BuchhändlerInnen im Portrait
aus Düsseldorf
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- 32 Jahre
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- Belletristik
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Schnitt!Rezension vom 09.10.2011
IN MY SKIN - Edtition Störkanal
Digipack im Schuber
Esther fühlt sich wohl in ihrer Haut. Sie ist jung, gutaussehend und beruflich erfolgreich. Ihr Freund liebt sie, man plant zusammen zu ziehen.
Als Esther bei einer Party frische Luft schnappen will, stürzt sie im nächtlichen Garten über Bauschutt. Erst Stunden später bemerkt sie, dass sie sich am Bein verletzt hat und stark blutet. Der diensthabende Arzt in der Notaufnahme des Krankenhaus wundert sich, dass sie erst jetzt komme und nicht über Schmerzen klage, sogar behaupte, nichts gemerkt zu haben.
Diese Erfahrung ist für sie - im wahrsten Sinne - einschneidend.
Anfänglich von der Wunde fasziniert, fügt sie sich selbst rasch neue zu, immer mehr, immer größere. Sie entwickelt Obsessionen für Schmerz und Blut, bis hin zu gewalttätigen Exzessen - an sich selbst. Im Tunnelblick ihrer Leidenschaft setzt Esther (gespielt von Marine de Van, beängstigend in ihrer ungeschminkten Nacktheit) alles auf´s Spiel. Als sie den Fragen und Entsetzen ihres Partners schließlich nichts mehr entgegen zu setzen weiß (einmal fingiert sie sogar einen Autounfall, um ihre Wunden zu erklären), verschanzt sie sich in einem Hotelzimmer und lebt ihre neu entdeckte Begierde in unvorstellbarem Maß aus. Das Ende des Filmes bleibt offen.
IN MY SKIN ist eine Alptraum, hart und verstörend, eine Zumutung, dieser Film ist in künstlerischem Sinne mutig, faszinierend und groß, aber sicherlich auch Qual! -
Die Metamorphose der Sophie Rois zu Jane Eyre.Rezension vom 08.10.2011
Sophie Rois liest Charlotte Brontës JANE EYRE
7 CDs, circa 616 Minuten, sorgsam gekürzte Hörbuchfassung
Ich war vermummt mit schweren raschelnden Stoffen.
Wind, Wetter und archaischen Landschaften ausgesetzt.
Die wärmende Glut des Kaminfeuers färbte mir die Bäckchen rot.
Ich stand staunend vor goldgerahmten Gemälden.
Ich befühlte mit ausgestrecktem Zeigefinger holzvertäfelte Wände und in Leder gebundene Buchrücken.
Ich saß auf schweren Möbeln in kerzenflammendunklen Räumen.
All das vermochte das starke, unnachahmliche, eigenartig einzigartige Stimmorgan, der großartigen Sophie Rois, mit mir anzustellen.
Die Metamorphose der Sophie Rois. Von der traurigen Waise, zur unscheinbaren, puritanischen Gouvernante und schließlich zur stolzen und unabhängigen Erbin Jane Eyre. -
Jane, oh Jane!Rezension vom 08.10.2011Jane, oh Jane!
Charlotte Brontë JANE EYRE
Leinen gebunden, Schutzumschlag, Lesebändchen
Nun, der Inhalt ist wahrscheinlich - in groben Zügen - hinlänglich bekannt.
Die kleine Jane Eyre ist Waise. Nach freudloser Kindheit bei Verwandten wird sie ins Waisenhaus Lowood geschickt, in dem sie sechs Jahre als Schülerin und zwei als Lehrerin verbrachte. Jane Eyre inseriert und findet eine gute Stelle als puritanische Gouvernante auf Thornfield. Hausherr Mr. Rochester und Jane finden recht schnell zueinander und stehen alsbald vor dem Traualtar. Doch es geschieht Entsetzliches. Jane Eyre flieht mitten in der Nacht und fast mittellos aus Thornfield...
In jedem Stadium ihrer Metamorphose ist Jane Eyre, bei allem was recht ist, stets höflich, fügsam, gutmütig und anständig. Die Last musste geschleppt werden, die Bedürfnisse mussten gestillt werden, das Leiden ertragen, die Verpflichtungen erfüllt. Weiterkämpfen, nach Leben streben und sich der Plackerei unterwerfen.
