierzig Minuten überfällig, viel zu lang für Lady Überpünktlich.
Jo entließ erst mal Biber-Fenja auf die Weide, dann Zirkus-Falco. Fjölla musste als erzieherische Maßnahme noch drei Minuten stehen bleiben. Da Jo aber befürchtete, dass das Pony demnächst im heißen Erdkern ankommen oder zumindest Jules Vernes Professor und Axel bei ihrer Reise zum Mittelpunkt der Erde treffen würde, schickte sie auch dieses lästige Pferdewimmerl auf die Koppel. Seit sie ihre Pferde direkt hinterm Haus hatte, war die Pferdehaltung für Jo ein pures Vergnügen. Die Nachbarn Gschwendtner hatten schließlich doch ein Einsehen gehabt, Jos Flehen erhört und ihr einen Offenstall auf eine Wiese gebaut. Außerdem konnten sie die Stallmiete ganz gut brauchen. Aber Matthias, »Hias«, Gschwendtner hatte noch immer seine liebe Not mit seiner »g'studierten Rossbäuerin«, wie er Jo scherzhaft nannte. Er fand es ja durchaus lobenswert, dass eine »Frau Doktar« Bulldog fahren konnte, aber dass die Tiere einfach so nutzlos rumgammelten, fraßen und schissen, ohne dafür arbeiten zu müssen, das missfiel ihm. Was ihm auch missfiel, war die Tatsache, dass sogar Jos Tierarzt eine Frau war.
Und dann war ein wirklich rabenschwarzer Tag gekommen, der Hias' Weltbild komplett aus allen Verankerungen gerissen hatte. Resi, seine Frau, war über die Wiese gerannt.
»Des Kälble kommt it und dem Hias sei Tierarzt au it. Dir sind doch au Viechdoktar?«, hatte sie zu Svenja gewandt gesagt.
Die hatte nicht lange gezögert und war von Hias mit den
Worten begrüßt worden: »Ja, kannsch du des au? Des isch fei schwer, i versuachs scho a Stund.«
»Ja, genau deshalb bin ja ich da«, hatte Svenja durchaus lakonisch geantwortet.
»Sollen mir it besser an Ma holen?«, hatte Hias noch einen draufgesetzt. Schließlich hatten sie sich darauf geeinigt, dass Hias Svenja nun endlich seine Kuh präsentieren würde, und wenn sie das Kalb wirklich nicht rauskriegen sollte, dann könnte man ja immer noch Arnold Schwarzenegger rufen. Svenja hatte ihm zehn Minuten später das Kalb in die Arme gedrückt mit den Worten: »Wollen Sie mich noch mal fragen, ob ich des kann, und einen Mann fragen?«
Verlegenes Murmeln war die Antwort. Die Krönung war gewesen, als Svenja sich in der Milchkammer gesäubert hatte und Resi grinsend gemeint hatte: »Der red allat so an Soich! Des geht it in sein Grind nei, dass du des kannsch. Dass a Wieb d Griffl in am Viech hot. Wie lang hosch braucht?«
»Zehn Minuten?« Svenja hatte verschmitzt gelächelt und ihr verschwiegen, dass die Sache ziemlich kritisch gewesen war. Svenja machte sich nie wichtig.
»An Duusl hots halt ghett!«, hatte Hias noch vor sich hin gemault. Resi hatte dann eine Runde Obstler geholt und noch eine, und beim dritten hatte der Hias durchaus bewundernd gesagt: »Dia Svenja.« Dann war er in den Stall gegangen, und die drei Frauen hatten sich ausgeschüttet vor Lachen. Jo konnte sich kaum mehr beruhigen. Resi hatte noch gemeint: »Du bisch mir so a Kitterfiedla«, und dann war sie ihrem Mann gefolgt.
Svenja war ein Mordsweib und ein Mordskumpel - und inzwischen eine Stunde zu spät. Jo ging vor die Tür. Wind war aufgekommen und der Himmel schwarz geworden. Ganz hinten, am Horizont, lag ein Streifen in einer gallig gelben Farbe. Ein Gewitter würde aufziehen. Jo ging auf die Ostseite ihres Hauses und sandte einen Blick zu den Pferden hinüber, die nicht etwa grasten, sondern säuberlich aufgereiht in ihrem Unterstand standen, wo sie doch gerade erst Freiheit erfleht hatten. Sie waren steif wie Modelle aus Gips und starrten unter dem Dach hervor.
Kater Moebius von Atzenhuber schoss vorbei, seine Mutter Frau Mümmelmaier von Atzenhuber ging gemessenen Schrittes hinterher, ohne Jo auch nur mit dem Arsch anzuschauen. Und dann fielen schon die ersten Hagelkörner. Jo raffte ihre Pferde-Führstricke zusammen, die noch herumlagen, und rannte ins Haus. Als sie dort war, tobte bereits ein Inferno. Der Wind hatte zwei Blumentöpfe von der Fensterbank gefegt, Vorhänge flatterten wie zerrissene Segel eines Schiffchens in akuter Seenot. Jo warf die Fenster zu und sich auf den Küchenstuhl.
»Scheiße, ich hasse den Sommer. Er ist wankelmütig und unberechenbar!«, fluchte sie.
Auf dem Küchentisch saßen die beiden Katzen, und ihr Blick sagte nur eins: Wieso lasst ihr Menschen euch immer so viel Zeit? War doch klar, dass ein Gewitter kommt. Recht hatten sie ja.
Um acht in der Früh hatte das Thermometer schon neunundzwanzig Grad angezeigt. Über Wochen hatte sich dieser Sommer in immer neue Rekordversuche verstiegen. Jeden Tag schlug einem eine Hitze wie Watte ins Gesicht. Das
Atmen fiel schwer, Jo sehnte sich nach einem kühlen Morgen mit einer Luft, die man schmecken und riechen konnte. Die Aussichten darauf waren schlecht. Bei brütend schwülen dreiunddreißig Grad hatte der Himmel am späten Vormittag begonnen, Wolken aufzuschichten. Erst weiß, dann grau und dann bedrohlich schwarz.

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