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  • Tango fatal
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    Kurzgeschichten um die Seele des Tango
    Rezension vom 16.05.2013
    Sechzehn Kurzgeschichten sind es, welche die Herausgeberin von verschiedenen Autoren in diesem keinen Band versammelt.

    Vorweg gesagt, Kurzgeschichten von unterschiedlicher Güte was das Ziel des „Geschichtenkreisens“ angeht, den inneren Aspekt, die „Seele“ des Tangos vielleicht zu erfassen. Während der Auftakt ein wenig uninspiriert daher kommt und sich die Frage stellt, warum gerade der finnische „Marschableger“ des Tango den Auftakt zu diesem Band bildet samt einem Mann von Mitte dreißig, der seine Erektionen nicht wirklich im Griff hat.

    Oder dass die frustrierende Tanzpartnersuche einer Berlinerin samt Kleinanzeige mit falschen Angaben den Leser nichtunbedingt innerlich berührt (außer vielleicht Leserinnen, die bereits leidvolle Erfahrungen mit, sich als „Goucho“ gerierenden, mitteleuropäischen Anfängern hinter sich gebracht haben und die ständigen Korrekturen eines arhythmischen Pseudo-Tänzers kaum mehr ertragen möchten).

    „„Du musst Dich aber auch führen lassen“, herrschte er mich an.“
    „“Das wird sie immer wieder machen, wenn du sie nicht richtig nimmst. Sie kann nicht anders.“, unterrichtete ihn der Tanzlehrer.

    Aber dennoch, das sich das Weiterlesen lohnt dann aber durchaus. Nicht nur wegen des Auszuges aus dem hervorragenden „Tod des Tanzlehrers“ von Mankell. Es sind eher die kleinen, düsteren Geschichten um Musik und Tanz, die tatsächlich berühren, in denen die Melancholie, das Hoch- und Tief des Tanzes emotional zum Ausdruck kommen.

    Wie jene, in der Ernesto trotz körperlicher „Mängel“ seine Stimme erhebt und mit Leidenschaft, Seele und Herz ein Lied von Gardel auf einem Wettbewerb singt. Ständig Ovationen, das ja, dieser eine Moment, doch schon Minuten später rollt die nächste Woge und vergessen ist fast der kleine Auftritt. Mut, Kampf, Gelingen, Verlust und Trauer schwingen mit, wie im Schritt für Schritt Tanz des Tango.

    Ebenso die Erinnerungen ganz zum Schluss, in der die Erzählerin sich an ihre Kindheit erinnert, auf den abgewetzten Tanzschuhen des Vaters stehend und mit diesem Schritt für Schritt die Hingabe spüren. Denn, „Tango tanzt man blind“.

    Eine Ahnung von dem, was der Tango ist, was er im besten Falle „anrichten“ kann und wie er ins Leben tritt findet sich ebenfalls im Buch. Wo ein „leichtes Mädchen“ von einem Tanguero nach den ersten Schritten, die sie gestalten will, zu hören bekommt: „Lass das. Ich alleine reite Dich“.

    Überwiegend, trotz der ein oder anderen schwächeren Geschichte, bietet der kleine Band Emotionen, Tiefe und einen beeindruckenden „Innenblick“ auf „den traurigen Gedanken, den man tanzen kann“. Mitsamt einem „Brevier“ für Neulinge, sich die wichtigsten Tange Begriffe aneignen zu können.
  • Home Run
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    Entwicklungsgeschichte und Baseball
    Rezension vom 14.05.2013
    Das John Grisham ein wunderbarer Erzähler ist mit einem sehr guten Gespür für Timing, die Gestaltung von Protagonisten und die Zusammenführung von Beziehungen untereinander und einzelnen Erzählfäden, ist breit bekannt.

    Eigenschaften, die durchaus auch in diesem Roman zum Tragen kommen und dennoch, dieses Mal, trotz der klaren Erzähllinie, den Leser nicht so zu fesseln vermögen, wie gewohnt.

    Dies ist sicherlich dem „ur-amerikanischen“ Thema des Baseball geschuldet, bei dem Grisham sich in Teilen des Buches im Detail des Inneren des Spieles stark befindet, mitsamt der, erst einmal nur dem Kenner, vertrauten Codes, Strategien und Abläufe.

