Jakob der Lügner

Roman

von Jurek Becker

Buch

Taschenbuch (282 Seiten)

35.Auflage

Sprache: Deutsch

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Weitere Artikelinformationen

Die Rote Armee ist nur noch wenige hundert Kilometer entfernt, das hat Jakob Heym zufällig erfahren. Und er erzählt es den anderen, die mit ihm eingeschlossen sind im Ghetto einer polnischen Stadt und schon fast alle Hoffnung verloren haben. Und damit die anderen ihm auch glauben, behauptet Jakob, er habe ein Radio. Nun kommen alle zu ihm, um nach Neuigkeiten zu fragen, die Mut machen, weiter auszuhalten in einer Welt, in der die Deutschen die Vernichtung der Juden betreiben. So wird aus ihm Jakob der Lügner, er lügt, um den Menschen wieder Hoffnung zu geben und damit die Kraft zu widerstehen.
Jakob der Lügner erschien erstmals 1969. Jurek Beckers außerordentlicher Debütroman wurde inzwischen in mehr als zwanzig Sprachen übersetzt und gehört zum Kanon der deutschen Literatur, ja der Weltliteratur.

Pressestimmen:

"Wer etwas von unserem Land begreifen will, der lese und sehe Jakob der Lügner ! ... ein literarischer Durchbruch in einer Zeit des gesellschaftlichen Aufbruchs ... eines der berührendsten und menschlichsten Bücher über das unsagbare Verbrechen des Holocaust."
Frank-Walter Steinmeier Die Welt

Produktdetails

Verkaufsrang: 6.982
ISBN-10: 3-518-37274-2
EAN: 9783518372746
Erschienen: 18.06.2012
Verlag: Suhrkamp Verlag
Einband: Taschenbuch
Sprache(n): Deutsch
Auflage: 35.Auflage
Seitenzahl: 282
Länge/Breite: 178mm/108mm
Gewicht: 173 g
Reihe: suhrkamp taschenbücher Allgemeine Reihe
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Jurek Becker

Jurek Becker, geb. am 30. September 1937 in Lódz (Polen), wuchs im Ghetto auf und wurde später mit seiner Mutter in den Konzentrationslagern Ravensbrück und Sachsenhausen inhaftiert. Seine Mutter starb kurz nach der Befreiung, seinen Vater, der nach Auschwitz deportiert worden war, fand er nach Kriegsende mithilfe einer Suchorganisation wieder. 1945 zog er gemeinsam mit ihm nach Ost-Berlin. Sein erster Roman Jakob der Lügner (1969) wurde über die Grenzen der DDR hinaus bekannt. Als Becker 1976 gegen den Ausschluss Rainer Kunzes aus dem Schriftstellerverband der DDR und gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns protestierte, wurde er selbst aus der SED und dem Schriftstellerverband ausgeschlossen. Ein Jahr später verließ er die DDR. Großen Erfolg hat er in der Bundesrepublik mit seinen Drehbüchern für die Erfolgsserie 'Liebling Kreuzberg'. Jurek Becker starb am 14. März 1997 in Sieseby, Schleswig-Holstein.

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Buchhändlertipps

  • Lügen in Zeiten der Hoffnungslosigkeit Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern inaktiv

    von Rudy Sturmer, am 12.04.2010 aus der Thalia-Buchhandlung in Wien

    Jurek Becker, 1937 geboren, wuchs im Ghetto Lodz auf. Sein Roman Jakob der Lügner wurde 1969 in der damaligen DDR veröffentlicht. Becker verarbeitet in seinem Roman Kindheitseindrücke und kritisiert zugleich, von der Zensur unbemerkt, die Lebens-verhältnisse in der DDR, die ebenfalls auf Lügen, von denen „jeder wusste“, aufgebaut war. Jakobs Lügen aber schaffen Hoffnung. Jakob, in einem polnischen Ghetto lebend, täuscht vor, ein Radio zu besitzen und verbreitet die Lüge, dass die russischen Befreiungstruppen schon sehr nahe sind. Das Prinzip Hoffnung beginnt zu wirken wie ein Medikament, leider aber auch mit Nebenwirkungen ...

Kundenrezensionen

  • Die Lüge als Geschenk Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern inaktiv

    von Stefan Heidsiek, am 20.04.2012

    0 von 0 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.

    Puh, was für ein Buch. Mit einer beiläufigen, klaren und oft sehr humorvollen Sprache schildert Becker den hoffnungslosen und dramatischen Alltag der Bewohner eines Ghettos unter dem menschenverachtenden Naziregime, ohne dabei den moralischen Zeigefinger zu heben. Stattdessen verpackt er seine Kritik an der damaligen Zeit in der Geschichte selbst. Aufgrund des auktorialen Erzählers, der selbst im Ghetto lebt und die Grausamkeiten und Probleme durch seine Erzählweise (das Dokumentarische wird mit dem Erfundenen vermischt und durch Rückblicke unterbrochen) auflockert, wirkt der Plot von Beginn an authentisch, wird er vor unseren Augen lebendig. Während andere thematisch ähnliche Romane den Leser durch das deprimierende Leid und die Schuldzuweisungen erdrückt, liest sich„ Jakob, der Lügner“ trotz eben dieses historischen Hintergrunds seltsam erfrischend, wenngleich die liebevolle Beleuchtung der Figuren dazu führt, dass man sich des drohenden Unheils stets bewusst ist. Unmöglich, das Buch einfach an die Seite zu legen, ohne sich Gedanken zu machen. Unmöglich, trotz des immer wieder aufkeimenden Glücks nicht todtraurig und den Tränen nahe zu sein. Beckers Erstlings hinterlässt tiefe Spuren beim Leser, da man sich unwillkürlich direkt angesprochen und sich zu einer Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte gezwungen fühlt.

