Rezensent im Portrait
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Trau keinem Freund und HelferRezension vom 20.11.2012Sie hatte unbedingt kommen wollen nein, kommen müssen! Um sein Gesicht zu sehen, wenn sie ihm sagte, wer sie wirklich war. Wenn sie ihm sagte, dass sie etwas besaß, dass ihn ruinieren würde.
So hatte die Studentin Crystal sich das Treffen vorgestellt und unterschätzte leider die Skrupellosigkeit jenes Mannes, den sie erpressen wollte. Am Ende des Besuchs ist Crystal tot. Und einige Zeit Später ist Ramon Munoz des Mordes verurteilt. Die Tatwaffe war ins einem Besitz, eine schriftliche Nachricht an Crystal wurde gefunden.
Nun, auch sechs Jahre später noch, ruhen seine Mutter und seine Frau nicht in dem Versuch, seine Unschuld zu beweisen. Tatsächlich scheint es, als hätten die beiden neue Indizien gefunden. Indizien, die Elena, Ramons Frau, dringend Paige Holden übergeben will. Die Ermittlerin in Ausbildung hat der Familie ihren Beistand zugesagt. Doch Elena wird vor den Augen von Paige erschossen, gezielt und kalt.
Fassungslos, die blutigen Hände machtlos zu Fäusten geballt, starrte Paige auf die Frau.
Ein blutverschmierter USB Stick und die Warnung der Sterbenden, der Polizei nicht zu trauen sind alles, was Paige nun bleiben. Genug für die mutige Ermittlerin, nicht locker zu lassen.
Beistand findet sie in ihrem Chef, Beistand sucht sie in der Person des Staatsanwaltes Grayson Smith, der damals für die Verurteilung von Ramon gesorgt hat. Aber kann sie überhaupt irgendjemandem trauen? Denn auch ihr geht schnell auf, das die Warnung vor der Obrigkeit durch Elena nicht aus der Luft gegriffen war, von Beginn an fast sieht sich Paige dem Druck mancher Polizisten gegenüber und begreift allmählich, dass sie selbst sich in hohe Gefahr begibt. Was auch Grayson, der aufrechte Staatsanwalt, sehr bald ebenso bitter zu spüren bekommen wird. Und irgendwo in diesem Sumpf nicht überschaubarer Loyalitäten und Eigeninteressen wird der Täter zu finden sein.
Karen Rose bleibt ihrer Linie auch in diesem neuen Thriller treu. Direkt, klar und mit Tempo entfaltet sie ihre Geschichte und lässt dabei genug Unklarheiten rechts und links des Weges liegen, um den Leser immer in Unsicherheit darüber zu halten, wer, neben den klar definierten Hauptpersonen, Freund oder Feind ist. Spannend zudem schildert Rose Gefahrenmomente und eine sich ständige enger ziehende Bedrohung. Mit dem ein oder anderen Perspektivwechsel biete sie dem Leser zudem einen kleinen Vorsprung in den Ermittlungen, ohne zu viel der Hintergründe der Tat offen zu legen. Und das alles getragen von einem Personal, dass durchaus auch seine Schattenseiten in sich trägt, mit traumatischen Erfahrungen fertig werden muss und nicht als Überflieger solche Fälle mit sicherer Hand löst.
Unterhaltsam, sprachlich klar, mit Tempo und Verwicklungen, mit Gefahr und Bedrohung, Todeskleid ist ein überzeugender Thriller, der bis zum Ende bestens unterhält.
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Historischer Kriminalroman mit geistlichem HintergrundRezension vom 20.11.2012Es ist die Zeit der Glaubenskriege und Glaubenskonkurrenz. Kreuzzüge, Spannungen zwischen der katholischen und Orthodoxen Kirche seit der Trennung beider Großkirchen, der Anspruch Roms auch auf weltliche Weltherrschaft und mitten drin Byzanz, das ehemalige Konstantinopel, Scheidepunkt zwischen Orient und Okzident, Europa und Asien.
Folgt man Anne Perry in ihrem neuen Kriminalroman und taucht man ein in die von ihr, durchaus sorgfältig, recherchierte Atmosphäre der Stadt, so stellt man umgehend fest, dass Intrigen, politische Ränkespiele, Bedrohungen von außen und so manches mehr an zunächst Undurchschaubaren das öffentliche Leben in Byzanz belasten. Und schon die ersten Sätze des Buches führen mitten hinein in die politischen Ränke der Stadt.
