Stalins geheimes Tagebuch
von
Mario Pf., am 11.03.2008
3
von 5
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Mit seinen (zeit)historischen Romanen Vaterland, Enigma, Pompeji und Imperium hat Robert Harris ein Weltpublikum begeistertet und Geschichten von der römischen Republik bis in ein alternativgeschichtliches Deutsches Reich erzählt. Dabei immer im Blickfeld, ein möglichst authentischer Geschichtsbezug, dessen ungeachtet es dem Autor immer gelingt eine interessante Geschichte zu erzählen.
Da die sowjetischen Archive nach dem Zusammenbruch der Union endlich für die Forschung geöffnet wurden, haben sich auch für den britischen Historiker "Fluke" Kelso neue Chancen aufgetan und er wurde nicht zuletzt als Stalin-Experte zu einer Historikertagung in Moskau eingeladen. Doch der unkonventionelle Brite ist nicht sehr angetan von der Gesellschaft seiner Historikerkollegen. Es scheint ein belangloser Moskau-Aufenthalt zu sein, bis Fluke jedoch von einem mysteriösen alten Gulag-Überlebenden Besuch erhält. Nach einigen Flaschen Wodka offenbart ihm dieser eine Geschichte, welche als größter Fund des Jahrhunderts in die Geschichte eingehen könnte, denn der alte Mann weiß von einem geheimen Notizbuch Stalins, dass ihm kurz nach seinem Tod gestohlen und vergraben wurde. Nach anfänglicher Skepsis stößt Fluke bei Nachforschungen jedoch tatsächlich auf Beweise für die Existenz dieses Buches und als sein Informant ermordet wird, sieht er sich umso mehr in der Ansicht bestätigt, dass das Buch existiert...
Aurora entführt den Leser also in ein Russland der 90er-Jahre in dem noch immer unklare politische Verhältnisse herrschen, auch wenn die Kommunisten bereits entmachtet sind und nur noch weniger gesellschaftliche Vorrechte genießen. Aber von der Gegenwart wird man auch in die sowjetische Vergangenheit Russlands entführt, über die man gewissermaßen einen Crash-Kurs in Sachen Geschichte erhält. Der Histo-Thriller ist gut recherchier wie man sich eingestehen muss, aber irgendwie scheint auch etwas zu fehlen und das ist Spannung.
Robert Harris ist ein exzellenter Geschichtenerzähler, daran besteht nicht der geringste Zweifel, ebenso wenig wie an seinem historischen Kenntnissen, doch eines zieht sich wie ein roter Faden durch seine Bücher, ein problematischer Umgang mit Spannung. Seine Thriller scheinen nicht von sich aus spannend zu sein, sondern das erst zu werden wenn man sich für die geschichtlich-politischen Aspekte zu interessieren beginnt, was grundsätzlich kein Nachteil ist. Sein schriftstellerisches Handwerk beherrscht Robert Harris ja sehr gut, doch gerade in Aurora schafft er eine Handlung die oft nicht weiß wo sie jetzt hin soll, es entstehen zu viele Leerläufe, in denen der Plot einfach so dahin läuft, ohne Höhen und Tiefen durchzumachen. Zu geradlinig sind dabei auch die Charaktere, welche sich zudem sehr ähnlich sind. Im Endeffekt fehlt Aura genau eines - der Kick, der sich unter anderem dadurch bemerkbar macht, dass es zwar viele Handlungswendungen gibt, für die Charaktere jedoch kaum ernstzunehmende Risiken entstehen.
Fazit:
Handwerklich durchwegs gelungen und angenehm zu lesen, doch auch sehr farblos und ohne besondere Spannungselemente.