Rezensent im Portrait

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Meine Rezensionen

  • Pandoras Tochter
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    Im Bann der geheimen Stimmen
    Rezension vom 19.11.2011
    Ein schwarz-weiß gehaltenes Cover mit einem fast unheimlich anmutenden schwarzen Blatt verspricht einen spannenden Inhalt - und man wird nicht enttäuscht.
    Megan könnte ein ganz normales, fünfzehnjähriges Mädchen sein, wenn sie nicht Stimmen hören würde; drängende, beängstigende Stimmen.
    Auch an diesem Nachmittag, als sie mit ihrer Mutter einen Ausflug ans Meer unternimmt, hört sie am Strand die beängstigenden Geräusche. Ihre Mutter versucht, sie zu beschwichtigen und den Stimmen die Wichtigkeit zu nehmen. Doch die Warnung, die von ihren Gedanken ausgeht, kann das kommende Drama nicht verhindern.
    Zwölf Jahre später ist Megan eine angesehene Ärztin, die bei ihrem Onkel lebt. Den Tag von damals hat sie nur verschwommen in Erinnerung, es war der Zeitpunkt, an dem ihre Mutter den tödlichen Autounfall erlitt. Ihr Onkel Philipp hat sie damals aufgenommen und er ist bis heute ihr engster Vertrauter. Er hält auch zu ihr, wenn sie zu sensibel auf die Ereignisse in der Klinik reagiert.
    Eines Abends wird sie bei der Rückfahrt von der Klinik von einem Truck mehrfach gerammt, wobei sie all ihre Fahrkünste zusammen nehmen muss, um nicht von der Brücke zu geraten. Die Fahrt endet zum Glück glimpflich im Straßengraben.
    War es ein Betrunkener, der sie da abdrängen wollte oder steckt etwas anderes dahinter? Sorgt Philipp wirklich selbstlos für sie oder versteckt sich ein dunkles Geheimnis in ihr?
    Das Buch baut gleich von Anfang an Spannung auf, die sich durch das ganze Werk zieht. Der Stil ist angenehm flüssig, so dass sich der Roman leicht und fesselnd zugleich liest.
    Auch wenn es um parapsychologische Erscheinungen geht, bleibt die Story immer recht nah an der Gegenwart und der Wirklichkeit dran und ist somit alles andere als ein Märchen. Die enthaltene Liebesgeschichte ist fast ein bisschen zu eindringlich geschrieben, etwas weniger wäre da mehr gewesen. Aber das trübt die Lesefreude nur unbedeutend.
    Die Charaktere sind unglaublich fein ausgearbeitet, so dass man die Handlungen jedes einzelnen absolut nachvollziehen kann. Und es ist auch ein Buch, das die Frage, inwieweit man einem Menschen vertrauen sollte, genauestens beleuchtet.
    Daher ist es für jeden, der sich für die Psychologie des Menschen interessiert, ein absolut lesenswertes Buch und somit für alle Männer eine Geschenkidee für ihre Liebsten.
  • Der Turm der Könige
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    Das Leben spielt Schach
    Rezension vom 19.11.2011
    Das Buch Turm der Könige zeigt deutlich, warum E-Books, Kindle & Co. immer die zweite Wahl sein sollten. Dieses angenehme Gefühl, so ein richtiges Buch mit ,man muss sagen, prächtigem Einband in den Händen zu halten, ist schon ein Genuss an sich. Auch die Innenseite des Einbands ist mit eindringlichen Bildern bedruckt. Öffnet man das Schutzpapier, so erscheint ein alter Stadtplan Sevillas - das ist Genuss, ohne eine Zeile gelesen zu haben.

    Doch auch der Inhalt braucht sich nicht zu verstecken. Im 18. Jahrhundert wurde Sevilla vom stärksten Erdbeben seit Menschengedenken heimgesucht. Julia, Witwe und Druckereibesitzerin, wird von ihrer treu ergebenen Haushälterin Mamita Lula gerettet. Noch unter dem tiefen Eindruck stehend, dass das Leben in einem Augenblick zerstört werden kann, beschließt sie, sich dem Mann hinzugeben, den sie wirklich liebt.

    Und sie meint es ernst mit ihrer Liebe. Weder die Standesunterschiede noch die ungewisse Herkunft von Leon, ihrem Geliebten, zählen für sie. Auch das Gerede in der Stadt hält sie nicht von ihren Plänen ab, ihre einzige Liebe mit Leben zu erfüllen. So könnte sich alles in Wohlgefallen auflösen, wenn nicht Leon ein lang gehütetes Geheimnis hätte. Auf ihm lastet die Aufgabe, eine seit Jahrhunderten noch offene Schachpartie zum glücklichen Ende zu bringen, ein Spiel, das bitterer Ernst ist.

