BuchhändlerInnen im Portrait

aus Bonn

Gesamte Rezensionen
115 (ansehen)
Zu meiner Buchhandlung Zu den Top 100: BuchhändlerInnen

Meine Rezensionen

  • Gegen die Welt
    Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern inaktiv
    Ein ungewöhnlicher Provinzroman
    Rezension vom 17.10.2012
    "Gegen die Welt" erzählt von den Bewohnern eines ostfriesischen Dorfes, von Mitte der Achtzigerjahre bis zur Gegenwart. Der Autor Jan Brandt berichtet detailliert aus dem Alltag des Dorflebens und beschreibt die zahlreichen, teilweise sehr skurrilen Handlungspersonen eindringlich und überzeugend.
    Einige Passagen in diesem Buch haben ein ungewöhnliches Layout, z.B. eine besondere Typographie oder aufgehellte Schrift, was dem ohnehin originellen Buch noch einen zusätzlichen Reiz gibt.
    Jan Brandt erschafft mit seinem Roman über das friesische Dorf ein kleines bizarres Universum, das ich auch nach 920 Seiten nur widerstrebend verlassen habe.
  • Mittelreich
    Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern inaktiv
    Ein drastischer Heimatroman aus Bayern
    Rezension vom 17.10.2012
    "Mittelreich" begleitet eine bayrische Gastwirtsfamilie vom Ersten Weltkrieg bis in die Gegenwart. Im Mittelpunkt steht der Seewirt, um ihn herum seine Familie, Knechte und Tagelöhner, die Sommergäste und zwangseinquartierte Flüchtlinge. Der Roman erzählt vom Schweigen über die Nazizeit, dem latenten Antisemitismus, von Aberglauben, Doppelmoral und davon, wie die Nachkriegszeit das Landleben langsam verändert.
    Man folgt der Handlung mit einer Mischung aus Faszination und Abscheu und kann sich dem Sog, den die Erzählung nach und nach entwickelt, bald nicht mehr entziehen.
    Wer sich auf diesen derben, traurig-komischen Heimatroman einlässt, wird mit einem grandiosen Blick auf hundert Jahre deutsche Geschichte belohnt.
  • Was davor geschah
    Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv
    Schlicht und raffiniert zugleich
    Rezension vom 17.10.2012
    In seinem Roman "Was davor geschah" erzählt Martin Mosebach von zwei Frankfurter Familien der gehobenen Gesellschaft.
    Eigentlich ist dies eine unwichtige Geschichte über unwichtige Leute, aber Mosebach fesselt den Leser durch sprachlich geschliffene, subtile und sorgfältig beobachtete, teilweise ironische Beschreibungen, so dass dieser Roman von der ersten bis zur letzten Seite höchst unterhaltsam bleibt.
  • Die Liebe zur Zeit des Mahlstädter Kindes
    Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern inaktiv
    Geschichten mit kafkaesken Zügen
    Rezension vom 17.10.2012
    In Clemens Setz' Geschichten ist die Welt ein gefährlicher Ort, voll böser Zufälle und tückischer Geschehnisse. Ohne Erklärung kippt bei ihm die Alltagswelt plötzlich ins Dämonische. Die Figuren in seinen Geschichten sind eher ungemütliche Zeitgenossen, sie sind bösartig, grausam, gierig, gewalttätig, mitleidlos und zu mörderischen Experimenten aufgelegt.
    Besonders subtil ist dieses Buch also nicht, trotzdem war ich bei jeder Geschichte gespannt, was sich Setz dieses Mal hat einfallen lassen.
  • Der Hals der Giraffe
    Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv
    Roman über eine Antiheldin
    Rezension vom 17.10.2012
    Hauptfigur des Romans ist die 55-jährige Biologielehrerin Inge Lohmark, die in einer Kleinstadt in Vorpommern an einem Gymnasium tätig ist, das bald geschlossen werden soll. Lohmark ist eine Lehrerin der "alten Schule", so etwas wie Mitgefühl gibt es bei ihr nicht, Schule hat wie die Natur dem Leistungsprinzip und dem darwinistischen Konkurrenzkampf ums Überleben zu gehorchen.
    Es macht wirklich Spaß die inneren Monologe der Inge Lohmark zu lesen, denn sie sind trotz der teilweise grotesken Übertreibung durchaus scharfsinnig.
