Die Porzellanmalerin

Roman

von Helena Marten

Buch

gebunden (624 Seiten)

Sprache: Deutsch

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Ein Leben für die Kunst - eine Liebe gegen alle Regeln


Meißen, 1750: Friederike will Porzellanmalerin werden - gegen den Willen der Eltern, die die Zwanzigjährige verheiraten wollen. Sie flüchtet an die Manufaktur in Höchst, um dort, als Mann verkleidet, ihren Traum zu verwirklichen. Ein riskanter Plan, der durch den Italiener Giovanni zu scheitern droht ...


Die Eltern drängen Friederike zur Heirat, doch die Zwanzigjährige will ihren großen Traum verwirklichen und Porzellanmalerin werden. In Männerkleidern, hoch zu Ross, flieht sie aus ihrer Geburtsstadt, um in der neu gegründeten Manufaktur von Höchst am Main ihr Glück zu versuchen. Die Bekanntschaft mit dem ebenso attraktiven wie undurchsichtigen Giovanni Ludovico Bianconi und ein schwerer Raubüberfall drohen ihre Pläne noch während der Reise zu durchkreuzen, doch dank der Hilfe eines unbekannten Reiters erreicht sie schließlich ihr Ziel. Als »Friedrich Christian Rütgers« genießt sie schon bald das volle Vertrauen des Höchster Manufakturdirektors und trifft auch ihren Lebensretter wieder, dem sie sich tief verbunden fühlt. Als sie befürchten muss, ihre Maskierung könnte auffliegen, kommt ihr der Auftrag von Direktor Benckgraff wie gerufen, in der Porzellanmanufaktur des französischen Königs das Geheimnis des »bleu lapis« zu ergründen. Auf einem Ball im Schloss der berühmten Madame de Pompadour bringt eine geheimnisvolle Begegnung Friederikes Leben an den alles entscheidenden Wendepunkt.


Eine starke, unkonventionelle junge Frau nimmt ihr Schicksal selbst in die Hand und kämpft um die Erfüllung ihres Lebenstraums.


Produktdetails

ISBN-10: 3-453-29061-5
EAN: 9783453290617
Erschienen: 21.09.2009
Verlag: Diana Verlag
Einband: gebunden
Sprache(n): Deutsch
Seitenzahl: 624
Gewicht: 834 g
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Helena Marten

Helena Marten ist ein Pseudonym, hinter dem sich zwei Autorinnen verbergen. Beide leben in Frankfurt und sind in der Verlagsbranche tätig.

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Kundenrezensionen

  • Wunderschön und historisch interessant Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv

    von Kerstin Ruge, am 20.01.2010

    0 von 0 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.

    Ein Leben für die Kunst - eine Liebe gegen alle Regeln: Was dieser schöne Roman verspricht, das hält er auch. Ich war von der ersten Seite an gefangen beim Lesen und freute mich auf jedes neue Kapitel. Eine junge Frau geht mutig und unbeirrt ihrer Profession nach - der Porzellanmalerei. Aus gutbürgerlichem Hause in Meißen, der Wiege der deutschen Porzellankunst stammend sucht sie sich allein ihren Weg zum Glück. Das Zeitbild ist ein toller Hintergrund für eine wunderschöne Geschichte, in der die Liebe auch nicht zu kurz kommt. Das Buch liest sich einfach so weg, man taucht in die Geschichte ein und ist fast traurig, wenn man nach 622 Seiten am Schluss angekommen ist. Ich empfehle dieses Buch allen, die gerne gut geschriebene historische Romane lesen und ebenso als Einstieg in das Genre. Es macht Freude!

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  • Eine Frau geht ihren Weg Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv

    von femawe, am 19.11.2009

    0 von 0 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.

