Rezensent im Portrait
aus Hagen
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Für dieses Schreiben wird das Postgeheimnis nicht garantiert.Rezension vom 23.04.2013Aufregend war das Leben des verwitweten, pflichtbewußten Postangestellten Albert bisher nicht gewesen und seine berufliche Karriere neigte sich dem Ende zu, einige Wochen waren es nur noch bis zu seiner Pensionierung. Was danach auf ihn wartete, ließ ihn seinem Ruhestand wenig beschwingt entgegen sehen. Seine Katze Gloria, die einen selbstmörderischen Sprung aus dem Fenster mit zwei gebrochenen, inzwischen eingegipsten Beinen überlebt hatte und sein boshafter, zänkischer Nachbar Max würden die Fixpunkte seines Lebens sein.
Laut Anweisung von oben verbrachte er nun die noch verbleibende Amtszeit mit dem Sortieren von unzustellbaren, zurückgekommenen Briefen, was eigentlich als Beschäftigungtherapie für "berufliche Auslaufmodelle" gedacht war. Aber einer dieser Briefe - auf teurem Papier geschrieben, mit einem Smiley ausgerüstet, und ans Universum adressiert, veränderte sein Leben von einer Minute zur anderen.
Dass es sich bei dieser Person, die mit einem schlichten C. unterschrieben hatte, um Carol handelte, die mit Ehemann Bob und Tochter Sophie ein ihrer Meinung nach ätzendes Leben führte, das ständig von Scheidungsgedanken begleitet wurde, offenbarte sich Albert erst im Verlauf der Zeit und durch das Öffnen weiterer, ebenfalls nicht an ihn gerichteter Briefe.
So wurde dann diese "unbekannte Freundin" ein Teil seines Lebens, seine Anteilnahme galt ihrem Schicksal, dass diese unwissend in einer Art Lebensbeichte mit ihm teilte.
Je enger die Bindung an die Unbekannte wurde, desto größer war sein Verlangen, sie aufzuspüren und kennenzulernen, seinen Traum Wirklichkeit werden zu lassen.
Tom Winter hat ein wunderschönes, kleines Buch geschrieben, das ohne Schwierigkeit das Herz des Lesers erreicht.
In angenehmer Sprache flüssig geschrieben, entwickelt sich der Roman zu einem ansehnlichen Lesegenuss.
Die Protagonisten sind authentisch und überzeugend, so nah am Leser, dass viele Parallelen zum Leben erkenntlich sind, die sowohl ein Lächeln als auch ein Gefühl von Nachdenklichkeit mit sich bringen.
Dieses Buch hat soviel liebenswürdige Menschlichkeit, dass es keiner großen Worte oder Ereignisse bedarf, um ihm einen Platz in der Favoritenliste der Lesenden zu sichern.
Vielleicht fehlt dem Einen oder Anderen zum Ende hin dann eine genaue Aussage über das weitere Ergehen der Hauptpersonen, vielleicht sieht man auch eigene Wünsche für einen erhofften Schluss, die sich während des Lesens gebildet haben, nicht erfüllt.
Aber ist es in unserem Leben nicht ebenso? Schrauben nicht auch wir Erwartungen zurück und begnügen uns, ohne das Glücklichsein zu verlernen?
Tom Winter sollte weiter schreiben, ich finde, er trifft genau den Ton, den wir alle verstehen.
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Ordnung und Chaos sind in uns.Rezension vom 21.04.2013"Wie konnte es geschehen, dass aus einem im Miteinander existierenden Planetensystem der größte dieser Himmelskörper sich entfernte, der mächtigste von ihnen, um den alle anderen Gestirne kreisten, in seiner Mitte verglühte und alle übrigen - ihrer konzentrischen Bahnen beraubt - auseinanderdriften und von der Unendlichkeit des Alls aufgesogen werden?"
