Rezensent im Portrait
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Tödliches StalkingRezension vom 28.01.2013Er steht auf eine bestimme Art von Frauen. Er macht sich an Kolleginnen heran. Er ist hochbegabt, einer der besten Mitarbeiter der Werbeagentur, aber was die ein oder andere Frau angeht, da hat er sich einfach nicht im Griff. Und so wird er untragbar.
Die da, das ist Berry King, Tochter von Caroline King, Immobilienmaklerin in einer Kleinstadt bei Houston, Texas. Er, ist Oren Starks, perfekt planender Stalker, der nun zur Umsetzung schreitet. Im Haus der Mutter lauert er Berry auf, schießt auf Berrys Kollegen, verfehlt Berry selbst und verlässt fluchtartig das Haus.
Deputy Ski Nyland aber hat zunächst Zweifel an dem, was ihm da an Geschichte aufgetischt wird. Warum war der verheiratete Ben mit Berry im Haus? In Unterhose? Und sie nackt unter der Dusche? Liegen die Dinge ganz anders, als Berry sie darstellt?
Berry Mutter Caroline ahnt, dass sie Hilfe braucht und ruft, nach 30 Jahren, den ehemaligen Cop und nunmehrigen Privatdetektiv Dodge an. Dieser hat eigentlich gute Gründe, sich weit entfernt von Caroline zu halten, Gründe, die in einer Nebengeschichte im Buch im Rückblick auf das Jahr 1978 erzählt werden. Doch ein Grund steht im Raum, der es ihm letztlich unmöglich macht, nicht einzugreifen. Eine lange zurückliegendes, intensives Verhältnis zu Caroline, dass bis in die Gegenwart hinein seine Folgen zeitigt. Und gut so, dass der knorrige Kettenraucher und harte Kerl Dodge eintrifft.
In einem Punkt können sie mir absolut vertrauen: Dass ich diesen Drecksack über den Haufen schie0e, sobald er dort auftaucht. Mit Verwaltung, Dienstweg und Regeln hat Dodge nicht viel am Hut. Mit seinem besonderen Talent, Menschen zum Reden zu bringen, wird er nicht aufhören, nachdem er in Spur gegangen ist, bis Oren das Handwerk gelegt ist. Und nötigt mit dieser Haltung nach der ein oder anderen reibungsvollen Annäherung auch den anderen beteiligten durchaus Respekt ab.
Klar und direkt erzählt Brown ihre Geschichte. In den Abläufen und in den Personen. Spannung erhält der Thriller dadurch nicht aus unverhofften Wendungen und Überraschungen bei der Aufklärung des Falles (auch wenn zum Schluss klar wird, dass die Dinge auch ein wenig verwickelter sind, als es lange Zeit im buch schient), sondern vor allem durch die Jagd auf Oren selbst und die durchaus muntere und knorrige Schilderung der Personen und ihrer Beziehungen zueinander, allen vorweg Dodge. Hier fügt sich die eingestreute Ursprungsgeschichte dieser Verhältnisse aus der Vergangenheit gut in den Ablauf der Handlung ein. Da aber die Sachlage von Beginn an klar vorliegt und zudem die Protagonisten durchaus in weiten Teilen eher stereotyp gestaltet werden (Gut ist gut, böse ist böse, feige ist feige, auch in der Unterschicht gibt es sensible Personen), treten hier und da einfach auch Längen im Buch auf und eine her flache Spannungskurve begleitet die Lektüre. Gut, dass die Abläufe immer wieder durch Elemente aus Buddy-Konstellationen (hier Dodge und Ski) und das langsame Auftauen des eher misanthropischen Dodge aufgelockert werden.
Souverän in Form und Stil, und mit einigen gelungenen Protagonisten unterhält Brown in blinder Stolz durchaus gekonnt, wenn auch zu vorhersehbar in den Abläufen.
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Beeindruckend illustrierter NaturberichtRezension vom 12.01.2013Um mit einem missverständlichen Verständnis des Titels zu Beginn aufzuräumen: nicht ein Jahr am Stück hat sich der überzeugte Naturschützer und hervorragende Fotograf Florian Schulz zum Zwecke der Fotografie in der Arktis aufgehalten, sondern insgesamt stehen 15 Monate Aufenthalt im Verlauf von 6 Jahren im Raum, innerhalb derer Florian Schulz zu jeder Jahreszeit und aus fast jedem denkbaren Blickwinkel sich der nördlichsten Region der Erde intensiv angenommen hat.
