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Ein Unterwegsroman

von Gunnar Homann

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Weitere Artikelinformationen

Am Anfang von Viktors Reise steht nicht viel mehr als ein Greyhound-Ticket und der Wunsch, irgendwann in Kalifornien anzukommen, egal auf welchem Weg - bloß nicht über Florida, denn »so kann man ein Stieleis nennen, aber keine Gegend«. Auf den Spuren Kerouacs lernt Viktor nicht nur das unbekannte Amerika jenseits der Sehenswürdigkeiten und Touristentummelplätze kennen, sondern auch Casbah Feininger (»Ein außerordentlich bescheuerter Name!«). Die deutsche Soziologiestudentin ist das Gegenteil von Viktor: pflichtbewusst, zielstrebig, nicht abgebrannt - »eine Schnepfe ... aber eine sehr gutaussehende Schnepfe«. Aus Selbstschutz bietet Viktor ihr spontan das »Sie« an. Und findet sich flugs in einem Mietwagen mit Frau Feininger wieder. In den kommenden Wochen wird sie erst zu seinem schlimmsten Alptraum - und dann zu seinem ganz persönlichen American Dream. Mit großer Zuneigung für seine Charaktere (ja, selbst für Frau Feininger!) begründet Gunnar Homann das Genre der Romantic Road Novel: In >All exclusive< schickt er sein odd couple auf einen ungeheuer rasanten, irrwitzig komischen und dann wieder unerwartet melancholischen Trip, in dessen Zentrum die bitterernste Frage steht, wie man eigentlich verdammt noch mal leben soll.

Produktdetails

ISBN-10: 3-8321-8551-8
EAN: 9783832185510
Erschienen: 02.2012
Verlag: DuMont Buchverlag
Einband: EPUB
Sprache(n): Deutsch
Auflage: 1
Seitenzahl: 120
Erschienen bei: DuMont Buchverlag
Spieldauer: 3188 KB
Kapitel: 0
Medium: EPUB
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ICH RETTE FRAU FEININGER (S. 72-73)
Solange der Chevy schneller rollt als erlaubt, habe ich meinen Frieden mit Zeit und Raum; solange ich nicht einschlafe, läuft alles genau, wie ich es brauche. Ich bin wach, ich höre die Ramones, und ich habe achtundvierzig Stunden Zeit, um bis nach San Francisco zu kommen und Frau Feininger zu retten. Um elf Uhr fünfzehn wird sie in der All Saints Church heiraten, und ich werde pünktlich sein.
Dafür habe ich mir diesen Chevy geliehen, diesen schönen alten Chevy. Mit ihm werde ich die über zweitausend Kilometer bis zur Kirche in null Komma nichts plattbügeln, und ich werde sogar noch Zeit haben, mir einen Hochzeitsanzug zu kaufen, ein Hemd und eine verdammte Krawatte. Ich werde vorfahren und Frau Feininger rauben, und ihr wird die Erleuchtung zuteil werden, und sie wird ihre Putzpläne vergessen. Ich werde einen Roman schreiben, und wir werden irgendwo wohnen, wo ein guter Wind weht und es ein Meer zum Draufschauen gibt oder zum drauf Surfen oder was weiß denn ich.
Kalifornien zum Beispiel. Ich komme ein gutes Stück durch Wyoming, ehe die Sonne hinter Bergen untergeht, deren Namen ich nicht kenne. Die USA sind voll von Bergen und Hügeln, deren Namen ich nicht kenne. Die Sonne gibt alles. Tiefrote und schwarze Streifen stehen am Himmel, und ich fahre mit meinem Chevy mitten hinein. Frau Feininger wird wahrscheinlich gerade mit Eddimann die Tischordnung durchgehen und im Geist Namenskärtchen verteilen. Sie haben einen Old-School-Saal mit Old-School-Parkett und Old-School-Lüstern gemietet. Schwere Tischdecken, komplizierte Besteck-Arrangements, Gläser aus Bleikristall, das ganze Programm. Eddimann trägt vorläufig Rollkragen, er ist eigentlich kein Westküstenmann.
Er ist WASP, Dunkelblau ist seine Farbe, irgendwelcher Marinekram. Frau Feininger mag so etwas, aber sobald sie mal in meinem Chevy sitzt,wird sie schlagartig verstehen, was sie alles nicht braucht: Edelhard, seine Sippe, Jacken mit Anker darauf. Sie weiß es eigentlich längst, sonst wären die letzten Wochen umsonst gewesen, aber es braucht ein krisenhaftes Erlebnis, damit sie den Sprung wagt. Ich trete aufs Gas und fräse mit dem Chevy durch die Dunkelheit. Im Radio spielen sie Johnny Cash, alles läuft vorbildlich, ich habe fast den Eindruck, der Chevy klopft den Takt.
Er klopft immer lauter und ekstatischer, es hört sich an, als würde gleich ein Kolben durch die Motorhaube schlagen. Ich fahre ran, warte fünf Minuten, dann versuche ich es noch einmal. Es hilft nichts: Der Motor hämmert immer noch. Scheiße. Scheiße! Scheiße! Scheiße! Ich bin noch nicht einmal in Salt Lake City, und diese minderwertige Amikarre macht schlapp. Für die nächste Brautentführung nehme ich einen Japaner. Ich will gerade anfangen zu telefonieren, ADAC, Automobile Association, Zentrale für Menschenrechtaufeinfahrendesauto, als ich zwei Scheinwerferkegel sehe. Sie zeigen Richtung Kalifornien. Ich schnappe mir den Seesack, springe auf den Highway und wedle mit den Armen. Der Wagen hält, ein verbeulter Ford mit einem hageren Kerl darin. »Was ist los, Mann?«

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