Der Pianist Tom Holler hat gerade den Abschied von seiner Frau Hedda hinter sich, der nicht mehr Dramatik in sich trug, als die Aufzählung der Gegenstände, die ihr mitnehmenswert erschienen und befindet sich mit seiner Berliner Band auf Konzerttour durch Italien, genauer gesagt, auf dem Weg nach Neapel, um seine große Liebe Betty Morgenthal dort zu treffen. Eigentlich ist er auf dem Weg in die Vergangenheit, sucht er Spuren zurück zu den Ereignissen, die das Auseinanderbrechen einer Freundschaft verschuldeten, versucht er sich klar zu werden über eine Nacht in Como, die Ordnung in Chaos verwandelte und Behütetes aufs Spiel setzte.
Kann im rückblickenden Erkennen eine Chance liegen, ein Leben oder auch eine Liebe neu zu beginnen, Vergangenes zu revidieren oder ist der Absturz in die ungeordnete Dunkelheit unumkehrbar?
Monika Zeiners Roman ist wie ein eindrucksvolles, allgewaltiges
Musikstück in Dur und Moll, ist ein Gemälde in hellen und dunklen Tönen, voller Lebenslust, Melancholie und Menschlichkeit.
Die detaillierte Schilderung ihrer Protagonisten, deren Gedanken, Philosophien und Charaktere sie in wunderbar reichhaltiger Sprache herüberzubringen vermag, ist dem Leser ein wahrhafter Genuss, in dem er auf den über 600 Seiten dieses ausgefallenen Buches schwelgen kann.
Es fällt leicht, sich diesem feinfühligen Roman zu öffnen, ihn in sich aufzunehmen und anschließend festzustellen, dass er zu den Büchern gehört, in die man eintritt wie ein Gast und die man verlässt wie eine Heimat.
Ich gebe auf jeden Fall eine absolute Lesempfehlung und alle Sterne mit auf den Weg.
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Der schlimmste Albtraum ist die Realität.Rezension vom 02.04.2013Albträume, deren Ursache in der Vergangenheit liegt, bringen die Dresdner Ermittlerin Karin Wolf in so mancher Nacht um ihren Schlaf und lassen sie unausgeruht und mit Problemen belastet in den kommenden Arbeitstag starten - in einen Berufsalltag, der ihr und ihrer Kollegin Sandra König höchste Konzentration und unerschrockenen Einsatzwillen abverlangt.
Die beiden Kommissarinnen werden zu einem Tatort gerufen, an dem ein brutaler, erbarmungsloser Mörder sein Werk verrichtet hat.
Martin Ulrich, bis vor sechs Jahren angestellt als Ingenieur für Maschinenbau, geschieden, allein lebend, sitzt nackt auf einem Stuhl in seiner Wohnung, mit Kabelbändern fixiert, den Mund mit Paketband verklebt und wie die KTU herausfindet, allem Anschein nach verdurstet.
Aber dieser entsetzliche Fund bleibt kein Einzelfall, und den beiden Ermittlerinnen wird klar, dass Ulrichs Tod nur der Beginn einer Serie von Ritualmorden ist, die ein unheilvoller Fanatiker inszeniert, der seine Opfer lange Zeit im Visier hat, bevor er tötet.
Wie mit seinem ersten Roman "Vollstreckung" hat Andreas M. Sturm auch hier wieder einen spannenden, flüssig geschriebenen Krimi zu Papier gebracht.
Die Geschehnisse sind durch verschlungene Fäden miteinander verbunden, deren Entwirrung dem Leser eine gehobene Portion Logik und Kriminalistik abverlangt, wenn er das Ende voraussagen will.
Sollte er sich allerdings in Geduld üben und den Schluss genüßlich abwarten wollen, wird er von der intelligenten, überzeugenden Beweisführung bis zum Letzten nicht enttäuscht sein.
Die Protagonisten sind detailliert geschildert, ihre persönlichen Probleme und ihr berufliches Engagement werden gleichermaßen beleuchtet und runden das Bild für den Leser ab.