Dabei ein steter Beigeschmack unendlicher Traurigkeit, märchenhaft und düster.
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Warum nicht mal wieder einen Klassiker der Weltliteratur?
Die Lektüre Charlotte Brontës JANE EYRE hat mich nicht nur uneingeschränkt in Entzücken versetzt (Entspannen Sie sich, meine Damen und Herren Kollegen, es ist nicht Jane Austen!). Nein, nicht nur das, JANE EYRE hat mir Lust auf mehr gemacht. Und ich wurde nach papierner Recherche rasch fündig.
So hat Daphne du Maurier die grässliche Geschichte um die versteckte geisteskranke Frau aufgegriffen, und in ihrem Roman REBECCA adaptiert. Diesen Roman wiederum hat Alfred Hitchcock zu gleichnamigem Film inspiriert. Ja, ja, von der Brontë zu Hitchcock! -
Schnaps für die Völkerfreundschaft!Rezension vom 04.10.2011
Seinem Alter und schmerzenden Knien zum Trotz, klettert Allan Karlsson - mir nichts, dir nichts - aus dem Fenster. Geistig ist er völlig klar, sicher, eine Schwäche für Schnaps hat er schon. Ausgerechnet an seinem hundertsten Geburtstag, kehrt der Jubilar seinem alten Leben, im Altersheim von Malmköping, den Rücken.
Auf dem örtlichen Bahnhof stiehlt er einen Koffer. Dieser beinhaltet fünfzig Millionen Kronen. Der mehr oder minder rechtmäßige Inhaber des Koffers ist Mitglied einer kriminellen Bikergang.
Auf seiner Flucht bleibt der sympathische Alte nicht lange allein. Mit einer Schar bunter Persönlichkeiten, plus Sonja, die Elefantenkuh, ziehen sie, wie die Bremer Stadtmusikanten auf Abenteuerreise, durch das Königreich und wirbeln ordentlich Staub auf.
Und das ist nur EIN Teil der Geschichte. Sobald Allan ein Gläschen in der Hand hat, erzählt er seinen Begleitern und uns seine bemerkenswerte Lebensgeschichte. Er habe kräftig mitgemischt bei den Geschehnissen auf der Weltbühne. Und je mehr Gläser er konsumiert, umso subjektiver färben sich seine Auslassungen. Ja, er habe den Lauf der Weltgeschichte beeinflusst. Allan (Himalayaüberquerer, Sprengstoffexperte, Gulagflüchtling, CIA-Agent...) hat Franco unter den Tisch gesoffen, Mao hat sein Leben gerettet, Stalin habe ihn als "Hund" beschimpft und Kim Jong-il saß heulend bei ihm auf dem Schoß et cetera.
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DER HUNDERTJÄHRIGE, DER AUS DEM FENSTER STIEG UND VERSCHWAND von Jonas Jonasson ist wie Münchhausens Kanonenkugel: Die Story ist rund, in rasantem Tempo und geschichtenschwer. Ein kleines Gesamtkunstwerk, in Aufmachung, Ausstattung und Inhalt.
Ein Buch, das zeigt, dass die Grenzen zwischen Wahrheit und Lüge manchmal haarfein sind; bis rapunzelzopfdick.
Und fragen Sie mich, so basiert diese Räuberpistole und Farce, selbstverständlich und ausschließlich auf wahrer Begebenheit. Zwinker! -
Corpus Delicti: ´Die kalydonische Eberjagd´ (P.P. Rubens)Rezension vom 03.10.2011
Der charismatische Roger Brown akquiriert Topmanager. Er ist Headhunter: professionell, analytisch, ohne gefühlsmäßiges Engagement.
Während Brown spektakuläre Lebensläufe studiert, setzt er die nervösen Bewerber militärischen Verhörtechniken aus. Und die schwatzen, bereitwillig wie die Waschweiber, über ihre Kunstschätze und Sicherungssysteme der Eigenheime. Während der potentielle Jobaspirant zu einem Zweitgespräch geladen ist und schwitzt, tauscht Browns Handlanger Gemälde mit Reproduktionen, in dessen Wohnung.
