Buch
gebunden (239 Seiten)
Sprache: Deutsch
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von Nicholas Carr
von Claus Mathes
von Elmar Träbert
von Paul Watzlawick
von Noam Chomsky
von Ken Follett
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Warum sind wir im Informationszeitalter gezwungen zu tun, was wir nicht tun wollen, und wie gewinnen wir die Kontrolle über unser Denken zurück?
Was wollte ich gerade tun? Wieso haben die Dinge kein Ende mehr? Was geschieht mit meinem Gehirn? Fast jeder kennt die neue Vergesslichkeit und die fast pathologische Zunahme von Konzentrationsstörungen. Dahinter steckt sehr viel mehr als nur Überforderung. Wir wissen mehr als je zuvor und fürchten doch ständig, das Wichtigste zu verpassen. Der Mensch ist nicht nur ein Fleisch- und Pflanzenfresser, er ist auch ein Informationsfresser. Informationen sind Vorteile und in der Informations-Nahrungskette siegt der, der am schnellsten und effektivsten Nachrichten sendet und empfängt. Aber diese neue Form des Darwinismus führt dazu, dass wir nicht mehr unterscheiden können, was wichtig ist und was nicht. Wir rufen unsere ganze Lebensbahn immer stärker wie Informationen ab und zerstören so unsere Fähigkeit, mit Unerwartetem umzugehen. Die Frage lautet, ob wir bereits begonnen haben, uns selbst wie Computer zu behandeln, und ob wir damit Gefahr laufen, den Menschen in mathematische Formeln zu verwandeln ...
Nicht die Technologien sind Schuld, sondern die Tatsache, dass immer häufiger nur noch das im Menschen gefordert und gefördert wird, was mit den Rechnern kompatibel ist. Eine Welt ohne Informationstechnologie ist nicht vorstellbar. Aber die pure Koexistenz von Mensch und Computer führt zum Sieg der künstlichen Intelligenz. Schon bald werden Computer zu Dingen fähig sein, die heute noch unvorstellbar scheinen. Sie werden unsere Wünsche besser kennen als wir selbst und in der Lage sein, sogar unsere Assoziationen in Software zu übersetzen. Wichtig aber ist, dass wir währenddessen unsere Fähigkeiten nicht verlieren. Wir können zurückfordern, was uns genommen wird, wenn wir die Stärken des Menschen neu bestimmen.
Ausgehend von Gesprächen mit den führenden Köpfen des Internet-Zeitalters und wichtigen Vertretern der modernen Psychologie zeigt Frank Schirrmacher, wie sich schon in den nächsten Jahren das Selbstbild des Menschen wandeln könnte und welche faszinierenden Antworten auf diese Krise möglich sind.
Wir werden bombardiert mit dem, was andere Menschen jede Sekunde tun
Wir werden voraussagen können, was jeder Mensch in der nächsten Minute tun will
Wir wissen alles. Und nichts über uns selbst
| ISBN-10: | 3-89667-336-X |
|---|---|
| EAN: | 9783896673367 |
| Erschienen: | 16.11.2009 |
| Verlag: | Karl Blessing Verlag |
| Einband: | gebunden |
| Sprache(n): | Deutsch |
| Seitenzahl: | 239 |
| Gewicht: | 430 g |
Der deutsche Journalist, Literaturwissenschaftler, Essayist und Buchautor Frank Schirrmacher
wurde am 5. September 1959 in Wiesbaden als Sohn eines Beamten geboren. Seit 1994 ist er
Mitherausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.
Sein Abitur erfolgte 1979 an der privaten Humboldt Schule in Wiesbaden. Danach begann Frank Schirrmacher sein Studium in Germanistik und Anglistik in Heidelberg und führte es weiter mit Philosophie und Literatur an der Universität Cambridge. Weitere Studienaufenthalte von ihm waren auch Montpellier und Yale Universität. Im Jahre 1984 schloss Frank Schirrmacher sein Studium erfolgreich ab und
erstieg in kürzester Zeit die Karriereleiter bei der FAZ. Als Hospitant eingestellt konnte er
sich 1985 schon zur Redaktion des Feuilletons bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
zählen. Ein Jahr später folgte seine Dissertation "Schrift als Tradition" mit der er an der
Universität Siegen zum Dr.phil. promovierte.
Frank Schirrmacher war Nachfolger von Marcel-Reich-Ranicki und übernahm die Leitung der Redaktion
"Literatur und literarisches Leben". Fünf Jahre später, im Jahr 1994, löste Frank Schirrmacher
Joachim Fest, als einer der fünf Herausgeber, ab.
Seine Bücher, unter anderem "Die Stunde der Welt. Fünf Dichter-Ein Jahrhundert"(1996),
"Das Methusalem-Komplott"(2004), "Minimum"(2006) und "Payback"(2009) brachten ihm
Anerkennung und zahlreiche literarische Auszeichnungen.