Der angenehme Schreibstil und der kontinuierlich sich steigernde Spannungsbogen lassen das Buch zu einem positiven Leseerlebnis werden. -
Ein Super-Daddy startet durch.Rezension vom 26.03.2013Was kann noch schöner sein als die Liebe zu zweit? Na, die zu dritt, natürlich, denken Marie und Götz, und die Erfüllung dieses Traums wird in wenigen Monaten Wirklichkeit sein, wenn man der Aussage des Schwangerschaftstests Glauben schenkt, mit dem Marie ihren geliebten "Mucki" zum Frühstück überrascht.
Auch dass Götz erst einmal "Mutterpflichten" übernehmen wird, ist nach kurzem Vergleich der beiden Gehälter sonnenklar, und damit beginnt bereits Phase I der Vorbereitung auf die vertauschten Rollen, denn dem kommenden kleinen Erdenbürger Tim soll es an Nichts fehlen, und ein gut ausgearbeiteter Plan ist der Weg zum Erfolg.
Voll Elan und Ehrgeiz widmet sich Götz seinen Aufgaben, kein Detail überlässt er dem Zufall, jede Aufgabe findet durch ihn eine Lösung, ganz gleich in welchem Zeitabschnitt er gefordert ist, ob prä - oder - postnatal, er steht zu 100% seinen "Marie - Ersatz" mit all' seinen Kräften, seinen Nerven und sehr viel Gefühl.
Und die Anforderungen an ihn sind, weiß der Himmel, zahlreich und vielfältig, aber Götz startet durch! Ein "Super-Daddy" zum Liebhaben! Mit hundert Sachen in die "Windelwelt"!
Ein wunderbarer, humorvoller Roman über so viele wichtige Dinge des heutigen Alltags, über Beziehungen zwischen Menschen, über Kinderliebe und Außenstehende, über Elternzeit und Berufserfolg, über Familiengründung und Akzeptanz, Gelassenheit und Verständnis.
Die Reihe der Themen könnte man noch fortführen, denn von Allem etwas birgt dieses kleine Buch und bringt dem Leser auch Dinge nahe, die über die amusante Unterhaltung hinausgehen.
Es regt zum Erinnern an. Dinge, die im eigenen Leben unter der Rubrik "Weißt du noch...." abgelegt wurden, holt es wieder hervor und lässt sie Revue passieren oder zeigt uns auf geduldig-liebevolle Art, wie wichtig es ist, Geschehnisse im rechten Licht zu sehen und ihnen auch nur die Wichtigkeit zuzumessen, die ihnen gebührt.
Das alles wird uns in lockerem, flüssigem Stil vom Autor serviert. Florian Herb erzählt die erfrischenden Episoden so wunderbar authentisch und persönlich, dass uns die Protagonisten in kurzer Zeit ans Herz wachsen und man mit Bedauern Abschied nimmt, wenn sich die Tür zum letzten Mal hinter der kleinen Familie schließt.
Aber Götz ist ein Talent, und Talente sollte man nicht vergeuden - ich denke, es besteht Hoffnung auf ein Wiederseh'n.
Das ist humorvolle, warmherzige Unterhaltung, die richtiges Wohlgefühl auslöst und dafür auch entsprechende Sterne verdient hat.
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Feiner Humor auf krimineller Welle.Rezension vom 15.03.2013Sheila Humphrey's excentrische Mutter Phyllis Barnes plant ihren neunzigsten Geburtstag, an dem sie es "noch einmal so richtig krachen lassen möchte" , weil man ja nie weiß, ob es der letzte ist, wie sie stets zu sagen pflegt.
Den entsprechenden Rahmen für dieses Event bietet ihr Ex-Eheman Jeremy Watts, der ihr und einer auserwählten Gästeschar sein Schiff, die MS Victory als schwimmendes Luxushotel für eine Mittelmeer-Kreuzfahrt zur Verfügung stellt.
Selbstverständlich gehört zu den Geladenen auch Tochter Sheila, die ihren Kollegen James Gerald bittet, sie zu begleiten. Sie beide haben über Jahrzente miteinander für den Secret Intelligence Service gearbeitet, sind nun im Ruhestand und beginnen gerade, einander auch auf dieser privaten Ebene zu begegnen.