Doch dann gerät er an eine harte Nuss: Kunstfreund und wie sich bald zeigt, psychotischer Gewalttäter Clas Greve. Ein erbitterter Kampf zwischen Brown und Greve entflammt.
Öffentlichkeit und Polizei verzweifeln am Versuch, dieses schwierige Puzzle zusammenzusetzen, bei dem es weder Überlebende, noch Zeugen gibt. Acht Todesopfer sind an sich schon nichts Alltägliches, auch nicht in Schweden. Aber welche Rolle spielt ein weltberühmtes Gemälde von Peter Paul Rubens in diesem bizarren Fall?
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HEADHUNTER beinhaltet unvergessliche Szenen, mit denen Jo Nesbø - nebst Harry Hole - in die Annalen der Kriminalliteratur eingehen muss.
"Ich habe dich gesehen ... aus der Froschperspektive ... Auf einem Plumpsklo ..."
Ein Thriller mit beinahe physischer Wirkung, der mich wie magnetisch anzog. Nesbø schreibt in überwältigender Intensität, die mir Angst macht. Ich habe mich an diesem Buch festhalten müssen, vor (An-) Spannung, bis die Fingerknöchel weiß wurden, mit aufeinander gepressten Kieferknochen, das Hirn auf Hochtouren. Puh! -
Voll korall!Rezension vom 03.10.2011
Gestatten, Spongebob Schwammkopf aus Bikini Bottom. Quadrathosenträger und Burgerbrater in der Krossen Krabbe. Hobby: Quallen fischen. Er bewohnt eine 2-Zimmer-Ananas gemeinsam mit seiner Hausschnecke Gary. Mau! Mit Patrick Star, einem Seestern, pflegt er den Für-immer-beste-Freunde-Club. Weitere Freunde sind Thaddäus Tentakel (ein Tintenfisch), Sandy Cheeks (ein Eichhörnchen) und Mr. Krabs (eine Krabbe).
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EISKALT ERWISCHT
"Iiich bin bereiiit!" Der größte Tag in Spongebobs beruflicher Laufbahn als Burgerbrater: das elfundsiebzigste Betriebsjubiläum der Krossen Krabbe. Da heißt es pünktlich sein. Also rasch frische Socken aus der Dose und ein glückliches Gesicht aufgesetzt. Kurz vor Eröffnung der großen Feier, werden Spongebob, Mr. Krabs, Patrick und Thadäus im Kühlraum eingeschlossen. Walfischdreck! Plankton sieht seine Chance endlich die Krabbenburger-Geheimformel zu stehlen.
"Krosse Krabbe, Krossé Krabbé,
wie ich mich freu´, wenn ich Dich seh´.
Die Krabbenburger frisch vom Grill,
die jeder Kunde haben will.
Die Preise hoch, die Burger klein,
ja auch der Spritzer Senf muss sein.
Krosse Krabbe, Krossé Krabbé,
oh, wie ich Dich doch liebe!"
NEUREICH
Bei seiner Wanderung tief in den Quallenfeldern, stößt Spongebob auf eine Muschel, die nach markerschütterndem Schrei eine Perle hustet. Spongebob verkauft den vermeintlichen Volleyball für Lastwagen voller Geld. Plötzlich hat er nicht nur ein riesiges Vermögen, sondern auch 479 Freunde. Doch schon bald ist das gesamte Geld weg - die Freunde auch. Nur Patrick steht seinem besten Freund auch ohne Reichtum zur Seite. Voll korall!
CHORKNABEN
Auf seinem Weg zum Vorsingen, als Solostimme im berühmten Männerchor von Bikini Bottom, stolpert Thaddäus über den depressiven Spongebob. Patrick ist weg, bei einem Familientreffen. Allein und traurig, einsam und verlassen, sehnt sich Spongebob nach Beschäftigung und jemanden zum Spielen. Als Spongebob zu trällern beginnt, wird IHM der Chormitgliedsschnauzbart verliehen. "Fiiigaaarooo!" Da kann Thaddäus nur noch wütend mit dem Augenlied zucken.