    Wird es ihm gelingen, dieses Spiel zu vollenden? Oder gibt es Widersacher, die sich der Entscheidung entgegen stemmen?

    Das Werk lässt die damalige Zeit sehr ausdrucksvoll und plastisch aufleben. Die Charaktere sind liebevoll gestaltet, ihre Wandlungen sind stets nachvollziehbar. Besonders angenehm ist es, dass sie nicht automatisch zum Heldentum geboren sind, sondern einfach nur, wie doch jeder von uns, sich nach einem glücklichen Leben sehnt.

    Es wird deutlich, wie nah so ein Schachspiel das Leben mit seinen Winkelzügen nachstellt. Damit ist es für Schachliebhaber besonders reizvoll. Wer kein Schachwissen hat, lässt sich einfach von der Stimmung inspirieren.

    Auch wenn das Buch nicht immer spannend ist, kommt durch die farbreiche Schilderung der Geschehnisse keine Langeweile auf. Das überraschende Ende entschädigt obendrein.

    Letztendlich ist das Buch perfekt für diese Jahreszeit - einkuscheln, lesen und sich in eine fremde Zeit versetzen.
  • Schicksal!
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    Schicksalsschläge für das Schicksal
    Rezension vom 19.11.2011
    Das lustig-bunte Cover des Romans verleitet zum Zugreifen und schon hat man es in der Hand – Schicksal oder Bestimmung?

    Genau das verkörpern zwei der Haupthelden dieses Buches. Hier sind Tugenden und Untugenden personifiziert als unsterbliche Götter, die den Menschen den Weg zu guten wie auch weniger erstrebsamen Ideen führen sollen.

    Speziell Schicksal hat die Aufgabe, jedem Menschen zur Geburt einen Lebenspfad zuzuweisen. Obwohl viele dieser Linien nicht gerade berauschend sind, kommen die Menschen auch davon ab und versinken tiefer im Elend. Sergio, so der Name des Schicksals, kann dann nur ein aktualisiertes Bild liefern, helfend eingreifen darf er nicht.

    So zieht er missmutig um die Erde, sieht in den Gesichtern das vorgezeichnete Schicksal und ist von der Schwachheit seiner Schützlinge genervt. Denn die wenigen, die zu etwas richtig Großem werden, sind auf dem Weg der Bestimmung und für diese ist nicht das Schicksal, sondern eben die Bestimmung zuständig.

    Sergios Leben ändert sich abrupt, als er eine verbotene Beziehung zu einer menschlichen Frau eingeht und diese ausgerechnet auch noch auf dem Weg der Bestimmung ist. Ihn selbst überkommt das Verlangen, den Menschen doch zu helfen.

    Was sagt Gott zu seinen Übertretungen? Werden diese geduldet werden?

    Das Buch von S.G. Browne ist mit frischem Stil sehr lesefreundlich geschrieben. Die Schwierigkeit des Menschen, seinen Platz im Leben zu finden, wird tiefgründig, aber doch mit einer gewissen Leichtigkeit beschrieben. So regt es zum Nachdenken an, ohne einem in melancholischem Grübeln zurückzulassen. Da noch nicht mal das Glück und die Vernunft ohne Fehler sind, kann man sich selbst auch ein paar leisten.

    Und daher kann man das Buch ohne Bedenken empfehlen, wahlweise als Unterhaltungsliteratur oder auch als anregendes Buch mit schöner Geschichte.
  • Im Eis
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    Arktis in Gefahr
    Rezension vom 19.11.2011
    Edie, eine erfahrene Eskimo-Jägerin begleitet zwei Touristen durch die Arktis. Ihre Schützlinge benehmen sich recht seltsam, sie verstehen nichts von der Jagd und schauen mehr in ihre Karten als auf die Natur. Die Lage spitzt sich zu, als einer der Männer von einem Gewehrschuss getroffen wird. Hat ein Jäger den Fremden mit Wild verwechselt oder gibt es jemanden, der den Tod des Touristen gewollt hat?

    Aber der Ältestenrat hat kein Interesse an der Aufklärung der Tat, die in der Folge dessen als Jagdunfall dargestellt wird. Edie hält diese Theorie für unwahrscheinlich, allerdings drohen auch ihr der Entzug der Berechtigung zur Touristenführung.