James letzte Zweifel, Sheila auf den Luxusliner zu folgen, werden durch eine stilvolle schriftliche Einladung der Jubilarin zerstreut, und er sagt zu.
Nicht ahnen konnte er allerdings, dass dieser Mittelmeer-Trip alles andere sein würde als ein sonniger, entspannter, von Wellenrauschen und köstlichen drinks begleiteter Wellness-Urlaub an der Seite seiner verehrten Sheila.
Dazu war die Gästeliste zu ausgefallen und die Motive Einzelner waren zu undurchsichtig und gewissenlos. Und so war sein bekannter SIS - Spürsinn wieder einmal gefordert.
Marlies Ferber nimmt uns mit an Bord und wir beginnen unsere gemütliche, entspannende Kreuzfahrt zu geniessen, lernen interessante und schrullige Leute kennen, dinieren mit der "Upper-class", die es gewohnt ist, Anordnungen zu treffen und werden vom Personal bedient, das in höflicher Unauffälligkeit um unser aller Wohl bedacht ist. Das wäre ja noch der "normale" Luxus.....aber dann kommt urplötzlich Sturm auf.
Der Kriminalroman legt ordentlich an Tempo zu, unvorhergesehene Verwicklungen stiften Verwirrung und zwischenzeitliche Auflösungen erweisen sich dann doch als Trugschluss.
Marlies Ferber hat uns mit flüssiger Feder einen unterhaltsamen Krimi voller Überraschungen geliefert.
Intelligent und spannend, sehr menschlich und liebevoll, humorvoll und ein bisschen böse, in allen Teilen überzeugend, ist er nahe beim Leser und schafft sehr vergnügliche Lesestunden.
Einer Einladung, mit Sheila und James wieder auf Reisen zu gehen, würde ich jederzeit gerne Folge leisten, ich hoffe, das dementsprechende Pläne in die Tat umgesetzt werden.
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Emilys zauberhafte Zeitreise.Rezension vom 12.03.2013Zurück nach Hollyhill von Andrea Pilz
"Ich bitte dich, nach Hollyhill zu reisen, in das Dorf in Dartmoor, das einmal meine Heimat war, und es ist wichtig für mich, dass du um meine Herkunft weißt."
Das waren die Worte, welche die 17jährige Emily in einem Brief ihrer Mutter las, den ihr die Großmutter nach ihrem Schulabschluss gab.
Emily hatte im Alter von vier Jahren ihre Eltern durch einen Autounfall verloren und war bei ihrer Großmutter väterlicherseits aufgewachsen. Sie war ein verschlossenes kleines Mädchen, dessen wichtigste Personen im Leben die Großmutter und ihre enge Freundin Fee waren.
Und Fee war es dann auch, die sie darin bestärkte, den eindringlichen Worten der Mutter Folge zu leisten, die Hollyhill einmal verlassen hatte und nie wieder dorthin zurückgekehrt war. Fast wie eine Beschwörung klangen die Sätze im Brief, ungeheuer bedeutsam schien es der Mutter zu sein, dass Emily einmal um das Geheimnis ihrer Herkunft wissen würde.
Nur ungern und ängstlich ließ Emilys Großmutter sie gehen, gab ihr zum Abschied ein altes, bis dahin verschlossenes Armband der verstorbenen Mutter, das sich zum ersten Male von Emilys behutsamen Fingern wieder öffnen ließ, nachdem es lange Zeit in einer Schublade diesen besonderen Tag erwartet hatte.
Auf keiner Karte war ein Dorf namens Hollyhill verzeichnet, selbst die Suche im Internet brachte keinen Erfolg - aber in den Zeilen des Schreibens klang ein Versprechen: " und ich bin sicher, wenn du es suchst, wirst du es finden," - und Emily machte sich auf den Weg.
Den Zurückbleibenden versprach sie, schnell wieder zuhause zu sein und ahnte nicht, dass alles ganz anders kommen würde, als sie es erwartete.