Herausgekommen ist ein beeindruckender, faszinierender Bildband in besonders aufwendigem und große, Format. Ein Format, welches die Darstellung mancher Fotografien in einem selten erlebten, breiten Panoramaformat ermöglicht. Eine Möglichkeit, von der Schulz ausgiebig Nutzen zieht und in dem es ihm wieder und wieder gelingt, tief beeindruckende Bilder der Flora und Fauna dieser unwirtlichen Gegend des ewigen Eises vor Augen zu führen.
Wenn auf eine Region der Welt der Begriff unberührte Natur noch zutrifft, dann gehört der Nordpol und die ihn umgebende Arktis mit Sicherheit dazu. Die vielfachen doppelseitigen Panoramabilder von Sonneuntergängen über zerklüfteten Eis- und Schneelandschaften, von Wolken von Möwen über gerade noch offenem Meer, von Unmengen von Karibus an der Küste in dem, was in der Arktis einen kurzen Sommer darstellt, allein dies ist faszinierend zu betrachten und wunderbar im Buch dargestellt.
Aber auch kleinere (was das Format angeht) Eindrücke der Welten unter dem Eisberg oder charakteristischer Tiere wie den Regenbrachvogel, natürlich Eisbären und Robben sowie Schwärme von Blassgänsen verfehlen ihre Wirkung nicht. Dass teilweise auch idyllische, sommerliche Seenlandschaften zu Zeiten in der Arktis anzutreffen sind (z.B. im Firth), dies zeigt Schulz genauso auf, wie er die raue, lebensfeindlich wirkende Winterseite der Arktis in umfassenden Bildern zur Geltung bringt.
Neben den beeindruckenden Bildern lohnt es sich, die erläuternden Texte, auch wenn diese nur in komprimierter und kurzer Form zumeist vorliegen, konzentriert wahrzunehmen. Viele Informationen verpackt Schulz in die begleitenden Texte und Bildunterschriften, so dass in Wort und Bild, mit Einleitung und Nachwort, auf den gut 210 Seiten des Buches ein wirklicher und breiter Einblick in all die Facetten der Arktis letztlich vorliegt, der den Leser ohne weitere mit auf eine intensive und interessante Reise in diesen Schatz der Natur zu nehmen vermag.
Im Gesamten eine beeindruckende, großformatige und bestens ins Licht gerückte Darstellung der Arktis, wie es sie in dieser umfassenden und, vor allem bildlich, tief reichenden Form nur selten anzutreffen gibt. Sehr empfehlenswert.
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BiodiversitätRezension vom 12.01.2013Die Vielfalt des Lebens als einander ergänzende und einander bedingende Grundlage des ökologischen Systems, das ist das Thema dieses Sammelbandes zur Darstellung der Biodiversität. Ein Thema, das, laut der Autoren, immer noch nicht in der ihm zustehenden Weise ins Bewusstsein der Öffentlichkeit und der Gesetzgeber gedrungen ist. Dass gerade die Diversität der Arten und Formen das gesamte ökologische System ausmacht, dass alle Teile ineinander verzahnt sind und erst im Zusammenspiel dem System Stabilität geben, dies darzustellen in großer Breite machen sich die verschiedenen Autoren daher im Buch auf.
An fast allen Vorgängen, die sich im Ökosystem abspielen, sind Organismen beteiligt. In kleinen Verbünden erledigen diese Organismen ihre Aufgaben (Blumen-Bienen-Honig) und bilden als Einzelorganismen, in den entsprechenden Verbünden, dann mit unzähligen Puzzlesteinen das große Bild des ökologischen Systems. Wobei jeder Puzzlestein individuell ausgeprägt und, vor allem, wichtig für das große Ganze ist.
Nachhaltige Nutzung (durch den Menschen) setzt also Organismenvielfalt voraus.
Eine grundlegende Annahme, denen die Autoren im Buch in verständlicher, fundierter und durchaus breit vorliegender Weise vorgehen (trotz der Komprimierung der einzelnen Themen in diesem, seitenzahlmäßig, nicht sonderlich voluminösem Werk). Hilfreich vor allem ist hier der Beginn des Buches mit dem Beitrag von Wolfgang Nellen, der einen Reiseführer in die Vielfalt des Lebens voranstellt. Eine gute Orientierung für die vielen folgenden Einlassungen zur Entdeckung biologischer Vielfalt, die anhand konkreter Beispiele (Pfeilwürmer, der atlantische Ozean) exemplarisch vor Augen geführt wird.
