Buch
Taschenbuch (381 Seiten)
Sprache: Deutsch
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In regengepeitschter Nacht wird eine brutal ermordete junge Frau auf einem einsamen Gehsteig gefunden - und ein zweites Opfer kurz danach in ihrem eigenen Apartement. Die attraktive Eve Dallas, Lieutenant der New Yorker Polizei, entdeckt sofort einen Zusammenhang zwischen diesen Verbrechen. Beide Opfer sind schöne und höchst erfolgreiche Frauen. Ihr glamouröses Leben und ihre Liebesaffären waren Stadtgespräch. Ihre Verbindungen zu den Reichen und Berühmten beschert Eve dann auch eine lange Liste von Verdächtigen - inklusive ihres eigenen Liebhabers, einem der mächtigsten Männer der Welt: Roarke. Eve kann ihr Herz nicht verleugnen und die skandalösen Hinweise auch nicht ignorieren. Je enger sie den Täter einkreist, desto tiefer wird sie in den tödlichen Sog brisantester Geheimnisse hineingezogen, deren Kenntnis nicht nur ihr eigenes Leben bedroht ...
| Verkaufsrang: | 8.096 |
|---|---|
| ISBN-10: | 3-442-35451-X |
| EAN: | 9783442354511 |
| Originaltitel: | Glory in Death (Death 02) |
| Erschienen: | 01.11.2001 |
| Verlag: | Blanvalet |
| Einband: | Taschenbuch |
| Sprache(n): | Deutsch |
| Seitenzahl: | 381 |
| Länge/Breite: | 183mm/115mm |
| Gewicht: | 297 g |
| Übersetzer: | Uta Hege |
| Reihe: | Blanvalet Taschenbücher |
Nora Roberts wurde am 10.Oktober 1950 in Silver Spring, Maryland als Eleanor Marie Robertson geboren. Unter anderem veröffentlicht die weltweit erfolgreiche Autorin der Romantik auch unter den Pseudonymen J.D. Robb und Jill March Spannungsliteratur. In Großbritannien verwendet sie Sarah Hardesty als ihren Decknamen.
Nora Roberts wuchs als jüngste von vier weiteren Brüdern auf. Ihre Erziehung verlief sehr konservativ und religiös. Während ihrer Schullaufbahn beinhaltete dies auch mehrere Jahre auf einer von Nonnen geführten katholischen Schule. Nach ihrem Schulabschluss heiratete Nora Roberts und zog mit ihrem Mann nach Keedysville, Maryland, wo sie auch gegenwärtig noch lebt. Damals arbeitete sie als Sekretärin, worüber sie heute sagt, sie sei die schlechteste Sekretärin gewesen die man haben konnte, denn auch wenn sie schnell tippte, fehlte es ihr an Sicherheit in der Grammatik. Als sie Mutter wurde wollte sie nur noch Hausfrau sein, um sich um ihre beiden Söhne zu kümmern. Jason und Dan waren drei und sechs Jahre alt, als ein Blizzard sie zwang, zusammen mit ihrer Mutter Nora Roberts, mehrere Tage im Haus abgeschieden von der Außenwelt zu sein. Langeweile, ein schwindender Vorrat an Schokolade und nichts Neues zum Lesen zwangen die damals junge Mutter dazu, selbst zu schreiben. Ohne es zu ahnen, sollte dies der Beginn einer traumhaften Karriere sein. Zwei Jahre später, im Jahr 1981, häuften sich schon einige Manuskripte und Aufzeichnungen bei Nora Roberts an und sie brachte ihren ersten Roman "Rote Rosen für Delia", der auch bekannt ist unter dem Titel "Einklang der Herzen" oder dem Originaltitel "Irish Thoroughbred" auf den Markt. Mittlerweile veröffentlicht Nora Roberts unter ihrem Namen und unter ihren Pseudonymen mehrere Bücher als Serie, Trilogie oder auch Einzelromane. Jene werden in über 30 Sprachen übersetzt und vereinzelt auch verfilmt. Hauptsächlich ist ihr Genre die Romantik, aber auch im Bereich Science-Fiction und Krimi feiert sie als J.D. Robb große Erfolge. Seit 1999 war jedes Buch von Nora Roberts auf der New York Times Bestsellerliste, 29 davon landeten direkt auf Platz 1. Hochrechnungen ergaben, dass in Amerika zeitweise alle fünf Minuten ein Buch von ihr gekauft wurde. Mehrfach ausgezeichnet für ihre Werke, war Nora Roberts zudem die erste Autorin, die als Mitglied der Romance Writers of America in die Hall of Fame aufgenommen wurde. Nicht zuletzt deswegen bezeichenen andere Autoren dieses Genres sie auch als ?The Nora?.