Alexandra Pilz hat uns in ihrem Jugendbuch mit auf eine wunderbare Reise nach Hollyhill genommen.
Der Leser wird eingebettet in eine spannende, ideenreiche Geschichte, wird gefesselt von ihrer unbekümmerten Leichtigkeit und erfrischenden Atmosphäre.
Die Protagonisten - allen voran Emily in ihrem so authentischen Jungmädchenverhalten, mal zickig, mal tapfer, mal gefühlvoll und immer liebenswert, als auch Matt, in seinem "unausstehlichen" Wesen, der oft abweisend wirkt und kühl und ein Geheimnis zu bergen scheint - sie werden so nahe an den Leser herangebracht, dass er im Laufe der Geschichte eine starke Bindung entwickelt und gespannt ist, was den jungen Helden widerfährt.
Man ist ganz schnell im Bann dieser zauberhaften Zeitreise, die uns mit leichten Schwingen durch das Buch gleiten läßt und ebenso leicht vergeht die Lesezeit - im Fluge.
Eines allerdings möchte ich noch anmerken.
Dieser Debütroman der Autorin ist als Jugendbuch deklariert - mag sein, dass er für junge Leute geschrieben wurde. Da ich mich allerdings nicht mehr zu dieser Kategorie gehörig fühle und trotzdem ein ungeschmälertes Vergnügen an diesem Werk hatte, möchte ich seine Eignung eher so beschreiben, dass er auch in "fortgeschrittenen" Klassen gelesen werden sollte, weil er ein herrliches Stück "Jungsein" zurückbringt.
Wäre wunderbar demnächst wieder auf Emily zu treffen - ich lege ihr gerne mal eine Sternenspur, die sie hoffentlich im nächsten Buch zu uns zurück führt!
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Augenblicke des Verderbens.Rezension vom 09.03.2013
Ein schwüler, hitzeflirrender Sommer hüllt Wien ein. Die Menschen sind nach einer langen, schier endlosen Periode des schlechten Wetters und der Kälte von wiedererwachter, glücklicher Leichtigkeit und geniessen die Stunden in den Straßencafés und Lokalen entlang des Donaukanals, und das geschwätzig-fröhliche Beisammensein verleiht der alt-ehrwürdigen Metropole Unbeschwertheit und Sorglosigkeit.
Aber das sollte später nicht in der Erinnerung der Menschen bleiben, sondern die brutalen Morde, die ein eiskalter Serientäter in diesem Sommer an mehreren jungen Frauen verübt, die er mit makaberer Gesetzmäßigkeit an jedem zweiten Samstag auf grausamste Weise hinrichtet.
Die Angst geht jetzt um, lähmt die Menschen, macht sie furchtsam wie ein böser Albtraum und hilflos im Angesicht der drohenden Gefahr.
Für Major Belonoz, den eigenbrötlerischen, extravaganten Chef der Wiener Mordkommission und sein eingespieltes Team beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit - aber wo soll er beginnen, bei wem mit Nachforschungen anfangen, wenn die einzigen Hinweise ergeben, dass keinerlei Beziehung zwischen den Opfern bestanden hat außer der Tatsache, dass sie allein lebten und junge, attraktive Frauen waren?
Dass man ihm die relativ unerfahrene Staatsanwältin Dr. Lily Horn als Hilfe zuteilt, verbessert die Laune des Majors nicht wesentlich, da er ihre Kompetenz für diesen Fall in Zweifel stellt.
Lily Horn jedoch, die gerade aus persönlichen Gründen New York verlassen hat und nach Wien zurückgekehrt ist, geht mit viel Engagement und Durchsetzungswillen an das Projekt heran, entschlossen, sich weder von machtbesessenen Politikern und sensationslüsternen Medien noch von den Zweifeln mitarbeitender Kollegen aufhalten zu lassen.
Und diese Einstellung wird sie brauchen, wenn sie der grausigen Mordserie ein Ende bereiten will und dafür Spuren verfolgen muss, deren Ziel sie in ihren dunkelsten Vorahnungen nicht erwartet hätte.