Wir werden die Kirche nicht retten, wenn die Stadt fällt, aber genau dazu würde es kommen, wenn wir morgen unseren Plan ausführen.
Was auch immer mit diesem Plan gemeint sein sollte, es kommt nicht zur Durchführung, stattdessen findet sich umgehend der erste Tote des Buches. Der Adlige Bessarion wird ermordet aufgefunden. Warum und von wem? Das sind die beiden Frage, denen Anne Perry über gut 700 Seiten nun nachgeht.
Zwar findet sich umgehend der vermeintliche Täter. Iustinianos Laskaris wird des Mordes beschuldigt. Doch dessen Schwester Anna Zarides glaubt nicht eine Sekunde an die Schuld ihres Bruders. Zum Beweis seiner Unschuld macht sie sich auf nach Byzanz und macht sich dort bekannt, als Eunuch verkleidet, als Heiler(in). Eine Tätigkeit, die ihr Zugang zu den höchsten Kreisen der Stadt ermöglicht, eine Tätigkeit, mittels derer sie viele Informationen und Hinweise auf eine umfassende Verschwörung findet, Byzanz zu stürzen. Eine Verschwörung, deren Wurzeln bis nach Rom und Venedig reichen und in die allerhöchste Kreise auch in Byzanz selbst eingebunden sind. Eine westliche Konkurrenz zwischen Venedig und Rom, die nun auch in Byzanz ausgetragen werden wird.
Mehr und mehr gerät Anna selbst in Gefahr. Zum einen, weil sie als Frau in Männerkleidern, zudem noch mit dem allein für Männer vorbehaltenen Beruf des Heilers, in ständiger Gefahr steht, enttarnt zu werden. Mit der sofortigen Todesstrafe. Zum anderen aber natürlich auch, weil Anna mehr und mehr Einblick erhält in die Umsturzpläne und damit für die Verschwörer selbst zu einer Gefahr werden wird. Eine tödliche Gefahr, denn Bessarion wird nicht der letzte Tote bleiben, den Byzanz in diesen Tagen erlebt und Anna nicht die einzige Frau, die geheimen Wegen nachgeht.
Verschwörung, Machtkampf, Verkleidung als Tarnung, politische Intrigen, Romantik. Zutaten, die durchaus breit bekannt sind und die auch Anne Perry in ihrem neuen Roman nicht unbedingt zu neuen Höhen führt. Zu stereotyp wirken doch gerade ihre Hauptfiguren und zu vorhersehbar die Spannungskurven im Buch. Da dies alles auch in recht einfacher Sprache und meist eher einfachen Bildern geschildert wird, fesselt dieser Roman nicht vollständig. Andererseits schildert Perry die Atmosphäre der Zeit und der Stadt durchaus treffend und verweist auch nachvollziehbar auf die (kirchen-) politischen Hintergründe des Ringens um Vorherrschaft und Macht.
Mit vielen Figuren ausgestattet, vermag Perry so durchaus recht unterhaltsam ihre Geschichte voranzubringen, ohne vollends zu überzeugen.
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KlassikerRezension vom 20.11.2012Fünf Geistergeschichten sind es, die Anne Rademacher für dieses kleine, zweisprachige Buch ausgewählt hat. Geschichte in der langen Tradition englischer Spuk- und Gruselgeschichten, die in der Form der Gegenüberstellung (linke Seite Originaltext, rechte Seite deutsche Übersetzung) in bester Weise im originalen Tonfall und Duktus zugänglich gestaltet.
Geschichten, in denen, ebenfalls klassisch das Grauen vorwiegend in alten Gemäuern haust, so wie in Roald Dahls Die Wirtin, bei der man bereits ahnt, wenn sie von vorhergehenden, jungen Gästen als so reizende Leute spricht, dass da noch anderes, Schlimmes hinter der lächelnden, burschikosen Fassade der handfesten Wirtin wartet.
Genauso, wie H.G. Wells das rote Zimmer schon in den ersten Sätzen mitten hineinführt in den Überschwang der mutigen Jugend. Für jemand, der erst achtundzwanzig Jahre alt ist, gibt es noch viel zu sehen. Viel zu sehen und zu beklagen. Was der junge Mann allerdings (auch aus eigener Selbstüberschätzung heraus) im roten Zimmer des Hauses in ganz anderer Weise zu lernen haben wird, als er selbst es für möglich gehalten hätte.
Gut gewählt hat Anne Rademacher, all fünf Geschichten transportieren genau jene, bekannte, klassische britische Stimmung, führen die Protagonisten (und damit ebenso die Leser) durch eine Vielzahl von dunklen Andeutungen, kleinen, merkwürdigen Ereignissen dann erst hinein in die bedrängende, gefährliche Welt der Begegnung mit dem Spuk.
