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Rezensent im Portrait

Curculio aus Deutschland

Gesamte Rezensionen 44 (ansehen)


Meine Rezensionen

(19.08.2013)

Ein Engel auf Abwegen?

Ich wollte schon sehr lange mal was von Tad Williams lesen, weil man ja unweigerlich auf seinen Namen trifft, wenn man sich für Fantasy interessiert. Nun war es endlich soweit und obwohl (oder gerade weil?) es sich hierbei um urbane Fantasy handelt, bin ich begeistert. Allein schon die Idee hat mir auf Anhieb gefallen.
Bobby ist der Ich-Erzähler der Geschichte und er kommentiert die Geschehnisse sehr bissig, sarkastisch und selbstironisch. Selbst in den brenzligsten Situationen hat Bobby immer einen coolen Spruch auf Lager. Allerdings war durch seine ausschweifende Erzählweise der Einstieg für mich ein wenig zäh. Es war sehr lustig zu lesen und man hat einige Hintergründe erfahren, aber ich musste mich erst an den Stil gewöhnen. Dann allerdings sind die Seiten nur so dahin geflogen.
Bobby selbst ist sehr abgebrüht und hat immer einen lockeren Spruch auf den Lippen, außerdem geht er mit jüngeren Kollegen nicht gerade zimperlich um, aber trotzdem ist er sehr sympathisch. Seine grundskeptische Einstellung hat er mit seinen erdgebundenen Engel-Kollegen wohl gemeinsam, allerdings ist sie bei (unter anderem) ihm noch deutlich stärker ausgeprägt und bereitet ihm so manche Probleme. Er stellt viele Fragen und zweifelt vieles an und muss infolge dessen das ein oder andere Mal umdenken, womit er sich keine Freunde macht.
Auch die Nebencharaktere sind allesamt sehr originell. Da ist zum Beispiel der einsame George, genannt Fatback, der Bobby mit Informationen versorgt, allerdings erst nach Mitternacht. Dann der Möchtegern-Gangster G-Man, der Bobby ganz schön auf die Nerven geht. Oder Nachwuchs-Anwaltsengel Clarence, der von Bobby und Sam (Bobbys Freund und Kollegen) immer so schön hochgenommen wird. Einfach zum Schießen.
Die Handlung selbst ist durchgängig sehr spannend und actionreich: Es gibt wilde Verfolgungsjagden, Schießereien mit sehr viel krach-bumm-peng und es fehlen natürlich auch Intrigen und Geheimnisse nicht. Insgesamt empfand ich den Roman als Spionage-Thriller im Fantasy-Gewand, gewürzt mit Bobbys bissigem Humor.
Die Geschichte ist größtenteils in sich abgeschlossen, so dass es theoretisch auch möglich ist, den Roman für sich zu lesen. Es werden natürlich nicht nur Fragen beantwortet, sondern auch neue aufgeworfen, die dann wahrscheinlich für die Folgebände relevant sind, aber es gibt keinen Cliffhanger oder ähnliches.
Sehr gelungen fand ich auch die Passagen im Himmel. Es ist sehr bildlich beschrieben, aber gleichzeitig auch etwas diffus, traumhaft, wie auch Bobby selbst seine Besuche beschreibt. Die Umsetzung fand ich sehr gelungen, da beim Lesen (bei mir zumindest) genau dieses Gefühl aufkam. Es war weder zu konkret, noch zu schwammig, sondern genau richtig.

Fazit:
Insgesamt ein spritziger Auftakt für eine neue Trilogie um den Anwaltsengel Bobby Dollar, der mich voll überzeugt hat. Die Idee ist toll und detailreich umgesetzt und bietet noch reichlich Geheimnisse und Intrigen für nachfolgende Bände. Die Handlung ist sehr spannend und actionreich, Bobbys bissiger Erzählstil rundet das Ganze noch ab. Das wird sicherlich nicht mein letzter Tad Williams sein!

