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aus Korschenbroich

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Meine Rezensionen

  • Ohne Netz
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    Die digitale Fastenkur von Alex Rühle
    Rezension vom 27.10.2010
    Smartphone, BlackBerry, Google, Twitter, Facebook und Weblog bestimmen meinen Arbeitsalltag und mein Privatleben. Von einer temporären Abstinenz der digitalen Medien habe ich in diesem Sommer in meinem Weblog unter ostwestf4le.de berichtet. Damals hat es sich allerdings nur um eine sehr überschaubare temporäre Abstinenz gehandelt.

    Der Autor Alex Rühle ist diesbezüglich radikaler. Sechs Monate, also mehr als 24 Wochen oder mehr als 180 Tage, entsagt er dem kompletten digitalen Leben. Sowohl der BlackBerry wird ein halbes Jahr lang unter Verschluss gehalten als auch der Zugriff auf das Internt wird gekappt. Und zu allem Überfluss nicht nur beruflich, sondern auch privat. Von den Erfahrungen, Gefühlen und Erlebnissen in dieser Zeit berichtet Rühle in dem Buch "Ohne Netz. Mein halbes Jahr offline"

    Schon in den ersten Tagen der Netzabstinenz wird deutlich, wie sehr das Internet unser analoges Leben bestimmt. Das Ermitteln der Adresse seines Verlage Klett-Cotta stellt Alex Rühle vor unerwartete Hürden. Eine Recherche wäre binnen zehn Sekunden von Erfolg gekrönt gewesen. Mit drei Anrufen bei der Auskunft dauerte es mehr als 70 Mal so lang, bis das gewünschte Ergebnis erreicht ist.

    Das analoge Leben hält nach 15 Tagen den ersten Höhepunkt für den Autor bereit: ein handgeschriebener Brief findet sich in seinem Briefkasten. Das Schriftstück eines Gefängnisinsassen soll sich in der Folgezeit als der Beginn einer intensiven Korrespondenz herausstellen.

    Es sind die kleinen, feinen Geschichten und Anekdoten, die das Buch aufpeppen. Berichte vom Pflanzen eines Haselnussbaumes, den ersten kalten Entzug während eines Mittelmeerurlaubs und weitere Suchterlebnisse, die mich im ersten Augenblick schmunzeln lassen, mich im zweiten Augenblick aber nachdenklich machen: bin ich etwa auch so? Denn ich habe mich in so vielen Beschreibungen des Autors wiedergefunden.

    Sei es, wenn er gesteht, "ich hab den Blackberry meist in meiner Hemdtasche getragen, das heißt, der Vibrationsalarm ging mir direkt ins Herz." Und: "Diese immergleiche Wichtigkeitsperformance aus Gerätzücken, Augen verdrehen ... und lostippen", die Rühle beschreibt, kommt mir nur zu bekannt vor. Es ist wie ein imaginärer Spiegel, der mir beim Lesen vorgehalten wird. Und der mich erschreckt. Denn auch ich bin süchtig nach meinem Crackberry und meinem Motorola Milestone.

    Was mir gut gefallen hat an dem Buch: es ist kurzweilig zu lesen, sprachlich überdurchschnittlich verfasst und lehrreich auch über die Online- und Offline-Pfade hinaus.

    Was mir gefehlt hat an dem Buch: der Fokus des analogen Offliners liegen überwiegend auf den beruflichen Folgen, weniger auf dem Privatem. Das ist schade, hätte dieser Aspekt den Horizont der Leserschaft noch merklich erweitert.
  • Dixit. Spiel des Jahres 2010
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    Dixit ist ein ganz anderes Spiel des Jahres 2010
    Rezension vom 08.10.2010
    Ich mag Gesellschaftsspiele. Und ich bin froh, dass meine beiden Söhne jetzt auch langsam in das Alter kommen, in dem wir gemeinsam zu viert Spiele spielen können. Für die Kids sind derzeit die Lego Spiele Trumpf. Am liebsten wird derzeit "Minotaurus" gespielt.

    Als Erwachsener mag ich am liebsten Spiele wie "Die Siedler von Catan" und ähnliche Strategiespiele. Zudem sammele ich alle "Spiel des Jahres"-Spiele und kann es kaum erwarten, dass jeweils im Sommer der neue Titelkandidat gekürt wird. Das diesjährige "Spiel des Jahres" heißt "Dixit" und ist etwas komplett anderes im Vergleich zu den bisherigen Gewinnern.

    Worum geht es bei Dixit? Dixit ist bekanntlich lateinisch und bedeutet "er/sie/es sagte" und gibt damit bereits einen ersten Hinweis auf den Spielinhalt: die Kommunikation. Das Spiel eignet sich am besten für eine Runde von vier bis maximal sechs Spielerinnen und Spieler im Alter ab acht Jahren; eine Spielrunde dauert eine gute halbe Stunde. "Dixit" besteht aus 84 bunt illustrierten Karten. Auch der Spielablauf ist leicht erklärt: der erste Mitspieler legt eine Karte verdeckt auf den Tisch und nennt dazu ein Stichwort. Die Mitspieler müssen anschließend aus ihren Karten ein weiteres Kärtchen heraussuchen, die zu diesem Stichwort passen. Anschließend wird gemeinsam getippt, welche Karte der Spielführer gemeint haben könnte.

    Mein Fazit: mit Dixit hat ein Außenseiter den Titel des "Spiel des Jahres" gewonnen, den niemand auf der Rechnung hatte. Die wenig komplizierten Regeln sind rasch gelernt und umgesetzt, doch die Langzeitmotiviation und der Spaß hängt von der Spielrunde ab. Wenig kommunikationsfreudige Akteure verlieren schnell die List am Spiel, während fantasievolle und kreative Spieler lange Freude an dem Spiel haben werden. Wer allerdings am liebsten Tüfteleien und Strategiespiele mag, wird womöglich von Dixit enttäuscht sein. Alle anderen Spielernaturen sollten Dixit eine Chance geben.