Rezension vom 09.11.2010
Zwei Dinge vorweg:
Zum einen reicht der Film natürlich nicht an das Buch heran. Gerade zum Ende hin kann nicht mit der Komplexität mitgehalten werden, mit der Charaktere und Handlung bei Ken Follet ausgestattet werden.
Zum anderen habe ich mir bisher nur die englische Fassung zu Gemüte geführt. In dieser Hinsicht weiß ich also nicht, ob in der Übersetzung zu viel verloren geht- meine Ahnung ist, dass das durchaus der Fall sein könnte.
Denn Prunkstück ist - überraschender Weise - die schauspielerische Leistung der meisten Darsteller, obwohl man sie nicht unbedingt kennt (ansonsten ist schon an manchem wie den Außendarstellungen gespart worden). Hervorzuheben sind aber die Darstellungen des Tom Builder und Prior Phillip. Gerade bei letzterem ist es eine große Leistung trotz nach außen hin getragene Schlichtheit (samt Aussehen) noch die persönlichen Gefühle sichtbar werden zu lassen. Allzu oft schleicht ein solcher Chrakter nur durch die Gegend und äußert sich lediglich kryptisch. Da Phillip mit diesem zurückhaltenden Auftreten einen der Hauptcharaktere ausmacht, stellt es eine schöne Leistung dar, seine verschiedenen Seiten wie die Gottesfürchtigkeit aber auch den Ehrgeiz herauszuarbeiten.
Noch viel mehr gilt dies für die Darstellung des Bischofs Waleran: Alter hin oder her- die schauspielerische Leistung ist großartig. Man muss allerdings auch genau hinschauen und vor allem hinhören. Wenn in seinen Dialogen oft die Rede von der Macht der Worte ist, so wird dies in eben diesen auch belegt. Nicht effektheischend laut, sondern leise und subtil kommt dieser Bischof daher, ganz wie im Roman. Und es hat schon etwas sehr diabolisches, wenn er seine Abmachungen in ruhigem Ton und so beiläufig einfordert. Der Grund aber, warum ich hier die beste Leistung sehe, ist die andere Seite, die Waleran zeigt und charakterisiert. Nichtsdestotrotz ist er als Mann der Kirche fromm. Seine Selbstkasteiung und vielmehr noch seine Gebete werden als aufrichtig dargestellt. Es handelt sich nicht um einen reinen Teufel, sondern eine zerrissene Persönlichkeit, die in einigen Momenten auch überzeugend sichtbar wird. Man nehme als Beispiel nur die Szene, in der er die weinende Madonna zum ersten Mal sieht: Obwohl völlig dagegen eingenommen, kann er sich seiner Ehrfurcht nicht erwehren, wie man in seinem Gesicht ablesen kann..
Andere Schauspieler empfand ich persönlich dagegen als nicht so überzeugend. Beispielsweise wird bei König Stephen doch sehr überzogen und auch Jack kommt verdammt schlicht herüber.
Fazit: Als Fernsehfilm kann hier ganz so kein effektreicher Film wie im Kino erwartet werden. Zudem ist die Vorlage schwierig umzusetzen- nicht umsonst hat sich noch niemand bisher daran getraut. Aber trotz einiger Defizite wartet der Film auch mit sehr guten Momenten und biweilen interessanter Charakterzeichnung auf.