Bobby Dollar 01. Die dunklen Gassen des Himmels

Buch (gebunden)

Bobby Dollar 01. Die dunklen Gassen des Himmels

von Tad Williams

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(09.07.2013)

Zauberhafte Geschichte über Liebe, Theater und Träume

Caroline hat es nicht leicht – für den Platz auf der Schauspielschule musste sie kämpfen, sowie auch für jede Rolle, die sie ihrem Traum eine Schauspielerin zu werden immer näher bringen soll. Nach einem missglückten Casting erhält sie die Chance die Julia zu spielen, in dem eigens dafür wiedererweckten Bimah-Theater. Dieses wurde 1935 geschlossen, nachdem dort bei der Erstaufführung von „Romeo und Julia“ Johannes Steiner, der den Romeo gab, auf der Bühne ermordet und verflucht wurde. Seitdem lebt sein Geist in dem Theater weiter und mit seiner Hilfe holt Caroline das Beste aus sich heraus und kommt ihm dabei immer näher.

Um ehrlich zu sein, waren meine Erwartungen an den Roman nicht allzu hoch. Ich habe eine nette Liebesgeschichte erwartet und die habe ich auch bekommen. Aber die Umsetzung war viel besser als erwartet. Die Autorin hat einen sehr schönen Schreibstil, dank dem ich gleich in der Geschichte versunken bin. Man fiebert gleich mit Caroline mit, die nicht nur für ihre Schauspielkarriere kämpft, sondern sich auch aufopferungsvoll um ihren Bruder und auch ihre Mutter kümmert.
Die Kontraste in diesem Buch sind schon sehr stark: Auf der einen die arme, vom Schicksal gebeutelte Caroline, die für ihre Glück kämpfen muss. Auf der andere Seite ihre „Freundin“ Mia, aus einer Schauspielfamilie stammend, die scheinbar schon alles hat, wofür Caroline kämpft. Dies setzt sich letztlich auch im Verhalten der beiden fort. Nicht zuletzt stellt Mias Verhalten einen starken Kontrast zu der herzerwärmenden Liebe zwischen Caroline und Johannes dar.
Die Liebesgeschichte zwischen Caroline und Johannes fand ich jedenfalls wunderschön, auch wenn es teilweise fast kitschig zu werden drohte, aber das passt wunderbar zu dem Roman, zu dem Romeo und Julia-Thema, zum Sommer, zu der Theater-Handlung. Überhaupt fand ich, dass alles wunderbar zusammengepasst hat: Alle Teile haben sich nahtlos ineinander gefügt und wunderbar harmoniert, insgesamt eine wunderschöne Geschichte zum Träumen.

Fazit:
Eine wunderbare Geschichte, die ihrem Titel mehr als gerecht wird: Ein Sommerroman voller Zauber: Der Zauber des Theaters, der Zauber der Liebe. Ein Roman über die Kraft zu kämpfen und das eigene Schicksal in die Hand zu nehmen und nicht zuletzt auch mit einem Schuss Übersinnlichem. Schön!

Sommernachtszauber

Buch (gebunden)

Sommernachtszauber

von Ellen Alpsten

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(03.07.2013)

Fesselnder Schmöker vor herrlicher Kulisse

Meine Erwartungen an diesen Roman, nämlich ein fesselnder Schmöker vor exotischer, historischer Kulisse mit sympathischen Charakteren, wurden vollauf erfüllt. Anfangs schien es zwar nicht so, weil ich nicht so recht Zugang zu der Geschichte gefunden habe, aber das waren zum Glück nur Startschwierigkeiten und nachdem diese überwunden waren, bin ich Seite um Seite mehr in der Geschichte versunken. Die Leben der Protagonisten sind sehr spannend und einfühlsam, aber auch dramatisch und nicht zuletzt sehr gefühlvoll erzählt. Ein paar Mal wurde es mir dann fast ein wenig zu viel, aber die Geschichte hat sich dann stets doch ganz anders entwickelt. Trotz der Fülle an Seiten waren keine Längen vorhanden, der Roman bleibt stets fesselnd. Das mag auch an den größeren Sprüngen liegen, da hierdurch neue Personen und Schicksale in den Vordergrund rückten, aber auch alle vorherigen Protagonisten nicht zu kurz kommen.

Die Geschichte spielt nicht nur in Südamerika, hier vor allem in Montevideo, sondern auch zu einem großen Teil in Deutschland, hier vor allem in Frankfurt a. M. und im Taunus. Gerade zu Beginn nimmt letzterer Handlungsort einen relativ großen Teil ein, aber es geht alsbald zurück nach Montevideo. Auch zwischendurch wird ein paar Mal der Kontinent gewechselt. Ich habe diese Wechsel sehr genossen und insgesamt fand ich den Kontrast sehr angenehm, da so die Unterschiede zwischen den beiden Ländern (und Kontinenten) besonders deutlich wurden.