    Soll sie klein beigeben oder sich doch den Hintergründen widmen? Wer waren die Touristen wirklich und was steckt dahinter?

    Die Inuit-Frau Edie wird als starke und doch vielschichtige Person beschrieben, auch die anderen Charaktere sind sehr detailliert ausgearbeitet. So kann man sich gut in die Menschen hineinversetzen. Auch die Arktis wird sehr genau beschrieben, man spürt die Fachkenntnisse der Autorin.

    Besonders bemerkenswert ist aber die Beschreibung der Lebensweise der Inuit selber. Ohne romantische Verklärung wird der Alltag der Arktisbewohner in der heutigen Zeit beschrieben, am Ende ist man im Dorf fast zu Hause. Es wird klar, warum sich die einzelnen Personen so und nicht anders verhalten.

    Auch die große Politik und Problematik um die Arktis wird in den Roman mit eingebunden. Dabei steht aber die Story im Detail über der Glaubhaftigkeit, so werden bestimmt nicht nur zwei Personen einer riesigen Firma für Suchaktionen in die Gegend eingeflogen. Aber das sei nur am Rande vermerkt.

    Der Schreibstil der Autorin ist angenehm zu lesen, die Geschichte ist realistisch und einfühlsam zugleich. Für Spannung ist das ganze Buch über gesorgt. Somit ist der Roman unbedingt empfehlenswert, Unterhaltung und Wissenserweiterung sind in homogene Symbiose gebracht worden – also auf zur ersten Seite!
  • Martha im Gepäck
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    Generationsübergreifender Urlaub
    Rezension vom 19.11.2011
    Martha im Gepäck ist eine unterhaltsame Geschichte, die den Alltag und die Beziehungen der unterschiedlichen Generationen mit einem Augenzwinkern betrachtet.

    Ausgangspunkt ist der Beginn des gemeinsamen Familienurlaubes, das von einem Ehepaar, deren Beziehung schon leicht abgestumpft ist, sowie von den beiden Kindern, ein Junge im Teenager-Alter und ein Mädchen im Mini-Teenie-Alter getragen wird. Die Konstellation allein verspricht schon reichlich Reibungspunkte, jedoch drängelt sich sozusagen als i-Tüpfelchen die Tante Martha recht rabiat in den Urlaub hinein. Mit der Androhung der Enterbung und dem lapidaren Satz, sie habe in Schottland, dem Reiseziel, etwas zu tun, erobert sie einen Platz im Familienauto.

    Da man die Tante für senil und anstrengend hält, droht der Urlaub schon von Anfang an zum Eklat zu geraten. Doch wie sich bald herausstellt, kennt man die Tante nicht gut genug, so dass einige Überraschungen auf die Familie warten.

    Der Roman ist locker und unterhaltsam geschrieben, ohne dass der Humor bis zum Überdruss bemüht wird. So lässt sich das Buch bis zum Ende mit einem Schmunzeln auf den Lippen lesen. Das Ende wird betont harmonisch gestaltet, aber wer so ein Buch in die Hand nimmt, erwartet auch keinen Ausgang a la Arte-Film.

    Die Charaktere sind liebevoll gestaltet. Besonders das Ehepaar in den Endvierzigern lässt tiefgründige Blicke in das Seelenleben zu, wobei die Schriftstellerin da genau den Nerv und die Denkweise dieses Jahrgangs trifft.

    Insgesamt ist es ein angenehm zu lesendes Buch, das einem ein bisschen glücklicher sein lässt.
  • Die toten Gassen von Barcelona
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    Immobilienhaie in Barcelona
    Rezension vom 19.11.2011
    Anna möchte ein Jahr nach dem tragischen Tod ihrer Familie in Barcelona auf den Spuren ihrer Mutter wandeln. Glücklicher Weise hat sie den Auftrag erhalten, einen alternativen Reiseführer über diese Stadt zu schreiben. So hat sie einerseits einen offiziellen Auftrag und andrerseits die Chance, ihre Vergangenheit aufzuarbeiten und sich von der Trauer zu lösen.

    Doch kaum in der Stadt ihrer Träume angekommen, stolpert sie über den ersten Toten. In rascher Folge gibt es weitere Morde.