    Spannend, empatisch, romantisch - aber NICHT Kitschig. Kein Groschenroman in gebundener Form sondern eine gut geschriebene Geschichte mit ausgeschmückten Charakteren. Der Spannungsbogen bleibt bis zur letzten Seite und man versinkt beim Lesen in die Zeit des 18. Jahrhunderts. Friedrich alias Friederike erlebt auf über 600 Seiten ein turbulentes Abenteuer auf dem Weg in ihre berufliche Unabhängigkeit. Gepaart mit einer anrührenden aber nicht triefenden Liebesgeschichte genau das richtige für lange Leseabende oder Nächte. Ein Muss für Liebhaber Historischer Romane!

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DRESDEN, 13. FEBRUAR 1753


Carissima,
endlich habe ich Dich gefunden! Fast hätte ich meine Suche nach Dir aufgegeben, so viele Steine wurden mir in all den Monaten in den Weg gelegt. Auch kannte ich Deinen neuen Namen nicht, ja wusste nicht einmal, dass Du so "bürgerlich" geworden bist, dass Du geheiratet, eine Familie gegründet hast...
Ich kann nicht umhin, Dir von meiner Bestürzung zu berichten, mehr noch, von meinem Zorn, anfänglich zumindest, als ich erfuhr, Du seiest die Frau eines anderen geworden. So schnell hat sie mich vergessen!, war mein erster Gedanke, voller Wut und Eifersucht. Aber dann hat die Vernunft in mir gesiegt; natürlich, sagte ich mir, sie konnte ja nicht bis in alle Ewigkeiten auf mich warten, ohne auch nur ein einziges Lebenszeichen von mir erhalten zu haben. Du ahnst bestimmt, wer mir im Wege stand; ich werde Dir berichten, wenn wir uns wiedersehen.
Aber werden wir uns wiedersehen? Mein Brief nun, da ich endlich frei bin, doch Du nicht mehr: Ich habe lange mit mir gerungen, ob ich ihn Dir wirklich senden soll. Wahrscheinlich habe ich nicht das Recht, mich erneut in Dein Leben zu drängen, aber irgendein Gefühl sagt mir, dass ich es tun muss. Jetzt - nicht später. Ich habe oft genug versucht, unsere Begegnung aus meinem Gedächtnis zu löschen, nachdem ich von Deiner Heirat erfahren hatte. Es ist mir nicht gelungen, wie Du merkst. Deine Hingabe, Deine Leidenschaft, sie haben mein Innerstes berührt wie nie etwas zuvor.
Ich habe Dir schon einmal gesagt, dass ich noch nie eine Frau wie Dich kennengelernt habe. Wie machst Du es nur, so ... mir fehlen die Worte ... ja, vielleicht: so unverfälscht, so echt zu sein? Keine Koketterie, nichts Unwahrhaftiges scheint Dein Wesen zu trüben. Und ich spreche hier wohlweislich nur von Deinen inneren Werten, denn sobald ich anfange, mir Deine Schönheit vor Augen zu führen, Deine Sinnlichkeit, drängt alles in mir danach, Dich zu sehen, Dich zu berühren, Dich zu besitzen. Meine Hände wollen über Deinen Körper streichen, meine Lippen Deine Haut liebkosen, meine Lenden ... Ach, Federica, ich schweige lieber, sonst heiße ich umgehend die Rösser anspannen und gen Frankfurt galoppieren, um mich mit Deinem Gatten zu duellieren. (Du liebst ihn doch nicht etwa, oder? Eine Frage, die sich mir aufdrängt, verzeih!)
In wenigen Wochen ist meine Mission in Dresden erfüllt - es geht um Kunst, so viel kann ich Dir an dieser Stelle verraten, um große Kunst -, und dann werde ich meine Zelte hier abbrechen und in der Nähe von Fürstenberg (genauer gesagt: in Corvey) erneut aufschlagen. Du weißt sicher besser als ich, was diesen Ort seit einiger Zeit ausmacht. Man munkelt gar, auch dort stehe der Durchbruch bevor und es werde händeringend gutes Personal gesucht. Zugleich heißt es hier bei Hofe, die glorreichen Tage von Höchst seien gezählt. Meißener Wunschdenken vielleicht, aber in jedem Gerücht steckt doch ein Körnchen Wahrheit, wie wir wissen.
Federica, Du ahnst, was ich Dir damit sagen will. Und mehr als das: In Fürstenberg würde Dich nicht nur eine neue berufliche Herausforderung erwarten, sondern ein Mann, der Dir mehr geben kann als jeder andere auf dieser Welt. Du magst mir meine Arroganz verzeihen, aber so gut kenne ich Dich, um zu wissen, dass ich für Dich der Einzige bin, der Richtige an Deiner Seite.
So wie Du für mich. Beinah täglich wird mir schmerzvoll bewusst: Keine andere Frau wird mein kühles Herz je wieder zum Erweichen bringen. Du hast es geschafft, mich zu öffnen, Du allein.
Federica, amore mio, glaube mir: Wir beide sind füreinandergeschaffen. Worauf wartest Du noch?