    Ein Spiel, das Grisham anhand der Geschichte dreier Personen in den Raum stellt. Paul Tracey war 1973 14 Jahre alt und Sohn eines, wenn auch nicht ganz berühmten oder auch nur sehr, sehr guten Baseballspielers der New York Mets. Warren Tracey. Ein harter Mann, mit seinem Leben unzufrieden, dem Alkohol und den Frauen zugeneigt und „immer waren die anderen Schuld“. Einer, der meint, er wäre noch „von der alten Schule des Baseball“, damit aber nur von den eigenen Unzulänglichkeiten ablenkt. Einer, der den Triumph anderer nicht erträgt, einer, der seinen Sohn mit harter Hand zu formen gedenkt, seine Frau beständig hintergeht und keiner ist, mit dem man auf Dauer in Verbindung sein möchte.

    Ebenfalls 1973 geht ein neuer Stern am Himmel des Baseball auf. Joe Castle knackt einen Rookie-Rekord nach dem anderen und reißt sein ganzes Team mit. Und blad wird es geschehen, dass sich der Pitcher (Werfer) Warren Tracey mit dem „Batter“ (Schläger) Castle duellieren wird. Auf dem Feld. Mit ungeahnten Folgen.

    Folgen, unter denen Paul Tracey sein Leben lang leidet, Folgen, in deren Verlauf seine Eltern sich trennen und er selbst Jahrzehnte lang keinen Bedarf auf Kontakt mit seinem Vater hat. Bis auch bei diesem sich etwas, zunächst rein körperliches, ändern wird.

    Gerade und schnörkellos erzählt, zwischen den Zeiten der Gegenwart und 1973 hin- und her gleitend, mit klar strukturierten Personen, mit einem durchaus vorauszuahnenden (amerikanischem) Ende und einer intensiven Beschreibung „des Spiels“, so legt Grisham „Homerun“ vor. Unterhaltsam, flüssig erzählt, durchaus gut zu lesen, aber nicht wirklich packend. Zumindest nicht für Leser, denen Baseball kaum etwas bedeutet. Denn auch der zwischenmenschliche Konflikt gibt nicht genügend an Spannungskurve her, um emotional vollends beteiligt der Geschichte zu folgen.

    So verbleibt eine solide Unterhaltung und ein informatives Buch über die Abläufe, Ziele und Strategien des Baseball. Ein Buch, das bei vielen europäischen Lesern sicherlich nur mäßiges Interesse hervorrufen wird.
  • Das Lügenlied vom Glück
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    Sich nicht verbiegen lassen
    Rezension vom 14.05.2013
    Schon der Titel trägt in sich ja bereits hintergründig provozierende Botschaften. In einem Beruf, zu dem auch Schlager gehören (auch wenn Veronika Fischer nie einem einzigen Genre ganz zuzuordnen war und durchaus Vielfalt in ihrem Stil entwickelt hat), die Lieder von Liebe, Romantik und Glück mit der Überschrift eines „Lügendliedes“ zu kokettieren macht neugierig auf mehr.

    Wenn zudem bei der Lektüre deutlich wird, dass Veronika Fischer nicht nur einzelne „schmachtvolle“ Texte, sondern eine ganze Schlagermusikindustrie samt ihrer unverhohlenen Neigung, „Images“ zu erschaffen mit in den Blick nimmt und „von innen“ her beleuchtet (nicht immer zum Besten der „Macher“ dieses Kulturfeldes), darf der Leser getrost mehr erwarten als eine Lobhudelei mit andächtigen Tränen über die eigene Karriere und „wie viel Glück und Dankbarkeit“ man doch ins ich trägt. Samt Lobesreden auf Manger und andere Mitstreiter.

    Der Lebensweg Fischers spricht ja von außen betrachtet schon eine andere Sprache. Nicht viele, die so erfolgreich zum „Kultur Establishment“ eines Landes gehören, gehen freiwillig und treten schon zuvor in manche Konfrontation. Und „ganz oben“ war Veronika Fischer in der ehemaligen DDR ja durchaus, vergleichbar vielleicht noch mit einem Frank Schoebel, Manfred Krug oder Armin Müller-Stahl. Auch ein deutsches Schicksal ist es, das Veronika Fischer noch einmal vor Augen führt.

    Das Leben in der DDR, auch als erfolgreiche Künstlerin nicht einfach, ein Neuanfang im Westen Deutschlands (Ende der 70er Jahre), in dem sie als Künstlerin noch lange nicht so bekannt war, wie in der alten Heimat. Und nicht nur ein Neustart, ein „sich durchbeißen“ steht im Raum, auch der Wert, den Fischer auf ihren Stil, auf ihre musikalische Überzeugung legte und mit dem sie durchaus auch im „freien Westen“ Reibung erzeugte.

