Rezensent im Portrait

aus Wuppertal

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Meine Rezensionen

  • Südbalkon
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    Ein ganz tolles Debüt!
    Rezension vom 19.04.2013
    Südbalkon ist das beeindruckende Debüt der österreichischen Autorin Isabella Straub. Als ich das Buch aufgeschlagen habe, dachte ich: "Ok, ein Buch über eine Arbeitslose, mal sehen, wie das so wird." Gerechnet hatte ich nicht damit, dass mich das Buch so umhaut, wie es dann passiert ist. Umso erfreuter war ich natürlich, eine dichte, ganz besondere Atmosphäre und eine absolut ungewöhnliche Protagonistn vorzufinden. Die Autorin beschreibt außerdem mit wenigen, aber perfekt formulierten Sätzen Ruths Umgebung, diverse interessante Charaktere und entführt den Leser oft auch humorvoll oder ironisch in ein fiktives Wien. Ich fand es sehr spannend, wie es doch mit wenigen Worten möglich ist, eine Person so treffend zu beschreiben, dass man sie praktisch vor Augen hat. Ein Beispiel ist hier der Fleischer, dem Ruth ab und an begegnet:

    "Samson heißt eigentlich Franz Hubmann. Er sieht aus wie ein Indianer: lange dunkle Haare, gegerbte Haut. Er ist der einzige Fleischer mit langen Haaren, den ich kenne. Der Winnetou des Roastbeefs. [...] Samson trägt meist Rossschwarz. Heute hat er eine Art Knoten am Hinterkopf. Er ist Fleischer in vierter Generation [...]. Ich bin froh, dass es nichts gibt, das ich in der vierten Generation tun muss. Ich versage in der Ersten und etabliere damit ein vollkommen neues Muster innerhalb der Familie." (S. 35f.)

    In diesem fiktiven Wien streift Ruth also durch die Gegend, kauft ab und an beim Fleischer ihres Vertrauens und beobachtet penibel die Kranken der Magenbuch-Klinik. Aber nicht nur das: Sie schreibt auch peinlich genau auf, was ihr zu den Personen einfällt, die sie beobachtet. Denn sie hat ja die Zeit dafür, sich hinter einer Statue zu verstecken und das Leiden anderer Menschen zu beobachten.

    Wer jetzt glaubt, dass Ruth ein Opfer ist, weil sie arbeitslos ist und es auch privat nicht ganz rund läuft, der irrt. Ruth schleppt zwar immer wieder Probleme mit sich herum und lebt leider nicht auf einem "Südbalkon". Ihr ironischen Gedanken beweisen vor allem eines: sie ist ganz und gar nicht dumm. Ich war total überrascht, wie tiefgründig ihre Gedanken und Kommentare teilweise sind. Oftmals zieht sie sich selbst ins Lächerliche, was sie sympathisch werden lässt. Mit jeder Seite fragt man sich mehr und mehr, warum Ruth ist, wie sie ist. Und nachdem klar wurde, warum Ruth ist, wie sie nun einmal ist, empfand ich eine Menge Mitleid. Ihre Geschichte ging mir absolut ans Herz und das obwohl eigentlich kaum etwas passiert. Einen Großteil des Buches plätschert die Handlung vor sich hin, aber im Hintergrund rumort es. Vieles bleibt ungesagt und man taucht in eine ganz eigentümliche Atmosphäre ein. Das macht Südbalkon zu einem ganz besonderen Buch, das mich rundum unterhalten hat, ohne jemals langatmig zu werden.

    Bewertung
    Südbalkon ist ein ganz wundervoller Roman mit einer tiefgründigen Protagonistin, die dem Leser manches mal den Spiegel vorhält. Kaum zu glauben, dass das Buch wirklich ein Debüt ist. Ich freue mich auf viele weitere Bücher der Autorin.
  • Das Locken der Sirene
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    Etwas ganz anderes, aber gut!
    Rezension vom 28.03.2013
    Das Locken der Sirene war eine völlig neue Erfahrung für mich. Mittlerweile habe ich einige Erotik-Romane (Shades of Grey, Crossfire oder auch die Bücher von Melanie Hinz) gelesen, aber dieses Buch schlägt eine völlig andere Richtung ein, als zu erwarten war. Bei Shades of Grey habe ich die SM-Szenen eher belächelt, hier haben sie mich "umgehauen". Die Autorin kannte ich bislang noch nicht, aber ihre weiteren Bücher dieser Reihe sind nach der Lektüre auf meier Wunschliste gelandet. Ursprünglich wurde ich auf das Buch aufmerksam, weil mir das Cover sehr gut gefällt. In diesem Fall wirkt es nicht einfach plump, sondern tatsächlich sinnlich, erotisch. Ich mag die Anspielung mit den aufgeschlagenen Büchern, denn so passt das Cover perfekt zur Geschichte. Immerhin geht es ja um eine Erotikautorin, die endlich ernst genommen werden will und sich dafür einen renommierten Verlag in New York sucht.