1985 heiratete Nora Roberts ihren zweiten Mann Bruce Wilder, den sie damals als Schreiner für ihre Bücherregale engagierte. Zusammen mit ihm eröffnete sie eine eigene Buchhandlung. Da sie in ihrem Leben hauptsächlich von Männern umgeben war und ist, fällt es ihr nicht schwer die männliche Perspektive in ihren Romanen zu schildern. Ihre Fans, die zum großen Teil weiblich sind, danken es ihr. Nora Roberts sagt selbst keine andere Wahl gehabt zu haben, denn hätte sie nicht über Männer geschrieben, hätte sie im Leben nur schreiend vor ihnen weglaufen können.
Meinung der Redaktion
Nora Roberts erfüllt die geheimsten Wünsche ihrer Leserinnen. (New York Times)
J.D. Robb ist das Pseudonym der internationalen Bestsellerautorin Nora Roberts. Ihre originellen, überaus spannenden Kriminalromane mit der Heldin Eve Dallas wurden von den amerikanischen Lesern bereits mit größter Begeisterung aufgenommen. Vor rund 20 Jahren begann Nora Roberts zu schreiben, und Hochrechnungen haben ergeben, dass in den USA heute alle fünf Minuten ein Buch von ihr verkauft wird. Damit avanciert sie zu einer der meistverkauften Autorinnen der Welt. Ihre Romane werden in 25 Sprachen übersetzt.
von einer Kundin/einem Kunden, am 08.06.2011
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von Kerstin Stutzke, am 06.05.2011
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von Corinna, am 29.07.2010
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von Corina, am 09.02.2010
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von Marie Claire St. John, am 01.08.2009
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von J. G., am 17.06.2009
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von Blacky, am 13.04.2009
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von Barbara, am 22.10.2008
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von einer Kundin/einem Kunden, am 10.01.2008
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von Verena, am 10.08.2007
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von einer Kundin/einem Kunden, am 25.08.2004
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von einer Kundin/einem Kunden, am 08.12.2002
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Die Toten waren ihr Geschäft. Sie lebte mit ihnen, arbeitete mit ihnen, befasste sich mit ihnen. Träumte von ihnen. Und weil das immer noch nicht auszureichen schien, empfand sie in einer verborgenen, geheimen Kammer ihres Herzens obendrein ehrliche Trauer.
Zehn Jahre bei der Polizei hatten nicht ausgereicht, um sie vollkommen abzuhärten, um sie den Tod und seine zahllosen Ursachen mit demselben kalten, klinischen und häufig zynischen Blick wie viele ihrer Kollegen betrachten zu lassen. Ihre Arbeit machte Szenarien wie das momentane - ein regnerischer Abend in einer dunklen, von Unrat übersäten Straße - beinahe normal. Doch noch immer waren ihre Gefühle nicht erstorben.
Auch wenn Mord sie längst nicht mehr schockierte, stieß er sie nach wie vor ab.