    Ereignisse, von denen Fischer im Buch chronologisch berichtet, ihren Werdegang mit frühen Erfolgen, Höhen und Tiefen, eigenem Stil und eigenem Kopf vor Augen führt. Allein schon, wie sie sich überhaupt eine „eigene Zeit“ solo auf der Bühne erstritt im Rahmen der damaligen Band zeigt auf, das Veronika Fischer früh ihren Weg gehen wollte und sich auch von „spöttischer Ablehnung“ weder entmutigen noch unterbekommen ließ. Ein Weg übrigens, der zumindest mit vielen der damaligen Kollegen (von denen einige bis heute mit gewissem Bekanntheitsgrad noch aktiv sind) in enge Verbindung trat und bleibende Beziehungen entstehen ließ.

    Auch dies ist ein interessanter Aspekt des Buches, der Einblick in die ostdeutsche, beginnende Rock- und Popszene und die Gratwanderung zwischen Aussagewilligkeit und Zensur, zwischen musikalischer Begeisterung und Einpassung ins damalige System. Einer musikalischen Aufbruchstimmung, in der am Staat nicht vorbeizukommen war (anders als in der Entwicklung Rock- und Popmusik der westlichen Länder). Das aber schon bald darauf im Westen ohne wirtschaftliche Interessen in der Musikindustrie nichts mehr ging und wider klare Vorgaben im Raum standen, auch das erzählt Fischer offen und prägnant im Buch.

    Alles in allem eine interessante Biographie über eine „deutsche Karriere“ in beiden ehemaligen Staaten und ein durchaus kritischer Einblick in die kommerzielle Musikindustrie.
  • Das peinlichste Jahr meines Lebens
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    Wenn alles daneben geht
    Rezension vom 12.05.2013
    Ein Jugendbuch ist es, das Mark Lowery vorlegt. Mit besonderen Erlebnissen, die vor allem um das Eine kreisen, was pubertierende Jugendliche zutiefst fürchten: Ein ständiger Rutsch hinein in Fettnäpfchen und Peinlichkeiten. Entblößend, das vor allem, und zudem hoch ungerecht, denn eigentlich kann Mark Swarbrick gar nichts dafür.

    Was kann er dafür, dass seine Eltern sich als „Nudisten“ outen und seine Mutter sich endlich frei fühlt. So frei, dass sie gerne auch nackt im Supermarkt einkaufen würde (wobei Michaels Vater wohl eher aus ehelicher Pflicht mit hinein gezwungen wird). Wie schrecklich für Michael, selber „all das „hautnah sehen zu müssen“ und zu erleben, dass selbst seine morgendliche Schüssel Frühstück nicht vom Busen der Mutter verschont wird. Wer will seine Eltern schon so erleben? Kein Wunder, dass Michael darüber nicht spricht und alles dafür tut, Fremde nicht mehr ins Haus zu lassen.

    Was kann er dafür, das sein engster Freund Paul Beary sich beim Schwimmunterricht auf den Boden des Beckens legt, um Mädchen zu betrachten und Michael direkt mit unter Verdacht gerät? Auch die Sache bei der Mädchenumkleide, da wollte er nur aus Loyalität helfen!

    Was kann er dafür, dass sein Bruder mit dem Mädchen verbändelt ist, für dass er selber heimlich schwärmt, er sogar Wache steht, als der Bruder „Fensterlt“, natürlich erwischt wird und vom eigenen Bruder noch angeschwärzt wird. Als Spanner eben.

    Da ist sein Ruf, sein ganzes Leben mittlerweile fast ruiniert und dann wird er auch noch zu Gesprächen mit einem sehr flotten, berufsjugendlichen Therapeuten (knapp 50, wie ein Surfer gekleidet und mit einem „Yo Mann, was läuft?“ die Sitzungen beginnend) genötigt.

    Und doch atmet Michael ganz ruhig durch, badet die Peinlichkeiten aus und lässt sein Ziel, Lucy King endlich näher zu kommen (auf un-peinliche Art natürlich) nicht aus den Augen.

    Durchaus mit Ironie und voller Humor führt Mark Lowery den jugendlichen Leser mitten hinein in die peinlichen Gefühle, die dieses Alter mit sich bringt und stellt das Lachen in den Vordergrund, obwohl er nicht versäumt, die Emotionen eines „im Boden versinken wollen“ wach zu rufen. Und führt den erwachsenen Leser zurück in diese Zeit des eigenen Lebens, um aber auch den erwachsenen Blick der schnellen Urteile ein stückweit zu relativieren.