    Besonders die Charaktere machen Das Locken der Sirene aus. Man lernt die Figuren wirklich tiefgründig kennen. Die Ängste, Geheimnisse und das Verlangen werden offen gelegt und analysiert. Die Hauptfiguren sind sehr unterschiedlich gestaltet und stellen demnach auch unterschiedliche Sichtweisen der SM-Szene dar. Nora, die mit der Szene vertraut ist, wirkt auf den ersten Blick sehr offen, direkt und gefestigt. Doch im Laufe der Geschichte zeigt sie ihre wehmütige, verletzliche Seite. Wesley (Noras Assistent/Mitbewohner) hingegen ist durch Nora ebenfalls mit der Szene vertraut, lehnt sie aber komplett ab. Und Zach, Noras Lektor kommt zum ersten Mal mit SM in Berührung und weiß gar nicht, was er davon halten soll. Jeder Charakter hat einfach seinen ganz besonderen Charme und ich bin froh, dass dieses Buch nur der erste Teil einer Reihe ist (auch wenn mir das erst gar nicht bewusst war).

    Die erotischen Szenen sind gerade zu Beginn eher spärlich gesät. Wer darauf wartet, dass die Hauptcharaktere gleich übereinander herfallen, wird enttäuscht werden. Die ersten heißen Szenen gibt es viel mehr in kursiver Schrift als Teil des Romanes, den die Protagonistin Nora Sutherlin schreibt. Ab und an verarbeitet sie auch so ihre Erinnerungen und man bekommt daher immer einen guten Einblick in ihre Gedankengänge. Ich fand diese Art mit der Erotik zu spielen, ungewöhnlich aber gut. Die Einführung in die SM-Szene wird nach und nach vorgenommen. Je mehr der Noras Lektor Zach sie kennen lernt, desto mehr erfährt der Leser über Begriffe und Konventionen der Szene. Der Spannungsaufbau ist hier gut erkennbar, denn vor allem am Ende geht es dann richtig zur Sache.

    Dennoch fand ich es nicht immer ganz einfach in der Geschichte zu bleiben. Ab und an gibt es schon kleinere Längen, die durch die heißen, interessanten Szenen zwar ausgeglichen werden, aber dennoch ein wenig Langeweile aufkommen lassen. Dies sind unter anderem Szenen, in denen viel erklärt/berichtet wird. Die Dialoge haben zwar Wortwitz und auch die inneren Gedanken einer Figur sind immer gut zu wissen, aber hier wurde es für meinen Geschmack ab und an übertrieben.
  • Rachekind
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    Packend von Anfang bis Ende
    Rezension vom 12.02.2013
    Rachekind ist der erste Thriller, den ich von Janet Clark lesen durfte, aber sicher nicht der Letzte. Ich konnte das Buch nach dem spannenden Prolog nicht mehr aus der Hand legen. Die Geschichte geht einfach unter die Haut, denn Rachekind behandelt nicht nur dem im Klappentext erwähnten Vermisstenfall, sondern führt den Leser ab und an ins Jahr 1991, wo man in den grausamen Alltag eines Kinderheims eintauchen kann. Beide Handlungsstränge sind sehr interessant und geben dem Thriller immer wieder unverhoffte Wendungen, wodurch es nie langatmig wurde.

    Die Handlung erlebt man größtenteils aus Hannas Perspektive. Hanna ist eine mutige Frau, die sich Steves Verschwinden einfach nicht erklären kann. Sie kennt Steve nur als liebevollen Ehemann und Vater und ist wie vor den Kopf geschlagen, als sich dessen ganzes Leben als Lüge erweist. Dennoch hört sie nicht auf nach ihm zu suchen, was mir nach den ganzen aufgedeckten Lügen absolut imponiert hat. Man schließt sie und ihre kleine Tochter Lilou praktisch sofort ins Herz. Ihre Sorgen und Ängste wirken sehr authentisch und ihre Handlungen und Reaktionen sind gut nachvollziehbar.