Insgesamt ist der Roman in 3 große Teile gegliedert, die das Leben und Schicksale von 3 Generationen der Gothmanns und de la Vegas‘ schildert. Die Handlung erstreckt sich dabei insgesamt auf die Jahre 1847 bis 1889. Dank der hohen Seitenzahl kommt zudem kein Protagonist zu kurz, alle werden sehr facettenreich dargestellt. Und auch die historischen Hintergründe werden ebenso detailreich eingeflochten wie die fantastischen Landschaftsbeschreibungen Südamerikas, vor allem Uruguays.

Über den langen Zeitraum wird aber ebenso Entwicklung Montevideos und damit Uruguays deutlich: Die zunehmende Ablösung von Europa, die wirtschaftliche und soziale Entwicklung. Nicht zuletzt werden die Gothmanns immer wieder in bedeutende historische Ereignisse verwickelt: So spielen sie nicht nur eine Rolle bei der Deutschen Revolution, sondern werden auch vom südamerikanischen Krieg mit Paraguay direkt betroffen.


Fazit:
Alles in allem hat mir „Die Rosen von Montevideo“ trotz leichter Startschwierigkeiten sehr gut gefallen: Die sympathischen Charaktere, ihre wechselvollen Schicksale, ihre Verflechtungen und nicht zuletzt die herrlichen Landschaftsbeschreibungen und die südamerikanische Kulisse. Insgesamt ein richtig schöner Schmöker zum Abtauchen!

Die Rosen von Montevideo

Buch (Taschenbuch)

Die Rosen von Montevideo

von Carla Federico

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(03.06.2013)

Runde 2 für Falks neues Insulanerleben

Falk fiebert seiner zweiten Saison als Strandkorbvermieter entgegen und hält sich bis dahin mit Gelegenheitsjobs über Wasser. So landet er im Tourismusbüro, wo er eigentlich nicht viel zu tun hat. Dann jedoch bedroht eine Falschmeldung die Saison auf Heisterhoog. Falks Kumpel Bertie, der beim Film arbeitet, scheint da die Rettung zu sein. Dann taucht auch noch Falks Mutter Grit auf, die den Urlaub bei ihrem neuen Freund, Bratfisch-Piet, verbringen will. Zwischen dem Stress als Tourismusmanager, Strandkorbvermieter, Seelentröster für seine verzweifelte Freundin Gina und seiner Mutter Grit taucht zu allem Überfluss auch noch Falks Vater Harms, der arrogante und ignorante Schriftsteller, der sich jahrelang nicht um seinen Sohn geschert hat, auf der Insel auf.

Auch bei diesem neuen Roman um Falks Strandkorb-Verleih kam bei mir wieder fast sofort Urlaubsstimmung auf. Es war wieder eine große Freude, Falk bei der Bewältigung seiner kleinen und großen Probleme zu verfolgen. Die sympathischen Insulaner des letzten Bandes sind auch wieder alle mit von der Partie und man lernt sie näher kennen, wobei es sogar die eine oder andere Überraschung gibt, sowohl für die Leser, als auch für die Insulaner. Zusätzlich tauchen aber auch neue Gesichter (zum Beispiel teilweise sehr, äh, spezielle Filmleute) auf, die das beschauliche Inselleben ganz schön aufmischen. :D Und als dann auch noch Harms auftaucht, hat Falk ganz schön viel um die Ohren. Aber im Vergleich zum ersten Band ist er doch deutlich souveräner geworden und legt nicht mehr ganz so sehr die Faulenzer-Mentalität zu Tage. Das Inselleben ist wie schon im ersten Band sehr schön und lebendig beschrieben. Auch der angenehme und leichte Schreibstil hat wieder dazu beigetragen, dass ich ganz in den Roman abtauchen konnte.

Das Ende ging mir dann allerdings ein wenig zu schnell und kam zu abrupt. Das hätte ich mir noch ausführlicher gewünscht. Außerdem fand ich es ein wenig ZU dick aufgetragen. Ich habe absolut nichts gegen ein Happy End, gerade bei so einem locker-leichten Buch zum Abschalten, aber ein bisschen weniger hätte meiner Meinung nach auch gereicht. ;-)

Fazit: Alles im allem eine gelungene Fortsetzung von „Nackt unter Krabben“. Den ersten Band fand ich zwar einen Tick besser, aber auch hier hat mich wieder fast sofort die Urlaubsstimmung gepackt. Insgesamt wieder ein herrlich leichter und heiterer Roman zum Entspannen, mit sympathischen Charakteren und einer turbulenten Handlung.

