BuchhändlerInnen im Portrait

aus Wien

Gesamte Rezensionen
154 (ansehen)
Alter
53 Jahre
Abteilung
Kunst + Natur
Funktion
Themenleiter
Lieblingsautoren
Jacques Derrida, Maurice Blanchot, Franz Kafka, Walter Benjamin, Werner Hamacher, Avital Ronell, Gayatri Chakravorty Spivak, Roland Barthes, Herman Melville, Martin Heidegger, Peter Fenves, Samuel Beckett, Georges Didi-Huberman, Giorgio Agamben
Im Beruf seit
Oktober 2004
Das beste Buch aller Zeiten
"Worstward ho. Aufs Schlimmste zu" von Samuel Beckett
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Meine Favoriten

Meine Rezensionen

  • Kanada
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    Die Grenze und deren Übertretung
    Rezension vom 06.10.2012
    Kanada. Eine Geschichte, die von Grenzen und deren Überschreitungen handelt. Kindheit / Erwachsensein. USA / Kanada. Vor dem Verbrechen / Nach dem Verbrechen. Usw.
    Es gibt viele Schriftsteller, die sich mit der Grenze und deren Übertretung beschäftigten: Jünger, Bataille, Bowles, Celine, Leiris usw. Zu dieser Literatur gehört nun Richard Ford.
    Der Roman ist jedoch keine Auslotung der existenziellen Grenzen, in deren Überschreitung der Erzähler eine befreiende, rauschhafte oder destruktive Erfahrung macht. Der Roman bleibt eher nüchtern in seiner Schilderung, die großartig ist. Bestechend ist die Erwartungslosigkeit, die der Grenzüberschreitung keinen Mehrwert zuschreibt.
  • Kathedrale
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    Endlich gelesen
    Rezension vom 06.10.2012
    Vom Raymond Carver las ich schon die anderen beiden Bücher seiner Erzählungen "Wovon wir reden, wenn wir von Liebe reden" und "Würdest du bitte endlich still sein, bitte"; schon damals, als Robert Altman seinen Film "Short Cuts" herausbrachte.
    Wie Carvers älteren Erzählungen sind auch diese präzise und knapp gehalten. Die geschilderten Ereignisse, die im Alltag der Erzählungen einbrechen und die Protagonisten in existenzielle Nöte bringen, bewirken dennoch keine Veränderungen, weder im Ablauf des Erzählens, noch in der existenziellen Verfassung der handelnden Personen. Die Ereignisse bleiben folgenlos und spurlos, was das existenzielle Drama steigert. Nichts wendet sich, weder zum Guten, noch zum Schlechten. Nichts geschieht. Alles bleibt, wie es ist, im Schicksal der Not.
  • Hegels Pöbel
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    Hegel-Lektüre vom Feinsten
    Rezension vom 06.09.2012
    Das Buch von Frank Ruda ist eine Entdeckung. Obwohl das Buch "Hegels Pöbel" erst seine Dissertation ist, zeigt er mit seiner Arbeit, zu was die politische Philosophie in der Lage sein kann. Bei all der thematischen Komplexität, der ausgewiesenen philosophischen Kenntnis und der analytischen Kraft, bleibt das Buch gut lesbar, auch wenn der Gegenstand des Buches Hegels Rechtsphilosophie ist.
    Um was geht es? Es geht um den Pöbel, der in Hegels Rechtsphilosophie als massives Problem auftaucht und das Politische in Hegels Philosophie zum Einbruch bringt.
    Zugleich legt die Lektüre nahe, dass das Problem bis heute ein unerledigtes Problem darstellt. Ruda beginnt sein Buch mit einer kleinen Darstellung der Armut in der vorhegelschen Zeit. Im Zentrum steht – in einer detailreichen und erstaunlichen Textanalyse – Hegels Auseinandersetzung mit der Armut, dann aber eben auch seine Auseinandersetzung mit dem Pöbel, der in einen Armutspöbel und in einen Luxuspöbel unterschieden wird. Zum Armutpöbel gehören jene Bevölkerungsschichten, die von der Ökonomie aus dem politischen Diskurs ausgeschlossen werden und sich kaum integrieren lassen. Zum Luxuspöbel zählen jene Menschen, die durch Zufall oder durch Glück zu Reichtum gekommen sind und nicht sozial sein wollen und sich einer Rechtsordnung fügen wollen.