Christian Davids Debütroman ist ein Volltreffer.
Mit wunderbar ausgeschöpftem Sprachreichtum nimmt er den Leser mit in ein Wien, dem er eine sehr facettenreiche Ausstrahlung zubilligt. Man spürt die Hitze des Sommers entlang des Donaukanals ebenso wie die Bedrohung des Geschehens im Umfeld der Opfer.
Seine Protagonisten sind ausnahmslos authentisch und interessant. Detailgetreu und überzeugend geschildert, wurden sie auf Positionen gestellt, die absolut nachvollziehbar sind.
Der Spannungsbogen baut sich langsam auf, steigert sich im Verlauf des Buches und endet in einem unvorhersehbaren Höhepunkt.
Ohne jeglichen Anflug von reißerischen Krimi - Effekten wirkt alles absolut professionell und doch von flüssig entwickelter Selbstverständlichkeit.
Ich habe mich in allen Belangen wunderbar unterhalten gefühlt und wäre sehr glücklich darüber, öfter auf solche schriftstellerische Qualität zu treffen.
Fazit sind natürlich alle Sterne die hier zu vergeben sind.
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Schicksalhaftes Oktavo.Rezension vom 02.03.2013Die Geschichte beginnt im Stockholm des Jahres 1789 und ihr Erzähler ist Emil Larsson, ein Sekretär des Zoll - und Steueramtes, ein Mann, dessen Beziehungen ihn immerhin in den Personenkreis versetzt haben, die sich um den Spieltisch der Madame Sparv versammeln dürfen, die Verbindungen zu den höchsten Kreisen pflegt und zu den Anhängern des schwedischen Königs Gustav des III. gehört.
Ihr Salon ist stadtbekannt als Quelle für geheimste und delikateste Informationen und Botschaften.
Jedoch es ist nicht nur der Klatsch oder seine Leidenschaft für das Spiel, die Emil an diesem Tag zu Madame Sprav verschlagen, sondern ihre Gabe, in die Zukunft schauen zu können, und das benötigt Larsson unbedingt.
Sein Vorgesetzter wird nicht müde, ihn fortwährend zu bedrängen, sein lockes Junggeselldasein aufzugeben und durch eine Heirat Beständigkeit und Ordnung in sein Leben zu bringen und droht letztendlich mit seiner Entlassung.
Madame Sprav erklärt sich bereit, ein Oktavo für ihn zu erstellen - ein Kartenbild von acht Karten, gezogen an acht aufeinanderfolgenden Tagen.
Die Deutung jedoch muss er selbst finden.
Eine Vielzahl von Menschen kreuzt seinen Weg und nimmt Einfluss auf ein Geschehen, in das auch Emil hineingezogen wird.
Sei es die Uzanne, eine brillante, schillernde Person, die ihr Machtbedürfnis über Menschen und Situationen in unheilbringender Koketterie mit Hilfe ihrer Fächer ausübt, denen sie so abhängig zugetan ist, das ein Verlust unerträglich für sie ist oder Johanna Gra, deren Begabung für das Mischen pharmazeutischer Pülverchen sie selbst und andere in tödliche Gefahr bringt oder auch Christian Nordén, der begabten Fächerhersteller.
Während Emil Larsson versucht, Klarheit in die Aussage seines Oktavos zu bringen, merkt er, dass es nicht nur sein persönliches Schicksal ist, dass in diesen Kartenbedeutungen verborgen ist, sondern der Umbruch und die Zukunft des Landes und seiner Herrschaft.
Doch zu diesem Zeitpunkt führt die Erfüllung des Oktavos schon ein Eigenleben, auf das Emil keinen Einfluss mehr hat.
Karen Engelmann hat ein großes, umfassendes Buch geschrieben.
Der geschichtliche Hintergrund zum Ende des 18. Jahrhunderts ist ausgezeichnet recherchiert - die Verbindungen zwischen Frankreich und Schweden sind wohl manchem Leser gar nicht so bewußt gewesen - ist sehr interessant und gut eingebunden.