2007 erhielt er den Jacob-Grimm Preis Deutsche Sprache, im Folgejahr den Journalisten Preis
der Fundacio Catalunya Oberta für seine "Verdienste um die Förderung des Liberalismus"
Seit 2009 auch Träger des Ludwig Börne Preises.
Als Journalist und Autor gelingt es ihm, in seinen meist provokanten Veröffentlichungen, bei
seinen Kritikern und den Medien in den Mittelpunkt zu rücken. Frank Schirrmacher versucht einen Dialog
zwischen der Kultur und den Menschen zu erschaffen, der in die Gegenwart passt.
Auch wenn nicht alle Kritiker seinen Behauptungen über die Gesellschaft und Entwicklung
beistehen, so schafft er es immer wieder aufs Neue in den Bestsellerlisten aufzutauchen.
Frank Schirrmacher hat seinen Hauptwohnsitz in Potsdam und lebt in zweiter Ehe mit
Kulturjournalistin Rebecca Casati.
Meinung der Redaktion
Er hat Debatten ausgelöst: über Paul de Man, den Theoretiker des Dekonstruktivismus in der Literaturwissenschaft, über Christa Wolf und Heiner Müller. Für Schirrmacher darf Ästhetik kein Vorwand dafür sein, sich in moralischen und politischen Fragen unbelangbar zu machen.
von "Ihr Bioladen im Ammerland", am 31.12.2011
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von Dorothee Jaschke, am 05.10.2011
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von Michael Rademacher, am 09.07.2010
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von Andrea Karnowski, am 28.02.2010
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von Georg Stahl, am 04.01.2010
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von Matti Holtmann, am 17.12.2009
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von Frank Solcher, am 10.12.2009
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MEIN KOPF KOMMT NICHT MEHR MIT
Was mich angeht, so muss ich bekennen, dass ich den geistigen Anforderungen unserer Zeit nicht mehr gewachsen bin. Ich dirigiere meinen Datenverkehr, meine SMS, E-Mails, Feeds, Tweeds, Nachrichtensites, Handyanrufe und Newsaggregatoren wie ein Fluglotse den Luftverkehr: immer bemüht, einen Zusammenstoß zu vermeiden, und immer in Sorge, das Entscheidende übersehen zu haben. Ohne Google wäre ich aufgeschmissen und nicht mehr imstande, einen Handwerker zu bestellen oder zu recherchieren.
Würde ich morgen vom Internet oder Computer geschieden werden, wäre das nicht eine Trennung von dem Provider, sondern es wäre das Ende einer sozialen Beziehung, die mich tief verstören würde.
Am Tag meiner Konfirmation, als ich den Spielcomputer Logikus der Firma Kosmos geschenkt bekam, bin ich freudig in das Wettrüsten mit der jeweils neuesten Technologie eingetreten. Moores Gesetz - das Gesetz, wonach sich die Geschwindigkeit der Prozessoren alle zwei Jahre verdoppelt - kannte ich schon, als ich meinen ersten Amstrad-Rechner kaufte.
Bedienungsanleitungen verstehe ich so wenig wie alle anderen Menschen, aber die Geräte selbst konnte ich immer schon nach kurzer Eingewöhnungszeit bedienen. Niemals fühlte ich mich von Computern überfordert. Ich simse am Stück, Leute, die ich nicht kenne, folgen meinem ungenutzten Twitter-Account, ich weiß, wo ich im Internet Antworten auf meine Fragen finde.
Ich will sagen: Weder bin ich der Amish des Internet-Zeitalters noch ein technologischer Einsiedler. Und ich erwähne das alles überhaupt nur, um nicht gleich im nächsten Absatz in den Verdacht zu geraten, einfach nicht mehr lernfähig zu sein.
Aber etwas stimmt nicht mehr. Mein Kopf kommt nicht mehr mit. Zwar bilde ich mir ein, dass ich meinen Gesprächspartnern ebenbürtig bin, und ich habe nicht den Eindruck, dass ich heute weniger von der Welt verstehe als früher.
Das Problem ist meine Mensch-Computer-Schnittstelle. "Das Hirn ist nichts anderes als eine Fleisch-Maschine", hat leicht verächtlich Marvin Minsky, einer der Begründer der Informatik, schon vor Jahrzehnten gesagt. Und meine "Fleisch-Maschine" ist offenbar nicht mehr besonders gut.
Es ist, als laufe mein Web-Browser mittlerweile auf zwei verschiedenen Plattformen, eine auf meinem Computer und eine sehr viel langsamere Version in meinem Kopf. Damit ein leistungsschwaches Handy eine mit technischen Spielereien vollgepackte Website trotzdem darstellen kann, haben die Programmierer eine Methode erfunden, die sich "graceful degradation" nennt, auf Deutsch: "würdevolle Herabstufung". Die Website gibt sich gewissermaßen bescheiden, um das Handy, das in diesem Fall zu den armen Verwandten zählt, nicht in seinem Stolz zu verletzen.
