Flick

Der Konzern, die Familie, die Macht

von Tim Schanetzky, Jörg Osterloh, Ralf Ahrens

Buch

gebunden (912 Seiten)

Sprache: Deutsch

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Erstmals die ganze Geschichte einer beispiellosen deutschen Karriere


Kein Name verkörpert das Drama der deutschen Wirtschaft im 20. Jahrhundert klarer als der Name Flick. Zweimal folgte dem beispiellosen Aufstieg der politische und moralische Bankrott. Unter vier politischen Systemen, vom späten Kaiserreich über die Weimarer Republik und das Dritte Reich bis in die Bundesrepublik, war Flick erfolgreich - und scheiterte doch auf ganzer Linie. Was ihm vorschwebte, war ein gewaltiger Konzern, der generationenübergreifend in Familienbesitz bleiben sollte. Aber nach dem Vater versagten die Söhne. Die Techniken, mit denen das Haus Flick politischen Einfluss nahm, um seine unternehmerischen Ziele zu erreichen, waren seit den Zwanzigerjahren auf verhängnisvolle Weise gleich geblieben. Auf die sich verändernden Rahmenbedingungen in der Bundesrepublik fand der Konzern keine passenden Antworten mehr und ging im Strudel des Parteispendenskandals der Achtzigerjahre unter. Sein Gründer aber blieb bis heute ein Symbol unternehmerischer Skrupellosigkeit und unverstandener Schuld.


Die Autoren erzählen die Geschichte einer Industriellendynastie, deren Macht und Möglichkeiten stets aufs Engste mit der Politik verknüpft waren - und deren Skandale immer wieder die Öffentlichkeit erregten. Spannend wie ein Thriller und hochaktuell.


Produktdetails

ISBN-10: 3-89667-400-5
EAN: 9783896674005
Erschienen: 21.09.2009
Verlag: Karl Blessing Verlag
Einband: gebunden
Sprache(n): Deutsch
Seitenzahl: 912
Gewicht: 1006 g
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Tim Schanetzky

Tim Schanetzky, geb. 1973, ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte der Friedrich-Schiller-Universität Jena.

Jörg Osterloh

Jörg Osterloh, geboren 1967, ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fritz Bauer Institut in Frankfurt am Main.

Ralf Ahrens

Ralf Ahrens, geboren 1963, ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte der Universität Jena.

Norbert Frei

Norbert Frei, geb. 1955, war Professor für Neuere und Neueste Geschichte an der Ruhr-Universität Bochum und Vorsitzender des Kuratoriums der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora. Derzeit lehrt er Neuere und Neueste Geschichte an der Friedrich-Schiller-Universität Jena und ist Leiter des »Jena Center Geschichte des 20. Jahrhunderts«

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Kundenrezensionen

  • Einblicke in den Mythos Flick Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern inaktiv

    von Stefan Flomm, am 11.11.2009

    0 von 0 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.

    Eines vorweg: Dieses Buch ist keines, das man mal so nebenbei liest. Aber es hilft viel, einen deutschen Mythos zu verstehen. „Flick: Der Konzern, die Familie, die Macht“ hat das Historiker-Quartett Norbert Frei, Ralf Ahrens, Jörg Osterloh und Tim Schanentzky sein epochales Werk über das wohl undurchsichtigste Firmenkonglomerat überschrieben und damit einen wichtigen Beitrag zur jüngeren deutschen Geschichte geleistet. Tausende von Fakten sind zusammengetragen worden, um den Weg des angestellten Managers Friedrich Flick in die industrielle Beletage und seine Bestrebungen, dort auch zu bleiben, nachzuvollziehen.
    Beim Lesen bedarf es großer Disziplin, die aber lohnt: Es ist ein Lehrstück über einen Kapitalisten, der „nichts auf öffentliche Würden gab, dafür aber bereit war, die mit seinen Kapitalbeteiligungen verbundene Macht rücksichtslos zum eigenen Vorteil einzusetzen“. Erstaunlich, wie auch der Alltag des Zweiten Weltkriegs ausgeblendet wurde. Hier sterben Menschen auf den Schlachtfeldern, dort wurde über die Übernahme von Betrieben im besetzten Frankreich nachgedacht. Die Arisierung von Betrieben wurde betrieben, Zwangsarbeiter wurden eingesetzt, politische Moral während der Nazi-Zeit der Gewinnmaximierung geopfert. Durch die Verurteilung durch die Alliierten nach Kriegsende sah sich Flick dann tatsächlich mehr in der Rolle des Opfers denn in der des Täters. Ein lesenswertes Buch!
    (Erschienen in den Harburger Anzeigen und Nachrichten)

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  • Flick Ein deutscher Mythos Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern inaktiv

    von Dieter Hartendorf, am 02.10.2009

    0 von 0 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.