    Manchmal schießt er dabei allerdings über das Ziel hinaus. Die Figur des Therapeuten, im Buch ein Symbol des „Erwachsenwerdens Erwachsener“, ist in solcher Art überzogen im zur Schau gestellten Jugendwahn, dass diese Person einfach nur lächerlich wirkt und die „Verwandlung“ kaum ernsthaft wahrgenommen wird.
    Dies ist allerdings der einzig schwächere Punkt dieser ansonsten treffenden und humorvoll erzählten Geschichte.

    Alles in allem eine anregende, witzige und, was Peinlichkeiten angeht, auch erleichternde Lektüre, die locker vor sich hin fließt.
  • Wer vor dem Schmerz flieht, wird von ihm eingeholt
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    ACT in der Praxis „schwieriger Zeiten“
    Rezension vom 12.05.2013
    „Es kommt doch (oft) anders, als man denkt“.

    Diese alte Sentenz und Lebenserfahrung birgt auch Schmerzhaftes. Keine noch so gute Versicherung, keine noch so gründliche Vorplanung führt zu einer wirklichen Kontrolle.

    Unfälle, Krankheiten, Tod, Verlust des Arbeitsplatzes, „Schicksalsschläge“, schweben beständig wie ein „mögliches Damoklesschwert“ über jedem individuellen Leben. Entfliehen kann man dem Risiko des Lebens schlechthin nicht, bei aller Vorsicht und allen, vielleicht auch gelingenden Versuchen der „Risikominimierung“.

    Wenn man also nicht „wegkommt“ und wenn der Versuch, sich den Risiken zu entziehen oder einem geschehen Schmerz einfach durch Ignoranz und Verdrängung beizukommen die Angst vergrößern und den Schmerz dauerhaft zementieren können, ist es eine gute Idee, die eigenen Kräfte zu stärken, um den Herausforderungen des Lebens gegenüber „gewappnet“ zu sein.

    Im Rahmen der „Akzeptanz und Comitment Therapie“ (ACT) bietet Russ Harris in diesem Buch einen Einblick in eine „Strategie der vier Schritte“ einer solchen „Wappnung“.

    Mit sich selbst freundlich sein.
    „Einen Anker“ werfen.
    Eine klare Haltung finden und einnehmen.
    Das Positive des Lebens nie aus den Augen verlieren (auch wenn die Umstände aktuell dunkel sein mögen).

    Natürlich gilt, dass dies alles, wie immer, einfacher gesagt als getan ist. Ein „Präsent sein für etwas Vergnügliches“, wie es Harris unter anderem vorschlägt, erinnert doch ein wenig zu sehr an Übungen einer leicht falsch zu verstehenden „positiven Psychologie“, die mehr an Problemen auf Dauer aufwirft als das sie löst.

    Trotz aller Vorsicht aber solchen eher einfachen Ratschlägen gegenüber, im Gesamten bietet Harris durchaus eine sensible, einfache und verständliche Darstellung zumindest von „inneren Zielen“, die sicherlich dazu verhelfen können, mit den negativen Seiten des Lebens einen konstruktiveren Umgang zu finden. Von leichten Enttäuschungen, von wichtigen Lebenszielen, die nicht erreicht werden bis hin zu harten Schlägen, die das Leben austeilt verhilft das Buch im Gesamten vor allem zu einer Anregung für einen „Perspektivwechsel“.

    Statt zu klagen erst einmal tief zu atmen, in sich selbst einen Anker setzten zu können („Präsent“ zu werden). Geduld zu finden, vor allem mit sich, nicht alles gegen sich zu wenden, das sind wichtige Momente, den Kopf etwas freier zu bekommen und das Geschehen objektiver ein stück weit betrachten zu lernen. Mithin, sich mehr und mehr auf die jeweiligen Chancen des Momentes konzentrieren zu können, als in der Verzweiflung zu versinken.

    Harris führt im Buch vor, mit welchen Übungen und Haltungen dies auf den Weg gebracht werden könnte, wenn der Weg auch weiter und schwieriger in der Regel sein wird, als es sich aus der klar und einfach dargestellten Weise im Buch her darstellt.
  • Pirouetten des Lebens
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    Lebenserinnerungen an eine ganze „Wirtschaftswunderzeit“
    Rezension vom 12.05.2013
    Allein schon der kleine, aber feine Bildtteil in der Mitte des Buches, der auch an Franz Ningel, den ersten ernstzunehmenden Eispartner von Marika Kilius, erinnert führt, sicherlich vor allem Leser der älteren Generation, wieder zurück und mitten hinein in die 50er und beginnenden 60er Jahre des letzten Jahrhunderts.