Ardentissimamente, Giovanni


MEIßEN, 1750
Es war ein trüber Novembernachmittag. Wie ein grauer Gazevorhang verhängte der Nieselregen die Sicht nach draußen in den Garten. Hin und wieder drückte eine Windböe die kahlen Zweige der Birke vor dem Fenster gegen die Scheibe. Doch Friederike achtete nicht auf das leise kratzende Geräusch. Angestrengt blickte sie auf das bunte Bild mit dem Chinesen in ihrer linken Hand und dann auf die kleine Porzellanfigur auf dem Tisch. Sie tauchte den feinen Pinsel in die Farbpalette. Noch war die Porzellanfigur ganz weiß. Gleich würde das Chinesenkind rote Bäckchen bekommen. Es trug einen lustigen spitzen Hut, der schwarz werden sollte. Sein Anzug auf der Vorlage hatte ein kariertes Muster, und auf seinem linken Unterarm saß ein gelb-grüner Papagei mit gebogenem Schnabel. Ein kleiner Bruder des Chinesen wartete auf ihrem Arbeitspult darauf, ebenfalls ein Gesicht und Kleidung zu bekommen. Er hielt einen zierlichen Sonnenschirm in der Hand.
Friederike seufzte. In diesem Jahr hatte sie deutlich weniger Chinesen bemalt als im Jahr zuvor. Sie schienen allmählich aus der Mode zu kommen. Wie schade, gehörten doch gerade die Chinesen zu ihren Lieblingsfiguren! Sie wusste auch nicht, warum sie ihr so viel besser gefielen als all die Gärtnerinnen, Schäferinnen, Limonadenverkäuferinnen, Winzer und Damen mit Krinoline, die neuerdings von ihr angekleidet werden wollten. Draußen war es nun fast dunkel. Eben hatte die Dienstmagd die beiden dreiarmigen Leuchter angezündet. Zum Malen brauchte man Licht. Mehrere Glutbecken sorgten für eine wohlige Wärme im Atelier. Denn obwohl es ein ungewöhnlich milder Herbst war, wurde es gegen Abend schon recht kalt. Sobald sie aber klamme Hände bekam, fiel es ihr schwer, den Pinsel zu halten und zu malen.
Sie hörte Schritte auf der Treppe. Ihr Bruder. Obwohl er, ganz wie es der Mode entsprach, mehr tänzelte als kräftig ausschritt, knarrten die alten Holzdielen unter seinen Füßen. Ohne anzuklopfen, drückte Georg die Türklinke herunter und steckte den Kopf durch den Spalt. Seine Perücke war verrutscht, sein Kragen verknittert. Seine ganze Erscheinung machte einen derangierten Eindruck. Schweigend betrat er den Raum und ließ sich mit einer lässigen Bewegung in den Fauteuil gleiten. Friederike hob die Augenbrauen.
"Liebste Schwester, wie schön du aussiehst, wenn du so in die Kunst vertieft bist!", hob er schließlich an.
Seine üppigen Lippen hatten sich zu einem strahlenden Lächeln verzogen. Mit einer weit ausholenden Handbewegung und einem gekonnten Augenaufschlag unterstrich er sein Kompliment.
"Ja, ja ..." Friederike war wenig beeindruckt von Georgs Begeisterungsbekundungen.

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