Jede der Geschichten ist ein Genuss, weit entfernt von Blutorgien oder brachialer Gewalt manch moderner Thriller, sondern auf einer tieferen Ebene wirkend. Der der generellen Unsicherheit des Lebens mit der Warnung, sich nie seiner Sache oder einer Umgebung zu sicher zu fühlen. Eine empfehlenswerter Lektüre, auch, was den englischen Originaltext angeht, welcher den Leser noch mehr in das Schaffen der Autoren hineinführt.
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Prägende Bilder der GeschichteRezension vom 20.11.2012Über Jahrtausende aber waren es gemalte oder gezeichnete Bilder, die Sichtweisen, Standpunkte und Absichten von Künstlern, die unser Bild von Geschichte prägten.
Maler im Übrigen, die selbst noch der aktuellen modernen Zeit von Foto, Video, Digitaltechnik und Film Bilder noch als Handwerk malen und damit geschichtlich entscheidendes versuchen, einzufangen und auszudrücken. Diesen wendet sich Hesse zu und schreibt damit zugleich ein Buch über die Malerei und eines über die Geschichte. Aus der Sicht der Künstler. Als eine, durchgehend farbig illustrierte, historische Betrachtung durch die Malerei hindurch, könnte man sagen.
Wobei jedes Bild im Bucheinen besonderen historischen Moment festhält. Wendepunkte der Geschichte, Umbrüche, Meilensteine, bei deren Betrachtung der der Künstler selbst natürlich ebenfalls (auch in den Erläuterungen im Buch) mit in den Blick gerät. Getreu dem Ziel, welches Hesse sich selber stellt, dass der Leser am Ende des Buches einfach besser im Bilde sei. Zumindest, was die subjektive Auswahl angeht, die Hesse für das Buch getroffen hat, erreicht er dieses Ziel im Übrigen spielend. Denn informativ, hier und da auch durchaus ganz anders mal gedacht, teils überschwänglich, immer aber hoch informativ und treffend beschreibend führt er die Vielzahl der Bilder vor Augen.
Von den Malereien der Chauvet Höhle angefangen. 400 Bilder eines Weltverständnisses, einer Schöpfung, Beseelung der Welt und was daraus entsteht, die weit vor der zivilisierten Zeit Kunde vom Bedürfnis des Menschen nach Welterkenntnis, Weltdeutung und Weitergabe des Erkannten geben. Das Trojanische Pferd, Der Tod des Sokrates, Kleopatra, Luther in Worms, Kopernikus im Gespräch mit Gott, Die alte Börse von Amsterdam, Treffen mit den Russen in Torgau, Die Befreiung von Bagdad, all dies bildet nur eine Auswahl der 75 Bilder, Künstler und Ereignisse, denen Hesse im Buch gut lesbar und kompakt nachgeht, ohne es an nötiger Tiefe fehlen zu lassen.
Bilder wie das der Ersten elektrischen Straßenbeleuchtung in Berlin, die nicht unbedingt breit und allgemein bekannt sind, die aber eine ausführliche Betrachtung lohnen bei all der treffenden Zeitatmosphäre, die nicht nur in diesem Bild mitschwingt.
Denn Warhol gelingt es in ganz anderer Technik ebenfalls präzise, die Atombombe furchtbar fühlbar in den Raum zusetzen, wie das letzte Bild, Die Befreiung von Bagdad zeigt, dass die naive und propagandistische Form der Heldenverehrung im Bild auch im 21. Jahrhundert noch genauso lebendig ist, wie die ehemals überlebensgroßen Bilder der Sowjetzeit und die Eitelkeiten der Fürsten des Mittelalters.
Eine wunderbar gestaltetes und hoch informativer Blick auf die Geschichte durch die Augen ihrer Künstler ist es, den Helge Hesse dem Leser in bester Weise ermöglicht und den er klug je auffächert, erläutert und begleitet.
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Krisen bergen ChancenRezension vom 20.11.2012Der Traumatherapeut Pieper, das vorweg gesagt, weiß genau, wovon er spricht. Nicht nru aus seinen beruflichen Erfahrungen heraus, auch ins einem persönlichen Leben gab es harte Schläge, wie den Tod seiner Nichte im Rahmen eines Erdbebens. Sowohl also aus dem eigenen Erleben heraus, wie auch aus seiner vielfältigen Arbeit heraus kann Pieper sein Thema angehen und den möglichst konstruktiven Umgang mit Krisen sprachgewandt und fundiert vor Augen führen, mitsamt vieler hilfreicher Einlassungen für die Praxis.