    Beim Namen Flick habe ich sofort folgende Assoziationen: Konzern der Rüstungsindustrie, der die Nazis unterstützte und von Arisierungen profitierte.Friedrich Flick wurde in Nürnberg als Kriegsverbrecher verurteilt. In den 80er Jahren erschütterte der "Flick-Skandal" über illegale Parteispenden die Bundesrepublik.Der Jenaer Professor Norbert Frei hat jetzt zusammen mit 3 weiteren Zeithistorikern ein Buch über Friedrich Flick, seine Unternehmen und seine Nachfahren vorgelegt.Besonders fesselnd fand ich den 4. Teil des Werkes, in dem Norbert Frei die Persönlichkeit Flicks beschreibt und analysiert.Das gut geschriebene Buch ist jedem zu empfehlen, der sich für die deutsche Geschichte des 20. Jahrhunderts interessiert. Am 25.11. stellen die Autoren ihr Werk bei uns in der Buchhandlung vor. Ich bin schon sehr gespannt.

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Fragt man im feinen Konstanzer Inselhotel nach Friedrich Flick, bekommt man noch heute eine seltsame Geschichte zu hören: Bei schönem Wetter habe sich der hoch betagte Dauergast früh morgens oft zur Uferpromenade fahren lassen. Dort sei er Richtung Yachthafen spaziert, wo seine Limousine bereits auf ihn wartete. Nicht selten habe der Chauffeur ihn dann zum Ausgangspunkt zurückgebracht - und die Ertüchtigung begann von neuem: mit herrlichem Blick über den Bodensee, vor sich die imposante Alpenkette, der Morgensonne entgegen.
Die vier Jahrzehnte, die seitdem vergangen sind, mögen die Details der Anekdote ein wenig abgeschliffen haben; aber vielleicht wirkt sie gerade deshalb wie ein Gleichnis auf die Karriere des Friedrich Flick. Im späten Kaiserreich geprägt, seinen Aufstieg im Ersten Weltkrieg nehmend, die schwierigen Jahre der Weimar Republik geschickt überstehend, im "Dritten Reich" von Erfolg zu Erfolg getragen, gelang dem Selfmademan in den fünfziger Jahren nochmals ein sagenhafter Aufstieg. Hyperinflation, Weltwirtschaftskrise, NS-Boom und Krieg, Nürnberger Prozess, Gefängnis und Wirtschaftswunder - unbeirrbar, so scheint es, schritt Flick über alle wirtschaftlichen und politischen Brüche des 20. Jahrhunderts hinweg. Vorwärts, immer nur vorwärts.
Zu Beginn der zwanziger Jahre war Friedrich Flick bereits aus der Siegerländer Provinz in die Spitze der deutschen Wirtschaftselite vorgestoßen. Vom Stahl kommend, engagierte er sich in der Kohleförderung, im Maschinenbau, in der Chemie- und Papierindustrie. Die Unternehmen, an denen er sich beteiligte, produzierten Badewannen und Eisenbahnwaggons, Flugzeuge und Autos, Sprengstoffe, Panzer und Geschütze. Mit den Beteiligungen wechselten die Schauplätze. Der Sohn eines Holzhändlers und Bauern begann im heimatlichen Umkreis, aber schon bald betätigte er sich überall im Deutschen Reich, dann in den Niederlanden, in Polen, Belgien und Frankreich; seine Erben investierten schließlich auch in den USA.
Weil Flick mit keinem Unternehmen, keiner Branche und keiner Region wirklich identifiziert werden kann, blieb seine Karriere das bis heute einzig Fesselnde an diesem Mann. Er gehört nicht in die Reihe großer Gründerfiguren wie Bosch, Siemens oder Krupp. Technologische Innovation, sozialpolitisches Engagement oder auch nur einen einzigen Betrieb, dessen Schicksal über seinen Tod hinaus mit der Familie verbunden geblieben wäre - all das sucht man bei Flick vergebens. Stattdessen ist sein Name zum Synonym für politischen Opportunismus und den skrupellosen Einsatz wirtschaftlicher Macht geworden.
Zweimal überdauerte Flicks Karriere seinen politisch-moralischen Bankrott: 1932, als er den Konkurs nur dank skandalumwitterter staatlicher Unterstützung abwenden konnte, und nach 1945, als ihm die Amerikaner den Prozess machten - zu offensichtlich war sein Erfolg im Nationalsozialismus gewesen, seine Bereicherung an jüdischem Vermögen, der Profit aus Rüstungsproduktion und Zwangsarbeit. Nicht zuletzt wegen dieser Vorgeschichte schlug Anfang der achtziger Jahre das politische Beben der "Flick-Affäre" die bundesdeutsche Öffentlichkeit über Monate in Bann. Wie es schien, waren sich die Methoden der politischen Einflussnahme im "Hause Flick" seit den zwanziger Jahren auf fatale Weise gleich geblieben. Diesen dritten Skandal überstand der Konzern nicht.