    Ruda gibt im Zusammenhang der Lektüre auch Hinweise zu Marx, der in seiner Hegel-Beschäftigung gezwungen war, sich der Pöbel-Problematik zu stellen.
    Festzuhalten ist: Von Frank Ruda kann die Leserin und der Leser noch einiges erwarten.
  • Demokratie?
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    Neue Wege der politischen Philosophie
    Rezension vom 25.08.2012
    Nicht nur die Welt des Politischen ist im Zuge der Globalisierung im Umbruch, auch die politische Philosophie muss mit ihren traditionellen Methoden und ihren Voraussetzungen aufräumen, mit der sie sich an die Begriffe "Staat" und "Souveränität" gebunden hat.
    Zu der Vielzahl von Versuchen neue Wege in der politischen Philosophie zu gehen, gehört dieser kleine Band, der mit dem Begriff der Demokratie, Anstöße geben möchte.
  • Und die Müden haben Pech gehabt!
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    Linsmarxistische, maoistische Kunstposition
    Rezension vom 19.08.2012
    Im Groben gesagt, lassen sich drei Felder ausmachen, mit denen sich Rancière beschäftigt. Das erste Feld ist das Feld des Politischen, in dem sein bekanntestes Buch "Das Unvernehmen" fällt. Zum zweiten Feld gehören seine Arbeiten zur Kunst und zur Ästhetik, wodurch er große Beachtung im Kunstbetrieb fand. Das dritte Feld ist das Feld einer aufklärerischen Anti-Pädagogik, mit der er an Schriften von Joseph Jacotot anknüpft.
    Der hier vorliegende Band versammelt nun Interviews, die Rancière in den Jahren 1976 bis 1999 führte. Zumeist wurde Rancière in den Interviews zu politischen und ästhetischen Themen angesprochen. Durch die chronologische Anordnung der Interviews, kann die Leserin nicht nur Rancières intellektuelle Entwicklung verfolgen, sondern sie erhält auch Einblicke in den diskursiven Kontext seiner Arbeiten. Für die Zeit des Lesens taucht die Leserin in die Sedimente linkspolitischer Diskussionen der 70er Jahre hinab. Für eine Zeitlang wird man wieder daran erinnert, wie heftig darum gestritten und diskutiert wurde, welche Rolle die Künste, die Literatur, insbesondere der Film, im politischen Kampf haben sollte. In den Interviews mit Rancière fand vor allem die Diskussion um die Nouvelle Vague Eingang und insbesondere die ästhetisch-politische Position von Claude Chabrol und Jean-Luc Godard werden hierbei behandelt; daneben werden aber auch us-amerikanische und italienische Filme angesprochen. In dem ersten Interview von 1976 heißt es z.B.: "Riskiert die Pädagogik von Godard, indem sie jedes ‚Recht auf Geschichten’ verweigert, nicht in gewisser Weise eine pazifistische Antwort auf die Gewalt der Bilder der Bourgeoisie zu geben? Aber ist dieser zu perfekte Diskurs nicht auch selbst ein wenig gefälscht, ein wenig gewalttätig, übertrieben in seinen Prinzipien (in seiner Verzweiflung)? […] Godard erfüllt eine Funktion, die heute ganz wichtig ist, nämlich zu provozieren und zu spalten."
    Man mag sich zu Recht wundern, warum der Kunst damals eine derart wichtige politische Bedeutung zuerkannt wurde, nach all den Auf und Abs, die die Kunst im philosophischen Diskurs erfahren hat. Siehe z.B. Hegels Rede vom Ende der Kunst, die romantische Aufwertung der Kunst bis hin zu Nietzsches Artisten-Philosophie, Benjamins Bemerkungen zur Reproduzierbarkeit, Heideggers Philosophie des Kunstwerks usw.