Tatsächlich aber ist der Mensch in der Lage, in solchen Ausnahmesituationen ungeahnte Kräfte zu entwickeln.
Was aber ermöglicht es Menschen, sich aus Lebenskrisen heraus zu befreien, an diesen zu wachsen und sich zu entwickeln? Das ist die eigentliche Frage, der Pieper im Buch nachgeht. Und dies nicht aus einer rein abstrakten Warte heraus, sondern vielfach führt Pieper immer wieder Fallbeispiele an, erzählt von Menschen, die Kraft in Krisen gefunden haben und diese dadurch bewältigt haben. Menschen, das ist Piepers feste Überzeugung, von denen man diese Kraft auch präventiv durchaus lernen kann. Das geht. Denn: wir sind für das Überleben gemacht. Was Pieper nicht als These in den Raum wirft, sondern als Essenz seiner persönlichen und beruflichen Erfahrungen überzeugend belegen kann. Wobei es das wichtigste Element ist, sich der Krise offen zu stellen. Um jene Erfahrung machen zu können, die Camus poetisch ausdrückt:
Mitten im Winter hat sie erfahren, dass es in ihr einen unbesiegbaren Sommer gibt.
Einen guten Einstieg in die Thematik und das Buch und eine ebenso gute Motivation für den Leser bildet das Kapitel Wie sich Profis auf Gefahrensituationen vorberieten. Es ist durchaus ein guter Weg, mi diesem zu beginnen um dann im Rest der Lektüre mehr und mehr zu erfahren, wie jeder ein Profi der Vorbereitung werden kann.
Das Leben ist unversicherbar, wie pieper klarstellt, es kann geschehen, dass die gewohnte und vermeintlich sichere Welt, die der Mensch versucht, sich zu bauen, aus den Fugen gerät (manchmal viel schneller, als man denkt) und es tut Not dann, nach der Katastrophe weiter zu leben. Wie das gehen könnte (und sollte), dies bildet durchaus den Hauptteil des Buches, in dem pieper acht Bewältigungsstrategien plastisch und fassbar dem Leser an die Hand gibt. Der Mensch hat über Jahrtausende beweisen, dass er sich anpassen kann und Krisen zu meistern versteht, auch wenn es nach einer Krise oft ganz anders dann weitergeht, als vor dem Ereignis. Wir sind keine Marionetten des Schicksals, wir können unser Schicksal, zumindest und vor allem aber unsere Reaktionsweisen auf unvorhergesehene, schwere Ereignisse unseres Lebens trainieren und aktiven Umgang mit solchen Krisen finden. Übrigens nicht um sich wiederum zu versichern gegen ein eventuelles Scheitern, sondern eine Kraftentwicklung, eben auch mit einem echten Scheitern Umgang zu finden und danach anders, aber doch, weiter zu leben.
Sachkundig und praxisorientiert geht Pieper dieses durchaus schwierige Thema an, welches Menschen im allgemeinen lieber ganz an den Rand der Wahrnehmung schieben Trotz mancher Verallgemeinerungen und Plattitüden bietet Pieper eine intensive und lesenswerte Lektüre zu einem existentiellen Thema.
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Vielfache persönliche Haltungen zur LiebeRezension vom 15.11.2012Ich würde immer empfehlen, treu zu sein, sagt die Psychoanalytikerin Margarete Mitscherlich. Und das wohl nicht nur in einem der Kapitel des Buches. Wobei sie durchaus keinen Widerspruch darin sieht, diese dem Menschen wohl ureigene Hoffnung, dass der Partner immer treu wäre, zunächst einmal zu entzaubern. Es gibt wahrscheinlich keinen Menschen, der nicht untreu ist. Zumindest in der Fantasie. Das Ideal der reinen, aufrichtigen Liebe (und um die Liebe geht es den Autoren ja), das kann so einfach und platt in Bezug auf die auch innere körperliche Treue nicht verstanden werden. Meint Mitscherlich. Und das durchaus überzeugend im Buch. Vor allem, da gerade bei Liebeskranken immer eher die Sehnsucht nach der engen, symbiotischen Verbindung zur Mutter vorrangig im Raume steht, nicht eine (erwachsene) Haltung zu einem anderen, erwachsenen Partner. Und dennoch kann es das geben, dauerhafte Liebe. Wofür aber die Grundlage nicht ein juchzendes Gefühl ist, sondern ein verstehen der Partner untereinander. Nicht Untreue, sondern Fremdheit zerstört die Beziehung und auch die Liebe.