Die Frau war wunderschön gewesen. Lange Strähnen goldenen Haares ergossen sich wie Sonnenstrahlen auf dem schmutzigen Gehweg. Ihre Augen, groß und voller Trauer, wie sie der Tod häufig in ihnen hinterließ, hoben sich beinahe purpurfarben von ihren blutlosen, regennassen, hohen Wangen ab.
Sie trug ein teures Kostüm, in derselben leuchtenden Farbe wie ihre Augen. Die Jacke war ordentlich bis oben zugeknöpft, der hochgeschobene Rock jedoch stellte ihre schlanken Schenkel aufreizend zur Schau. Juwelen glitzerten an ihren Fingern, ihren Ohren, am Aufschlag ihrer Jacke. Eine Ledertasche mit goldener Schnalle lag unweit ihrer ausgestreckten Finger.
Lieutenant Eve Dallas ging neben der Toten in die Hocke und sah sie sich genauer an. Die Anblicke und die Gerüche waren meist dieselben, doch jedes Mal, ja, jedes Mal, gab es irgendetwas Neues. Sowohl Opfer als auch Täter hinterließen ihre individuellen Spuren, hatten ihren individuellen Stil, machten den Mord zu etwas Persönlichem.
Sie hatten die Szene bereits gefilmt. Polizeisensoren und eine Schutzwand hielten die Schaulustigen ab und sicherten den Tatort. Der Straßenverkehr war umgeleitet, und in der Luft war derart wenig los, dass man davon nicht weiter abgelenkt wurde. Aus dem Sexclub auf der gegenüberliegenden Straßenseite drangen Musik und das gelegentliche Grölen der feiernden Gäste an Eves Ohr. Die bunten Lampen des sich drehenden Türschilds trafen pulsierend auf die Schutzwand und tauchten den Körper des Opfers in kreischend grelles Licht.
Eve hätte Anweisung erteilen können, den Club bis zum nächsten Tag zu schließen, aber das erschien ihr als ein unnötiger Aufwand.
Ein uniformierter Beamter machte weiter Video- und Audioaufnahmen der Umgebung. Ein paar Typen von der Gerichtsmedizin hatten sich zum Schutz vor dem Regen dicht neben die Abschirmung gehockt und unterhielten sich über die Arbeit und ihr Lieblingsthema, Sport. Bisher hatten sie sich noch nicht die Mühe gemacht, sich die Leiche anzuschauen, und sie demnach auch noch nicht erkannt.
War es schlimmer, fragte sich Eve, während sie mit starren Augen auf die im Regen liegende, blutüberströmte Leiche blickte, wenn man das Opfer kannte?
Auch wenn sie nur beruflich mit Staatsanwältin Cicely Towers in Berührung gekommen war, hatte sie sie gut genug gekannt, um sich eine Meinung über sie zu bilden. Sie war eine starke Frau, erfolgreich, eine unerbittliche Kämpferin für das Recht.
Hatte diese Rolle sie auch hierher, in diese erbärmliche Umgebung, kommen lassen?
Seufzend beugte sich Eve über die elegante, teure Tasche und zog den Pass der Frau heraus. »Cicely Towers«, sprach sie in ihren Recorder. »Weiblich, Alter fünfundvierzig, geschieden. Wohnhaft 2132, 83. East, Nummer 61-B. Kein Raub. Das Opfer trägt immer noch seinen Schmuck und außerdem wurden ungefähr ...« - sie öffnete die Brieftasche - »zwanzig Dollar in Scheinen, fünfzig Kreditchips und sechs Kreditkarten am Tatort zurückgelassen. Keine unmittelbaren Spuren eines Kampfes oder eines sexuellen Übergriffs.«
Sie blickte nochmals auf die ausgestreckte Frau. Was zum Teufel hattest du hier nur verloren, Towers? fragte sie die Tote ehrlich überrascht. Hier, weit weg von den Zentren der Macht, weit weg von deinem eleganten Zuhause?