Mutter bei die Fische

Buch (gebunden)

Mutter bei die Fische

von Marie Matisek

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(14.03.2013)

Ein Leben jenseits der Standesdünkel

Es ist das Jahr 1580, die Gesundheit von Philippine Welser verschlechtert sich rapide und ihr Tod naht. In diesen Tagen blickt sie auf ihr Leben an der Seite des Erzherzogs Ferdinand II. von Habsburg zurück, von dem dieser Roman erzählt. Entgegen aller Widerstände heiratet der Adlige die Bürgerliche, Missgunst und Hass schlagen ihnen von allen Seiten entgegen und ihre Ehe muss lange Zeit geheim bleiben. Philippines Tante, Katherina von Loxan, ist ihr dabei stets eine wichtige Stütze in diesen schweren Zeiten. Aber auch die Heilkunst und Kräuterkunde, in die sie von ihrer Mutter Anna Welser eingeweiht wird und mit denen sie vielen Menschen helfen kann. Doch von einigen wird ihre Kunst auch gegen sie verwendet. Wurde ihr das letztlich zum Verhängnis?

Besonders gut hat mir die Gestaltung und der Aufbau des Buches gefallen: Jedes Kapitel ist einer anderen Heilpflanze gewidmet, und wird mit deren Name, Bild und Wirkung eingeleitet. Im jeweiligen Kapitel selbst spielt dieses Kraut dann (unter anderem) eine mehr oder minder wichtige Rolle. Im Laufe der Geschichte gerät allerdings immer mehr die negative Wirkung der Pflanzen in den Vordergrund, sprich es gibt recht viele (teils vermeintliche?) Giftanschläge.
Der Roman umfasst den Handlungszeitraum von 1556 bis 1580. Als Grundlage für diesen Roman dienten der Autorin wichtige Stationen im Leben Philippines, auf welche sie im Nachwort eingeht. Vor allem die Probleme in Bezug auf ihre Herkunft, die Geheimhaltung der Ehe und die damit verbundenen Nachteile für die Söhne, die Auswirkungen auf ihre Familie, die sie bis nach Tirol begleitet. Die meisten anderen Personen sind ebenfalls historisch belegt. Ausgehend von diesen Fakten hat die Autorin eine sehr interessante Geschichte geschrieben, die mir das Leben Philippine Welsers nahe gebracht hat. Hauptaugenmerk liegt auf ihren Sorgen und Nöten, aber auch auf ihrer innigen Liebe zu Ferdinand und ihrer Familie. Die Probleme und Intrigen, die ihre Verbindung mit sich brachte, werden mehr als deutlich.
Der neutrale Erzählstil wird immer wieder unterbrochen von fiktiven Tagebucheinträgen Philippines. Dieser Wechsel hat mir gut gefallen, da mir der Roman dadurch lebendiger und aufgelockerter erschien, vor allem im Hinblick auf die rasch fortschreitende Erzählung: Vieles wird nur angedeutet, mehrere Jahre Lücken werden höchstens kurz im Rückblick betrachtet. Genauso prägnant und treffend ist der Schreibstil, es gibt keine Ausschweifungen, dennoch finden sich viele Details aus dem Leben im 16. Jahrhundert.
Als Kriminalroman würde ich es allerdings nicht bezeichnen. Es gibt zwar immer wieder Anschläge auf Philippines Leben oder das ihrer Familie, diese werden aber oft nicht aufgeklärt und teilweise wird dabei nicht immer klar, was Vorsatz und was Einbildung ist.

Fazit:
Alles in allem ein fesselnder historischer Roman, in dem Tatsachen und Fiktion geschickt verbunden wurden, der jedoch die Bezeichnung „Kriminalroman“ meines Erachtens nicht verdient. Der wechselnde Erzählstil hat mir sehr gefallen, ebenso wie die Gestaltung des Buches und die vielen Pflanzenbezüge.