    Die weiteren Charaktere waren allesamt zwar sympathisch, aber auch schwer einzuschätzen. Im Laufe der Handlung kamen immer wieder neue Interpretationsmöglichkeiten ans Licht, so dass man bald nicht mehr wusste, wem man eigentlich trauen kann. Figuren, die man von Beginn an mochte und an denen man nie zweifelte, sind auf einmal durch eine Kleinigkeit, die aufgedeckt wird, in ein völlig neues Licht gerückt. Auch Hanna erlebt genau dieses Problem, denn bei ihrer Suche nach Steve ist sie auf Hilfe von anderen angewiesen und kann irgendwann Freund und Feind nicht mehr unterscheiden. Es ist sehr packend, weil der Thriller so immer in Bewegung bleibt und es auch in ruhigeren Momenten nie langweilig wird.

    Der Thriller hat einige Mystery-Elemente, die sich aber so gekonnt in die Handlung einfügen, dass man sie schnell als real akzeptiert und gar nicht mehr in Frage stellt. Der Schreibstil der Autorin ist klar und fesselnd. Sie verzichtet auf lange, verschachtelte Sätze und zieht den Leser mit einer direkten, ansprechenden Art in ihren Bann. Rachekind hat sich so leicht zu einem wahren Pageturner entwickelt.

    Bewertung
    Rachekind hat mich einfach umgehauen! Vom Prolog bis zur letzten Seite bleibt die Geschichte spannend und man zweifelt bald an seinem eigenen Einschätzungsvermögen, weil die Handlung so viele mögliche Deutungen ermöglicht. Janet Clark schafft es immer wieder beim Leser eine Gänsehaut zu erzeugen. Mein erstes Lese-Highlight 2013!
  • Crossfire - Versuchung. Band 1 Roman
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    Nicht nur für Shades of Grey Liebhaber
    Rezension vom 28.01.2013
    Crossfire. Versuchung ist nach Shades of Grey ein weiterer Versuch gewesen, die Geschichte einer jungen unerfahrenen Frau und eines wichtigen Geschäftsmannes zu lesen. Mittlerweile lese ich gute Erotikromane sehr gerne und die Erzählung, wie eine junge Frau einen einflussreichen Geschäftsmann kennen und lieben lernt, hat ja durchaus auch interessante Aspekte zu bieten. Der Klappentext ist dem von Shades of Grey 01. Geheimes Verlangen tatsächlich sehr ähnlich, weswegen ich natürlich von einem reinen Abklatsch ausging und keine hohen Erwartungen regte. Ich war aber sehr neugierig, wie Sylvia Day eine ähnliche Geschichte interpretiert und hatte die Hoffnung, dass es mir gefallen könnte. Tja, und was soll ich sagen: Es gibt auch für Leser wie mich - die Shades of Grey nichts abgewinnen konnten - noch gute erotische Unterhaltung.

    Die Protagonisten in Crossfire. Versuchung agieren reif und logisch, was vor allem daran liegt, dass Eva Tramell keine naive Studentin ist und Godeon Cross trotz seiner Macht immer noch menschlich wirkt. Sie hat durchaus schon Beziehungen gehabt und kennt sich in der Welt der Reichen und Schönen aus. Als sie Gideon Cross begegnet, weiß sie sich ihm entgegenzusetzen. Das hat sie mir gleich sympathisch werden lassen, denn sie ist schlagfertig und selbstbewusst.
    Auch Gideon hat es mir gleich angetan. Mit jeder Seite lernt man ihn besser kennen und möchte ihm am Ende am Liebsten einfach nur selbst begegnen. Zu Beginn wirkt er dunkel und mysteriös - ihm haftet der Geruch der Macht an - aber Eva lässt sich davon nicht abschrecken. Sie hat vielmehr überhaupt nicht den Plan, einen Mann an ihrem Arbeitsplatz kennen zu lernen, denn sie mag ihre Unabhängigkeit und ihren neuen Job. Gideon entpuppt sich nach und nach als interessanter, warmherziger Charakter, der sich wirklich Mühe zu geben scheint. Beide Charaktere sind tiefgründig angelegt. Es dauert zwar einige Zeit, bis man mehr als die Oberfläche kennen lernen darf, aber dann zeigt sich, dass Crossfire durchaus mehr als nur Sex zu bieten hat.