    Die heimliche Hochzeit von Mischa und Rosa, die Mütze Herschels, welche er nie absetzt oder die kleine Lina unter dem Dachboden. Gerade die kleinen Episoden, die das Geschehen immer wieder aus einem anderen Blickwinkel zeigen, füllen dieses gerade mal 283 Seiten lange Buch mit soviel Leben. „Jakob, der Lügner“ ist nicht die Anklage der Täter. Die Tragik des Romans liegt nicht in der Aufzählung von den Verbrechen an den Juden. Ghettoaufseher und Gestapopolizisten sind bis auf wenige Ausnahmen nur namenlose Vertreter des Antisemitismus, welche nur beiläufig erwähnt werden. Nein, es sind diese anrührenden Momente der aufflackernden Hoffnung, welche Jakob entfacht, die zu Herzen gehen.

    Becker entlässt den Leser am Ende, wie angesichts der Geschichte nicht anders zu erwarten, ernüchtert und nachdenklich, aber auch mit der Erkenntnis, dass menschliche Freuden selbst unter den schlimmsten Umständen möglich sind. Ein Buch der leisen und bescheidenen Töne, dem jeglicher Hass gänzlich fehlt und das trotz düsterer Dramaturgie, die verschmitzte Heiterkeit des osteuropäischen Witzes einfängt.

    Ein literarisches Ereignis und ein Klassiker, der einfach in jedes gut sortierte heimische Bücherregal gehört, aber auch ein Buch, für das man reif genug und bereit sein muss. Eins ist in jeden Fall klar: Vergessen wird man "Jakob, den Lügner", wohl nie. Und vielleicht war eben das Beckers Absicht.

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  • Jakob der Lügner. Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv

    von Gisela Busemann, am 20.11.2011

    0 von 0 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.

    Wer kennt sie nicht, die Geschichte von Jakob, dem Lügner. Geschrieben von Jurek Becker, der 1995 leider verstorben ist. Bereits 35 mal wurde dieses einmalige Werk aufgelegt. Ich persönlich habe es bereits vor vielen Jahren gelesen, jedoch muss ich bemerken, dass ich damals ein etwas anderes Empfinden hatte, heute habe ich mehr gelacht als geweint. Es ist jedoch für mich persönlich zweitrangig, es war einfach eine große Freude diesen Klassiker mal wieder zu lesen. Und eines kann ich jetzt schon sagen, es wird nicht das letzte mal gewesen sein,.

    Jakob lebt in einem polnischen Ghetto und hört zufällig im Radio während er zu einem Appell geladen ist, die Meldung, dass die russische Armee nicht weit ist. Er verbreitet diese Nachricht und jeder fragt sich woher weiß der das. Eine kleine Lüge seitens Jakobs, er besitze ein Radio, hat ungeahnte Folgen. Im Guten wie im Bösen. Kleinere und größere Lügen lassen die Menschen im Ghetto neue Hoffnung schöpfen. Selten habe ich so gelacht und auch geweint.

    Eigentlich sagt es Louis Begley in einem ganz kurzen Satz, treffender, als ich es aussagen kann: Ich zitiere:

    „Die Erde weint über die Opfer des deutschen Wütens. Mahnmale und Museen ehren sie und die Kultur, die unterging, als sie umgebracht wurden. Aber am Ende finden die überall gegenwärtige Totenklage und die Trauer um die Opfer ihre klarste Stimme in einer Handvoll von Werken der ganz großen Literatur, den Büchern von Rrimo Levi, Tadeusz Borowski, Paul Celan und noch einigen wenigen anderen, Jakob, der Lügner gehört dazu.

    Bitte nicht lachen, ich habe zu Weihnachten einen Wunsch an meine Stammkunden, Machen Sie sich selbst ein Geschenk, lesen Sie die Lügen des Jakobs. Es wird Ihnen nicht leid tun und Sie stellen wieder mal fest, was Worte bewegen können, im Positiven wie im Negativen.

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  • Wenn Lügen Hoffnung schenken Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv

    von Sabrina, am 17.01.2006

    3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.

    Jurek Beckers Roman "Jakob der Lügner" zeigt des Lügen auch Hoffnung spenden können.
    Er erzählt die Geschichte des Juden Jakob, der während des Krieges im Ghetto lebt.
    Jakob wird zum Helden, nicht durch Widerstandskämpfe, sondern ganz leise und unscheinbar. Er spendet den Juden im Ghetto Hoffnung durch erfundene Radiobotschaften, die eine rasche Befreiung durch die Allierten verheißen.
    Auf wunderbare Weise zeigt Jurek Becker, wie eine kleine Geschichte Wunder bewirken kann. Der sprachliche Stil ist fanzinierend und lädt den Leser von der ersten Zeile an ein, der Geschichte des "Lügners aus Barmherzigkeit" zuzuhören und zu folgen.
    Eine Geschichte voller Freundschaft, Hoffnung und Tragik. Einfach wunderbar!
    Sehr sehr empfehlenswert!

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