Als die Juden nach Deutschland flohen

Ein vergessenes Kapitel der Nachkriegsgeschichte

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Wer weiß schon, dass nach dem Zweiten Weltkrieg 300.000 Juden nach Deutschland flohen und als Überlebende der Schoah in vielen DP-Lagern (für »Displaced Persons«, also Entwurzelte, Staatenlose) lebten? Antisemitische Exzesse in Osteuropa, besonders in Polen, hatten diese Fluchtbewegung 1946/47 ausgelöst. Vor neuer Verfolgung retteten sie sich ausgerechnet ins Land der Täter. Aber sie suchten lediglich den Schutz der westlichen Alliierten, vor allem der Amerikaner. Die DPs glaubten sich nur auf der Durchreise nach Palästina, doch mussten sie in den Camps oft jahrelang ausharren. Erst 1948, nach der Staatsgründung, öffneten sich die Tore Israels. Andere DPs gingen in die USA. Dennoch bestand bis 1957 das letzte Lager im bayerischen Föhrenwald.
Der rote Faden des Buches ist das Schicksal der Lea Waks. 1929 in Lodz geboren, überlebte sie das dortige Ghetto. 1946 verließ sie Polen mit ihrer Familie panikartig. Zunächst fand sie Quartier im hessischen DP-Lager Ziegenhain, dann mit ihrem Mann Aron und zwei Söhnen in ver-schiedenen Camps. Diese Lager wurden in Selbstverwaltung geführt, mit allen Elementen traditionellen osteuropäischen Judentums, Synagogen, Schulen, Ausbildungsstätten, Theatern – eben jene Schtetl-Kultur, die Joseph Roth so meisterlich beschrieben hat. Für die Familie dauerte dieses Leben allerdings ein ganzes Jahrzehnt. In Düsseldorf fand sie Anschluss an die dortige Jüdische Gemeinde. Der Weg in die deutsche Gesellschaft blieb schwierig. Für Lea Waks änderte sich die Welt erst während ihrer späten Jahre in Berlin. 
Rezension
"[...] Verfürth und Föhrding ist eine fundierte Studie [...] gelungen, die den Blick vom großen Ganzen auch auf berührende Einzelschicksale legt." Alexander Lück Westdeutsche Allgemeine Zeitung
Portrait
Hans-Peter Föhrding studierte Pädagogik, Psychologie und Soziologie und war mehrere Jahre in der Erwachsenenbildung tätig. Außerdem als Journalist in leitender Stellung u.a. bei der Leipziger Volkszeitung und der Mitteldeutschen Zeitung, Redaktionsleiter der Jüdischen Allgemeinen. Als freier Journalist widmet Föhrding sich gesellschaftlichen Themen.
Dr. Heinz Verfürth, Studium der Politischen Wissenschaft, Neueren Geschichte und Soziologie. Redakteur u.a. bei Spiegel und Handelsblatt. 1972 Chefreporter beim Kölner Stadt-Anzeiger, später dort Leiter des Politikressorts. 1993–1999 Chefredakteur der Mitteldeutschen Zeitung. 1973 Theodor-Wolff-Preis. Jetzt freier Journalist und Autor in Berlin. Veröffentlichungen: »Die Arroganz der Eliten« 2008, »Schwarzbuch Politik: Gegen den Ausverkauf der politischen Kultur«, 2009.
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Beschreibung

Produktdetails


Einband gebundene Ausgabe
Seitenzahl 352
Erscheinungsdatum 09.03.2017
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-462-04866-7
Verlag Kiepenheuer & Witsch
Maße (L/B/H) 220/125/29 mm
Gewicht 504
Abbildungen mit Fotos
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„Schutz im Land der Täter?“

Martin Berger, Thalia-Buchhandlung Wien

Es klingt unglaublich: Nach dem Ende des 2. Weltkriegs flohen etwa 300.000 Juden vor dem Antisemitismus in ihren osteuropäischen Heimatländern - nach Deutschland. Auf dem Weg nach Israel oder in eine andere neue Heimat sollte es nur ein kurzer Zwischenstopp sein. Einige, wie Lea Waks, deren Schicksal der rote Faden dieses Buches ist, Es klingt unglaublich: Nach dem Ende des 2. Weltkriegs flohen etwa 300.000 Juden vor dem Antisemitismus in ihren osteuropäischen Heimatländern - nach Deutschland. Auf dem Weg nach Israel oder in eine andere neue Heimat sollte es nur ein kurzer Zwischenstopp sein. Einige, wie Lea Waks, deren Schicksal der rote Faden dieses Buches ist, blieben für Jahrzehnte. Das Leben im Land der Täter und der Umgang mit den Deutschen gestaltet sich entsprechend kompliziert, auch die Westallierten sind nicht immer hilfreich. Eine kaum vorstellbare Konstellation, die weitgehend in Vergessenheit geriet entwickelte sich hier.

Kundenbewertungen


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Vom Regen in die Traufe ?
von einer Kundin/einem Kunden am 10.04.2017

Nach den Schrecken des Holocaust dachte man, das die Menschen in Europa verinnerlicht haben müssten, nie wieder Minderheiten zu verfolgen. Das Gegenteil war der Fall. Die alten antijüdischen Ressentiments brachen wieder auf, was den Betroffenen nach den Erfahrungen während der Naziherrschaft oft nur noch die Flucht aus dem Land... Nach den Schrecken des Holocaust dachte man, das die Menschen in Europa verinnerlicht haben müssten, nie wieder Minderheiten zu verfolgen. Das Gegenteil war der Fall. Die alten antijüdischen Ressentiments brachen wieder auf, was den Betroffenen nach den Erfahrungen während der Naziherrschaft oft nur noch die Flucht aus dem Land als einzige Lösung übriglies. Das sie auf ihrem Weg in ein sicheres Land dabei ausgerechnet in das Land der Täter kommen mussten ist mehr als bittere Ironie. Was sie im Nachkriegs-Deutschland erleben mussten, wird in diesem Werk eindrucksvoll geschildert.

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