Interessante Gedanken, welche die 94jährige im Gespräch mit den Autoren äußert. Nicht romantisch, aber durchaus lebensklug, kann man sagen. Und nur einen von 18 Stimmen, die in diesem Buch einen breit gespannten Chor der Liebe darstellen. Gerade diese Breite ist es, die hoch interessanten Einblick gibt in die Vielzahl gegenwärtiger Liebesformen und damit natürlich auch Lebensformen. Franz Müntefering und seine Entscheidung für die Liebe und gegen die Macht, leise, durchaus anrührende Töne des sonst eher rau wirkenden Politikers. Liebe als Hingabe bis zum Schluss. Und daneben er noch ältere Rolf Eden, von ganz anderem Schlag und Lebensentwurf. Wer hätte gedacht, dass hier die Liebe durchaus eine Rolle im Leben spielte und spielt, aber völlig losgelöst wird von dem, was anderen so wichtig erscheint, sexuelle Treue ist oder Sex gleich zu setzen mit Liebe, das sieht Eden ganz anders. Und wieder als Ggenpol Roger Willemsen, der den symbolischen Akt als wesentlich dauerhafter kennzeichnet als den körperlichen Akt.
Immer die wesentlichen Fragen sind es, welchen die Autoren nachgehen mit ihren vielfachen Gesprächspartner im Buch. Was Liebe eigentlich ausmacht. Wie wesentliche sexuelle treue, überhaupt das Sexuelle für die Liebe ist. Welche Verbindungen zwischen Menschen tatsächlich mit dem Begriff Liebe beschreibbar sind und wo der Begriff letztliche einfach auch falsch verstanden und nur behauptet, statt gelebt wird. Ohne zudringlich zu werden fragen die Autoren durchaus klar und direkt und erhalten tatsächlich ebenso klar und direkt wirkende Antworten. Von sehr unterschiedlichen Menschen, was das Alter und den Hintergrund angeht. Müntefering und die ehemalige Porno Darstellerin Michaela Schaffrath, Ursula von der Leyen als Kopfmensch und Eckart Witzigmann als Bauchmensch, Claudia Roth und Sonya Kraus.
Das Buch liest sich flüssig und gut und schaut, trotz des vertraulich-konversativen Tonfalls durchaus auch hinter die Fassaden, allerdings zum Glück ohne sich im Tiefsinn festzufahren. Und auch ohne voyeuristisch Impulse kommt das Buch aus. Wer meint, von Michaela Schaffrath handfeste Nachhilfe in Sachen Liebe zu erhalten, sollte dieses Buch doch eher nicht erwerben.
Ein Reigen interessanter, sehr verschiedener Ansätze und Haltungen zur Liebe . Eine durchaus anregende Lektüre.
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Ungleiches BrüderpaarRezension vom 15.11.2012In der Grundkonstellation erinnert Barclay neues Buch durchaus an Rainmen.
Ray ist anlässlich des, merkwürdigen, Unfalltodes seines Vaters (seine Mutter ist schon vor längerer Zeit gestorben) im Elternhaus, um die Angelegenheiten zu ordnen. Vor allem die um seinen Bruder Thomas. Äußerlich ihm durchaus ähnlich, innerlich aber in einer ganz eigenen Welt gefangen. Schizophrenie lautet die Diagnose. Thomas kann sich von frühauf an jede Landkarte, jede Straße, jede Route merken, die er auf Karten gesehen hat und wähnt sich auf Seiten der CIA, im direkten Kontakt mit Ex.-Präsident Clinton. Falls nämlich, egal durch was, GPS und Computer ausfallen sollen, braucht das Land ihn und seine Fähigkeiten, um sich zu orientieren, Landkarten, Stadtpläne aus seinem Gedächtnis abzurufen und neu zu erstellen.
Das ist seine Arbeit, die ihn täglich durchgehend an seinen PC fesselt, nur durch Essenspausen unterbrochen. Eine Haltung, an der Ray verzweifelt, denn alles andere muss man seinem Bruder präzise anweisen, sonst geschieht es nicht.
Kümmer dich um dein Essen. Klar, das macht Thomas. Aber das wegräumen der Lebensmittel, die im Warmen verderben? Davon hatte Ray ja nichts konkret gesagt. Staubsaugen? Was ist das für ein fremdes Gerät da im Schrank? Was tun mit diesem Bruder, wenn man selbst am ganz anderen Ort sein Leben aufgebaut hat, das Elternhaus verkaufen will, den Bruder aber nicht auf sich allein gestellt lassen kann?