Die schöne Philippine Welserin

Buch (Taschenbuch)

Die schöne Philippine Welserin

von Brigitte Riebe

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(01.03.2013)

Dicke Luft im keltischen Göttergeschlecht

Tja, was soll ich sagen? Die Geschichte um Atticus und seine „Gefährten“, allen voran der Wolfshund Oberon, hat mich von der ersten bis zur letzten Seite gefesselt! Bereits auf diesen 350 Seiten des ersten Bandes fährt der Autor schon allerhand magische Wesen auf: Angefangen natürlich bei dem Druiden, über die (nicht nur keltischen) Gottheiten, Hexen, Werwölfe, Vampire bis hin zu Ghulen und Dämonen. Und die Charaktere sind allesamt einmalig! Atticus und die meisten seiner Bekanntschaften finden sich ja ziemlich gut in der modernen Welt zurecht, was man von einigen Thuatha dé Dannan nicht so richtig behaupten kann, allein das sorgt schon für einige Lacher, um mal ein Beispiel zu nennen. Oder auch die aus Irland stammende Witwe MacDonagh, die nicht viel von irisch-britischer Verständigung hält.

Aber es spielt nicht nur die keltische Mythologie eine große Rolle, auch andere Glaubensrichtungen haben ihre Vertreter in der Geschichte, so z. B. auch die amerikanische Gottheit Coyote, die einen ziemlich schrägen Humor hat. Na gut, den haben eigentlich alle Gestalten in dieser Geschichte, die einen vielleicht mehr als die anderen. Jedenfalls sind mir Atticus und Co. Richtig ans Herz gewachsen und das Buch hätte ruhig noch dicker sein können! Aber zum Glück ist dieser Roman erst der Beginn einer Serie (im Original erscheint bald der 6. Band) und ich freue mich schon tierisch auf neue Abenteuer mit Atticus, Oberon und Co.!

Der Schreibstil ist sehr gut und flüssig zu lesen, er sprüht nur so vor Witz und Einfallsreichtum, aber dabei driftet es nie ins Alberne ab, finde ich. Die Kapitel sind nicht allzu lang, zudem endet so ziemlich jedes Kapitel mit einem Cliffhanger, sodass ich eigentlich immer weiter lesen musste und nur so durch die Seiten geflogen bin. Trotz allen Witzes kommt auch die Spannung nicht zu kurz, es geht sogar ziemlich heftig zur Sache und es gibt natürlich so einige überraschende Wendungen und Intrigen. Aber auch dort sind noch genug Stellen, wo man schmunzeln muss: Atticus‘ Galgenhumor und makabere Vergleiche und Lebensweisheiten oder Oberons herrlich unbekümmertes Gemüt.

Fazit: Kevin Hearne hat hier einen wunderbaren Auftakt geschrieben! Eine spannende, phantastische und lustige Geschichte mit allerhand illustren Charakteren und spritzigen Dialogen! Das einzige Manko: Es war ein zu kurzes Vergnügen! Aber in Anbetracht der bisherigen Bände im Original, lässt sich das leicht verschmerzen. Ich freue mich jedenfalls schon riesig auf weitere Abenteuer mit Atticus, Oberon und Co.!

Die Chronik des Eisernen Druiden 1

Buch (gebunden)

Die Chronik des Eisernen Druiden 1

von Kevin Hearne

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(20.02.2013)

Die Bewahrung der europäischen Kulturgüter während des 2. Weltkrieges

Dieses Buch beschreibt die Arbeit einer ganz besonderen Einheit während des 2. Weltkrieges zwischen 1943 und 1945: Der Sektion „Monuments, Fine Arts ans Archives“ kurz MFAA, deren Mitglieder „Monuments Men“ genannt wurden und fast alle beruflich mit Kunst und Kultur (es waren Restauratoren, Museumsdirektoren, Künstler etc.) beschäftigt waren. Sie hatten die Aufgabe, europäische Kulturgüter vor den Auswirkungen des Krieges so gut wie möglich zu schützen und geraubte Kunstschätze aufzuspüren und sie ihren rechtmäßigen Besitzern zurückzugeben. Diese Sektion war unterbesetzt, anfangs schlecht in die restlichen militärischen Abläufe eingebunden, schlecht ausgestattet und daher besonders stark auf Hilfe von außen angewiesen.

Robert Edsel geht hier besonders auf die Arbeit von einigen wenigen Monuments Men ein. Der Autor erwähnt bereits im Vorwort die Fülle an Material, die vielen Schauplätze usw. Denn obwohl die Monuments Men nur ein kleines Trüppchen waren, haben sie die meisten der unzähligen Kunstschätze wieder aufgespürt. Daher musste sich der Autor auf wenige Personen und Schauplätze konzentrieren, was beim Lesen auch sehr deutlich wird.