Sich mit Flick zu beschäftigen bedeutet weit mehr, als das Drama der deutschen Wirtschaftsgeschichte im 20. Jahrhundert am Beispiel eines ihrer umstrittensten Protagonisten nachzuzeichnen. Die Karriere des Industriellen - und die seiner Nachkommen - war immer mit der großen Politik verwoben. Die Flicks machten Politik, waren Gegenstand politischer Auseinandersetzungen und dienten der Politik als Vehikel der Propaganda. Das begann in der Weimarer Republik, setzte sich in Nürnberg fort, wo Flick als erster deutscher Industrieller für sein Handeln in der NS-Zeit zur Rechenschaft gezogen wurde, und endete nicht in der deutsch-deutschen Systemkonkurrenz des Kalten Krieges. Je mehr Flick sein öffentliches Bild selbst zu bestimmen suchte, desto mehr galt er der Öffentlichkeit als Exponent eines verhassten Kapitalismus.
Flicks öffentliche Wirkung auf die unternehmerischen Tatsachen zurückzuführen: Darin liegt die eigentliche Herausforderung. Es gilt - anders als in älteren, meist journalistischen Darstellungen - Friedrich Flick als Unternehmer ernst zu nehmen. Und es gilt, den Konzern als Ganzes im Blick zu halten. Bei aller Unübersichtlichkeit rasch wechselnder Kapitalbeteiligungen muss die Frage nach der individuellen Verantwortung gestellt werden: für "Arisierung" und Zwangsarbeit, aber auch für die vielen anderen Entscheidungen, die Hunderttausende von Menschen tangierten. Wie war Flicks Holding organisiert, wer traf welche Entscheidungen? Wie weit reichte überhaupt der Einfluss der kleinen Zentrale in Berlin, die bereits Ende der dreißiger Jahre Unternehmen mit rund 100 000 Beschäftigten kontrollierte?
Dieses Buch ist nicht das erste, das den Versuch unternimmt, Flicks Imperium zu durchleuchten. Kim Christian Priemel hat unlängst eine "Konzerngeschichte" vorgelegt, die besonders auf Flicks wechselnde Kapitalbeteiligungen und seine Versuche blickt, sich den jeweils geltenden wirtschaftlichen Rahmenbedingungen anzupassen. So lässt sich zwar die Entwicklung des Konzerns erzählen, nicht aber die Geschichte seines Eigentümers. Allein die Gewinnoptimierung kann die Komplexität einer Persönlichkeit wie Friedrich Flick nicht erklären: Auch ein Unternehmer ist kein Mann ohne Eigenschaften. Flick lässt sich weder auf den Typus des risikofreudigen Spekulanten reduzieren, noch war er der traditionsbewusste Eisenhüttenmann, als der er sich selbst so gerne sah.
Flick entwickelte früh ein bemerkenswertes taktisches Geschick im Umgang mit Aktionären, Konkurrenten und Politikern. Und schon bald wollte er seine persönliche Herrschaft als Unternehmer dauerhaft gesichert wissen. Das hatte Folgen für die Führung und Expansion des Konzerns und erklärt am Ende auch dessen Untergang. Während andere Industriellenfamilien wie Quandt, Oetker oder Haniel einen Weg für die Erbfolge fanden, der den Bestand ihrer Konzerne sicherte, zeigte Flicks Lebenswerk nur wenige Jahre nach seinem Tod bereits erste Auflösungserscheinungen. Es überdauerte seinen Gründer nur um 13 Jahre.
Wer die Geschichte von Flick verstehen will, muss deshalb dem Mann an der Spitze, auf den alles zulief - im Konzern, in der Familie und in der öffentlichen Auseinandersetzung -, gebührende Aufmerksamkeit zollen. Dabei muss die unternehmerische Logik seiner Entscheidungen im Mittelpunkt stehen. Denn ob es um die Beteiligung an der "Arisierung" ging oder darum, staatliche Subventionen einzufordern: Es war Flick, der entschied, und zwar in der Regel aus konkreten ökonomischen Motiven heraus. Diese gilt es aufzuklären und nach ihren politischen und moralischen Implikationen zu befragen.
Eine Darstellung, die zum historisch-politischen Kern vorzudringen sucht, muss die bis heute fortwirkenden Mythen der öffentlichen Debatte über Flick nicht nur aus dem Weg räumen, sie muss diese selbst zum Thema machen.

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