DIE KROSSEN KNOCHENBRECHER
Der Höhepunkt der Wrestling-Saison. Derjenige, der die unbesiegten Schwergewichts-Giganten besiegt, erhält den Titel des neuen Weltmeisters und eine Million Dollar in bar. Mr. Krabs, Dollarzeichen in den Augen, schickt Spongebob und Patrick in den Ring. "Schnellimbiss-Boy" und "Die pinke Bulette" werden dank Patricks trainiertem Eisenhintern die neuen Champions. Doch das Geld wollen sie nicht. Mr. Krabs zerfällt ungläubig in seine Einzelteile.
DIE KARTE
Heute kommen die neuen Superhelden-Meerjungfraumann-und-Blaubarschbube-Sammelkarten heraus. Spongebob plündert sein Sparbuch und kauft fast alle. Doch die ultraseltene Animation-O-Ton-Karte, im gesamten Ozean existieren nur 5 Stück, ist nicht dabei. Als Patrick das letzte Tütchen kauft, ist das Sammlerstück darin. Spongebob ist kurz vor einem Nervenzusammenbruch. Algengrütze!
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Was für ein irrwitziger, existentieller, weltverbessernder Unsinn! Den nächsten Friedensnobelpreis bitte, bitte in die Hände des Erfinders der illustren Unterwasserwelt und ausgebildeten Meeresbiologen Stephen Hillenburg.
Und lassen Sie in Zukunft gefälligst die Finger von Ihrem Topfschwamm, in Neptuns Namen! -
Kommissar Mørck zwei Die JagdRezension vom 02.10.2011
Ein neuer Fall für das Sonderdezernat Q. (Eine neu eingerichtete Ermittlungseinheit für bislang unaufgeklärte Fälle von besonderem Interesse, eigentlich nur gegründet um den kauzigen Ermittler Carl Mørck, als dessen Leiter, zu beschäftigen.)
Mørck, ein mürrisches Phlegma, die neue Akte vor sich, seufzt müde. Zwei junge Menschen wurden ermordet, auf bestialische Weise. Unter den Verdächtigen waren fast nur Kinder von reichen Leuten. Nach neun Jahren meldet sich einer aus dieser Gruppe - de facto der einzige arme Schlucker dazwischen - und legt ein Schuldbekenntnis ab. Ein Fall der zwanzig Jahre zurücklag und dazu mit einer Verurteilung abgeschlossen war. In wenigen Jahren würde die Strafe abgesessen sein.
Die Ermittlungen führen Mørck und seinen Assistenten Assad (syrischer Araber, Mädchen für alles, Vorliebe für zuckersüßen Pfefferminztee) in die besseren Kreise, ganz nach oben, in das eng verzweigte Geäst des Geldbaumes. Der Champagner und das Selbstlob fließt in Strömen, sie verdienen Millionen, aber das Töten ist es, was sie brauchen, um sich lebendig zu fühlen.
SCHÄNDUNG ist ein bösartiger (mit recht grellen Gewaltschilderungen) und witziger Kriminalroman, der den Leser immer wieder auf die falsche Fährte lockt.
"Gesegnet sei der Fuchs." (Mørck) -
"Allah sei gepriesen." (Assad) -
Glasmurmelbunt, hypnotisierend und magisch schön.Rezension vom 30.09.2011
London 1894. Adrian Mayfield verliert nach einer Kneipenschlägerei seine Stelle als Ladendiener für Herrenmode. Ein langer, aus seinen Kleidern herausgewachsener, zerzauster Sechzehnjähriger, in der Gosse, ohne Geld, nichts zu essen, keine Bleibe. Ausgerechnet bei Trops, einem mondänen Dandy, sucht Mayfield Unterschlupf. Trops, der sich ihm, während seiner Tätigkeit im Geschäft, übergrifflich zeigte.
"Na? Bist du bereit, mir deine Seele zu verkaufen?" -
"Für ein Schinken-Käse-Sandwich kannst du sie haben."
Der süße Vogel Jugend flattert, mehr oder minder freiwillig, in die mit Gold und Edelsteinen beringte Klaue der dekadenten Bohème.
Adrians Gönner verschafft ihm nicht nur eine Anstellung als Malermodell, er führt ihn auch in die purpurfarbene Café-Royal-Clique rund um Oscar Wilde. In dieser verdorbenen Märchenwelt für Erwachsene entwickelt sich Adrian, rasch und gerne, zum Ministranten des Hedonismus. Und er verliebt sich ausgerechnet in Bosie.