Dann zum prachtvollen, phantasiegefüllten Teil dieser unglaublichen Geschichte, die fast wie ein vergangenes Märchen anmutet - ebenso grausam und ebenso gltzernd, wie es Märchen oft sein können.
Die Personen sind wunderbar gezeichnet, vorstellbar und lesernah, sodass man ihnen problemlos "begegnen" kann, weil man sie erkennt und ihre Veranlagungen deuten kann.
Ein besonderer Stellenwert im Buch wird den Fächern zuerkannt.
Ihre Herstellung und ihr Gebrauch läßt sie fast einen personifizierten Charakter annehmen, was einerseits faszinierend und andererseits unheimlich wirkt. Sie sind symbolisch für die Ereignisse des Buches - so farbenprächtig und exclusiv, so schnell sich wandelnd und Überraschung bringend, aber auch so unheilvoll wie das schnelle Öffnen der Fächerpartien und ihre schicksalhafte Bedeutung.
Die Ausstattung und das Cover des Buches sind aufwändig und glanzvoll angelegt. Detaillierte Zeichnungen und politische Informationen sind bereichernd und komfortabel.
Ich kann nur sagen, dass dieses Buch für mich in allen Belangen eine Lesefreude bedeutet hat.
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Ein Schicksalsbericht.Rezension vom 24.02.2013Dieses Buch könnte die Geschichte einer ganz normalen kleinen Familie erzählen, die zu Dritt ein ganz normales Leben führt, mit den üblichen Höhen und Tiefen, die das Dasein im Gepäck hat.
Das Schicksal allerdings hat etwas Anderes vor, denn am 8. Juli 1963 wird die Tochter Claudia geboren, die als mehrfach behindertes Kind auf die Welt kommt.
"Hauptsache, unser Kind ist gesund!" das hatten auch Hedi Kleineheismann und ihr Mann während der Schwangerschaft gedacht - so wie die meisten Eltern es sich wünschen - nur ihnen war die Erfüllung dieses Wunsches versagt.
Claudia, dieses bezaubernde Kind, mit der zart bräunlichen Haut, dem schwarzen Haar und den riesigen, dunklen Augen hatte angeborene Klumpfüßchen und einen schweren Herzfehler, der zur damaligen Zeit inoperabel war
Die Ärzte geben dem zarten, immer schnell ermüdenden Baby keine lange Lebenserwartung, die Medizin scheint hier an ihre Grenzen zu stoßen, wenn es um die Möglichkeiten geht, die für diesen Fall zum Helfen und Heilen zur Verfügung stehen.
Aber Hedwig Kleineheismann gibt nicht auf. Mit dem Einsatz ihrer gesamten Kräfte, mit eiserner Selbstdisziplin, die keine eigenen Schwächen akzeptiert, kein Aufgeben zuläßt, kämpft sie um das Leben ihrer Tochter, und ihre Mutterliebe ist es, die andere Menschen veranlasst, ihr beizustehen, sie zu unterstützen und ihre Hoffnung neu zu stärken, wenn Rückschläge hingenommen werden müssen.
Und eines Tages ist es soweit. Nach Jahren des Wartens und Bangens findet sich der geeignete Spender, der eine mittlerweile medizinisch durchführbare Transplantation ermöglicht. Eine großes Glücks - und Dankesgefühl herrscht nach Gelingen der schwierigen, lebensrettenden Operation, und der Weg scheint endlich nach oben zu gehen, befreit und losgelöst von Krankheit, Ängsten und Einschränkungen.
Aber auch jetzt ist der Kampf der tapferen Mutter um ihre Tochter nicht vorbei - und sie ist darauf angewiesen, dass Claudia mitkämpft - sonst ist alles umsonst gewesen.
Ein kleines Buch, das nur knapp dreihundert Seiten hat und doch so groß ist in seiner Schilderung von Liebe und Schmerz, Tapferkeit und Verzicht, von Sieg und Niederlagen und immer wieder Menschlichkeit in all ihren Facetten, dass wir ganz still werden, während wir es lesen.