    Rancières Politisierung der Kunst läuft gleichwohl nicht auf jene politische Kunst hinaus, die die Kunst auf politische Botschaften reduziert, oder als ein Mittel betrachtet, mit der die Arbeiterklasse ihre Identität bzw. ihr Bewusstsein findet. Mehrmals wird in den Interviews in dem Zusammenhang auf Rancières frühe Publikation "La Nuit des prolétaires" hingewiesen. Nach Rancière zeichnet sich die Kunst darin aus, dass sie widerständig ist, Ereignisse schafft, das Kontinuum von Zeit und Raum, von Geschichte und Sozialität aufreißt und unterbricht. Nach Rancière zeichnet sich Politik darin aus, Effekte zu produzieren, die nicht in der Affirmation oder in der Umstrukturierung des Bestehenden, des Möglichen oder des Denkbaren liegen. Rancière vermerkt 1999: "Ich habe als Historiker in 'La Nuit des prolétaires' den Raum der Erscheinung und der Zirkulation einer gewissen Anzahl von Wörtern, Bildern und Diskursen zu umreißen versucht, die der Konstruktion der Identifizierungen des Proletariers und der Arbeiterbewegung gedient haben. Ich habe aber auch die Zufälligkeit dieser Konstruktion aufgezeigt."
  • Mythen des Alltags
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    Nachgeholt
    Rezension vom 08.08.2012
    Endlich ist nun Roland Barthes’ vielzitiertes und einflussreiches Buch "Mythen des Alltags" in einer vollständigen Übersetzung erschienen; jetzt auch als Taschenbuch. Die vor Jahren erschienende, gekürzte Übersetzung kann man auch nur für einen Fauxpas halten, der korrigiert werden musste. Zu meiner Studienzeit mussten wir uns mit der erheblich gekürzten Fassung abfinden.
    In Anknüpfung an die Semiotik von Ferdinand de Saussure, formulierte Roland Barthes den Begriff des Mythos um, der nunmehr nichts mehr mit dem populären Vorurteil zu tun hat, dass der Mythos sich auf sagenhafte Geschichten "vorwissenschaftlicher Zeiten" bezieht, die sich "Naturvölker" erzählten. In dem Buch "Mythen des Alltags" führt uns Roland Barthes vor, welche Mythen "wir uns" heutzutage erzählen.
  • Kirche und Reich
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    Die messianische Zeit
    Rezension vom 28.07.2012
    Bei dem kleinen Büchlein handelt es sich um einen Vortrag, den Agamben 2009 in der Notre-Dame in Paris hielt. Obwohl der Text sehr kurz gehalten ist und anlässlich eines Zusammentreffens in Paris vorgetragen wurde, macht er deutlich, worum es Agamben u.a. in seiner Archäologie innerhalb der christlich-theologischen Literatur geht: 1. um ein anderes Verständnis von Zeit. 2. um eine andere Ökonomie. 3. um eine Destruktion der Souveränität. Hier, in diesem Vortrag, ist es die messianische Zeit, die er einfordert.
  • Wien isst schnell
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    Ein Magazin für Entdeckungen
    Rezension vom 09.07.2012
    Das neue Sonderheft von "A la Carte" ist erschienen und trägt den Titel "Wien isst schnell". Der Titel ist Programm, und somit werden in diesem Sonderheft die besten Imbiss- und Take-Away-Adressen der Stadt Wien vorgestellt.
    Beim Durchblättern des Heftes bemerkt die Leserin bald, dass Wien moderner, globalisierter und multikultureller ist, als es die Österreicher von sich behaupten. Auch wenn der Österreicher und die Österreicherin stets mit dem Euro, der EU, den MigrantInnen, den AsylbewerberInnen, der Entwicklungshilfe, den deutschen StutentInnen, den GriechInnen hadern, so ist der nicht-österreichische Einfluss auf die kulinarische Situation in Wien nicht wegzudenken. Sogar alte wie neue Traditionen der österreichischen Küche lassen sich wieder entdecken. An Würstelstände, die man früher einmal besuchte, kann man sich wieder mit leichter Sehnsucht erinnern. Dank dem neuen Mittelstand und den experimentierfreudigen Gourmet-LiebhaberInnen haben sich allerorts in Wien die geschmackvollen Imbiss- und Take-Away-Geschäfte niedergelassen, so dass sich viel Neues aufsuchen lässt.