Im Laufe ihrer Arbeit stoßen die Monuments Men auf viele Helfer, den meisten liegt wirklich an der Rettung der Kunst, wie der französischen Museumsangestellten Rose Valland, aber einige wollen auch nur ihre Haut retten.

Trotz aller Erfolge gab es auch immer wieder Rückschläge: Nicht jedes Kunstwerk / Kulturgut konnte gerettet werden und auch die Rückführung an die ursprünglichen Besitzer lief nicht immer wie geplant.

Durch die reichliche Verwendung von Originalzitaten liest sich das Buch sehr lebendig, weniger wie ein Sachbuch, als vielmehr wie ein Roman. Unterstrichen wird dies noch durch die vielen abgedruckten Briefe der Monuments Men an ihre Familien, die ihre Begeisterung und Aufopferung für diese große Aufgabe noch verdeutlichen.

Abgerundet wird das Buch von zusätzlichen Bildtafeln, die den Text sehr gut ergänzen, sowie umfangreichen Darstellungen der Hauptakteure zu Beginn und im Anhang. Zur besseren Übersicht gibt es im Buchdeckel eine Karte mit den wichtigsten Stationen der im Buch beleuchteten Monuments Men, sowie weitere Karten mit Kriegsverlauf und anderen wichtigen Orten in den entsprechenden Kapiteln. Das im Anhang befindliche Quellen- und Literaturverzeichnis lässt erahnen, wie viel (Recherche-)Arbeit in diesem Buch steckt.

Ich bin nach der Lektüre tief beeindruckt von der Arbeit dieser Männer (und Frauen), die während des Krieges ihre Leben riskierten, um das kulturelle Erbe Europas zu schützen. Mir war bis zu diesem Buch nicht bewusst, dass es eine solche Einheit gegeben hat und auch Edsel zeigt, dass diese Arbeit lange Zeit kaum beachtet wurde, daher finde ich es gut, dass jetzt Aufmerksamkeit auf dieses Thema gelenkt wird, nicht zuletzt durch den geplanten Film!

Fazit: Ein sehr lesenswertes Buch über die Arbeit der Monuments Men während des zweiten Weltkrieges, die ihre Leben riskiert haben im Bemühen, die europäischen Kulturgüter zu schützen und die geplünderten und versteckten Kunstgegenstände ausfindig zu machen. Die Tätigkeit einiger Monuments Men wird in diesem Buch sehr lebendig und eindrucksvoll beschrieben.

Monuments Men

Buch (gebunden)

Monuments Men

von Robert M. Edsel

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(08.01.2013)

Dunkle Geheimnisse in der Bretagne

Der Winter 1440 hält für die Bewohner des kleinen Dorfes Saint Mourelles in der Bretagne grausige Überraschungen bereit: Es fängt mit dem Verschwinden zweier Kinder an. Doch dabei bleibt es nicht: Die Haushälterin des Pfarrers findet schließlich die erste Leiche, was nur der Anfang ist. Mit jedem Fund breitet sich mehr Unruhe im Dorf aus. Währenddessen genießt Baron Amédé de Troyenne einen ausschweifenden Lebensstil, der ihn in so manchen Engpass führt und schließlich zu unkonventionellen Mitteln greifen lässt. Dennoch schenkt er den Ängsten der Dorfbewohner sein Gehör. Aber auch beim Bischof ihrer Diözese ersuchen die Dorfbewohner um Unterstützung. Dieser misst dem Geschehen anfangs keine große keine große Bedeutung bei, wittert jedoch bald eine ganz andere Chance.