Inständig zeigt uns dieser Lebensbericht, wie wichtig die Bereitschaft zur Organspende ist.
Einem anderen Menschen ein Leben zu schenken, in einem Moment, in dem man schon Abschied genommen hat von dieser Welt, kann auch etwas Beglückendes sein und den Inhalt des Daseins bereichern.
Die dankbaren Gedanken eines Menschen werden uns auf dem Weg in die andere Welt begleiten - wo immer sie auch sein möge - und das ist ein wunderbares Gefühl. -
Die Suche nach einer goldenen Welt.Rezension vom 13.02.2013Der Gedanke, sich aufzumachen, um das Paradies zu suchen, kommt der siebzehnjährigen Lenka Hrózová 1986, nachdem ihr die Schauspielschule, bei der sie sich beworben hat, eine Absage erteilte. Ihr fehlt es nicht an Talent und Enthusiasmus, aber der Text des amerikanischen Schriftstellers Tennesse Williams, den sie zum Vorsprechen verwendet, findet aus politischen Gründen keine Gnade vor den Augen der Jury.
Lenka, die mit ihrer Familie in Prerov, einer böhmischen Kleinstadt lebt, beschließt, ein Visum, das für sie und ihre Mutter bewilligt wird, um Verwandte in Westdeutschland zu besuchen, als "one-way-Ticket" ins Paradies zu nutzen und nicht zurückzukehren. Lange schon belastet sie die Unfreiheit und Enge ihrer dörflichen Rückständigkeit, sowie die ständige Furcht vor Denunziation und staatlicher Willkür. Ein voraussehbares Leben, wie es in seiner illusionslosen Gesetzmäßigkeit auf sie zukommt, bietet keinen Anreiz zu bleiben, und selbst der Verlust von liebgewordenen Menschen kann sie nicht zurückhalten.
Mit angstvoll gespaltenen Gefühlen läßt sie ihre beste Freundin Drobina, ihre Cousine Trubka und ihre Jugendliebe Pavel zurück und startet eines Tages mit ihrer Mutter Nadja im frisch geputzten Fiat Richtung Paradies - einer Insel der Seligkeit entgegen, deren wages Bild durch westliche Medien, deren Werbung für heiß ersehnte Konsumgüter und den unbändigen Drang nach Freiheit und Wohlstand entstanden war.
Eine wahrhafte Odyssee beginnt, ein schwieriger Weg über Grenzen und Barrikaden, über Hindernisse in Sprachen und Formalitäten und vor allem ein Wandel zu einem anderen Ich, mit bisher nicht erkannten Werten und Wünschen und einer neuen Form der Verwirklichung.
Rena Dumont läßt uns einen wunderbaren Roman lesen. Mit dem Herzen geschrieben, wie ein Stück ihrer selbst, erreicht er nach wenigen Zeilen schon das Herz der Leser.
Problemlos können wir auch die Eindrücke umsetzen, die von den Protagonisten ausgehen, eindringlich überzeugend ist die tändelnde Verhaltensweise der jungen Lenka und ihrer Altersgenossinnen, die ein Spiegelbild der Auswirkungen des Regimes abgibt, in dem den Menschen so Vieles vorenthalten wurde, selbst die Gründe, Eigenverantwortung zu übernehmen.
Wozu also irgendwelche Flugversuche machen, wenn deine Flügel sowieso beschnitten waren?
Besser man akzeptiert, was unabdingbar kommen und danach sein wird, so bleibt dann kein Raum für Enttäuschung. Eine Haltung, die verständlich und logisch erscheint
Und ebenso greifbar und nachvollziehbar ist der Wandel, der eines Tages vollzogen werden muss, damit man im selbstgewählten Paradies die Dinge findet, um derentwillen es seinen Namen vielleicht verdient.
Ein wunderbares Buch voller Gefühl, Humor und Menschlichkeit, für das meine unbedingte Leseempfehlung gilt und dem ich gerne fünf "paradiesische" Sterne erteile.