    Neben der österreichischen Würstel- und Aufstrichküche dominieren vor allem die mediterranen und südostasiatischen Anlaufstellen, um sich vorzüglich zu verköstigen. Neben der Semmel gibt es also auch Brötchen, Sandwich, Panini, Döner, Pizza, Pita, Pasta, Sushi, Burger, Ramen, Suppe, Salat und andere Snacks.
    Wie immer, es ist ein gelungenes Heft, auch wenn die Leserin ahnt, dass sich in Wien noch mehr entdecken lässt. Gleichzeitig weiß man zu gut, wir werden nicht alles schaffen: Zu verlockend ist das große Angebot der Wiener Gastronomie.
  • Animismus
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    Kontroverse Diskussion
    Rezension vom 02.07.2012
    Bei dem vorliegenden Buch handelt es sich um den wissenschaftlichen Begleitband zur Ausstellung "Animismus" im "Haus der Kulturen der Welt" in Berlin. Hinzuweisen ist jedoch, dass dieser Band weder die Ausstellung dokumentiert, noch die Begleitkonferenz der Ausstellung. Allerdings ist das keineswegs ein Mangel, denn dadurch konnte man sich bei der Erstellung des wissenschaftlichen Begleitbandes darauf konzentrieren, einerseits das Problem darzustellen und andererseits die unterschiedlichen und widerstreitenden Positionen innerhalb der Diskussion um den Animismus vorzustellen.
    Die Leserin mag sich wundern, dass der Begriff des Animismus eine "Wiederbelebung" und Revision erfährt, zumal der Begriff aus der "Völkerkunde" der europäischen Kolonialzeit stammt.
    Auch diesmal ist es die Ethnologie bzw. die Kultur- und Sozialanthropologie, die den Begriff wiederbelebt, um jedoch mit dem Begriff den klassischen Dualismus der europäischen Moderne von "Natur" und "Kultur" zu hinterfragen und in Frage zu stellen.
    Getragen wird die aktuelle Auseinandersetzung um den Animismus von der polemischen Diskussion zwischen Philippe Descola (franz. Anthropologe) und Eduardo Viveiros de Castro (bras. Anthropologe). Eine Moderation erfährt diese Diskussion in dem gut zusammengestellten Buch von Bruno Latour. Eine Einführung in die Diskussion wurde von Nurit Bird-David zusammengestellt.
    Das Buch verdeutlicht ausführlich, wie streithaft und innovativ wissenschaftlich intellektuelle Diskussionen geführt werden können.
  • Spinoza
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    Umfangreich und ausführlich
    Rezension vom 25.06.2012
    Yovels Buch zu Spinoza ist keine Biografie im herkömmlichen Sinne. Auch möchte Yovel keine Darstellung der Philosophie Spinozas liefern. Noch weniger interessiert ihn die akademische Behandlung einzelner philosophischer Fragen, die geläufig mit Spinozas Philosophie verbunden werden. Hingegen stellt Yovel die These auf, dass Spinozas Philosophie in der historischen, politischen wie religiösen Entwicklung des Marranentum in Spanien und in den Niederlanden verwurzelt war. Ergänzt wird diese eindringliche und umfassende Schilderung des Marranentums von der Darstellung Spinozas, die aufzeigt, welchen erheblichen Einfluss er auf die Philosophie der Moderne – insbesondere auf das Denken von Kant, Hegel, Feuerbach, Marx, Heine, Freud und Nietzsche – hatte. Das Buch würdigt ausführlich den Rang, den Spinoza im europäischen Denken inne hat.
    Trotz der umfangreichen Darstellung seiner Thesen, möchte ich dennoch Yosef Hayim Yerushalmi Arbeiten zum Marranentum empfehlen, z.B. das kleine Büchlein "Ein Feld in Anatot – Versuche über jüdische Geschichte". Zur eingehenden Behandlung der Philosophie Spinozas im deutschsprachigen Raum möchte ich auf die Schriften von Manfred Walther hinweisen.