    Wirtschaftswunder, brummende Erfolge und dazu jene Figuren, die das neue Selbstbewusstsein und die moderne, erfolgreiche Entwicklung der damaligen Bundesrepublik als corporate identity in sich trugen. Die Fußballer von 1954 ebenso, wie die „Eisprinzessin“ Marika Kilius mit ihrem kongenialen Partner Hans Jürgen Bäumler. Attraktiv, sportlich harmonierend, Träume verkörpernd, zentrale Objekte des medialen Interesses der damaligen Zeit. Ein „Ruhm“, der über Jahrzehnte, eigentlich bis in die Gegenwart hinein andauert.

    Als mehrfache Europameisterin, Weltmeisterin, Olympiazweite, von den ganzen nationalen Titeln gar nicht erst zu reden.

    Selbst die von beiden im „gereifteren“ Alter stetig mit „Nein“ beantwortete Frage, ob nicht doch über die sportliche Verbindung hinaus die Romantik knisterte, ist über Jahrzehnte hinweg noch aktuell geblieben. Ein Zeichen dafür, wie groß der Wunsch und die Sehnsucht der Öffentlichkeit nach „Traumpaaren“, „Heiler Welt“ und „verliebten Stars“ gerade damals im Raum standen.

    Zum 70. Geburtstag legt Marika Kilius nun ihre, durchaus anregend zu lesende und nicht oberflächliche, Biographie vor. Über Höhen und Tiefen der Karriere, Rückschläge und Siege, über ein „schillerndes Leben“ in „schillernder Zeit“, über Training und Kindheit, sich durchbeißen und die „Ernte einfahren“, über die Liebe und das Leben.

    Ein Rückblick, der erkennbar zeigt, das Marika Kilius mit sich im Reinen ist, private und sportliche Erfolge und Misserfolge anzunehmen verstanden hat und eine klare Zufriedenheit ausstrahlt. Wobei in Duktus und Tonfall kein „abgehobener“ Star hier schreibt und keine Arroganzen das flüssige Leserlebnis vordergründig trüben.

    Ein Leben durchaus mit Brüchen im Übrigen, die Kilius nicht glättet oder höflich übergeht, aber auch nicht sensationsheischend ausschlachtet. Weder ihr (durchaus vorhandenes) privates Scheitern noch die ein oder andere „in den Sand gesetzte“ geschäftlich Tätigkeit sind für Kilius ein Grund, sich „drum herum zu winden“. Klar und deutlich benennt sie die wesentlichen Stationen ihres Lebens, die sie zu der Person gemacht haben, die sie nun mit siebzig Jahren ist (da ist ein Foto, das durchaus diskret „werbenden Charakter“ für ihre aktuelle geschäftliche Tätigkeit hat, zu verschmerzen).

    Auch sprachlich liest sich das Buch gut und flüssig und vermag auch dem Leser, der diese damaligen Zeit nicht aus eigener Erfahrung kennt, ein lebhaftes Bild der Ereignisse und der Atmosphäre zu vermitteln.

    Sich nicht unbedingt ein Buch, dass die Welt braucht, aber eine schöne Gelegenheit, sich zu erinnern und eine ganz besondere sportliche Karriere und ein tatsächlich gelebtes Leben vor den inneren Augen vorbeiziehen zu lassen.
  • Schwarzer Schmetterling
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    Düstere Ereignisse
    Rezension vom 08.05.2013
    Wie kann es sein, dass der geköpfte Torso eines Rassepferdes mit einer Seilbahn hoch zu einem alten Eingang eines Wasserkraftwerkes gebracht wird, dort gehäutet und kunstvoll in Schmetterlingsform drapiert an die Seile der Seilbahn gehängt wird und die beiden Wachleute unten an der Talstation haben nichts gehört oder gesehen?

    Wie kann es sein, dass ein isolierter Gewaltverbrecher (ehemals Staatsanwalt), der in der tiefsten Einöde Frankreichs in einem ebenso isolierten Gelände für hoch gefährliche Psychopathen einsitzt, dennoch seine DNA an der Seilbahn gefunden wird und er selbst sich ziemlich gut informiert über die Vorgänge zeigt?

    Was hat diese alte „Jugendgang“ mit all dem zu tun, deren Mitglieder in großer Gefahr für ihr Leben schweben? Und was hat es mit diesem alten, verlassenen, zerfallendem Ferienlager auf sich, das ebenfalls in der unmittelbaren Umgebung der Klinik und des Dorfes sich befindet ?