Sie trug Arbeitskleidung. Eve kannte die Garderobe, die Cicely Towers bei Gericht und im Rathaus getragen hatte - leuchtende Farben, für den Fall, dass sie im Rampenlicht stand, passende Accessoires, immer mit einem femininen Touch.
Eve erhob sich und rieb sich geistesabwesend die nassen Knie ihrer Jeans.
»Sie wurde ermordet«, kam die knappe Feststellung in Richtung der Mediziner. »Also, seht sie euch mal an.«
Es war keine Überraschung, dass die Medien die Witterung des Todes längst aufgenommen und sich bei Eves Ankunft bereits vor dem eleganten Gebäude eingefunden hatten, in dem Cicely Towers gelebt hatte. Mehrere Übertragungswagen und Journalisten kampierten bereits auf dem blitzsauberen Gehweg. Die Tatsache, dass es drei Uhr morgens war und in Strömen goss, schreckte sie nicht ab. In ihren Augen erkannte Eve das typische raubtierhafte Glitzern. Die Story war die Beute und die Einschaltquoten die Trophäe, die es zu erringen galt.
Sie ignorierte die Kameras, die in ihre Richtung schwenkten, und die Fragen, die wie spitze Pfeile auf sie niederprasselten. Inzwischen war sie den Verlust ihrer Anonymität beinahe gewohnt. Der Fall, den sie im letzten Winter untersucht und erfolgreich abgeschlossen hatte, hatte sie abrupt ins Rampenlicht katapultiert. Der Fall, dachte sie jetzt, während sie einen Reporter, der die Dreistigkeit besaß, sich ihr mitten in den Weg zu stellen, mit einem stählernen Blick durchbohrte, und ihre Beziehung zu Roarke.
Auch damals war es um Mord gegangen. Doch die allgemeine Aufregung über einen gewaltsamen Tod verflüchtigte sich bald.
Im Gegensatz zum Interesse der Menschen an Roarke.
»Was haben Sie, Lieutenant? Haben Sie schon einen Verdächtigen? Gibt es ein Motiv? Können Sie bestätigen, dass Staatsanwältin Towers enthauptet worden ist?«
Eve verlangsamte ihr Tempo und lenkte ihren Blick auf den Haufen durchnässter, wolfsäugiger Journalisten. Sie war ebenfalls klitschnass, obendrein todmüde und angewidert von dem, was sie hatte sehen müssen, trotzdem blieb sie besser auf der Hut. Sie hatte gelernt, dass die Medien alles, was man von sich preisgab, so lange drehten und wendeten, bis es so weit wie möglich ihren eigenen, nicht unbedingt zutreffenden Vorstellungen entsprach.
»Die Polizei hat zu diesem Zeitpunkt nichts weiter zu sagen, als dass die Untersuchung des Todes von Staatsanwältin Towers eingeleitet worden ist.«
»Und die Leitung der Ermittlungen hat man Ihnen übertragen?«
»Ich bin die Ermittlungsleiterin«, erklärte sie mit barscher Stimme und trat entschieden zwischen den beiden Uniformierten, die den Eingang des Hauses bewachten, hindurch in das Foyer.
Zu allen Seiten sah man wundervolle Blumen: längliche und runde Beete mit duftenden, farbenfroh blühenden Gewächsen, die sie an einen Frühlingstag auf der exotischen Insel denken ließen, auf der sie nach Abschluss ihres letzten spektakulären Falles drei wunderbare Tage mit Roarke verbracht hatte, um sich von einer Schusswunde zu erholen und wieder zu Kräften zu kommen.
Unter den gegebenen Umständen nahm sie sich nicht die Zeit, um bei der Erinnerung zu lächeln, sondern marschierte, nachdem sie sich ausgewiesen hatte, über die Terracotta-Fliesen in Richtung des ersten Lifts.