Da mir der erste Roman der Autorin sehr gut gefallen hat, habe ich mich sehr auf diesen neuen Roman gefreut. Leider waren meine Erwartungen wohl zu hoch, denn obwohl es ein kurzweiliges Lesevergnügen war, hat mich diese Geschichte nicht so sehr überzeugen können, wie der erste Roman von Liv Winterberg. Im Laufe der Handlung kommen die Dorfbewohner dem Mörder immer näher, dementsprechend gefährlicher wird es natürlich. In diesen unruhigen Zeiten spielen aber auch die gegenseitigen Gefühle zwischen dem Bauern Mathis und der Haushälterin des Pfarrers Catheline eine große Rolle, sogar darüber hinaus. Dies ist aber wohldosiert eingesetzt, sodass es sich gut in die Geschichte einfügt. Anfangs erscheinen die ganzen Ermittlungen und Vermutungen noch ziemlich kopflos, aber es fügt sich schnell eines zum anderen. Im Erzählfluss gibt es jedoch ein paar Mal größere Sprünge, wodurch mir die Handlung teilweise nicht so richtig konsistent erschien und mein Lesefluss etwas gestört wurde. Mit diesem Stilmittel konnte ich mich jedenfalls nicht so richtig anfreunden, aber das ist sicherlich Geschmackssache. Der Schreibstil ist jedenfalls wieder angenehm zu lesen und meiner Meinung nach gut an die Geschichte angepasst. Auch die Charaktere sind gut gezeichnet, wobei einige Nebencharaktere vielleicht etwas eindimensional geblieben sind, was aber nicht weiter gestört hat. Abgerundet wird dieser Roman von einer Personenübersicht, einem umfangreichen und interessantem Glossar am Ende des Romans und Bemerkungen der Autorin zum geschichtlichen Hintergrund.

Fazit: Alles in allem ein kurzweiliges Lesevergnügen, mit einer interessanten Geschichte, die einige überraschende Wendungen parat hat. Spannung kommt genauso wenig zu kurz wie ein bisschen Gefühl und auch der geschichtliche Hintergrund ist sehr gut eingewoben, sodass ich, mit wenigen Abstrichen, ein paar unterhaltsame Stunden hatte.

Sehet die Sünder

Buch (Taschenbuch)

Sehet die Sünder

von Liv Winterberg

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(13.11.2012)

Interessanter Blick in die Londoner Gesellschaft

In diesem Roman wird eine Vielzahl von Personen beleuchtet, die alle eine Verbindung zu der Pepys Road haben, einer aufsteigenden Straße im Süden Londons. Um nur einige zu nennen: Der (mehr oder weniger) erfolgreiche Banker Roger Yount, samt verwöhnter Familie. Die pakistanische Familie, der einen Kiosk an der Straßenecke betreibt und deren Mitglieder unterschiedlicher nicht sein könnten. Der Fußballstar Freddy Kamo samt Vater Patrick, der in London auf seine große Chance hofft. Die Witwe Petunia Howe, die nicht nur die älteste, sondern auch die längste Bewohnerin der Pepys Road ist, samt deren Familie. Alle Bewohner haben plötzlich seltsame Postkarten in ihren Briefkäste: Mit Fotos des Hauses und dem Satz: „Wir wollen, was ihr habt.“ Diese Karten begleiten die Bewohner durch ein Jahr voller Erfolg und Misserfolg, Glück und Unglück, Hoffen und Bangen.

Aber diese seltsame und beängstigende Botschaft hat nicht einmal das Hauptaugenmerk der Geschichte. Es geht hauptsächlich um das Leben von sehr unterschiedlichen Personen in den verschiedenen Phasen. Es geht um Erfolg, Reichtum, Glück, Hoffnung, genauso wie um Angst, Trauer, Missgunst, Abstieg. Einige sind erfolgreicher als andere, reicher, glücklicher etc. Aber dennoch steht immer noch etwas anderes mehr im Mittelpunkt: Das liebe Geld. Wer hat es? Wer will es? Wer hat noch nicht genug davon? Wer zu viel? Die Geschichten der Protagonisten sind sehr flüssig erzählt und durch den sehr treffenden Schreibstil bekommt man schnell ein Gespür für die sehr unterschiedlichen Menschen, die in diesem Roman eine Rolle spielen: Alteingesessene, Reiche, Mittelständler, Künstler, Immigranten usw. Und dabei werden die fast 700 Seiten nie langweilig, immer wieder hat der Autor die eine oder andere Überraschung parat. So hinterlässt nicht nur die globale Finanzkrise deutliche Spuren, sondern auch die vielen kleineren, persönlichen Schicksale, mitunter auch aus erstgenanntem entstehend, nehmen viel Raum ein.

Fazit: Alles in allem ein sehr interessanter und vielfältiger Einblick in die Londoner Gesellschaft, die sicherlich auch sehr gut stellvertretend für andere europäische Metropolen stehen kann. Ein Jahr lang nimmt man am Leben von Menschen teil, die verschiedener nicht sein können und dabei sowohl von kleinen als auch großen Schicksalen geprägt werden. Ein sehr empfehlenswerter und aktueller Roman!

Kapital

Buch (gebunden)

Kapital

von John Lanchester

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