    Fragen, denen sich Kommissar Martin Servaz zu stellen hat. Und in deren Verlauf er stark darauf achten werden muss, sich seiner Kollegin Ziegler nicht zu romantisch zu nähern. Das wäre gleich aus mehreren Gründen mit schwierigen Folgen verbunden. Wobei die Sorge um die eigene Tochter ihn an sich bereits genügend beschäftigt. Mitsamt einer Verliebtheit in die hochschwangere Ehefrau seines liebsten Kollegen. Gefühle, die scheinbar sogar erwidert werden. Servaz ist somit innerlich ziemlich ausgebucht, als er sich an die Ermittlungsarbeiten des „Pferdemordes“ macht.

    Zeitgleich tritt die Psychologin Diane Berg ihre Arbeit in der gesicherten Anstalt an und stellt von der ersten Sekunde an fest, dass sie nicht sonderlich willkommen bei den Verantwortlichen ist. Und das jemand nachts durch die Gegend schleicht. Was eigentlich unmöglich ist.

    Es dauert eine Weile, bis Servaz auf seiner Seite und Diane Berg auf ihrer Seite feststellen, dass sie tief in der Vergangenheit suchen werden müssen, um Licht in die Ereignisse zu bekommen.

    Breit angelegt hat Minier seinen Thriller, der in den Strukturen des Falles an sich spannend in sich geschlossen angelegt ist und so manche überraschende Wendungen bereit hält.

    Die mögliche „düstere Seite“ des Thrillers, die Ereignisse um gefährliche Psychopathen mit dem grausamen und hoch intellektuellen Hirtmann an der Spitze (eine Art Hannibal Lecter ohne Kannibalismus) allerdings ergänzt den Thriller nicht in bester Weise, sondern wirkt über lange Strecken eher wie ein Fremdkörper in den Ermittlungen des Kommissars. Mit wenig konkreten Schilderungen im Übrigen. Und als Verbindungen offenkundig werden, wirken diese nicht sonderlich nötig oder passend eingebaut. Das mögliche Bedrohungspotential um die junge Diane Berg herum lässt der Thriller bei aller Bemühung doch deutlich vermissen.

    So verbleibt gut konstruierter Fall mit spannender Abfolge und überraschenden Wendungen um einen überzeugend und realistisch konzipierten Kommissar mit einer nicht weiter wichtigen und ebenso nicht unbedingt Schaudern erzeugenden „Nebenhandlung“ nur für das Buch wichtig scheinender „Psychopathen“.
  • Ich bin Henker
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    Liebe anderer Art
    Rezension vom 03.05.2013
    Es sind durchaus Liebesgeschichten, die Parameswaran in den neun Erzählungen seines Buches vor Augen führt. Aber sein Thema ist eine Liebe der anderen Art. Weder Happy End noch offenkundige Romantik (wobei ein gemeinsamer, ganz anders gearteter „Abschied aus dem Leben“ hintergründig vielleicht doch eine Art Romantik noch in sich trägt, weder „schmachtende Lippen“ noch „zartes Begehren“ finden sich in den, sehr unterschiedlich gehaltenen, Erzählungen.

    Eher eine „dunkle Seite“ der Liebe, die Wellenbewegung der Gefühle, die je anders ausgerichteten Bedürfnisse der beteiligten Personen (und deren inneres Erleben) sind es, die Parameswaran in sehr bildkräftiger, immer intensiver Sprache vor Augen führt.

    Der amerikanische Schriftsteller mit indischen Wurzeln greift dabei gerne auf Persönlichkeitsmuster und Traditionen des indischen Kulturkreises zurück, auf die festen Regeln, die eigentlich gelten und doch durchbrochen werden. Auf die Tiefen des Lebens, durchaus auch.

    Wie bei Copi, unsteter Mann, Ehemann von Manju. Einer, der seiner Frau ein wunderbares Leben in Amerika versprochen hat. Im Reden, Versprechen und das Ganze selbst glauben ist er einfache in Meister. Bis dahin, dass seine Frau fast bereit ist, sich den unsteten Fantasiegeschichten ihres Mannes innerlich zu ergeben. Eine, die ihr leeres Gefühlsreservoir nur noch müde betrachtet. Bis sich schockierend etwas in ihrem Leben ändern wird. Während Copi längst und heimlich einen ganz eigenen Weg gegangen ist. Einer, der gerne seine Fantasien Wirklichkeit werden lässt und meint, das ginge so einfach. Er eröffnet eine Arztpraxis. Einfach so. Mit gravierenden Folgen für manch andere und doch einem Ende, dass die Eheleute ganz nah , „haut- und blutnah“ zueinander bringen wird.