Überall wimmelte es von Beamten. Zwei saßen hinter dem Tresen in der Eingangshalle und überprüften die Sicherheitsdisketten, andere bewachten die Tür und wieder andere lungerten in der Umgebung der Fahrstühle herum. So viele Polizisten hätten sie eindeutig nicht benötigt, aber als Staatsanwältin war Towers eine von ihnen gewesen, sodass das Interesse der Kollegen größer als in anderen Fällen war.
»Ihre Wohnung ist gesichert?«, fragte Eve den ihr am nächsten stehenden Beamten.
»Ja, Ma'am. Seit Ihrem Anruf um null zwei, zehn kam niemand mehr hinein oder heraus.«
»Ich brauche Kopien von den Überwachungsdisketten.« Sie betrat den Fahrstuhl. »Für den Anfang sollten die letzten vierundzwanzig Stunden reichen.« Sie blickte auf das Namensschild des Uniformierten. »Und, Biggs, ich möchte, dass Punkt sieben Uhr ein Trupp von sechs Leuten anfängt, die Nachbarn einzeln zu befragen. Einundsechzigste Etage«, befahl sie dem Fahrstuhl, und die durchsichtigen Türen glitten lautlos zu.
Einen Augenblick später betrat sie den totenstillen, mit üppigen Teppichen ausgelegten Korridor des einundsechzigsten Stockwerks. Wie in den meisten Gebäuden, die im Verlauf der letzten fünfzig Jahre errichtet worden waren, war auch hier der Flur auffallend schmal. Die Wände waren cremefarben gestrichen, und eine Reihe in dichter Folge aufgehängter Spiegel schuf die Illusion von mehr Weite als tatsächlich vorhanden.
Im Gegensatz zum Korridor herrschte in den Wohneinheiten selbst offenbar kein Platzmangel, dachte Eve, als sie bemerkte, dass es in jeder Etage nur drei Wohnungen gab. Mit ihrer Polizei-Masterkarte decodierte sie das Schloss des Apartments 61-B und trat durch die Tür.
Cicely Towers hatte es eindeutig zu etwas gebracht, beschloss sie angesichts der ruhigen Eleganz, die sie umfing. Und sie hatte gerne gut gelebt. Sie zog die kleine Videokamera aus ihrem Untersuchungsset, klemmte sie an den Aufschlag ihrer Jacke und betrat das Wohnzimmer. An der zart rosafarben gestrichenen Wand oberhalb einer gedämpft grün und pinkfarben gestreiften, ausladenden Sitzgruppe in U-Form entdeckte sie zwei Gemälde eines bekannten Künstlers aus dem einundzwanzigsten Jahrhundert. Dank ihrer Beziehung zu Roarke konnte sie die Bilder identifizieren und erkennen, dass die dezente Einrichtung und die wenigen ausgewählten Stücke ein kleines Vermögen gekostet haben mussten.
Wie viel kassiert ein Staatsanwalt pro Jahr?, fragte sie sich, während die Kamera das Zimmer aufnahm.
Überall herrschte tadellose Ordnung. Aber schließlich war Towers, soweit Eve sie gekannt hatte, eine auf Ordnung und Makellosigkeit bedachte Frau gewesen. Bei der Wahl ihrer Garderobe, bei der Arbeit und was den Schutz ihrer Privatsphäre betraf.
Was also hatte eine elegante, clevere und ordentliche Frau mitten in der Nacht, und dazu noch bei strömendem Regen, in einer derart schmuddeligen Gegend zu suchen gehabt?
Eve ging weiter durch das Zimmer. Der Boden war aus weißem Holz und schimmerte wie ein Spiegel unter den hübschen, ebenfalls grünen und pinkfarbenen Teppichen. Auf einem Tisch standen gerahmte Hologramme zweier Kinder in verschiedenen Entwicklungsstufen von der Babyzeit bis hin zum Collegealter. Ein Junge und ein Mädchen, beide hübsch, beide freundlich lächelnd.