    "Der Hals der Giraffe" ist aber nicht nur wegen seiner wunderbar-grausamen Antiheldin ein besonderes Buch, sondern auch wegen der sehr schönen grafischen Gestaltung.
    Mein Lieblingstaschenbuch in diesem Herbst.
  • Imperium
    Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv
    Ein humorvoller und grotesker Abenteuerroman
    Rezension vom 06.08.2012
    "Imperium“ erzählt vom Aussteiger August Engelhardt, der sich 1902 in die Südsee einschiffte, um sich auf einer kleinen Insel in der Kolonie Deutsch-Neuguinea ungestört der Kokosnuss, der Freikörperkultur und der Sonne zu widmen ...
    In der Geschichte des August Engelhardts geht es um Fanatismus, Verblendung und Einsamkeit.
    All dies wird vom Autor Christian Kracht sehr sprachgewandt, humorvoll und mit starker Ironie erzählt.
    Krachts Roman besticht auch durch seine intensive Atmosphäre, die mich stark an klassische Abenteuerbücher Mark Twains, Jack Londons und Joseph Conrads erinnerte.
    Für mich ist Christian Krachts "Imperium" bislang der beste deutschsprachige Roman des Jahres 2012.
  • Herz der Finsternis
    Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv
    Voller Spannung, Grauen und Faszination
    Rezension vom 06.08.2012
    "Herz der Finsternis" spielt in Afrika und erzählt von der Flussfahrt des Kapitäns Marlow, der unterwegs ist, um den Elfenbeinhändler Kurtz aufzuspüren. Marlow und seine Mannschaft werden auf ihrer Reise mit einer Natur konfrontiert, die Schrecken erzeugt und die eigene Verlorenheit spürbar macht...
    Die Sätze in Conrads Roman sind wortgewaltig, wirken vielschichtig und bedeutungsschwanger. Dies ist ein Buch, das man mit Bedacht lesen muss, das viel Aufmerksamkeit und ein gewisses Maß an Geduld fordert, dem Leser dann aber im Gegenzug auch sehr viel bieten kann.
    "Herz der Finsternis" ist eines der intensivsten Bücher, das ich je gelesen habe !
  • Fitzcarraldo
    Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv
    Berauschende Bilder und eine unglaubliche Geschichte
    Rezension vom 06.08.2012
    Peru um 1900: Fitzcarraldo (Klaus Kinski) kauft ein altes Dampfschiff und macht sich mit seiner Crew auf eine Reise ins Ungewisse. Um sein Zielgebiet zu erreichen, muß er das Schiff von Indios mit Hilfe riesiger Seilwinden über einen Berg schleppen lassen...
    Wegen der schauspielerischen Intensität Klaus Kinskis, den hervorragenden Naturaufnahmen, der fantastischen Musik und der fesselnden Atmosphäre ist "Fitzcarraldo" einer der besten und brachialsten Filme, die ich je gesehen habe.
    Vielleicht ist "Fitzcarraldo" sogar der beste deutsche Film aller Zeiten, in jedem Fall zählt er aber zu den DVDs, die man im Leben einmal gesehen haben sollte.
  • Eine Frage der Zeit
    Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern inaktiv
    Fesselnde Unterhaltung
    Rezension vom 06.08.2012
    Es ist eine irrwitzige Geschichte, aber sie basiert auf Tatsachen: Im Jahr 1913 wird in Deutschland ein Kriegsschiff in seine Einzelteile zerlegt und – in 5.000 Kisten verpackt – nach Deutsch-Ostafrika verschickt, um auf dem Tanganikasee zum Einsatz zu kommen. Zur gleichen Zeit lässt England zwei Kriegsschiffe mit dem Zug quer durch Afrika zum Tanganikasee transportieren, um dort einen deutschen Dampfer zu versenken. Beide Missionen steuern auf das unvermeidliche Finale zu …
    Diese historisch verbürgte Geschichte ist schon spannend genug, durch Capus' wortwitzige und bildreiche Sprache bekommt sie noch einen zusätzlichen Reiz, man meint fast die tropische Glut selbst zu spüren und das Donnern der Kanonen hören zu können.
    "Eine Frage der Zeit" ist ein fesselndes Lesevergnügen !