Einen ganzen Hauptteil widmet der Herausgeber sodann den Mikroorganismen, der unbekannten Mehrheit. Hoch interessant ist zu lesen, wie deren stoffwechselphysiologischen Leistungen jene der großen Pflanzen- und Tierwelt bei weitem übertreffen. Ein Zustand, der dem Leser im alltäglichen Leben kaum vor Augen steht.
Um die Biodiversität wirklich verstehen zu können, vertiefen die Autoren thematisch sodann die Entstehung dieser Vielfalt und verweisen auf die miteinander verwobenen Funktionen.
Dem Leser dient es bei all diesen Themen im gesamten Buch zum Verständnis, dass immer wieder konkrete Praxisbeispiele in ihren überschaubaren Funktionen vorgestellt werden (Binnengewässer, Art der Bestäubung u.a.), so dass er den Autoren in ihren Ableitungen vom Konkreten in das Allgemeine hinein gut zu folgen vermag.
Wie lässt sich nun die biologische Vielfalt nutzen und wo stehen Gefahren und Krisen im Raum? Fragen, die zu Abschluss des Buches diskutiert werden und bei denen deutlich wird, dass es aufgrund der Zunahme menschlicher Bevölkerung und der Folgen der Eingriffe des Menschen in das Ökosystem vor allem (und rasch), politische Wegweisungen braucht, um Renaturierung vor Ausbeutung und Raumangebot vor Zerstörung von Biotopen zu setzen.
Ergänzt durch vielfache farbige Abbildungen bietet das Buch einen interessanten und fundierten Blick in das Thema der Biodiversität, führt das sorgsam aufeinander abgestimmte Ökosystem Erde vor Augen und zeigt sowohl Gefahren der nahen Zukunft, durchaus aber auch konstruktive Möglichkeiten des Miteinanders auf dieser Welt auf.
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Ein wenig Chemie schadet nie,Rezension vom 22.12.2012sagt Uwe Böhme und wendet sich in der Fortsetzung der Für Dummies Reihe nun den Grundlagen der Chemie für Ingenieure zu. Jenen also, die vielleicht durchaus mit Chemie bereits abgeschlossen haben und nun feststellen müssen, dass auch im Ingenieursstudium zumindest Grundalgen gelehrt und abgeprüft werden.
In eingängiger und verständlicher Form legt Böhme hierbei nicht nur Wert auf eine reine Abarbeitung nötigen Faktenwissens (was natürlich im Buch umfangreich auch vorliegt), sondern ergänzt das Angebot in eher klassischen Lehrbüchern noch durch äußerst hilfreiche Wertungen.
Seien es immer wieder die gelungenen und einprägsamen Überblicke, seien es hilfreiche Weisheiten (Merksätze zur leichteren Abspeicherung des Stoffes), sei es vor allem der hervorragend gelungene Top-Ten Teil im Buch (10 wichtige Moleküle, 10 Tipps für Studenten, 10 Tipps für wissenschaftliche Arbeiten) am Ende des Buches, sei es die Einleitung in die Konzepte und Modelle der Chemie zu Beginn der Ausführungen.
Auch wenn die 10 Tipps für Studenten sehr komprimiert vorliegen und auch wenn hier durchaus sattsam bekannte Inhalte folgen (positiv herangehen, mitschrieben, mitschreiben, mitschreiben, langfristig denken und sich gewahr werden, dass da schon Wichtigkeiten im Studium einfach sind und passieren), dennoch sind gerade diese komprimierten Allgemeinplätze über das engere Thema hinausgehend ständig erinnerungswert.
In allen Bereichen achtet Böhme auf eine eingängige Darstellung des Stoffes, bietet eine gut nachvollziehbare Gliederung im Buch und legt Wert auf einen Mehrwert in den erwähnten Zusatzinformationen für Studenten.