"Ich mochte Boxen, Prügeleien ... , Pferdewetten und Saufen, kurz alles, was jeder gesunde englische Junge gern hatte. ... Lieber Gott, was stimmte denn nicht mit mir?"
Floortje Zwigtman verflicht real existierende, historische Persönlichkeiten der Ära des Fin de Siècle (wie Aubrey Beardsley, Lord Alfred Douglas und Oscar Wilde), mit der fiktiven, theatralisch-tragischen Lebensgeschichte Adrian Mayfields.
Möchte man in Schubladen denken, so ist ICH, ADRIAN MAYFIELD irgendwo zwischen Wildes DAS BILDNIS DES DORIAN GRAY, Fs WIR KINDER VOM BAHNHOF ZOO und Steinhöfels DIE MITTE DER WELT einzuordnen. Ein Buch das ich, nach der letzten Seite, seufzend und schweren Schrittes, liebevoll, fast zärtlich zum Regal trug.
Nachschrift: Ich habe mir nicht nur umgehend den zweiten und dritten Band bestellt (Denn auch gebrochene Herzen schlagen weiter!), sondern auch schwarze Lackschuhe. Schick - meine Kollegen (insbesondere MR) sind abweichender Meinung. -
Gottvater des SerienkillersRezension vom 30.09.2011
AKT DER LIEBE ist wie ein abgerichteter Pitbull Terrier. Man streckt die Hand aus und er schlägt Dir die Zähne ins Fleisch, ohne knurrende Vorwarnung. Zerrt, schlägt den Kopf hin und her, reißt, und wird nicht eher loslassen, bevor es vorbei ist.
Wir befinden uns in einem berühmt berüchtigten Viertel in Houston, waten durch menschlichen Bodensatz. Im Leichenschauhaus ist mehr los als in der Innenstadt. Denn der "Houston Hacker" verbreitet Angst und Schrecken und entsetzlich entstellte tote Frauen. Ein perverser Killer der aus Ekstase tötet, ein nicht kontrollierbares Verlangen, die Entzückung beim Anblick von Blut und Qual, Lustmord, ein AKT DER LIEBE.
1981 datierte J.R. Lansdale mit AKT DER LIEBE die Geburtsstunde des Serienkillers. Eine beklemmende Mixtur aus Nekrophilie und Sadismus. Lansdale, ein Pionier des Genres, seiner Zeit voraus, schuf in erbarmungsloser, drastischer und sachkundiger Anschaulichkeit einen Klassiker des Horrors mit viel Kraft und Tempo. Und eben wie rohes Fleisch: kalt, blutig und zäh. -
Psychogramm einer Dorfgemeinde oder Die Grausamkeit der KinderRezension vom 28.09.2011
Willkommen in Hemmersmoor. Eine winzige Gemeinde, im Sommer eine beliebte Kulisse für großstädtische Hobbyfotografen und makellose Attraktion für zahlende Ausflugsgäste. Hinter den hübschen, bunten Fassaden geht es jedoch düster zu.
Hinzugezogene werden in Hemmersmoor mit Argwohn betrachtet, selbst nach Jahrzehnten. Als "Die Neue" den alljährlichen Kochwettbewerb gewinnt, wird sie und ihre Kinder, vom aufgebrachten Mob, erschlagen und samt Haus niedergebrannt. "So ein abgefeimtes Luder."
Nun, dieses bittere Anekdötchen, mit dem Kiesby seinen Roman HEMMERSMOOR beginnen lässt, ist lediglich Vorgeschmack. Die grausame Hauptrolle spielen die Kinder des Dorfes. Doch wir reden hier nicht von Lausbubenstreichen. Das Kind als Verkörperung schierer Boshaftigkeit, Verursacher unglaublich gewalttätiger, herzloser Greultaten, aus niedersten Instinkten.
Bei aller Märchenhaftigkeit, erzählt Kiesby in frappierend direkter Konfrontation, die dem Ungeheurlichen Normalität und Selbstverständlichkeit verleiht, dass es einem kalte Schauer über den Rücken jagt.
Wer sich nicht fügt, wer nicht passt, oder besser: der Nagel der aus der Gemeinschaft heraussteht, muss gezogen oder eingeschlagen werden!