    Natürlich gibt es in diesem Genre erotische Handlungen. Sylvia Day nimmt hier kein Blatt vor den Mund, bleibt aber auf einem konstant guten Niveau. Die Szenen wirken auch nicht aneinander gereiht, sondern fügen sich ganz natürlich in die (größtenteils durchaus schlüssige) Handlung ein. Es geht in dem Buch wirklich heiß und intensiv her, wo auch der einzige kleine Kritikpunkt steckt: Mir ging es gerade zu Beginn der Geschichte ab und an einfach zu schnell. Wer das Buch liest oder gelesen hat wird wissen, was ich meine.

    Der wichtigste Unterschied zwischen Shades of Grey und Crossfire ist aber eindeutig die Sprache. Wo ich bei Shades of Grey vermehrt über Wortwiederholungen und ungelenken Formulierungen den Kopf geschüttelt habe, erntete Crossfire oftmals ein Nicken und ab und an sogar ein Lächeln. Die gesamte Handlung wirkt sprachlich so gewandt, dass es großen Spaß bereitet, die Geschichte zu lesen. Ich möchte unbedingt ganz schnell erfahren, wie es weiter geht und bin gerade sehr froh, dass Offenbarung, der zweite Teil der Reihe, schon im März erscheinen soll.
  • Winterkind
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    Atmosphärisch genial!
    Rezension vom 18.01.2013
    Winterkind ist der zweite Roman, den ich von der Autorin Lilach Mer lesen durfte. Mit Der siebte Schwan hat die Autorin ja schon bewiesen, dass sie Märchenelemente neu arrangieren kann. Ihr Sprachstil ist dabei unverkennbar, denn er ist lyrisch, locker und extrem fesselnd. Sie fängt eine Melancholie ein, die absolut perfekt zum Geschehen passt. In Winterkind lässt sie den Leser zusätzlich 200 Jahre in die Vergangenheit reisen und erfahren, was nach dem Märchen "Schneewittchen" geschehen sein könnte. In erster Linie ist Winterkind damit ein historischer Roman, bei dem sich alle Begebenheiten logisch erklären lassen. Mir gefiel es allerdings sehr gut, dass man alles zweifach deuten konnte: Sowohl logisch, aber genauso eben auch magisch. Dadurch entstand eine ganz besondere Atmosphäre im Roman.

    Man merkt sofort: Lilach Mer hat sich besondere Mühe mit den Charakteren gegeben und die Liebe fürs Detail, für die Gefüwhle, Wünsche und Träume der beiden Heldinnen werden sehr gut dargestellt. Die unterschiedlichen Perspektiven lassen den Roman sehr fesselnd werden, denn es entsteht bei jeden Wechsel eine immer wieder neue Grundstimmung: Während es bei Blanka immer sehr düster, verwirrend und traurig zu sein scheint, ist die Schilderung aus der Sicht von Sophie viel freundlicher. Man erfährt je nach dem Charakter, der gerade erzählt, auch immer etwas über den Stand, dem die Person angehört und wie die Konventionen damals waren. Zusätzlich gibt es am Ende eines jeden Kapitels noch einige Abschnitte in kursiver Schrift, die nach und nach viel offenbaren. Jede der Figuren hat eine eigene Einstellung und bewertet die Situationen völlig anders. Besonders gefallen hat mir auch die Darstellung der Zeit um 1800 in Norddeutschland. Von der Sprache bis hin zu den damaligen Art sich zu kleiden, von den Arbeitsverhältnissen bis hin zur Kindererziehung - Winterkind zeigt sehr aufwühlend, wie es um 1800 war.

