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Im Umland von Vigàta liegt ein Toter in einem Plastiksack. Wenig später taucht eine Frau im Kommissariat auf, die ihren Ehemann als vermisst meldet. Commissario Montalbano fühlt sich an eine Geschichte aus der Bibel erinnert, an den Verrat des Judas. Denn: Der Leichnam wurde in dreißig Teile zerstückelt, im sogenannten Töpferland verscharrt, der Schuss in den Nacken deutet auf Rache wegen Verrats hin, und bei dem Toten handelt sich offensichtlich um einen Fremden. Die Tat eines bibelkundigen Mafioso? Oder nur die blühende Fantasie eines Commissario? Eines weiß Montalbano jedenfalls genau: Sein Vize Augello verhält sich derzeit ziemlich merkwürdig und ist ihm nicht gerade eine Hilfe. Wie gut, dass manchmal auch Bücher inspirierend wirken. Zum Beispiel Der zweite Kuss des Judas - von Andrea Camilleri...
| Verkaufsrang: | 1.304 |
|---|---|
| ISBN-10: | 3-8387-1501-2 |
| EAN: | 9783838715018 |
| Originaltitel: | Il Campo del Vasaio |
| Erschienen: | 03.2012 |
| Verlag: | Lübbe Digital |
| Einband: | EPUB |
| Sprache(n): | Deutsch |
| Auflage: | 1 |
| Seitenzahl: | 280 |
| Übersetzer: | Moshe Kahn |
| Erschienen bei: | Lübbe Digital |
| Übersetzt von: | Moshe Kahn |
| Spieldauer: | 571 KB |
| Kapitel: | 0 |
| Medium: | EPUB |
Andrea Camilleri wurde 1925 in Porto Empedocle, Sizilien, geboren und lebt heute in Rom. Seine historischen Romane und Krimis lösten in den vergangenen Jahren ein regelrechtes Camilleri-Fieber aus und stürmten sämtliche vorderen Pätze auf den italienischen Bestseller-Listen. Camilleris Hauptfigur, Commissario Salvo Montalbano, gilt inzwischen weltweit als Inbegriff sizilianischer Lebensart und einfallsreicher Kriminalistik.
von Doris Oberauer, am 14.06.2013 aus der Thalia-Buchhandlung in Grieskirchen
Dreizehn(S. 121-122)
Auch Michele Tripodi war um die vierzig, doch im Unterschied zu dem kleinen, hageren Dambrusco war er groß, athletisch, sympathisch, ein blendend aussehender Mann. »Carlo hat mir erzählt, dass Giovanni verschwunden wäre. Stimmt das? Weiß Dolores es schon?« »Signora Dolores war es, die den Stein ins Rollen gebracht hat.« »Wann soll er denn verschwunden sein? Als Dolores von Gioia Tauro zurückkehrte, hat sie mir gesagt, dass Giovanni ordnungsgemäß an Bord gegangen sei.«
»Das hat Giovanni ihr weisgemacht oder man hat ihn gezwungen, ihr das weiszumachen.« Michele Tripodis Gesicht verdüsterte sich. »Das gefällt mir nicht«, sagte er. »Was?« »Der Satz, den Sie da gerade gesagt haben. Giovanni hintergeht Dolores nicht, und er hat auch keinen Grund, ihr etwas weiszumachen, was nicht zutrifft.« »Sind Sie sich da sicher?« »Worüber?« »Über beides.« »Hören Sie, Commissario. Giovanni ist so sehr in Dolores verliebt und körperlich von ihr angezogen, dass er mit einer anderen Frau, so hat er es mir einmal gesagt, mit Sicherheit gar nichts anfangen könnte.«
»Hatte er Feinde?« »Ich weiß nicht, ob er während der langen Zeiten auf See ... Ich denke, wenn dem so wäre, hätte er mir davon erzählt.« »Hören Sie, das Thema ist heikel, aber ich muss es ansprechen. Sollte Giovanni entführt worden sein, könnte es sich dann um einen Racheakt zwischen rivalisierenden Mafiabanden handeln?« Michele Tripodi verstand sofort. »Eine gegen die Sinagras gerichtete Rache, meinen Sie?« »Ja.« »Sehen Sie, Commissario, Giovanni hatte eine Dankesschuld gegenüber Don Balduccio, der ihm nach dem Tod des Vaters sehr geholfen hat ... Aber Giovanni ist ein ehrlicher Mensch, er hat nichts mit den Geschäften der Sinagras zu tun ...
Und für das, was sein Vater Filippo in Kolumbien gemacht hat, hat er sich geschämt ... Sicher, jedes Mal wenn er nach Vigàta kommt, besucht er Don Balduccio, das schon, aber er hat keine so enge Beziehung, dass ...« »Verstehe. Wissen Sie, ob Giovanni jemals Kokain genommen hat?« Michele Tripodi fing an zu lachen. Ein heftiges, von Herzen kommendes Lachen. »Was reden Sie denn da? Giovanni hasst Drogen aller Art! Er raucht ja nicht einmal.
Selbst Dolores hat er vom Laster des Rauchens befreit! Sie wissen, weshalb sein Vater ermordet wurde? Okay, dieses Ereignis hat Giovannis Leben und sein Verhalten nachhaltig geprägt.« »Verzeihen Sie mir, es gibt noch eine heikle Frage, die ich Ihnen stellen muss. Sie betrifft Signora Dolores. Im Ort gibt es widersprüchliche Meinungen über sie.« »Commissario, Dolores ist eine schöne Frau, die gezwungen ist, immer wieder für sehr lange Zeit allein zu sein. Und vielleicht hat sie den Fehler, allzu impulsiv zu sein, allzu offenherzig, und das kann zu dem einen oder anderen Missverständnis führen.«