Und das alles, trotz der fast naturgegebenen Trockenheit des Stoffes, in sehr leichter, flüssiger und aufgelockerter Sprache (ohne hier zu übertreiben, der Stil geht in keiner Weise auf Kosten des Inhaltes). Immer mit dem Ziel, nicht allumfassend die Chemie darzustellen, sondern die für Ingenieurs Studenten wichtigsten Aspekte möglichst verständlich zu erklären.
Im Gesamten bietet das Buch eine äußerst hilfreiche Handreichung für das Studium, zeigt wichtige Schwerpunkte auf, enthält leicht verständliche Zusammenfassung und Merkhilfen, als wie es natürlich auch den zentralen Stoff zur Aufarbeitung der Chemie in den speziellen Anforderungen für das Studium der Ingenieurswissenschaften umfassend darlegt.
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Anleitung zur systematischen ErinnerungspflegeRezension vom 22.12.2012Nur wer sich erinnern kann, weiß, wer er ist.
Unter diesem Leitsatz stellen die Autoren ihre Anleitung zur Biographiearbeit mit älteren Menschen vor. Eine Arbeit, die sich weniger intellektuell-abstrakt in ihren Abläufen darstellt, sondern ganz im Gegenteil mit einem kreativ-spielerischen Zugang zum dauerhaften Erinnern und immer wieder neu die Erinnerungen entdecken und verankern aufwartet. Eine Erinnerungsarbeit, die gegenwärtig mehr und mehr zum Selbstverständnis in der Alten- du Pflegearbeit gehört und in den letzten Jahren vielfältige Methoden hinzu entwickelt hat. Anlass für und in diesem Buch, diesem Arbeitsbereich und seinen kreativen Zugängen zur Biographiearbeit intensiv nachzugehen und Seite für Seite zu verdeutlichen, warum die Ressource Erinnerung als Teil der Grundausstattung des Menschen gerade für ältere Menschen von hoher Bedeutsamkeit ist.
Aber auch das gilt: erleben ältere Menschen sich und ihre Erinnerungen als ernst genommen, steigt ihr Selbstbewusstsein. Je älter ein Mensch wird, je unüberschaubarer unter Umständen die Gegenwart sich darstellt, desto klarer treten die Erinnerungen hervor. Wie allgemein festzustellen ist, dass im Alter des Menschen das Interesse an Erinnerungen, Vergangenem und den eigenen biographischen Daten zunimmt.
Im ersten Teil des Buches wenden sich die Autoren zunächst grundlegenden Beobachtungen zu, den Voraussetzungen des Erinnerns einerseits, verweisen aber auch bereits konkret auf die Arbeit mit älteren Menschen, indem sie typische Hürden (der Vielredner, jene mit überhöhter Emotionalität oder überstarker subjektiver Wahrnehmungen) benennen und Interventionsmöglichkeit zum Beginn der Biographiearbeit bereits vorlegen.
Der Kern der Darlegungen findet sich im zweiten Hauptteil des Buches, den arbeitsformen (der mit dem dritten und abschließenden Teil korrespondiert, den Themen der Erinnerungsarbeit). Von Fragerunden zu Bastelaktionen, von fühlbaren Dingen bis zum Vorlesen, von Ausflügen an prägnante Orte bis zum Rollen- und Theaterspiel reicht hier die Palette möglicher Methoden. Jede der Methoden ist übersichtlich und fundiert im Buch dargestellt und auf ihre Besonderheiten hin für die Erinnerungsarbeit hin aufgebaut. Motivationselemente und Anleitungen zur Steuerung des Prozesses finden sich hier ebenfalls in ausreichendem Maße, wie durch eingestreute Verweise auf die Praxis die Vorschläge der Methoden an Plastizität gewinnen.
Diese Methoden nun mit wesentlichen biographischen Themen zusammenzubringen, dem dient der letzte, thematisch aufgebaute Teil des Buches. Familienleben, Schulzeit, Feiern und Feste des Lebens, die zentralen Eckpunkte der Liebe, der Partnerschaften, für alle Sinne bieten die Autoren kreative Methoden, Angebote, Fotoarbeiten, Fassbares und Fühlbares genauso, wie kognitive Erinnerungsansätze. Durch das Zusammenbringen von Handlung, Verstand, sinnlicher Erfahrung und Emotion eröffnet sich ein breites Programm, das als Handreichung für im Bereich Tätige hervorragend nutzbar in diesem Buch vorliegt.