Das Verhältnis meines Gehirns zur Informationsflut ist das der permanenten würdelosen Herabstufung. Ich spüre, dass mein biologisches Endgerät im Kopf nur über eingeschränkte Funktionen verfügt und in seiner Konfusion beginnt, eine Menge falscher Dinge zu lernen.
Aber ich habe auch meinen Stolz. Ich schließe von meinem Kopf auf viele Köpfe, und dass es mir wie vielen geht: Ich glaube, es hat, um ein Lieblingswort der Informatiker zu zitieren, eine Rückkoppelung stattgefunden, die jenen Teil der Aufmerksamkeit, den wir früher uns selbst widmeten, abzapft, auffrisst und als leere Hülle zurücklässt. Man nennt das feedback, wörtlich: eine Rück-Ernährung. Aber wer ernährt sich von unserer Aufmerksamkeit?
Keine SMS, kein Blog, keine E-Mail wird in den Wind gesendet. Keine Suchanfrage, kein Tweet, kein Click geht verloren. Nichts verschwindet und alles speist Datenbanken. Wir füttern mit unseren Gedanken, Worten und E-Mails das Wachstum eines gewaltigen synthetischen Hirns. Das ist keine Vermenschlichung eines technischen Vorgangs. Genau das geschieht, wie wir im Laufe dieses Buches sehen werden.
Mir scheint, dass viele Leute gerade merken, welchen Preis wir zahlen. Buchstäblich. Manchmal endet es im Ruin. So wie bei dem Stanford-Professor Lawrence Lessig, der vor ein paar Jahren seinen "E-Mail-Bankrott" erklärte, nachdem sich in seinem Postfach Tausende ungelesene E-Mails angesammelt hatten und er auch nach achtzig Stunden keinen Überblick hatte.
Ich bin noch nicht bereit, den Bankrott zu erklären. Aber ich bin unkonzentriert, vergesslich und mein Hirn gibt jeder Ablenkung nach. Ich lebe ständig mit dem Gefühl, eine Information zu versäumen oder zu vergessen, und es gibt kein Risiko-Management, das mir hilft. Und das Schlimmste: Ich weiß noch nicht einmal, ob das, was ich weiß, wichtig ist, oder das, was ich vergessen habe, unwichtig.
Jeden Tag werde ich mehrmals in den Zustand des falschen Alarms versetzt, mit allem, was dazugehört. Nicht mehr lange, und ich könnte Ehrenmitglied jener wachsenden Gruppe von Japanern werden, die nicht nur systematisch ihre U-Bahn-Station verpassen, sondern mittlerweile auch immer häufiger vergessen, wie die Station überhaupt heißt, an der sie aussteigen müssen.
Kurzum: Ich werde aufgefressen.
Das ist eine so bittere wie peinliche Erkenntnis. Man kann ihr auch nicht entrinnen, wenn man den Bildschirm abschaltet. Ständig begegnet man Menschen, die in jeder Situation per Handy texten, E-Mails abrufen, gleich mit ihrem ganzen Laptop anrücken, und immer häufiger höre ich bei Telefonaten dieses insektenhafte Klicken, weil mein Gesprächspartner tippt, während er telefoniert. Jede Sekunde dringen Tausende Informationen in die Welt, die nicht mehr Resultate melden, sondern Gleichzeitigkeiten. Die Ergebnisse von Wahlen werden getwittert. In New York wollte ein Richter einen Geschworenen entlassen, weil herauskam, dass der entgegen der Weisung Hintergründe des Verfahrens gegoogelt hatte. Es stellte sich dann allerdings heraus, dass acht weitere Geschworene das Gleiche getan hatten, worauf gleich das ganze Verfahren ausgesetzt werden musste.
In Arkansas verschickte ein Geschworener regelmäßig Updates eines Prozesses per Twitter, in Pennsylvania stellte ein anderer Schöffe das noch nicht verkündete Urteil auf seinen Face-book-Account. Jede dieser Informationen wird nicht nur getippt und gesendet, sie muss auch empfangen und gelesen werden.
Die neue Gleichzeitigkeit von Informationen hat eine Zwillingsschwester, die wir "Multitasking" getauft haben.
Wir alle, die wir auf die gläsernen Bildschirme starren, sind Menschen bei der Fütterung; wie die stolzen Besitzer von Terrarien, die Nahrungswolken auf die unsichtbaren Tiere in ihren Glaskästen herabregnen lassen. Es ist eine Eile dabei, als könnte etwas verhungern. Ich habe das Gefühl, dass die Menschen, die ich kenne, immer schneller erzählen, gerade so, als könnten sie nicht damit rechnen, dass genug Zeit bleibt, ihnen zuzuhören, weil die Informationskonkurrenz so gewaltig ist.
Dass es anderen auch so geht wie mir, ist beruhigend. Und sehr beunruhigend zugleich.
von Anne Weber
von Ulrich Raulff
von Jan Faktor
von Lutz Seiler
von Steffen Martus