Die Ss

Eine Warnung der Geschichte

von Guido Knopp

Buch

Taschenbuch (413 Seiten)

Sprache: Deutsch

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Die SS - zwei Buchstaben, die für kaltblütigen Massenmord, gewissenlosen Terror, menschenverachtenden Rassenwahn und grenzenlose Macht stehen. »Killer mit kaltem Herzen« nennt Guido Knopp Hitlers »Schutzstaffel« in seiner umfassenden Dokumentation: von den Wachtruppen in den Konzentrationslagern über die Waffen-SS und die Sicherheitspolizei bis zur Nachkriegsorganisation »Odessa«.






Produktdetails

ISBN-10: 3-442-15252-6
EAN: 9783442152520
Erschienen: 01.11.2003
Verlag: Goldmann Taschenbuch
Einband: Taschenbuch
Sprache(n): Deutsch
Seitenzahl: 413
Länge/Breite: 183mm/125mm
Gewicht: 478 g
Reihe: Goldmanns Taschenbücher
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Guido Knopp

Prof. Dr. Guido Knopp war nach seinem Studium zunächst Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und anschließend Auslandschef der Welt am Sonntag. Seit 1984 leitet er die ZDF- Redaktion Zeitgeschichte. Guido Knopp hat zahlreiche Auszeichnungen erhalten, darunter den Jakob-Kaiser-Preis, den Europäischen Fernsehpreis, den Telestar, den Goldenen Löwen, den Bayerischen Fernsehpreis und das Bundesverdienstkreuz.

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    von Peter Röben, am 09.06.2005

    0 von 0 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.

    Guido Knopp liefert eine umfassende und ausführliche Darstellung der Funktionsprinzipien und Handlungen der SS. Er deckt dabei die Entstehungsgeschichte, die mythologische Basis, die Schandtaten und das Ende der "Elitesoldaten" auf. Zudem beschäftigt er sich mit den zahlreichen Myten über ein fortbestehen der Organisation nach dem zweiten Weltkrieg. Insgesamt sehr gut und umfassend, jedoch weniger eindringlich als Eugen Kogons "Der SS - Staat"