    Bewertung
    Winterkind ist ein wundervoller historischer Roman mit einer dichten Atmosphäre und einem spannenden Setting. Die Charaktere habe ich gleich ins Herz geschlossen. Nach Der siebte Schwan ist der Autorin erneut eine märchenhafte Geschichte gelungen, die den Leser diesmal um 200 Jahre in die Vergangenheit entführt.
  • Jake Djones und die Hüter der Zeit
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    Klasse Auftakt einer Abenteuerreihe für Jugendliche und Erwachsene
    Rezension vom 10.12.2012
    Jake Djones und die Hüter der Zeit ist ein Zeitreiseroman für Jugendliche. Das Buch hat mich schon mit dem Cover begeistert, weswegen ich es unbedingt lesen wollte. Der Klappentext verspricht eine Abenteuergeschichte, die mich irgendwie direkt an Indiana Jones erinnert. Auch während des Lesens hatte ich diesen Eindruck; zwar nicht von der Handlung, aber von der Spannung und der Action her. Die Geschichte bleibt in jeder Sekunde interessant und ich war mehrfach überrascht von den Wendungen, die Damian Dibben in seinen Roman eingebaut hat. Thematisch ist die Geschichte aber nicht einfach nur ein Abenteuerroman. Es werden Themen wie das Erwachsen werden, Trauer und ein klein wenig Liebe mit eingebunden, so dass "Jake Djones" ein gelungenes Gesamtpaket ergibt.

    Mit Jake konnte ich mich trotz des Altersunterschieds gut identifizieren. Mit seinen 14 Jahren geht er genauso unwissend in die Geschichte, wie der Leser, wodurch man direkt auf seiner Seite steht. Er lebt in London und seine Eltern besitzen ein schlecht laufendes Geschäft, für das sie immer wieder auf Messen fahren müssen So auch an dem stürmischen Tag, an dem die Geschichte einsetzt. Und die Handlung startet direkt mit einem Paukenschlag: Jake wird nämlich entführt! Die Welt, in die er ab sofort eintaucht, ist sehr spannend und neu und seine anfängliche Verwirrung ist gut nachzuvollziehen. Ich mochte ihn von der ersten Seite an, weil er trotz seines Alters nicht vorwitzig ist und sich erstaunlich gut zurecht findet. Für meinen Geschmack hat er gerade zu Beginn allerdings zu wenige Fragen gestellt und vieles direkt akzeptiert, aber bei einem Jugendroman ist das zu entschuldigen. Mehr Fragen hätten wahrscheinlich die Handlung in die Länge gezogen. So blieb es jedoch spannend von der ersten bis zur letzten Seite.

    Gemeinsam mit drei weiteren Jugendlichen macht Jake sich auf die Suche nach seinen Eltern ins Venedig des 16. Jahrhunderts. Die Zeitsprünge werden toll konstruiert. Die Beschreibungen von Venedig und weiteren Handlungsorten haben mir gut gefallen. Nebenbei lernt man auch ein wenig zur Geschichte der jeweiligen Zeit, was "Jake Djones" für mich noch lesenswerter machte. Die Charaktere, auf die Jake im Laufe des Buches trifft, sind sehr unterschiedlich, aber eindeutig zuzuordnen. Wer auf den ersten Blick gut oder böse ist, der ist es dann auch (meistens). Seine drei Gefährten haben ebenfalls eindeutige Markenzeichen, die mir oft ein Lächeln auf die Lippen gezaubert haben. Mich hat es ein wenig gewundert, dass Jake mit drei weiteren Jugendlichen, aber keinem Erwachsenen seine Eltern suchen gegangen ist. Ich denke, dass es auch hier daran liegt, dass die Geschichte vordergründig für Jugendliche verfasst wurde.

    "Jake Djones" ist der Debütroman von Damian Dibben. Der Drehbuchautor hat genau die richtige Mischung zwischen Abenteuer und Fantasy gefunden, weswegen mir die Geschichte insgesamt total gut gefallen hat. Sprachlich ist es zwar einfach, aber angenehm gestaltet, wodurch man so richtig schön in die Geschehnisse eintauchen kann. Ich würde das Buch Jugendlichen wie Erwachsenen empfehlen, die Spaß an TKKG oder Indiana Jones haben.
  • Kains Erben
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    Ein Must Have unter den historischen Romanen
    Rezension vom 05.12.2012
    Kains Erben entführt den Leser auf die englische Isle of Wight, die gerade um ihre Unabhängigkeit kämpft. Man wird direkt ins Geschehen geworfen und steckt schon mitten in der Geschichte, bevor man den Prolog überhaupt beendet hat. Charlotte Lyne schreibt anschaulich, aber nicht ausschweifend, was mir sehr gut gefallt. Der Stil ist angenehm und flüssig, so dass man sich wunderbar von der Handlung fesseln lassen kann. Ich konnte mich kaum losreißen, nachdem ich das Buch begonnen hatte.