Alles in allem eine breite, praxisorientierte und fundierte Darstellung der biographischen Arbeit mit älteren und alten Menschen, die eine Vielzahl an umgehend durchführbaren Methoden verständlich aufbereitet bietet.
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SüdstaateneposRezension vom 17.12.2012In epischer Breite von knapp 860 Seiten wendet sich Catherine Tarley in ihrem Roman der amerikanischen Geschichte kurz vor der Unabhängigkeit Amerikas.
Der Krieg gegen die Briten ist in noch vollem Gang, Land und Menschen bereits schwer gezeichnet. Inmitten dieser Zeit siedelt Tarley ihre Geschichte in South Carolina an und wendet sich intensiv in den einzelnen Kapiteln des Buches verschiedenen, die Geschichte tragende, Personen zu. Anhand deren Verbindungen, Emotionen, Gegnerschaften, Liebe, Freundschaft, Intrigen und vielem mehr erstellt Tarley ein durchaus treffendes Bild der Atmosphäre jener Zeit. Von Freidenkern, die schon 1781 gegen die Sklaverei zumindest andenken, von harten Menschen, das das ihre und den Status quo um jeden Preis bewahren wollen, von einer Frau, Antonia, die als Witwe konsequent zunächst auf eigenen Beinen stehen will und ihre heruntergekommene, zerstörte Plantage mit eigenen Händen wieder aufbaut. Als alleinstehende Frau an sich schon mancherseits nicht gerne gesehen, als wirtschaftliche Konkurrentin hier und da noch mehr ein Dorn im Auge.
Und angreifbar wird sich Antonia durch die Lieb machen. Mitten hinein in die teils bereits angespannte Situation hinein findet sie einen jungen, verletzten, britischen Soldaten. Den Feind. Zu dem sie nach kurzer Zeit bereits eine enge Beziehung aufbaut, nicht nur, weil sie seine Wunden versorgt. Und dies natürlich in großer Heimlichkeit, denn nicht nur für den Briten hätte es wohl tödlich Folgen, falls er gefunden wird. Zudem hütet der Verletzte noch ein sehr dunkles Geheimnis.
Und bald ergibt sich ein Reigen aus Liebe und Verlassens ein, aus Vorsicht und Verfolgung, Misstrauen, Intrige, gar Mord, verbunden, das muss man der Autorin lassen, mit einer bildkräftigen und überzeugenden Schilderung der Atmosphäre jener Zeit, mit Schilderungen von Orten und Landschaften, Menschen und Umständen, die sehr lebendig in de Fantasie des Lesers treten. Dass doch letztlich eine eher klassische Liebesgeschichte zu Grunde elgt,die nicht immer überzeugt und so manche Stereotype in sich trägt, gerät dabei durchaus wohltuend in den Hintergrund. Eher nutzt Tarley die Verbindung der beiden Hauptfiguren, um Denkweisen der Zeit an sich, alte indianische Traditionen und Überlieferungen und die Reibung unter den Bewohnern South Carolinas zu jener Zeit darzustellen.
All die ergibt überwiegend eine der Zeit entsprechende sorgfältig recherchierte Geschichte, die dennoch Längen aufweist und nicht in allem Geschehen um William und Antonia herum vollends überzeugt. Ein flüssiger und griffiger, realistisch anmutender historischer Roman der Zeit des amerikanischen Unabhängigkeitskrieges aber bildet das Buch allemal und lohnt, mit erwähnten Abstrichen, das Lesen durchaus.
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Notizen eines besonderen ReisendenRezension vom 13.12.2012Dichter, Schriftsteller, Maler, Zeichner und ein gerne Reisender, in diesem Sinne kann man sich dem 2006 verstorbenen Robert Gernhardt zumindest erst einmal von Außen annähern. Vielfach hatte er Eindrücke und Reflektionen seiner Reisen in den Brunnen-Heften veröffentlicht. Dieser nun vorliegende Band bietet eine sorgsam zusammengestellte Auswahl der vielfachen Reisebereichte Gernhardts.
In bester Weise verbinden sich in den einzelnen Beiträgen Erzählkunst und der geschärfte Blick für die eigentliche Atmosphäre, entzündet vielfach an Ereignissen und Begebenheiten neben den breiten Straßen. Mit einem einfachen, gar noch touristisch ausgerichteten, Reiseführer haben diese Texte nichts gemein. Eher als Kurzgeschichten könnte man die kleineren und größeren Berichte aus 16 Ländern bezeichnen, die grundlegend um das Motto Gernhardts kreisen: Der Weg ist das Ziel, und wenn sich keiner mehr bewegt, ist das Ziel auch weg.