    Hier fängt es an, unglaubwürdig zu werden. Die Tatsache, dass eine deutsche Journalistin kriminalistische Zusammenhänge schneller begreift als ein ganzes Ermittler-Team ist schon etwas seltsam. Die Grenz war erreicht, als Anna rein zufällig das Haus des Mörders betritt, wohlgemerkt in Barcelona.

    Man kann spüren, dass die Schriftstellerin Barcelona liebt ,was auch angenehm durch das Buch blitzt und ein paar schöne Seiten der Stadt offenbart. Aber entweder ist sie selbst oder einer ihrer Bekannten auf größere Probleme im Immobilienbereich gestoßen – jedenfalls wird dieses Thema sehr vordergründig und langatmig behandelt. Die eigentliche Kriminalgeschichte scheint da nur der Aufhänger zu sein und ist entsprechend dürr gestaltet.

    Auch die Liebesgeschichte ist leider etwas konstruiert, aber als Frau geht man da großzügig darüber hinweg.

    Positiv erwähnenswert ist auf jeden Fall ihr Schreibstil, die Sätze sind richtig schön gestaltet und verbreiten Lesegenuss.

    Im Endergebnis ist das Buch so für zwischendurch lesenswert, als Vorbereitung für einen Barcelona-Aufenthalt nimmt man aber lieber ein Buch von Carlos Ruiz Zafón.
  • Banditenliebe
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    Feuerwerk des organisierten Verbrechens mit Fehlzündung
    Rezension vom 19.11.2011
    Marco Buratti hat sich sein Leben gemütlich eingerichtet. Als Privatdetektiv verhilft es wahlweise den Männern oder den Frauen, sich aus den Komplikationen von Seitensprüngen herauszuwinden. Zusätzlich unterhält er mit seinem Freund Max ein Lokal, das sich vor allem guter Musik widmet.

    Mit der Beschaulichkeit ist es vorbei, als sein Freund Rossini auftaucht und vom Verschwinden Sylvies berichtet. Im Auto der Freundin haben die Entführer einen Ring hinterlassen, der die kleine Truppe an längst verdrängte Ereignisse erinnert.

    Zwei Jahre zuvor wollte ein Typ eine Ermittlung aufdrängen, in der es um einen großen Rauschgiftdiebstahl ging. Da er nichts mit Drogen und den damit fast unvermeidlichen Kontakten zur Mafia zu tun haben wollte, der Auftraggeber aber immer zudringlicher und gefährlicher in seiner Vorgehensweise wurde, beseitigten Marco und seine Freunde den Typen. Den Ring, den dieser getragen hatte, hinterlegten Sie im Wagen des Opfers.

    Werden sie Sylvie lebendig wiedersehen? Was soll mit der Entführung bezweckt werden?

    Der Anfang der Geschichte liest sich sehr flüssig und ist in sich stimmig. Dann aber treten immer mehr Mafiaangehörige, Polizisten und Schurken in das Geschehen ein, so dass sich ein wahres Knäuel an Spielern, Gegenspielen und Gegen-Gegenspielern entwickelt. Es ist schwer, dabei die Übersicht zu behalten.

    Interessant ist, dass sie Stellen, an denen es sonst spannend wird, mit einem Satz abgehakt werden und die Hintergrundforschung im Mittelpunkt steht. Man wird den Verdacht nicht los, dass man ein Polizeiprotokoll oder ein Sachbuch liest. Der Versuch, Marcos Truppe möglichst gewaltfrei agieren zu lassen, ist löblich, aber nicht gerade dem wahren Leben nachvollzogen.

    Auch der Umstand, dass sie im gleichen Auto mehrere Tage hintereinander direkt vor der Villa eines Schurken parken und die Gegend beobachten können, strapaziert die Glaubwürdigkeit; der Hinweis auf die getönten Scheiben lässt einem eher schmunzeln.

    Alles in allem ist das Buch wohl eher etwas für eingefleischte Carlotto-Fans.
  • Das Wunder von Treviso
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    Madonnas weinen nicht
    Rezension vom 19.11.2011
    Das Wunder von Treviso - ein wirklich göttlicher Roman ! Aber fangen wir von vorn an: Don Antonio, der Dorfpfarrer von Treviso, möchte seinen Ort und dessen Menschen aus dem Dornröschenschlaf, der allen nicht gut tut, wecken. Und was liegt bei einem Geistlichen näher, als dem Schicksal mit einem Wunder nachzuhelfen?

    Flugs wird die Madonna aus dem Keller geholt und von einem geschickten Schnitzer renoviert und mit Rotweintränen versorgt. Die Geschichte nimmt seinen Lauf...