Da sieht Thomas in einer Online Software, die das Begehen von Städten ermöglicht, in einem Hausfenster in New York etwas, das gut ein Mord sein könnte. Dumm nur, dass die Online Bilder nicht tagesaktuell sind, sondern schon Monate zurückliegen können.
In New York kämpft zur gleichen Zeit der Politiker Sawchuck um den Gouverneursposten. Sein bester Freund, Howard, ist sein Wahlkampforganisator, seine Frau wähnt er eisern an seiner Seite. Doch Bridget hat einen Fehler begangen. Den Howard auszubügeln gedenkt. Durch Lewis, seinen Mann fürs Grobe. Der eine andere Hilfskraft anwirbt. Wobei bei all dem etwas grundlegend schief geht. Was wieder zur Szene am Fenster zurückführt.
Während sich Ray mittlerweile mi dem FBI herumschlagen muss, zarte Bande zu einer alten Schulfreundin wieder aufnimmt und mit einigen Merkwürdigkeiten im Haus und im Blick auf den Unfall des Vaters innerlich zu kämpfen hat. Abgesehen von seinem Bruder, der ihn durchaus in Atem hält.
Beide Perspektiven verfolgt Barclay im Buch ineinander verwoben und tut dies in durchaus unterhaltsamer Sprache, mit leichter Ironie und gelegentlicher Situationskomik, lässt aber auch brutale Gewalt hier und da nicht aus. Im Gesamten aber ist die Geschichte und sind die Zusammenhänge bereits früh vorhersehbar, so dass die (leichte) Spannung des Buches eher in den Feinheiten der Abläufe zu finden wäre. Wie war das zu Hause mit Thomas und seinem Vater? Was passiert in der Affäre um Bridget und die Ambitionen ihres Mannes?
Alles in allem eine Interessante Fähigkeit, die Barclay anhand der Person des Thomas in den Raum setzt, in einem mäßig spannenden, aber durchaus flüssig, mit Tempo und unterhaltsam geschriebenen Thriller, bei dem Geschichte sich logisch zusammenfügt, von Anfang bis Ende.
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Hervorragend erzählte GeschichteRezension vom 15.11.2012Genug herumgespielt, sagte der Schlossexperte mit einem höhnischem Grinsen. Merk Dir das fürs nächste Mal, wenn du mal wieder das Maul aufreißt.
Tatsächlich, das neue Schloss an der Hintertür des Hauses von Mr. Marsh ist das erste Schloss, das Michael nicht auf Anhieb öffnen kann. Baer Michael ist lernfähig. Und einfach so hoch talentiert, was das Öffnen von allem angeht, das eigentlich als fest und sicher verschlossen gilt. Und noch eins gilt. Michael kann Herausforderungen und Provokationen nicht widerstehen. Ehrensache, dass er später in der Nacht auch dieses Schloss noch öffnen wird.
Jener Michael, der eine ganz spezielle Geschichte hinter sich hat, ein zutiefst traumatisches Erlebnis. Seitdem, als er 8 Jahre alt war, hat er kein Wort mehr gesprochen. Die zweite Besonderheit des Mannes. Und die Dritte folgt nach einiger Zeit. Ein begnadeter Zeichner, auch das ist ein schlummerndes Talent schon im jungen Michael.
Ein Mann, dem der Leser auf drei Zeitebenen begegnen wird. Zum eine jene, in der er 17jährig seine Fertigkeiten schult, die Liebe entdeckt und seinen Werdegang nimmt, der schon früh in eine durchaus kriminelle Zukunft weisen wird. Zum zweiten jene, die den ausgewachsenen Mann bei der Arbeit begleitet, Spannung in den Raum zu setzen versteht und so manche Safes unter seine Hände führen wird, die ihm allesamt nicht widerstehen werden. Und zum Dritten weiß er Leser von Beginn an, dass in der Gegenwart jener Michael seit einigen Jahren tatsächlich sicher hinter Schloss und Riegel sitzt. Denn durchaus das ein oder andere Mal wird Michael erwischt werden. Nicht aus seinem Verschulden heraus, aber dennoch. Eine vierte Ebene wird übrigens später im Buch noch eine Rolle spielen, denn irgendwann wird Steve Hamilton durchaus auch jene Geschichte vom kleinen Jungen erzählen, der sich vor der Mordlust seines eigenen Vaters in einem Safe versteckt und von diesem im Safe ins Wasser geworfen werden wird. Oder wurde, je nachdem, wie man die Zeitebenen im Buch ordnet.