Estland, Österreich, Schweiz, sehr ausführlich Italien (als Welt im Wandel begriffen und dem einfachen Mann intensiv zugehört (der neapolitansiche Taxifahrer erzählt), Frankreich, Spanien, Portugal, England, in großer Breite Kanada (Das Wohnmobil aus Schauplatz), die USA, Jamaica, Brasilien, Indonesien und Thailand (mit vielen, vielen sehr verschiedenen Eindrücken und Herangehensweisen), Südafrika (knapp und kurz) und Botswana bilden die geographischen Überbegriffe, unter denen Gernhardt mal viele, mal nur wenige, mal nur ein Erinnerung in Textform fasst.
Von Reinfällen und Tricks ist da zu lesen, vom Touristen als Gefangenem, immer wieder aber auch rekurriert Gernhardt auf den Einfluss und die Sichtweise des Massentouristen. So, wenn er Folklore als europäisches Konzept mit milder Ironie in den Blick rückt, oder sich ausführlich Gedanken macht über der Brasilianer und der Deutsche. Ebenso, wie er sich durchaus auch mokiert über die Touristenmassen in Kanada auf seienr Fahrt durch eine vorgebliche und vermeintliche Wildnis.
Bei all dem, was Gernhardt an Kleinem und Großem, an Schönem und Kritischen mitteilt, gelingt ihm stilistisch eine ganz hervorragende Gratwanderung, denn immer schwingt das Persönliche, das ihm verbundene mit durch. Weder Besserwisserisch noch mit erhobenem Zeigefinger, weder intellektuell abstrakt oder herablassend klingen seine Niederschriften.
So ergibt sich ein persönlich gefärbter, interessanter und intensiver Lesefluss, der den Leser Seite für Seite überzeugend mit hinein nimmt in Begegnungen mit Waranen und Reiseführern, mit beruhigenden Flughafenangestellten, die durch die Probleme auf dem Rollfeld ad absurdum geführt werden ebenso, wie er in aller Kürze alles was dumm und hassenswert ist im Rahmen eines geplanten Motorbootrennens in Livorno.
Insgesamt eine wunderbare und sprachlich ausgereifte Lektüre.
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Simon Peters in schwerem FahrwasserRezension vom 12.12.2012"Das war nicht exakt das, was ich hören wollte. Aber ich bin doch euer Simon! Der Spaßpräsident! Allein im letzten Jahr habe ich fünf Spaßtage organisiert für Euch!
Aber das reicht bei weitem nicht in den Augen des Umfeldes von Simon Peters, der fast (aber nur ganz fast) tragischen Figur, den Tommy Jaud nun zum dritten Mal auf das Leben loslässt. Denn, das haben die ehemals durchaus Freunde einfach satt, die Späße des Simon allein mit Sachen, die vor allem Dir Spaß gemacht haben und die exakt dann zu Ende waren, als Du keinen Spaß mehr hattest.
Und noch ist lange nicht Schluss damit, was aber all die Personen um Simon herum noch nicht ahnen. Er wird sie retten, jawohl, vor dem Weltuntergang am 21.12.2012. In einem bunkerähnlichem Weinkeller. Und sei es auch gegen ihren Willen.
Aber auch diese Aktion entstammt nicht reiner Menschenliebe des Mannes mit exakt drei Freunden auf Facebook (und auch das nur zu Anfang der Geschichte).
Während nämlich alle, auch Simons Freundin Annabella, davon ausgehen, dass dieser noch über seine erklecklichen Rücklagen verfügt, hat just ein griechischer Finanzberater das Geld Simons durchgebracht. Und das Finanzamt meldet sich ob der anstehenden Steuer. Nur wenige Tage verbleiben Simon, aus irgendeinem äußerst kruden Einfall (mal Jamie Oliver verklagen) sein Konto wieder aufzufüllen. Auch, um Annabella all dies nicht eingestehen zu müssen. Die gerade ihren Job gekündigt hat und sich dem Studium der Weinwirtschaft zuwenden möchte. Auf einer privaten Universität. Fest davon ausgehend, dass Simon sie finanziell stark unterstützen will (und kann). So sind die Rahmungen gesetzt, innerhalb derer Simon Peters in Spur nun gehen wird.
