Das wahre Arabien
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Volker M., am 01.01.2013
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Oman und Jemen sind nicht nur die legendären Herkunftsländer des Weihrauchs, in diesen beiden Ländern hat sich die arabische Kultur auch so ursprünglich erhalten, wie nirgendwo sonst. Oman wird von einem aufgeklärten Monarchen mit bewundernswertem sozialen Gewissen regiert, der seit 1970 eine vorsichtige Modernisierung des Landes betreibt, im Jemen herrscht in weiten Teilen eine ausgeprägte Stammeskultur, die immer wieder für Unruhen sorgt. Im Gegensatz zum Oman verfügt der Jemen über keine nennenswerten Ölreserven und auch deshalb gilt das Land am südwestlichen Zipfel als das Armenhaus der arabischen Halbinsel. Und doch, wer jemals in diesen Weihrauchländern gereist ist, der wird begeistert sein von den malerischen Landschaften, der herzlichen Gastfreundschaft und den ungebrochenen Traditionen, die hier greifbar sein.
Hartmut Fiebig ist auf den alten Handelrouten gereist, von Muskat, noch vor 40 Jahren ein Fischerort, heute eine moderne Metropole, in den Hadramaut mit seinen faszinierenden Wüstenstädten, bis in das Hochland des Jemen, vorbei an uralten Wehrburgen und Terrassenfeldern bis hinunter in den Glutofen der Tihama nach Mokka, das der Wüstensand langsam verschluckt.
Immer wieder trifft er dabei auf Menschen, die ihn trotz bitterer Armut gastfreundlich aufnehmen und Einblick geben in ihr vom Islam geprägtes Leben. Und immer wieder trifft er auf die alte Weihrauchkultur: im regenreichen Dhofar, wo auch heute noch die meisten Weihrauchbäume gedeihen, auf den Märkten in Salalah und an Jemens Küste, wo in Qana der älteste Weihrauchhafen der Welt stand.
Im gespenstischen Nieselregen von Dhofar gelingen dem Autor Bilder von seltsamer Melancholie, die so gar nicht in unser Bild von Arabien passen wollen. Und doch zieht es die Araber zur Monumzeit ins Dhofar - gerade wegen des Regens.
Dann wieder bezaubern die exotischen, farbenfrohen Märkte oder die unfassbar fremdartige Natur von Sokotra oder die Dörfer des Harraz, die wie Schwalbennester an den Bergen hängen.
Fiebigs Reisebericht beschreibt aber nicht nur die Freuden, sondern auch die Gefahren dieser Tour: Ungezählte militärische Checkpoints bremsen das Fortkommen und manchmal muss er im Jemen sogar bewaffnete Eskorten engagieren, um sicher ans Ziel zu kommen. Wer das erpresste Wegegeld nicht zahlt, wird entführt - das ist so seit 3000 Jahren und hat sich nicht geändert. Fiebig reist in unruhigen Zeiten, zumindest im Jemen. Und doch durchzieht die Bilder eine entspannte Friedlichkeit, die Gesichter spiegeln Zufriedenheit, ja Glück.
Der Hadramaut wiederum ist eine Welt für sich. Ein Höhepunkt. Neunstöckige Wolkenkratzer aus Lehmziegeln. Weltkulturerbe. Unwirklich schön und atemberaubend in ihrer Wirkung auf den Besucher. Und doch seit einigen Jahren vom Tourismus abgeschnitten, seit der Jemen wieder im Bürgerkrieg versunken ist. Eine doppelte Katastrophe für viele Einwohner der Region.
Dieser Bildband fängt die Faszination des alten Weihrauchlandes in wunderschönen Bildern ein, begleitet von einem sehr persönlichen Text, der die Bewunderung für die Kulturen, aber auch die Dankbarkeit für das Erlebte spüren lässt. Oman und Jemen sind anders als der Rest Arabiens. Sie sind ursprünglicher und in vielen Aspekten authentischer. Und man glaubt Fiebig ohne Zögern, dass sie in Wirklichkeit das einzig wahre Arabien sind.