All dies aber sind aber nur die äußeren Rahmungen der Geschichte, die Hamilton seinen Michael aus der Ich-Perspektive wunderbar flüssig erzählen lässt. Und den Leser tief mit hinein nimmt in das Erleben und die innere Entwicklung dieses besonderen Jungen, Heranwachsenden und Mannes.
Es ist einfach eine sehr gute Geschichte, die Hamilton hier zu Papier bringt, erzählt in einem teils lakonischem Umgangston, der sich bestens liest, ohne je in Slang oder zu legere Wendungen abzufallen.
Talente, Entwicklungen, Liebe, ein krimineller, mysteriöser Mentor (der Geist), eine Passion für das Öffnen von Schlössern, eine Kunst, die heranwächst und ein Trauma, das jederzeit im Raume steht, gewürzt mit durchaus spannenden Momenten und einer sympathisch angelegten Hauptfigur, die durchaus ihre Schattenseiten hat.
Alles in allem legt Steve Hamilton einen bestens zu lesenden Erlebnisbericht vor, der sich von der Masse an Kriminalromanen und Thrillern durchaus nach oben hin abhebt.
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Blick hinter manche KulissenRezension vom 12.11.2012Sein Lebensthema hat Guido Knopp seit geraumer Zeit sicherlich mit der, immer wieder aus anderen Perspektiven angegangenen, Aufarbeitung der Ereignisse des dritten Reiches mit einem Schwerpunkt auf die Kriegsjahre.
Auch wenn dies gefühlt das hundertste Buch der letzten Jahre zum Thema (nicht nur, aber vielfach durch Guido Knopp) darstellt, einiges an interessantem Material und anderem Blickwinkel hat Knopp durchaus noch einmal zu bieten, Zwar sind die fünf breit behandelten Themen dieses Buches nicht unbekannt und waren in der ein oder anderen Form durchaus bereits auch breiterer Betrachtung wert, doch in dieser Zusammenstellung und dem flüssigen und verständlichen Stils Knopps und seiner Mitautoren lohnt die Lektüre durchaus.
Die Geheimakte HEß (mitsamt dem ominösen Flug nach England), Tödliche Missionen (Kommandounternehmen wie das der Befreiung Mussolinis oder solche der Vorbereitung der Besetzung Italiens), die Krankenakte Hitler, Das Geheimnis von U 513 (das Wrack wurde erst 2011 vor der südbrasilianischen Küste entdeckt) und der Mythos Alpenfestung (als vermeintlich letzter Rückzugsort von Eliteeinheiten mitsamt Geheimwaffen, um die Auferstehung des Reiches vorzubereiten) sind die Oberthemen, die Knopp im Buch setzt.
Getreu seinem auch sonst üblichen Stil verbreitert Knopp allerdings durchaus die einzelnen roten Fäden zu grundsätzlichen Einblicken in die Atmosphäre und die Begleitumstände der einzelnen Themen. Wie U-Boot Fahrer an sich ab einem bestimmten Zeitpunkt verheizt wurden ebenso, wie allgemein auf unterirdische Fabriken im dritten Reich hingewiesen wird. Auch wenn diese hier und da auch in Thüringen sich finden lassen, nicht nur in den Alpen. Immerhin führten die Gerüchte zu starker Beunruhigung auf Seiten der Alliierten und es ist im Buch durchaus spannend nachzulesen, wie die Alpen, zumindest eine zeitlang, die Befehlshaber in Atem hielten. Ebenso wendet Knopp den Blick auch auf die ein oder andere Nebenperson mancher bisheriger Darstellungen. Dr. Theodor Morell, fast 9 Jahre Leibarzt Hitlers (bis zuletzt) ist sicherlich eine Schlüsselperson, wenn es um die Frage nach Hitlers körperlichem Zustand geht (nicht nur 1945). Ein Thema, das der striktesten Vertraulichkeit unterlag und in das Knopp ein wenig Licht nun einfließen lässt (zu Recht verweist er allerdings auch auf die breite Studie des Mediziners Neumann und des Historikers Eberle).