Überzogen, ironisch, mit ausufernder Fantasie nimmt Jaud auch dieses Mal den Leser mit auf einen Parforce-Ritt durch das Leben. Spätestens nach der REWE-Einkaufstour Simons mit (seinem wiederum eher Ex-Freund) Phil, von dem er sich nur ein wenig Kleingeld leihen will und diesen deswegen in der Reha besucht, bei der sich Phil im Rollstuhl von kleinen Vorkommnissen mit Simon erholt, wird deutlich, dass Jaud der große Angriff auf die Lachmuskulatur durchaus über weite Strecken des Buches weiterhin gelingt.
Oft fast surreal wirkend und doch nur eine denkbare Realität breit überziehend, zudem im Hintergrund durchaus in der Charakterisierung Simons die allgemein zunehmende Unfähigkeit zur Empathie und zum Sozialen an sich mitschwingen lassend, gelingt es Jaud, den Leser sich an den überzogenen Figuren und den hanebüchenen Aktionen zu ergötzen.
Bedauerlich ist nur, dass das Ende der Geschichte sehr verkürzt wirkt und sich nicht unbedingt schlüssig aus dem Vorhergehenden ergibt. Ebenso muss angemerkt werden, dass nicht jeder Witz zündet und nicht jede Idee sich harmonisch in das Ganz einfügt (die Sache mit Jamie Oliver wirkt doch wie abgeschnitten dann im Buch)
Wie auch schon in den Vorgängerbüchern bietet Tommy Jaud von Ironie bis brüllender Komik eine ganze Palette (nicht immer in gleicher Weise) unterhaltsamer Comedy und bester Situationskomik im Buch, die weitgehend bestens unterhält.
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Eine SpurensucheRezension vom 12.12.2012Mittlerweile ist er weltbekannt, Da Vincis Vitruvianischer Mensch. Eine Zeichnung, die Toby Lester nicht nur in und um die Person da Vincis herum aufarbeitet, sondern deren Grundgedanken er in vielen historischen Linien verfolgt.
Ein organisches Ganzes, abgeleitet aus einer Idealgestalt, dies könnte durchaus eine der passenden Interpretationen der Zeichnung sein, ist aber Jahrhunderte zuvor als Idee des Augustus im seiner Vision des römischen Staates entstanden. Oder noch früher, in der griechischen Antike, lässt sich bereits die Idee des Körpers als eine verkleinerte Version des Weltganzen erkunden.
So ergibt sich bei der Lektüre in Bezug auf die Zeichnung das Bild, das da Vinci etwas Archetypisches fast zum Ausdruck gebracht hat.
Dieses Bild muss eine Geschichte haben, eine tiefere Bedeutung, die Figur eine lange Linie von Vorgängern. Und so macht sich Lester auf eine Reise durch die Zeit und legt, sorgfältig recherchiert, nicht nur die Entstehungsgeschichte der Zeichnung dar, sondern führt den Leser mit hinein in den Hintergrund des Weltbildes dieses Symbols. Eine grundlegende Proportion, die immer wieder in den Grundelementen Kreis und Quadrat als Spiegel des inneren Aufbaus des Universums, der Welt verstanden wurde.
Bei all diesen dargelegten Spuren der Idee der Zeichnung lässt Lester in guter Weise Da Vinci ebenfalls nie aus dem Blick. Auch als idealisiertes Selbstportrait da Vincis legt er die Zeichnung dar und führt den Leser somit auch in Teilen des Buches mitten hinein in die komplexe Persönlichkeit des Kunstgenies und seine Biographie bis zur Entstehung dieser Zeichnung.
So bietet sich im Gesamten als ein Ergebnis der Betrachtung, dass da Vinci am Ende einer langen Reihe von Proportionsbetrachtungen steht, in welchen die Idee des Mikrokosmos vor allem fundiert im Buch dargelegt wird, wie sich in den idealen Proportionen im Kleinen das große Ganze des Kosmos widerspiegelt.
Lester ist in dieser Hinsicht ein durchaus originäres Werk gelungen, eine ähnlich breite und fundierte Betrachtung des Vitruvianischen Menschen findet sich nirgends sonst. Zudem ist das Buch in weiten Teilen durchaus flüssig, in Teilen gar spannend geschrieben.