    Was sich in dieser wunderbar erzählten Geschichte bereits andeutet, findet sich durchweg im Buch. Differenzierte, intensiv beschriebene, emotional naherückende Personen in der Fremde des Lebens. Eine Intensität der Annäherung an Personen, die sich im Stil Parameswarans niederschlagen. Die „innere Welt eines Henkers“, der eher aus sexueller Not heraus (das örtliche Freudenhaus lässt ihn nicht mehr ein) aus der Ferne eine Ehefrau zu sich kommen lässt, die ihn aber nicht „heran lässt“, als sie erfährt, womit er wirklich seinen Lohn verdient, ist sprachlich ganz auf „das Personal“ der Geschichte zugeschnitten und greift die ganz einfache Denkart des Henkers im Stil vollständig auf.

    Ein Schwerpunkt auf dem inneren Erleben, der die Rahmengeschichten teilweise fast nebensächlich erscheinen lässt. Ereignisse, die vor allem dazu dienen, die Handlungsweisen und Motive der Protagonisten noch deutlicher und klarer darzustellen. Bis hin zu verfetteten Haaren und starkem Körpergeruch als Illustration innerer Verzweiflung und Ausweglosigkeit.

    Hier und da bleibt dabei die ein oder andere nähere Erläuterung auf der Strecke (es wäre doch interessant gewesen, zu erfahren, was genau die neue Ehefrau an der verurteilten jungen Frau so interessant findet). In dem Nachgehen dessen, was der Alltag aus der Liebe machen kann, was an innerer Fremdheit unter äußerlich verbundenen Menschen möglich ist und wie wenig dabei beim je anderen ankommt aber vermittelt Parameswaran ein emotional dichtes Leseerlebnis, in dem Ernüchterung der stete Begleiter der Liebe ist.
  • Bretonische Brandung
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    Bestens getroffene Atmosphäre
    Rezension vom 02.05.2013
    Es ist nicht unbedingt „der Fall“, welcher die Lektüre dieses neuen Kriminalromans um den von Paris in die Bretagne versetzen Kommissar Georges Dupin zu einem Vergnügen macht.

    Auch wenn die Hintergründe um den Tod dreier Männer auf offener See und das Verschwinden eines weiteren Mannes sich als sehr verzweigt und vertrackt erweisen werden. Auch wenn die ganz eigenen, assoziativen Ermittlungsmethoden Dupins einen durchaus anspruchsvollen Kriminalfall mit nicht immer einfach zu treffenden moralischen Entscheidungen vor den Augen des Lesers sich entfaltet.

    Was vor allem in den Bann zieht ist die bildkräftige Sprache Bannalacs, der treffende Blick für die Menschen in ihren Eigenarten, für das Licht der Bretagne, die ganz eigene Atmosphäre auf der vor gelagerten Inselgruppe des Glenan und die, mit wenigen Strichen oft punktgenau skizzierten, Beziehungen Dupins.

    „Dupin war kein Mann von Geduld, ganz und gar nicht“.

    Was vor allem seine Kollegen zu spüren bekommen, allen voran der (ebenfalls bestens dargestellte) ehrgeizige Kadeg (wie alle andren Nebenfiguren auch, selbst die, die nur „telefonisch zugeschaltet“ werden). Getragen vor allem wird Dupin als „Fremder“ von seiner Assistentin (und besten Verbündeten gegen Polizeipräfekten und jedem anderem Unbill) Nolwenn, die ein fast telepathisches Verständnis für ihren Chef entwickelt hat und ihn zudem, sachte, natürlich, mehr und mehr in das „innere“ Leben der Bretagne einführt. Ein Kunstgriff, der es Bannalac ermöglicht, auch dem Leser diese faszinierende, raue Gegend Frankreichs plastisch vor Augen zu führen und die hohe Individualität der Menschen dort herauszustellen.

    Ein intelligenter Mord, bei dem das Töten dem Meer überlassen wurde, ein Geflecht von Feindschaften und Unterstützungen, ein Kampf auch des Idealismus und Liebe zum eigenen, freien Leben in einzigartiger Natur gegen die Gier der Profitmacher, viele Verdächtige ohne wirklich konkret etwas in die Hand zu bekommen und die ständige Notwendigkeit für den koffeinsüchtigen Kommissar, ungeliebte Boote besteigen zu müssen und sich gar mitten im Meer gedankenverloren wiederzufinden würzen diesen überzeugenden Kriminalroman.