    Die Charaktere in Kains Erben sind durchweg komplex gestaltet und sehr authentisch. Jeder Charakter ist unverwechselbar und man kann alle Beweggründe der Personen völlig nachvollziehen. So ist auch niemand wirklich böse oder nur gut, was insgesamt für viel Abwechslung sorgt. Die Dialoge zwischen den Figuren sind ebenso unterschiedlich und total liebevoll herausgearbeitet. Man merkt beispielsweise immer, wenn sich zwei Figuren unterschwellig nicht mögen. Eine Liebesgeschichte fügt sich ebenfalls perfekt in die Geschichte ein und erhöht nur die Spannung. Aufgelöst wird die Handlung erst ganz am Schluss, dafür aber auch umfassend. Ich konnte nicht vorhersehen, was im Endeffekt hinter Allem steckt und war mehrfach überrascht. Ab und an kann man auch eine Träne vergießen.

    Gekonnt schreibt die Autorin auch über die damaligen Verhältnisse. Es wird nichts beschönt, sondern so dargestellt wie es damals tatsächlich wahr. Ein Beispiel, das mich persönlich sehr berührt hat, war die Geschichte von Vyves. Vyves und seine Familie sind Juden und dem englischen Gesetz völlig ausgeliefert Sie werden aus ihrem haus vertrieben, müssen mit vielen Einschränkungen leben und werden sofort für Verbrechen verantwortlich gemacht. Ich habe nicht damit gerechnet, dass Kains Erben so realistisch ist. Charlotte Lyne hat scheinbar ein Händchen für die Mischung von Fiktion und historischen Fakten, denn neben der Darstellung der Situation der Juden wurden historisch belegte Persönlichkeiten in die Handlung eingebunden, wodurch das komplette Buch noch einmal realer wirkt.

    Besonders gelungen finde ich die hübsche Illustration des Buches. Zu Beginn eines Kapitels werden jeweils kleine Bilder zu der jeweiligen Perspektive dargestellt. Jedesmal wenn beispielsweise Amicia erzählt, ziert die Zeichnung einer Amsel den Kapitelbeginn. Außerdem finden sich vorne und hinten im Buch Karten, auf denen man die Handlungsorte besser nachvollziehen kann. Auch ein Glossar fehlt nicht, auch wenn ich das nicht einmal nutzen musste, um der Handlung zu folgen. Zuletzt möchte ich das Cover noch erwähnen, das sehr klug gewählt wurde. Der Anhänger hat einen Bezug zur Geschichte und ist bei realer Betrachtung noch viel schöner, als auf dem Bild.

    Bewertung
    Charlotte Lyne habe ich vor Kains Erben noch nicht gekannt. Jetzt bleibt sie mir auf jeden Fall im Gedächtnis. Mir gefiel nicht nur der sehr harmonische, lebendige Stil, sondern vor allem auch das Setting des Buches. Es gibt immer wieder spannende Wendungen und dazu einen intensiv recherchierten Einblick in das historische England. Die Gestaltung des Buches wirkt sehr liebevoll und detailreich, wodurch das Buch einen hochwertigen Eindruck macht. Für alle Liebhaber von historischen Romanen meiner Meinung nach ein MUST HAVE.
  • Frostzauber
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    Frostige Winterliebesgeschichten
    Rezension vom 05.12.2012
    Nach Stille Nacht ist Frostzauber der zweite Band mit Magischen Liebesgeschichten, der von rororo zur Weihnachtszeit veröffentlicht wird. Die Kurzgeschichtensammlung war für mich besonders interessant, weil mir die Autorinnen bekannt waren und ich das eine oder andere Buch besagter Autorinnen auf meiner Wunschliste habe. Die Unterschiede der Schreibstile kommen in den durchschnittlich 30 Seiten langen Geschichten sehr gut zur Geltung, so dass man einen guten Vergleich hat, wer wie schreibt. Der eine Stil gefiel mir mehr, der andere weniger, was nur natürlich ist. Interessant zu lesen waren die Geschichten aber allemal.