Kritisch anzumerken bleibt allerdings, dass allein die Fülle an Informationen und die Breite von 1500 Jahren innerer Geschichte der Zeichnung immer wieder hohe Konzentration beim Leser verlangen und der Eindruck eines zu viel nicht selten in den Raum tritt. An manchen Stellen komprimiert Lester historische Gedankengebäude stark und bringt zuviel an Informationen und Linien auf zu wenig Platz. In seinem Anspruch, auch noch kleinere und so gut wie jede denkbare Linie mit aufzunehmen, schießt Lester so nicht selten über das Ziel einer klaren Darstellung der Ideengeschichte hinter der Zeichnung hinaus. Hier wäre weniger mehr gewesen.
Alles in allem eine sorgfältige recherchierte und weitgehend sehr interessante Darstellung der Geschichte zur und hinter der Zeichnung, die allerdings eine hohe Konzentration bei der Lektüre erfordert und hier und da in der Masse des Dargestellten auch überfordert.
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Kurze und Kürzestkrimis aus SchwabenRezension vom 12.12.2012Mal etwas ausgeführter, mal nur über 2-3 Seiten und, vorweg gesagt, nicht alle Geschichten in gleicher Qualität (auch wenn keine der Kurzkriminalgeschichten wirklich tief abfällt), so stellen sich 19 Kurzkrimis aus dem Ländle zur Weihnachtszeit aber ganz anders dar, als es die Harmonie und fast Friedenspflicht dieser heiligen Zeit eigentlich atmosphärisch in den Raum setzten will.
Durchgehend stehen Pläne im Mittelpunkt der Geschichte, die mit Rache und Mordgedanken zu tun haben, Pläne, die allerdings zu weiten Teilen in der ein oder anderen Form nach hinten losgehen.
Da will sich eine Frau doch noch einmal versöhnen nach einem Fehltritt ihres Mannes, ihre Kinder verraten ihr, was der Vater als Weihnachtsgeschenk gekauft hat und daraufhin gibt sie ihm unter dem Baum noch eine Chance. Kann er diese nutzen?
Ein anderer Ort, Heiligabend, eine Frau kämpft sich mit einem Jeep durch die winterlichen Schneeeinbruch mit einer heiklen Ladung im Kofferraum. Aber man muss sie doch verstehen, sie wollte nur frei werden von diesem kalten, einsamen Leben. Und es kommt doch ganz anders (eine Geschichte, die durchaus an Roald Dahl erinnert, wie andere im Buch auch, in Teilen auch an Stephen King, wenn nicht im Stil, dann in der Konzeption der Geschichte).
Ein Mann sucht den eleganten weg aus der Ehe und beauftrag ein Serviceunternehmen in Bezug auf seine Frau. Liegt es an seinen wenigen Informationen oder am Unvermögen des Unternehmens, durchaus gibt es Tote, aber mehr, als geplant.
Die gute Seele der Plätzchenbackerin im Dorf zur Weihnachtszeit, die in ihre Kekse interessante Substanzen zielgerichtet beimischt sollte aufpassen, dass sie nicht über das Ziel hinausschießt.
19 Geschichten, manche durchaus fantasiereich und spannend umgesetzt, hier und da mit sehr überraschenden Wendungen bilden die starken Seiten im Buch ab. Daneben finden sich allerdings auch sehr vorhersehbare kleine Geschichten, getragen von eher stereotypen Figuren. Auch diese bieten sich durchaus kurz und unterhaltsam dar und sind kein Grund, das Buch nicht zu lesen, ein Gefälle allerdings findet sich erkennbar in diesen 19 Geschichten. Wie der Leser in die Verfolgung eines Mannes in Tübingen mit eingezogen wird, dass ist ganz ehrvorragend umgesetzt. Das allerdings der eigene Mann und beste Freundinnen nicht immer halten, was sie scheinen, das ist dann hier und da zu offenkundig im Buch umgestzt.
Alles in allem eine kurzweilige Unterhaltung der anderen (Weihnachts-) Art. Von überzeugend bis unterhaltsam, von spannend bis vorhersehbar, von einfacher Sprache bis zum ausgereiften Stil finden sich weitgehend lesenswerte Kurzgeschichten im Buch.