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Sie war der Inbegriff des Terrors. Sie vollzog den Massenmord. Sie verkörperte wie keine andere Organisation in Hitlers Reich den tödlichen Wahn vom Herrenmenschen. SS - die beiden Buchstaben in altgermanischer Runenschrift stehen für das wohl effektivste und gefährlichste Machtinstrument der NS-Diktatur. In nur wenigen Jahren wurde die »Schutzstaffel« von einer unbedeutenden Leibwache zu einem Staat im Staate Hitlers, einem Sklavenstaat.
»Deine Ehre heißt Treue« - unter der von Heinrich Himmler propagierten Losung sollten SS-Männer an den Fronten als »Feuerwehr« die Lücken stopfen, die Gefangenen und Zwangsarbeiter erbarmungslos ausbeuten, in mobilen Mordschwadronen und den Todeslagern des Regimes mit kaltem Herzen morden. Den Holokaust vollziehen - unter all den Organisationen des NS-Staats war nur die SS imstande und vor allem willens, diesen Auftrag Hitlers auszuführen.
In diesem Buch wird nicht versucht, den nützlichen und detaillierten Studien zur Geschichte der SS eine weitere hinzuzufügen. Hingegen wird zu einer Zeit, da die letzten Täter und die letzten Opfer noch am Leben sind, parallel zu einer international gestützten Fernsehreihe publizistische Bilanz gezogen: für ein großes Publikum, mit vielen bislang unveröffentlichten Quellen aus Archiven zwischen Washington und Moskau - und mit Zeugen der Geschichte der SS: Opfern, Tätern, Gegnern, die sich bislang nicht geäußert haben. Zeitzeugengestützte Dokumentationen solcher Art sind in fünf Jahren nicht mehr möglich. Es war also höchste Zeit.
Die SS begann ganz klein. Auf der Kegelbahn des Münchner Wirtshauses Torbräu schlug im Mai 1923 die Geburtsstunde des »Stoßtrupps Hitler« -22 Männer bildeten die Keimzelle des schwarzen Ordens. In Saalschlachten das Leben des »Trommlers« zu schützen, der »Führer« sein wollte - das war ihre Aufgabe. Auf ihren schwarzen Mützen trugen sie den Totenkopf - entliehen dem Emblem des 1. Garde-Reserve-Pionieregiments im Ersten Weltkrieg, das vor den Frontlinien mit Flammenwerfern operierte. »Todesverachtende Kampfesfreude« - mit solcher Schützengrabengesinnung wollten die Stoßtruppler die verhasste Republik stürzen.
Nachdem Hitlers dilettantischer Putschversuch im ersten Anlauf gescheitert war, stellte der aus seiner Haft entlassene Anführer im Jahr 1925 einen neuen »Stoßtrupp« auf: Die »Schutzstaffel« - SS - verstand sich wie der erste Trupp von Anfang an als eingeschworene Prätorianergarde, als »Elite« der Partei, in bedingungslosem Gehorsam ihrem »Führer« unterworfen. SS-Anwärter mussten zwischen 23 und 35 Jahre alt sein, zwei Bürgen nennen können, »gesund und kräftig gebaut«, mindestens 1,70 Meter groß und natürlich von »arischer Abstammung«.
Doch in den Jahren vor der Machterschleichung Hitlers verschwand das Häuflein der SS im Millionenheer der SA, deren »braune Bataillone« den Straßenkampf beherrschten. Auch wenn SS-Chef Himmler die Marschrichtung vorgab: »Die SA ist die Linie, die SS die Garde« - es war die SA, die unter Führung von Ernst Röhm den Weg zur Reichskanzlei mit ebnete und immer vehementer Anteil an der Macht im Staate forderte.
Die Stunde der Wahrheit schlug am 30. Juni 1934. In einer bis dahin beispiellosen Mordaktion töteten SS-Kommandos im Auftrag Hitlers die Führer der SA. In dieser »deutschen Bartholomäusnacht« begann der Aufstieg der SS zur mächtigsten Terrororganisation des »Dritten Reiches«. Die frustrierten braunen Revolutionäre waren Hitler mehr als nur im Weg gewesen. Der zügellose Terror der SA-Kohorten nach der Machterschleichung hatte das auf einen starken Staat erpichte Bürgertum verschreckt. Enttäuscht von Hitlers Bündnis mit den alten Mächten, forderte SA-Chef Röhm nach der nationalen nun die »nationalsozialistische Revolution« -und die noch immer ausstehende Belohnung seiner braunen Heere für die »Opfer der Kampfzeit«.
All das gefährdete den Pakt des neuen Kanzlers mit der Reichswehr - die er benötigte, um seine imperialen Ziele zu erreichen. So sammelten nun Himmlers Helfer Heydrich und Gestapo-Chef Diels Material gegen den vermeintlichen »Putschisten« Röhm. Doch die Gefahr eines »Röhm-Putschs« gab es nie. Der »Röhm-Putsch« war ein Putsch gegen Röhm. Ein Gebräu aus Gerüchten, manipulierten Beweisen und gefälschten Indizien diente als Vorwand, um den Querulanten Röhm zu stürzen.
SS-Einheiten und Polizeiverbände, ausgerüstet mit Waffen der Reichswehr, töteten nicht nur die Führer der SA, sondern auch, in einem »Aufwasch«, konservative Regimegegner wie Hitlers alten Weggefährten Gregor Strasser und den ehemaligen Reichskanzler Kurt von Schleicher.
Der wahre Gewinner des parteiinternen Machtkampfs aber war die SS unter ihrem bislang kaum bekannten »Reichsführer«. Der Aufstieg der SS ist untrennbar mit Heinrich Himmlers Weg verbunden.
Dessen insgeheimer Wahlspruch, ein frivoler Diebstahl aus dem Reservoir des alten Preußen, hieß: »Mehr sein als scheinen.« Keiner hätte je vermutet, dass ausgerechnet dieser unscheinbare Mann zum mächtigsten Satrapen Hitlers werden würde.
So unbeschreiblich die Verbrechen sind, die sich mit seinem Namen verbinden, so banal war der Mensch, der sie vollziehen ließ. Als »völlig unbedeutende Persönlichkeit«, als »Mann ohne Eigenschaften«, allenfalls als Typ des »Schulmeisters mit ausgeprägtem Sparsinn« wurde er von Zeitgenossen charakterisiert. In anderen Zeiten hätte er seine Talente wohl als Bürokrat entfalten können: Wie ein Finanzbeamter Hunderte von Steuererklärungen abzeichnet, so absolvierte Himmler seine Aufgabe:
Völkermord als Organisationsproblem.
Dass Hitlers Holokaust so gründlich, systematisch und mechanisch ablief, war vor allem Himmlers Werk. Die Mordfabriken inspizierte er persönlich. Täglich ließ er sich die Todeszahlen melden.
Der SS-Chef war kein Intellektueller, eher linkisch, furchtsam und entscheidungsschwach. Autorität erlangte er nicht aus der Überzeugungskraft seiner Person, sondern aus einem zielstrebigen und auf konsequente Machtentfaltung gerichteten Sinn. Organisationstalent und das bewusst gepflegte Bild des rigorosen Hardliners machten ihn zum unentbehrlichen Vollstrecker. Am Ende war Himmler als »Reichsführer SS« Chef der deutschen Polizei, Reichsinnenminister sowie als Oberbefehlshaber des Ersatzheeres nach Hitler der mächtigste Mann im Reich.
Sein Menschenideal war das des nüchternen und opferwilligen Gewaltmenschen, sein Ziel war dessen Züchtung. Seinen Mannen predigte er Lauterkeit und Sittlichkeit im gleichen Atemzug, in dem er auch Gewalt und Massenmord befahl: Unbarmherzigkeit als Tugend, mitleidloser Mord als Stärke. Himmler machte sich am Ende keine Sorgen um das Leid der Opfer, sondern um die Seelenpein der Täter. Nüchternheit und kalte Rationalität waren freilich nur die eine Seite seines widersprüchlichen Charakters. Zugleich verstieg er sich in ein absurdes Metgebräu aus Rassentheorie, Naturheillehre und völkischem Okkultismus.
Ausgerechnet dieser willige Vollstrecker, der »getreue Heinrich«, praktizierte in den letzten Kriegsmonaten eine doppelgleisige Verzweiflungspolitik.

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