Seltsam, dachte Eve. Im Verlauf der Jahre hatte sie in zahllosen Fällen mit Towers zusammengearbeitet. Hatte sie gewusst, dass die Frau Kinder gehabt hatte? Kopfschüttelnd ging sie hinüber zu dem kleinen Computer, der in die elegante Workstation in der Ecke des Zimmers eingelassen war und nahm erneut ihre Masterkarte zu Hilfe, um Zugang zu bekommen.
»Auflistung von Cicely Towers' Terminen vom zweiten Mai.« Mit gespitzten Lippen überflog Eve die angezeigten Daten. Eine Stunde in einem eleganten Fitnessclub, ein voller Tag am Gericht, gefolgt von einem Sechs-Uhr-Termin mit einem prominenten Verteidiger und einer Verabredung zum Abendessen. Eve zog erstaunt die Brauen in die Höhe. Ein Abendessen mit George Hammett.
Roarke hatte geschäftlich mit Hammett zu tun, erinnerte sie sich. Sie war ihm bisher zweimal begegnet und wusste, dass er ein charmanter und gewitzter Bursche war, der von seinem Transportunternehmen ausnehmend gut lebte.
Die Verabredung mit Hammett war die letzte, die Cicely Towers für den Tag ihres Todes in ihrem Computer vermerkt hatte.
»Ausdruck«, murmelte sie und stopfte das Papier in ihre Tasche.
Als Nächstes versuchte sie ihr Glück, indem sie den Tele-Link nach sämtlichen ankommenden und ausgehenden Anrufen der letzten achtundvierzig Stunden befragte. Wahrscheinlich müsste sie viel tiefer graben, aber für den Anfang ließ sie sich die Anrufe aufzeichnen, schob die Diskette zu dem Computerausdruck in die Tasche und begann mit einer sorgfältigen Durchsuchung des Apartments.
Um fünf Uhr morgens brannten ihre Augen, und ihr Schädel drohte zu zerbersten. Die Stunde Schlaf, die sie zwischen Sex und Mord hatte einschieben können, hatte eindeutig nicht gereicht.
»Nach bisherigen Informationen«, sprach sie müde in ihren Recorder, »lebte das Opfer allein. Die bisherigen Ermittlungen haben keine gegenteiligen Hinweise ergeben. Es gibt kein Anzeichen dafür, dass das Opfer seine Wohnung unfreiwillig verlassen hat, und es gibt keinen Vermerk über eine Verabredung, die erklären würde, weshalb das Opfer an den Ort seiner Ermordung fuhr. Die Ermittlungsleiterin hat die entsprechenden Daten von ihrem Computer und ihrem Tele-Link für weitere Überprüfungen gesichert. Die Befragung der Nachbarn beginnt um null sieben Uhr, und die Überwachungsdisketten des Gebäudes werden konfisziert. Die Ermittlungsleiterin verlässt die Wohnung des Opfers und fährt weiter zum Büro des Opfers im Rathaus. Lieutenant Eve Dallas. Null fünf, null acht.«
Eve schaltete Recorder und Videokamera aus, steckte beides in die Tasche und machte sich auf den Weg.
Es war bereits nach zehn, als sie endlich ihr Büro erreichte. Als Zugeständnis an ihren knurrenden Magen ging sie zuerst in die Kantine, wo sie sich, nicht überrascht, aber enttäuscht, weil der Großteil der genießbaren Gerichte längst nicht mehr zu bekommen war, mit einem Sojamuffin und einer Tasse dessen, was man in der Kantine als Kaffee ausschenkte, zufrieden geben musste. So schlimm beides auch war, aß sie den Muffin dennoch bis auf den letzten Krümel auf und leerte ihren Becher bis auf den letzten Tropfen, ehe sie sich in ihr Büro begab.
Kaum dort angekommen, blinkte auch schon ihr Link.
