BuchhändlerInnen im Portrait

aus Jena, Goethe-Galerie

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Meine Rezensionen

  • Ein bitterkalter Nachmittag
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    Bäcker der Lehrer?
    Rezension vom 17.08.2012
    Die Handlung des Buches könnte zu verschiedenen Zeiten an vielen Orten der Welt spielen, an denen Bürgerkriege denkbar sind. Dass es dabei nicht immer die „gute“ oder „böse“ Seite gibt, zeigt dieses Buch, das mehr einem Kammerspiel mit zwei Personen als einem Roman gleicht. In dessen Verlauf, und das ist das Besondere, schwanken die Sympathien des Lesers. Auch wenn es für andere Menschen den Tod bedeutet: Wie weit würde man selbst gehen, um am Leben zu bleiben?
    Mit dieser Fragestellung und den daraus resultierenden Konsequenzen setzt sich Donavan auseinander. Fünf Jahre vor „Winter in Main“ geschrieben lässt es sich ähnlich wie jener Roman kontrovers diskutieren. Durch kaum stattfindende Ereignisse und wenig handelnde Personen fehlt dem Werk aber trotz interessanter geschichtlich/philosophischer Betrachtungen die Spannung.
  • Peehs Liebe
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    Ruhiger, poetischer Roman
    Rezension vom 15.08.2012
    „Ich wunderte mich, dass ich mit meinem halben Gehirn so viel mitbekam von der Welt, auch wenn meine Welt klein wie eine Nussschale war, aber was macht das schon, wenn es einen nicht stört, und mich hat es nie gestört.“ Das sagt die Hauptgestalt dieses Buches Rosarius über sich. Als Sonderling lebt er in dem kleinen Ort Kall in der Eifel und verfügt neben leiblichen Eigenarten über eine außergewöhnliche Beobachtungsgabe und Merkfähigkeit. Unzählige Namen von Straßen und Wegen kann er ebenso zitieren wie Hölderlins „Hyperion“. So durziehen Verse des Dichters auch das gesamte Buch.
    Mit großer Sympathie beschreibt Scheuer in Rückblenden Begebenheiten im Leben der Hauptgestalt, die oft begleitet sind von skurrilen Personen und tragischen Episoden in seinem Umfeld.
    „Peehs Liebe“ ist ein ruhiges Buch, das in seiner Stille sehr poetisch ist. Deshalb lohnt es, sich auf den Text, der in drei Ebenen erzählt, einzulassen. Warum Scheuer aber diese Vielschichtigkeit wählt und z.B. die Ebene des Archäologen und etwaigen Vaters des Protagonisten einfließen lässt, erschließt sich mir nicht.
    Mit den Erinnerungen von Rosarius schenkt uns Norbert Scheuer feinsinnige Literatur und setzt zugleich seiner Heimat in der Eifel ein liebevolles Denkmal.
  • Mit nackten Händen
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    Poetische Geschichte einer ungleichen Liebe
    Rezension vom 15.08.2012
    Die Geschichte einer ungleichen Liebe lässt dem Leser viel Raum für eigene Phantasien. Aber gerade das Weglassen von allzu vielen Details und erotischen Ausschmückungen kennzeichnet die klare Sprache und macht den Leseeindruck unverwechselbar. Dabei bleibt allerdings auch Wesentliches, wie die Vorgeschichte mit der farblosen Nebenbuhlerin der Protagonistin, nebelhaft. Und kein Gedanke daran, was die Ich-Erzählerin dem Minderjährigen für sein weiteres Leben antut . Denn auch wenn Emmas Gefühle ehrlich sind, bleibt die Liaison eine Straftat. Der schmale Band ist gut und schnell zu lesen, geht ins Herz und bietet darüber hinaus viel Stoff für kritische Diskussionen.
  • Sieben Tage ohne
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    Kurzweilige Lektüre ohne bitteren Nachgeschmack
    Rezension vom 15.08.2012
    Die glatt erzählte Fortsetzung der „Dienstagsfrauen“ bleibt ohne Tiefe. Die Abenteuer der Freundinnen sind eine bildhafte, kurzweilige Lektüre zum „Weglesen“ und Schmunzeln ohne bitteren Nachgeschmack.
  • Während die Welt schlief
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    „Drachenläufer“ für Palästina
    Rezension vom 02.08.2012
    Das Buch erzählt die persönliche Geschichte der Palästinenserin Amal und ihrer Familie, die aus ihrem Dorf in ein Flüchtlingslager vertrieben wird. Interessant, spannend und emotional sehr berührend verknüpft die Autorin über mehrere Generationen hinweg die Schicksale einzelner Familienmitglieder mit der Geschichte Palästinas. Dabei wird der Konflikt mit Israel für jeden Leser fassbar, denn trotz der einfachen Sprache bleiben die Barbarei und Unmenschlichkeit der Auseinandersetzungen spürbar. Dabei nimmt die Autorin keine Wertung vor. Die überwiegend palästinensischen Schicksale berühren den Leser dennoch überaus stark. Bei Bildern aus Flüchtlingslagern dieser Welt wir man sich an dieses Buch erinnern.
  • Mit Blick aufs Meer