    Rund um die hölzerne Statue ranken sich die verschiedenen Schicksale, die der Schriftsteller geschickt miteinander verwebt. Die Sätze und deren Inhalt laufen leichtfüßig und vergnüglich ihren Weg entlang, die Originalität lässt auch bei wachsender Seitenzahl nicht nach. Die einzelnen Figuren wirken sehr lebensecht, man kann sich den kleinen Ort so richtig gut vorstellen.

    So ist das Buch ein Sommerschmöker auf hohem Niveau und ein kleines Wunder mag doch jeder gern.
  • Das Leben und Schlimmeres
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    Wenn ein Arzt auf die Kabarettbühne geht
    Rezension vom 09.06.2011
    Ein Oberarzt löst sich von seinem Beruf, geht auf die Kleinkunstbühne und beginnt zu schreiben : Das Ergebnis ist das Buch „Das Leben und Schlimmeres“. Es enthält eine Reihe von Geschichten, die den Alltag auf kabarettistische Weise beleuchtet.
    Das Spektrum der Szenen ist breit gefächert, vom Gassi gehen mit dem Hund über die Beschreibung eines vollgestellten Badewannenrandes und den Urlaub in Dänemark bis hin zu den Themen, in denen der ehemalige Arzt so richtig fachkundig ist: Sprechstunden- und Krankheitsgeschichten.
    Der Stil ist bayrisch-burschikos, die Sätze relativ kurz gestaltet, man sieht den Schriftsteller förmlich auf der Bühne stehen. Seine Gedankengänge sind oft originell und witzig, das Kleinstadtleben wird plastisch geschildert.
    Diese bildhafte Beschreibung wird auch bei den medizinischen Themen eingesetzt, man ist ja immerhin Arzt, was aber dem Humor eines Nichtfachmanns etwas abträglich ist. Worüber sich Mediziner freuen, da schaut der Laie lieber weg.
    Zusammenfassend lässt sich sagen, dass dieses Buch gut dafür ist, mal diese oder jene Geschichte zwischendurch zu lesen. Bei dem Versuch, das Buch einfach hintereinander zu lesen, kommt der Spaß recht schnell abhanden. Für ein volles Programm sieht man sich wohl eher direkt eine seiner Shows an.
  • Ohne. Ende. Leben
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    Lebenswertes Leben
    Rezension vom 11.05.2011
    Cameron ist ein ruhiger, zurückhaltender aber auch zynischer Teenager. Das Mädchen seiner Träume ist unerreichbar für ihn, das Verhältnis zu seinen Eltern und seiner Schwester eher lau. Die Probleme halten sich in Alltagsgrenzen, bis die Diagnose „Rinderwahnsinn“ sein ganzes Leben auf den Kopf stellt.
    Im Krankenhaus zu liegen mit der Gewissheit, dass man unheilbar erkrankt ist, lässt Cameron über sein Leben nachdenken. Der Zimmernachbar Gonzo, ein kleinwüchsiger Junge, ist dabei eher ein nerviges Hindernis.
    Da kommt die Punkerfee Dulcie herbeigeschwebt und lässt Cameron zusammen mit Gonzo auf eine Reise gehen, bei der die beiden die Welt retten sollen und es für Cameron sozusagen als i-Pünktchen Hoffnung auf Heilung gibt.
    Es geht auf eine turbulente Reise, bei der neben viel Action vor allem die verschiedenen Varianten eines glücklichen Lebens unter die Lupe genommen werden.
    Die Charaktere sind vielschichtig und wandelbar, schön auch der Fingerzeig, dass nicht jede seltsame Marotte aus einem Menschen gleich einen Giftzwerg werden lässt.
    Das klingt nach einem ernsten Buch, jedoch sorgt der saloppe Schreibstil für angenehme Lockerung. Ich finde, dass genau dieser Fakt das Buch so lesenswert macht. Ein unglaublich ernstes Thema mit tiefschürfenden Gedankengängen so flüssig und unterhaltsam zu gestalten, das ist dem Verfasser hundertprozentig gelungen.
    Daher sollte man sich auch nicht von den ersten Seiten, wo der umgangssprachliche Stil etwas nervig auftritt, abschrecken lassen. Das Lesen des Buches lohnt sich.
    P.S. Die Eigenart des Schriftstellers, manchmal Punkte innerhalb des Satzes so wie beim Titel Ohne.Ende.Leben. zu setzen, ist eine geschickte Variante, die Bedeutung dessen hervorzuheben.