Buch
gebunden (302 Seiten)
Sprache: Deutsch
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Auf den Merkzettel
Es rauscht vernehmlich im Blätterwald, als den riesigen international agierenden Hamburger Finanzkonzern mit dem „Glück“ verheissenden Namen „Fortuna“ jede „Fortune“ verlässt.
„Fortuna im Pech“ titeln nicht nur Boulevardzeitungen, als drei Angestellte des Versicherungsgiganten auf spektakuläre Weise den Tod finden, wobei die Morde an einem Referenten der Hypothekenabteilung und am Lebensversicherungsvorstand nahezu zeitgleich passieren. Perfide und durchtrieben-intelligent das eine Verbrechen; brachial, animalisch, gar bestialisch das andere.
Nach aussen spiegelt die Konzernfassade aus Stahl und Glas Seriosität und Vertrauen. Innen spielen sich – lange unbemerkt – abgrundtiefe Machenschaften ab. Finanzchef Dr. Arne Rentbeer setzt in einem noch ungeahnt weitreichenden Hypothekenbetrug auf Max Meister, der schon öfter detektivisches Talent bewiesen hatte. Doch kaum hat der junge Abteilungsleiter seine Ermittlungen aufgenommen, findet man Rentbeers Sohn tot auf. Unter mysteriösen Umständen. Ein Unfall angeblich …
Von nun an arbeitet Meister mit der parallel ermittelnden Hamburger Kripo zusammen. Mit dem Ersten Hauptkommissar Maarten Gerber und seinem Team vom 3. Kommissariat für Kapitaldelikte. Alle gehen bei ihren Recherchen über Gewohntes weit hinaus und können die Fäden der anfangs sehr unterschiedlichen und verbindungslosen Fälle zu einem überraschenden Erkenntnisstrang knüpfen. – Nun ja, fast! …
| ISBN-10: | 3-939912-09-3 |
|---|---|
| EAN: | 9783939912095 |
| Erschienen: | Juli 2009 |
| Verlag: | Vive! Verlag |
| Einband | gebunden |
| Sprache(n): | Deutsch |
| Seitenzahl: | 302 |
| Gewicht: | 600 g |
von einer Kundin/einem Kunden, am 31.08.2009
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Prolog
18. Januar 2002
Sie lag sterbend in seinen Armen. Aus einem Ohr sickerte Blut; es bahnte sich auf seinem rostfarbenen Anorak ein Dutzend Wege und bildete vor den Wollbündchen an Bauch und Hüften ein schwarzrotes Delta. Der fragende, ungläubige Blick, mit dem ihn die Fünfzigjährige minutenlang ansah, würde ihn den Rest seines Lebens begleiten. Und nicht nur begleiten. Verfolgen! Ganz sicher würden ihn ihre Augen, würde ihn dieser Blick niemals wieder loslassen. Das stand für ihn fest, schon bevor sie die Augen schloss, ihr Kopf zur Seite fiel und ihr Körper die letzte schwache Spannung verlor.
Als ihn am Tag zuvor ihr Anruf erreichte, hatte er es kaum glauben können. Zuletzt waren sie sich nämlich vor eineinhalb Jahren begegnet bei der Schulabschlussfeier der gemeinsamen Tochter. In der Rudolf Steiner Schule in Hamburg-Nienstedten.
Bei ihrem Anruf, der in Wahrheit eine Einbestellung war, hatte sie ihn heftig angefaucht, und ihre Stimme hatte dabei wieder einmal steinhart, eiskalt und unversöhnlich geklungen:
»Ich hab da was entdeckt und will mit dir darüber reden. Gleich morgen! Wir treffen uns auf der Landungsbrücke in Teufelsbrück an der Elbchaussee. Bei schlechtem Wetter in der kleinen Kneipe auf dem Restaurantschiff. Um 19:00 Uhr. Sei pünktlich!« Dann hatte sie aufgelegt und damit nicht einmal eine winzige Reaktion zugelassen.
Er hatte die ganze Nacht kein Auge zugetan, sich im Bett herumgewälzt und darüber nachgedacht, was sie wohl entdeckt haben könnte. Sie waren in derselben Firma beschäftigt. In einem riesigen Unternehmen, in dem man sich nicht unbedingt oft begegnet, in ganz unterschiedlichen Abteilungen. Sogar in völlig anderen Ressorts. Sie war in der Buchhaltung tätig und dort zuständig für Spesenabrechnungen der leitenden Angestellten. Aber Spesen konnte er kaum einmal geltend machen und ein Leitender war er schon gar nicht. Was wollte sie also von ihm? Was konnte sie schon entdeckt haben? War es möglich, dass sie neuerdings eine andere Aufgabe hatte und jetzt mit dem firmeninternen Scheckauszahlungsverfahren befasst war? Aber selbst wenn: Passieren konnte da eigentlich nichts.
Oder etwa doch?
Jedenfalls war er pünktlich am vereinbarten Treffpunkt. Doch weil es an diesem Abend bitterkalt war und heftige Schnee- und Graupelschauer sich abwechselten, hielt er es nicht lange auf der zugigen Landungsbrücke aus. Zumal der eiskalte Wind vom gegenüberliegenden Petroleumhafen auch noch beissenden Benzingeruch herüberwehte. Als sie nach zwanzig Minuten noch nicht erschienen war, lief er zum Restaurantschiff hinüber. Er musste sich aufwärmen.
Zu seiner Überraschung war die gemütliche Schiffskneipe fast leer. Hinter dem Mahagonitresen, der Pantry und Schankraum trennte, stand eine Enddreissigerin mit flachsblondem Lockenschopf. Schmollmundig. Vollbusig. Verrucht.
An einem kleinen, runden Tisch im Schiffsbug sassen die einzigen Gäste. Drei Männer mittleren Alters. Sehr gut gekleidet, das fiel ihm sofort auf. Richtige Herren! Vermutlich Manager. Ganz sicher Leute mit Geld. Das Trio diskutierte angeregt, sah nicht auf, bemerkte ihn gar nicht.
Er setzte sich an einen Tisch, von dem aus er die Tür im Blick hatte. Winkte dann der Flachsblonden, wollte ein wärmendes Getränk bestellen. Beobachtete sie genau.
Warm wurde ihm schon, als sie auf ihn zustöckelte. Grosszügig dekolletiert und mit wogendem Busen. Er drehte den Kopf, sah scheinbar weg, als sie sich tief zu ihm hinunterbeugte. Und er errötete, weil seine Augen doch nicht von ihr lassen konnten.