    Die sechs Geschichten sind alle - passend zum Titel - magisch. Sei es von der Stimmung, sei es von den Charakteren oder der Handlung. Alle sind mitten aus dem Leben gegriffen und zeigen nur Ausschnitte. In allen Geschichten ist es außerdem kalt. Sie spielen im Winter, nehmen Märchenelemente auf und sorgen dafür, dass man sehr schön auf die Weihnachtszeit eingestimmt wird. Man hat den Drang sich mit einer Decke und einem Kakao hinzusetzen und Frostzauber zu lesen. Ich habe mich ganz gut unterhalten gefühlt, hätte mir ab und an aber doch ein wenig mehr Spannung gewünscht. Die Geschichten waren aber nicht langweilig, sondern interessant und gefühlvoll geschrieben. Alle sechs Autorinnen haben meiner Meinung nach eine gelungene Kurzgeschichte geschrieben, die man zwischendurch lesen kann, um einen Winterabend ausklingen zu lassen.

    Bewertung
    Frostzauber stimmt sehr schön auf die kommende Weihnachtszeit ein. Die Kurzgeschichten sind melancholisch, immer mit Magie und Fantasie und vor allem Kälte verbunden. Empfehlen kann ich besonders Die gefrorene Zeit, Preußischblau und Das Lied des Eiswolfs.
  • Die Verratenen
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    Für mich die Dystopie des Jahres 2012
    Rezension vom 03.12.2012
    Wow! Kennt ihr das, dass euch einfach die Worte fehlen, um ein absolut perfektes Buch zu beschreiben? Ich erlebe das nicht sehr oft, aber bei Die Verratenen war es wieder einmal soweit. Ich habe das Buch nämlich praktisch in einem Rutsch gelesen, weil es so fesselnd war.

    Aber ganz von vorne: Die Verratenen ist eine Dystopie, die in einem eingeschneiten Europa spielt. „Eingeschneit“ bedeutet hier übrigens schrecklich kalt mit arktischen Temperaturen. Die Beschreibungen der „fremdartigen“ Welt in der Zukunft waren bildhaft und so gut vorstellbar, dass man beim Lesen selbst den Wunsch nach Wärme verspürt. Die Autorin nutzt Elemente aus der Gegenwart, um zu verdeutlichen, wie sich unsere Welt von der in dem Buch unterscheidet. So wirkt die Geschichte um ein vielfaches realistischer. Ich konnte mir sehr gut vorstellen, dass es in 100 oder 200 Jahren tatsächlich so sein wird.

    Man wird nicht direkt mit Beschreibungen und Erklärungen auf den ersten Seiten erschlagen, sondern erfährt die Lebensumstände nach und nach. Es gibt zwei Gruppierungen, die nicht gut miteinander auskommen: Zum einen leben Menschen in Sphären, die beheizt und zivilisiert sind und dann leben Menschen außerhalb in der rauen, kalten Welt. Es ist klar, dass es da Konfliktpotential gibt. Ich war von Anfang an gebannt von dieser Idee. Sicher wird hier das Rad nicht neu erfunden, aber es wirkt alles so interessant und fesselnd, dass man nicht mit Lesen aufhören kann.

    Ria, die Protagonistin, hat das Glück in einer Sphäre aufzuwachsen und ausgebildet zu werden, in der sie nicht frieren muss. Sie zählt zu den klügsten und fähigsten Studenten in der Akademie und hat ihre Stärke vor allem darin, Menschen zu überzeugen. Die Autorin Ursula Poznanski hat mit Ria einen starken Charakter geschaffen, der mir insgesamt imponiert hat. Ihre Fähigkeit andere Menschen lesen zu können, wurde gut dargestellt und ihre Emotionen sind immer authentisch. Ria ist für mich ein sehr spannender Charakter, weil man mit ihr zusammen langsam aber sicher immer mehr Wahrheiten erkennt und bewerten kann. Ria kann nicht immer gleich verstehen, warum manches geschieht, aber sie versucht immer mit ihren gelernten Fähigkeiten, entsprechend zu handeln. Auch die anderen Charaktere, die man durch Ria kennen lernt, sind alle sehr unterschiedlich, so dass es wirklich Spaß macht, allen zu begegnen.