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    Einblicke in das Leben in einer amerikanischen Kleinstadt
    Rezension vom 02.08.2012
    Was Cover und der deutsche Titel versprechen (engl. Original Olive Kitteridge) trifft den Inhalt nicht. Den Leser erwartet hier keine sommerleichte Unterhaltungslektüre, sondern ein mit dem Pulitzerpreis prämierter tiefgründiger Roman, zusammengesetzt aus vielen persönlichen Geschichten einer amerikanischen Kleinstadt, in deren Zentrum die Protagonistin Olive Kitteridge steht. Es ist nicht die große Politik, die maßgeblich ihr Leben und das der um sie gruppierten Menschen bestimmt, sondern es sind die private Höhen, Tiefen und Missverständnisse, die Einsamkeit und die kleinen und großen Sorgen und Tragödien des Alltags. Elisabeth Strout versteht es, diese gut zu beobachten und gekonnt zu formulieren und damit vielfarbige, insgesamt aber eher dunkel schattierte Eindrücke vom Leben der Bewohner zu schildern. Der Roman ist ein nachdenkliches und kluges Buch, das in Sequenzen schlicht, poetisch und scheinbar unverfälscht persönliche Geschichten von und um eine alltägliche Frau vereinigt.
  • Das Lächeln der Frauen
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    Bezaubernde Liebesgeschichte
    Rezension vom 02.08.2012
    Schöne Liebesgeschichte aus Paris. Barreau erzählt von den Personen des Romans liebevoll und ihnen zugewandt. Das Buch selbst ist keine „große“ Literatur, aber ein unterhaltsames, heiteres Lesevergnügen mit viel französischem Charme.
  • Das Schicksal ist ein mieser Verräter
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    Krebsgeschichte ohne Pathos undPlattitüden
    Rezension vom 26.07.2012
    Eine Geschichte, in der zwei krebskranke Jugendliche ihre erste (und letzte) Liebe erleben, rührt sicher jeden Leser. Dabei gelingt es dem Autor aber durchaus ohne Plattitüden und Rührseligkeiten, vom Alltag der Erkrankten, vor allem aber von den Gefühlen von Hazel und Gus zu erzählen, die offen mit ihrer Krankheit umgehen und füreinander da sind. Der Roman ist ein bemerkenswertes Buch, das ohne Scheu und Pathos nicht vordergründig von der Krankheit selbst und dem Sterben, sondern vor allem von der Liebe erzählt.
  • Sunset Park
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    Anspruchsvoller Roman über die Auswirkungen der Finanzkrise in den USA
    Rezension vom 18.07.2012
    Sunset Park ist ein anspruchsvoller Roman in guter Sprache, der die Auswirkungen der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise auf eine Hand voll Figuren am Rande der Gesellschaft beschreibt. Austers Protagonist Miles Heller, seine Familie und seine Freunde sind beispielhaft für die deprimierende Entwicklung in den USA.
    Als junger Mann wird Heller nach einem tödlichen Unfall seines Stiefbruders von Gewissenbissen geplagt, bricht sein bis dahin brillantes Studium und sämtliche Kontakte zu Familie und Freunden ab und hält sich als Hilfsarbeiter und mit Gelegenheitsjobs in Florida über Wasser.
    Aufgrund privater Probleme (Beziehung zu einer Minderjährigen) sieht sich Miles dazu gezwungen, Florida zu verlassen. Er bezieht nun mit einer bunt zusammengewürfelten Gruppe von Aussteigern ein leer stehendes Haus in seiner alten Heimat Brooklyn. Alle Bewohner sind prototypische Figuren am Rande der Gesellschaft, die versuchen, mit ihrer Situation klarzukommen und für sich einen Sinn in dieser Welt zu konstruieren.

    Sunset Park wird so zu einem aufschlussreichen Brennpunkt der verschiedenen interessanten Schicksale und zu einem Versuch des Wiederanfangs. Auster gelingt es aus Dialogen und dramatischen Ereignissen heraus Charaktere einprägsam und plausibel. zu entfalten. Am Rande übt das Buch dabei auch Kritik an der Verfolgung kritischer Autoren wie Salman Rushdie und Liu Xiaobo.
    Leider gelingt es Auster nicht mich entsprechend emotional mitzunehmen.
  • Léon und Louise
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    Einzigartige Liebesgeschichte
    Rezension vom 30.06.2012
    Sehr gut! Die flüssige und schöne Sprache macht das Lesen einfach und bringt dem Leser das Schicksal der zwei liebenswerten Hauptfiguren sehr nah. Ein bemerkenswertes Buch und eine glaubhafte Liebesgeschichte vor dem Hintergrund der Ereignisse des Ersten und Zweiten Weltkrieges. Auch die französische Sichtweise auf das Weltgeschehen ist dabei interessant beschrieben, obwohl die Kriegshandlungen selbst im Buch von untergeordneter Bedeutung sind. Capus erzählt die einzigartige Liebesgeschichte sehr berührend und stilistisch meisterhaft.