Aufzeichnungen aus Birma

von Guy Delisle

Buch

Taschenbuch (272 Seiten)

1. Auflage

Sprache: Deutsch

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Mehr als ein Jahr weilte Guy Delisle mit seiner Familie im südostasiatischen Birma, das offiziell eigentlich Myanmar heißt. Während seine Frau dort für die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen arbeitet, erfährt Guy Delisle die politische und soziale Realität des von einer geächteten Militärjunta beherrschten Landes. Als er die Gelegenheit erhält, birmesischen Künstlern Unterricht in Trickfilmanimation zu geben, erschließt sich ihm ein ganz persönlicher Einblick in das Leben und Leiden der einfachen Bevölkerung. Auf fast dreihundert Seiten entstehen so Aufzeichnungen aus einem familiären Mikro- und einem birmesischen Makrokosmos.

Produktdetails

ISBN-10: 3-941099-01-9
EAN: 9783941099012
Erschienen: April 2009
Verlag: Reprodukt
Einband: Taschenbuch
Sprache(n): Deutsch
Auflage: 1. Auflage
Seitenzahl: 272
Länge/Breite: 243mm/164mm
Gewicht: 664 g
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Guy Delisle

Guy Delisle, geboren 1966 in Quebec, studierte plastische Kunst in Toronto. Von 1986 bis 1988 arbeitete er für das Zeichentrickstudio CinéGroupe in Montréal, anschließend ging er nach Europa und zeichnete für Studios in München, Berlin und Valencia. Seit 1991 lebt und arbeitet Guy Delisle in Montpellier.

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Kundenrezensionen

  • Ein Jahr in Birma für Ärzte ohne Grenzen Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv

    von Asiabuch, am 01.01.2010

    0 von 0 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.

    Guy Delisles bessere Hälfte arbeitet für Ärzte ohne Grenzen. Die Delisles werden gemeinsam mit Baby Louis reisen, der gerade zu krabbeln beginnt. Mutter Nadège hat sich vorher umgehört und darauf bestanden, dass in Myanmar ein großer Windelvorrat lebensnotwendig ist. Natürlich finden die Neuangekommenen gleich am ersten Tag einen gut sortierten Supermarkt, der auch Windeln im Angebot hat. Man gerät nie in die Situation, auf die man sich vorbereitet hat, sondern wird mit Sicherheit ein völlig anderes Problem haben. Während Vater Guy im Wohnheim für ausländische Helfer Louis hütet, packt Nadège ihren Rucksack, um auf Drei-Tages-Touren Gesundheitsprojekte in den Gebieten der Karen und der Mon zu besuchen. Louis ist gefesselt von birmanischen Steckdosen mit Kippschalter und Betriebsleuchte, die gerade die richtige Höhe für Krabbelkinder haben. Der Schock, dass ein Buggy-schiebender Vater ein kompletter Niemand ist, weil alle nur Augen für das Baby (hier für das ausländische Baby) haben, währt für Delisle nur kurz und bald erkundet der junge Vater fröhlich mit Luis und Buggy durch die Stadt holpernd seine neue Umgebung. Als Louis einen Platz in einem französischen Kindergarten bekommt, kann Guy Delisle wieder in Ruhe zeichnen und seine Erlebnisse in der Militärdiktatur Myanmar zu Papier bringen. In kurzen Kapiteln von 2 bis 4 Seiten Umfang nehmen wir am Leben der jungen Familie in tropischen Klima teil, verfolgen ihre Sorgen um die Ausbreitung der Vogelgrippe und amüsieren uns über fette Kröten, Schlangen und anderes Getier. Delisles Abgeschiedenheit als Stay-at-home-Dad, der sich in einer geschlossenen Gruppe ausländischer Helfer stark als Außenseiter empfindet, währt nur kurz. Schon bald beginnt er, eine kleine Gruppe von einheimischen Illustratoren zu unterrichten und erhält den Auftrag, eine Broschüre für HIV-infizierte Kinder zu illustrieren.

    Während Shenzhen in sehr düsteren Bildern Delisles Isoliertheit in einer ihm unverständlichen Kultur zeigt, vermittelt "Aufzeichnungen aus Birma" eine wohltuend heitere Stimmung. Mit Landkarten und Berichten aus der Perspektive ausländischer Helfer finde ich den Band erstaunlich informativ. Goldene Pagoden und freundliche Nachbarn halten Delisles nicht davon ab, die Widersprüche einer Diktatur aufzuzeigen, die sich für die Bekämpfung von Malaria, Tuberkulose oder HIV nicht zuständig fühlt. Delisle nimmt kritisch die Bürokratie Myanmars aufs Korn und hinterfragt, ob ausländische Helfer trotz Behinderung ihrer Tätigkeit durch die Militärdiktatur nicht dieses Regime gerade damit stützen, dass sie unter unzumutbaren Arbeitsbedingungen ausharren. Dass der Illustrator für das Titelbild seines Buches kein sattes Reisfeld-Grün wählt, sondern ein gedecktes, militärisch wirkendes Grün, gibt zu denken. Genial finde ich, wie Delisle seinem Alltag das touristische Birma entgegensetzt, das die junge Familie bei Ausflügen kennen lernt. Die staatlich gesteuerte Kultur zeigt sich gerade in Delisles winzigen Schwarz-Weiß-Streifen eindringlich als gelackte, menschenleere Fassade für ausländische Besucher.

    Falls Sie darüber nachdenken, mit Kind und Kegel ein Jahr in Südostasien zu verbringen, kaufen Sie Delisles Birma-Tagebuch. Falls Sie Rucksack oder Container schon gepackt haben, kaufen Sie es. Und falls ein anderes Familienmitglied Interesse an einem Asien-Aufenthalt zeigt, verschenken Sie es! Delisles umfangreiches Comic-Tagebuch seines Birma-Aufenthaltes im Jahr 2005 empfinde ich als eines der charmantesten und zugleich informativsten Bücher, das bisher über ein asiatisches Land erschienen ist.

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