»Lieutenant.«
Sie unterdrückte einen Seufzer, als sie in Whitneys breites, grimmiges Gesicht sah. »Commander.«
»Kommen Sie sofort in mein Büro.«
Sie hatte noch nicht mal Zeit, den Mund zu schließen, als der Bildschirm bereits wieder schwarz war.
Verdammt, dachte sie und fuhr sich mit den Händen erst durch das Gesicht und dann durch die kurzen, wirren braunen Haare. So viel also zu der Gelegenheit, ihre Nachrichten abzuhören, Roarke anzurufen, um ihn wissen zu lassen, was sie trieb, oder das zehnminütige Nickerchen zu machen, von dem sie schon geträumt hatte.
Mühsam stand sie wieder auf, ließ ihre verkrampften Schultern kreisen und zog sich ihre Jacke aus. Das Leder hatte ihr Hemd vor dem Regen geschützt, doch ihre Jeans waren ungemütlich feucht. Nun, es war nicht zu ändern, sagte sie sich, als sie die wenigen bisher gesammelten Daten zusammenraffte und das Zimmer verließ. Mit ein wenig Glück bekäme sie im Büro des Commanders ja zumindest eine weitere Tasse Kaffee.
Nach ungefähr zehn Sekunden jedoch war Eve bewusst, dass der Kaffee noch würde warten müssen.
Statt wie gewöhnlich hinter seinem Schreibtisch zu sitzen, stand Whitney am Fenster und blickte auf die Stadt hinunter, der er seit über dreißig Jahren treu zu Diensten stand. Seine Hände waren hinter dem Rücken verschränkt, doch die auf den ersten Blick bequeme Haltung wurde durch die weißen Knöchel als Zeichen größter Anspannung entlarvt.
Eve studierte die breiten Schultern, die graumelierten dunklen Haare und den muskulösen Rücken des Mannes, der erst wenige Monate zuvor den angebotenen Posten des Polizeipräsidenten ausgeschlagen hatte, um weiter in direktem Kontakt mit seinen Untergebenen zu stehen.
»Commander.«
»Es hört allmählich auf zu regnen.«
Sie kniff verwirrt die Augen zusammen, bemühte sich jedoch sofort um einen ausdruckslosen Blick. »Ja, Sir.«
»Alles in allem ist es eine gute Stadt, Dallas. Es ist leicht, das hier oben zu vergessen, aber alles in allem ist es eine gute Stadt. Ich arbeite gerade daran, es mir in Erinnerung zu rufen.«
Sie gab keine Antwort, sie hatte nichts zu sagen. Also wartete sie lieber ab.
»Ich habe Sie mit der Leitung der Ermittlungen in diesem Fall betraut. Eigentlich wäre Deblinsky an der Reihe gewesen, also wüsste ich gern, ob sie Ihnen deshalb irgendwelche Scherereien macht.«
»Deblinsky ist eine gute Polizistin.«
»Das ist richtig. Aber Sie sind besser.«
Da ihre Brauen in die Höhe schossen, war sie froh, dass er sie immer noch nicht ansah. »Ich weiß Ihr Vertrauen zu würdigen, Commander.«
»Sie haben es verdient. Ich habe die normale Verfahrensweise umgangen, weil ich aus persönlichen Gründen die Leitung der Ermittlungen in Ihren Händen wissen will. Ich brauche die Beste, die ich habe, jemanden, der keine Grenzen kennt.«
»Die meisten von uns haben Staatsanwältin Towers gekannt, Commander. Sicher gibt es in ganz New York nicht einen Cop, der nicht alles tun würde, um denjenigen zu finden, der sie getötet hat.«
Er seufzte, und sein massiger Körper schien bis in die Zehenspitzen zu erschaudern. Dann jedoch drehte er sich endlich um und bedachte die Frau, die er mit der Untersuchung des Mordfalles betraut hatte, mit einem durchdringenden Blick. Sie war schmal gebaut, doch ihre Zartheit täuschte, denn er wusste, sie war wesentlich zäher, als sie aussah.