Wobei er sich durchaus auch den Hintergründen des asketisch anmutenden Lebensstils Hitlers (Nichtraucher, Antialkoholiker, Vegetarier) im Buch mit zuwendet. Was ihn alle nicht davor bewahrte, schon seit 1932 zumindest unter teils heftigen Magenschmerzen zu leiden. In das Reich der Spekulationen wagt sich Knopp mit Einlässen zu Hitlers Drogenkonsum vor, auch wenn überzeugende Indizien auf einen solchen, vor allem was Pervitin angeht (das moderne Speed oder Crack), hindeuten. Krankheitsbilder, die durchaus Einfluss auf militärische Entscheidungen gehabt haben könnten (wie Knopp andeutet).
Alles in allem ein wiederum gut zu lesendes Buch, das in weiten Teilen allerdings an anderen Orten in den einzelnen Themen naturgemäß breiter und differenzierter dargestellt sich nachlesen lässt. Als Kompilation (oder, wie im Fall Heß, als Kurzbiographie) einiger nicht allzu breit bekannter Themen durchaus lesenswert.
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Eine WandlungRezension vom 12.11.2012Ich bin nicht mehr Mr. Moonbloom........ oder, ich war es nie.
Eine Entwicklung einer Person, die durchaus einen längeren Weg nimmt, dort in Manhattan. Den Weg eines Mannes, der es nicht geschafft hat, könnte man sagen, denn wie sonst findet man sich mit 33 Jahren als kleiner Angestellter eines erfolgreichen Bruders wieder, dessen Aufgabe darin besteht, die Mieten aus den vermieteten Wohnungen des Bruders einzutreiben?
33 Jahre alt, unberührt, einer, der den Menschen intensiv zuhört, der mit Geschichten entlohnt wird und durchaus hier und da fast verzweifelt an der inneren Haltung der lieben Mitmenschen (und an den eigenen Unzulänglichkeiten), werden da nicht Erinnerungen an eine fast 2000 Jahre alte Geschichte vom kräftigen Wort und im Raume stehender Verwandlung bis hin zu einer Erlösung gar wach?
Um zu entscheiden, ob dieser Nr. Moonbloom Ähnlichkeiten mit Jesus hat, dafür muss man natürlich zunächst dieses Buch lesen. Bei dem die Geschichte dieses, nach den Maßstäben des Erfolges gemessenen, Versagers zunächst die Klammer, einen roten Faden bildet, an dem Edward Lews seine vielen kleineren und größeren Geschichten im Buch aufreiht. Denn nach und nach lässt Lewis den Leser durch die Ohren und Augen Moonblooms teilhaben an den Geschichten der Mieter der Wohnungen. Und da Moonbloom nicht in den reichen Wohnungen vornehmlich zu tun hat, sondern im ärmeren Teil Manhattans, sind das oft keine lichten und gleißenden Geschichten und Leben, auf die er trifft.
Trinker. Menschen voller Wut, Menschen am Rande, hinter jeder Wohnungstür sitzt, lebt jemand, der vor allem versucht, irgendwie die Nase über Wasser zu lassen, wenn nicht schon Resignation sich breit gemacht hat. Treffend und präzise erfasst und geschildert von Wallant.
Wie ja auch Moonbloom selbst von seinem Bruder gerne und deutlich daran erinnert wird, dass er am unteren Ende der Futterkette sich befindet und die wirklich wichtigen Dinge des Lebens nicht auf die Reihe bringt.
Was aber sind die wirklich wichtigen Dinge des Lebens? Ist es der amerikanische Traum des Erfolges, das hart sein, hart werden, materiell alleine sich ausrichten auf den äußeren Erfolg hin? Oder ist es die Kraft zur Gemeinschaft, zur Tat für andere? Zur Entstehungszeit des Romans Anfang der 60er Jahre des letzten Jahrhunderts war besagter american way of life noch in voller Blüte in den Köpfen der Amerikaner und so ist es ein ganz besonderer Blick, den Wallant damals auf Manhattan und das Leben am Rande wirft. Ein Blick, der nicht nur einen soziologischen Aspekt auf das Leben zu einer konkreten Zeit wirft, sondern der in in der Ausweglosigkeit vieler Lebensentwürfe dort, aber auch im Beladen Werden durch so viele Schicksale und Geschichten anderer Menschen ein Symbol für Mitmenschlichkeit und die Kraft des Wortes ist.
Ein Buch, in dem der Leser Einblick erhält in die Schwere, die Sackgassen des Lebens, in die kleinen Hoffnungen und die großen Verluste und, am Ende, eine Überraschung erlebt, eine Wendung in der Hauptperson, die das Ganze noch einmal in ganz anderem Licht erscheinen lassen. Eine ruhige und treffende Lektüre.