    Spannend bleibt es bis zum Schluss. Viele Fragen werden direkt zu Beginn des Buches gestellt und man liest fast schon verzweifelt, um eine Antwort zu bekommen. Ria ist selbst verzweifelt, weil sie nicht weiß, wem sie glauben soll. Wem kann sie vertrauen? Und wieso soll sie eine Verräterin sein? Ich bin sehr gespannt, auf Band 2, der voraussichtlich im Herbst 2013 erscheint und hoffentlich ein paar Antworte bringt. Die Verratenen ist auf jeden Fall ein mehr als gelungener Einstieg in die neue Trilogie der Autorin.

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    Mein Fazit ist diesmal kurz und knapp: Die Verratenen ist für mich die Dystopie des Jahres. Die Geschichte besticht mit interessanten Charakteren, einer düsteren Stimmung und einem beunruhigenden Setting. Außerdem ist es ein wahrer Page-Turner. Ich kann es nicht erwarten, die Fortsetzung zu lesen.
  • Vergraben
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    Anders als erwartet, aber gut!
    Rezension vom 26.11.2012
    Vergraben ist ein Buch, auf das ich zum einen wegen dem Cover aufmerksam wurde. Ich finde, das Cover sehr eindringlich und mir war sofort klar, dass ich dieses Buch einfach lesen möchte. Zum anderen wurde der Thriller von Neil Cross geschrieben, der ebenfalls der Verfasser von Luther. Die Drohung ist. Das Buch habe ich zwar noch nicht gelesen, es wurde mir aber schon empfohlen, so dass ich auch neugierig auf den Autor war. Gleich vorne weg möchte ich sagen, dass ich nach der Lektüre beschlossen habe, weitere Bücher von Neil Cross zu lesen. Ich bin sehr gespannt, ob er seinen Stil auch im oben genannten und dem kommenden Buch (Gefangen) beibehält.

    Anhand des Klappentextes hatte ich erwartet, dass die Geschichte an der Stelle einsetzt, an der Bob wieder vor Nathans Tür steht (siehe Klappentext) und hier eine spannende Situation entsteht. Insgesamt war das durchaus der Fall, aber knapp 2/3 des Buches handelten von Nathans Lebensweg, der zu dieser Situation führt. Man begleitet Nathan in einer langen Rückblende, in der berichtet wird, wie er Bob kennen lernte, was auf der Party geschehen und wie es Nathan danach ergangen ist. Das Buch war also völlig anders als erwartet, aber dennoch wirklich gut. Es war schnell klar, dass ich keine rasante Handlung erwarten durfte, aber Spannung kam meiner Meinung nach dennoch auf. Gefesselt war ich dann vor allem wegen den interessanten Charakteren und wie sie mit ihrer Schuld oder der Ungewissheit leben konnten.

    Besonders gelungen finde ich die Auswirkung des Todes der jungen Frau auf den Protagonisten. Man kann sehr gut verfolgen, wie Nathan (nicht) mit der Situation zurecht kommt. Es gibt viele Einblicke in sein Seelenleben und mir kam mehr als einmal der Gedanke, ob er sich selbst bestrafen möchte. Ab und an stellte ich mir auch die Frage, wie ich in seiner Situation reagieren würde. Vergraben wird aus Nathans Sicht geschildert und ist daher natürlich von seinem Schuldgefühl eingefärbt. Das macht die Lektüre zu einer interessanten Einsicht in menschliche Abgründe, die ich bei dem Buch gar nicht erwartet hätte. Nathan ist auch nicht der typische Held, den man so häufig in Thrillern findet. Er hat Ecken und Kanten, was ihn mir deutlich näher brachte, da er einfach greifbarer war.
    Auch die anderen Charaktere - Bob, Elise, Holly - waren interessant gestaltet. Man muss sich bei dem Buch darauf einlassen, dass der Fokus nicht auf rasante Handlungen ausgelegt ist, sondern eben "echte" Charaktere gezeigt werden, die mit dem plötzlichen Verlust zurecht kommen müssen. Das gestaltet sich oftmals schwierig und wurde wirklich gut vom Autor aufgezeigt.

    Bewertung
    Vergraben ist ein außergewöhnlicher Thriller, der von seinen Dialogen und dem Blick in die menschlichen Abgründe lebt. Der Fokus liegt klar auf den ausgereiften Charakteren und ihrem Leben nach dem Tod der jungen Frau. Rasante Action sollte man also nicht erwarten. Vergraben war daher ganz anders, als ich es erwartet hätte und konnte mich dennoch überzeugen.