    Ein Kommissar im Übrigen, der sich klar von anderen „Serienermittlern“ der Kriminalliteratur absetzt, dessen verkorkstes, schüchternes Liebesleben samt Beziehung zur eigenen Mutter ebenso humorvoll und charakterlich passend im Buch dargestellt werden, wie seine ganz eigene Ermittlungsmethode. Auch sein „Ausweichen“ durch einfaches „Vergessen“ von Anrufen stellt Bannalac ebenso glaubwürdig in den Rau, wie die individuellen Eigenarten der Segel- und Tauchgemeinschaft auf den Glenan-Inseln.

    Samt überzeugendem Fall bietet Bannalac eine unterhaltsame und intelligente Lektüre, die ganz nebenbei dem Leser große Lust auf die Bretagne macht. Und diesen besonderen Landstrich auch Lesern plakativ näherbringt, die noch nie dort waren.
  • Die Bestien von Belfast
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    Klar, hart, überzeugend
    Rezension vom 29.04.2013
    Ein harter Zyniker, bitter ironisch, das ist Karl Kane. Privatdetektiv in Belfast. Geschieden. Ehemals verschwägert mit einem ebenso harten Knochen im aktiven Polizeidienst (dessen Team schon auf den ersten Blick so einiges zu wünschen übrig lässt). Bestens befreundet mit dem Pathologen der Stadt. Und dabei, mit seiner deutlich jüngeren Assistentin die erotischen Gefilde noch einmal neu zu entdecken. Verhinderter Schriftsteller. Dauerpleite. Ermittelnd.

    Und das alles trotz massiver Belästigung durch Hämorrhoiden. Die später von einem Arzt untersucht werden, welcher sich auf einen der (wie immer gnadenlos) daneben liegenden Tipps von Kane für ein Pferderennen verlassen hatte. Und mit Begeisterung sich an die medizinische Untersuchung macht.
    Dabei hat Kane an sich schon alle Hände voll zu tun hat, für seinen neuen Kunden Informationen zu bestialisch grausamen Morden heranzuschaffen. Und dabei späterhin beweisen wird, dass er auch eine Moral hinter all dem misanthropischen Zynismus besitzt.

    So „begeistert“ vollführt übrigens der Arzt seine Untersuchung, dass der ketten rauchende Privatermittler umgehend an Nikotinpflastern nun lutschen wird.

    In klarer, bildkräftiger Sprache ohne jeden Schnörkel, führt der ehemalige (und verurteilte) Räuber Sam Millar seine neue Figur in das Genre des Kriminalromans ein. Ein Roman, dessen „Fall“ von Beginn an in seinen Grundzügen klar ist. Rache steht im Raum für ein brutales, in allen Einzelheiten geschildertes, Vergehen an einer jungen Frau.

    Wer aber innerhalb der in der Gegenwart sich vollziehenden Ereignisse wer ist, welche gegenwärtige Figur, die im Prolog in dieser brachial-blutigen Weise vor Augen geführt werden, sich nun hinter neuen Namen versteckt, das ist die eigentliche Frage, die den Leser mit Spannung bei der Stange hält.

    Vor allem, weil schon die ersten Seiten in ihrer sprachlichen Klarheit zeigen, dass hier ein Autor schreibt, der kein Blatt vor den Mund zu nehmen gedenkt und den Leser von den ersten Sätzen an mitten hineinzieht in das Erleben dieses nur noch leicht röchelnden Etwas, das die Jugendbande missbraucht und zerschlagen auf dem Boden liegen lässt. Bis die wilden Hunde kommen, langsam sich nähern, nachdem die Ameisen in dem noch lebenden Körper bereits ihr Werk begonnen haben.

    „Keine Panik. Du lebst. Im Augenblick zählt einzig und alleine das“. Und später wird noch mehr bedeutsam werden, als ein Mann nach dem anderen über ein Jahrzehnt später gefoltert und hingerichtet werden wird. Und für Kane lange nicht klar sein wird, wer Freund und wer Feind ist in diesem hintergründigen Spiel der verdeckten Identitäten.

    Seite für Seite treibt Millar dabei seine Geschichte mit Tempo voran und erzeugt eine intensive und harte Atmosphäre im Geschehen und den Dialogen.

    „Erinnerst Du Dich an die amputierten Hände im Magen des Wildschweins“?
    „Wie könnte ich die vergessen? Seitdem ist ein Schinkensandwich einfach nicht mehr dasselbe“.

    Eine sehr empfehlenswerte Lektüre für Leser mit starken Nerven.