Buch
Taschenbuch (405 Seiten)
Sprache: Deutsch
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Niemals wird Ever ihrer großen Liebe Damen nahe sein können. Keine Berührung, keinen Kuss, nicht einmal eine Umarmung darf sie riskieren, sonst wird Damen ihr für immer entrissen werden, und seine Seele wäre auf ewig im Schattenland gefangen. Doch Ever will sich nicht damit abfinden. Irgendwie muss es ihr einfach gelingen, den Bann zu brechen. Als sie sich deshalb der Magie zuwendet, trifft sie unerwartet auf Hilfe: Der coole Surfer Jude tritt plötzlich in ihr Leben, und es kommt ihr vor, als würde sie ihn schon lange kennen. Während ihre Liebe zu Damen immer komplizierter wird, scheint ihr der Umgang mit Jude um so leichter zu fallen. Ist Damen wirklich der Richtige für sie, oder hält das Schicksal einen anderen Weg für sie bereit?
Pressestimmen:
Alex Dengler, Deutschlands führender Buchkritiker, denglers-buchkritik.de, 30.08.10
Ein praller mittelalterlicher Historienroman voller Liebe, Kampf und großen Momenten. Ein Debütroman, der nach mehr schreit. Julia Freidank, bitte nachlegen!
End
Alex Dengler, Deutschlands führender Buchkritiker, denglers-buchkritik.de, 30.08.10
Dieses Buch sollte Pflichtlektüre in den Schulen im Geschichtsunterricht werden. Was hier auf gut 640 Seiten vermittelt wird, dafür brauchen andere Bücher 3000 Seiten. Robin Lane Fox hat hier etwas ganz Großartiges vollbracht. Trockene Geschichte frisch und schnell erzählt.
End
Alex Dengler, Deutschlands führender Buchkritiker, denglers-buchkritik.de, 30.08.10
Evermore 3 ? Das Schattenland reizt das Suchtpotenzial der Reihe voll aus! Wer die ersten beiden Bände verschlungen hat, dem wird es hier nicht anders ergehen. Alyson Noel spinnt die Geschichte mit vielen neuen Blickwinkeln fort, lässt Unerwartetes einfließen und verführt den Leser vollkommen. Ever und Damen haben Prüfungen zu bestehen, die ihre Liebe auf eine harte Probe stellen.
| ISBN-10: | 3-442-20377-5 |
|---|---|
| EAN: | 9783442203772 |
| Originaltitel: | Shadowland |
| Erschienen: | 16.08.2010 |
| Verlag: | Page & Turner |
| Einband: | Taschenbuch |
| Sprache(n): | Deutsch |
| Seitenzahl: | 405 |
| Länge/Breite: | 215mm/135mm |
| Gewicht: | 567 g |
| Übersetzer: | Marie-Luise Bezzenberger |
| Reihe: | Evermore |
Alyson Noël ist eine preisgekrönte Autorin, die bereits mehrere Romane veröffentlicht hat. Mit ihrer auf inzwischen sechs Teile angelegten Serie "Evermore" stürmte sie auf Anhieb die internationalen Bestsellerlisten und eroberte unzählige Leserinnenherzen. Die Übersetzungsrechte wurden bisher in 15 Länder verkauft und auch die Filmrechte schnell vergeben. Alyson Noël lebt in Laguna Beach, Kalifornien.
von Martina Hofmarcher, am 09.11.2010 aus der Thalia-Buchhandlung in Amstetten
von Magdalena Berger, am 12.10.2010 aus der Thalia-Buchhandlung in Grieskirchen
von Carina Kokot, am 28.01.2012
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von einer Kundin/einem Kunden, am 17.12.2011
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von einer Kundin/einem Kunden, am 04.12.2011
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von Sarah Strauß, am 17.06.2011
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von einer Kundin/einem Kunden, am 26.03.2011
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von einer Kundin/einem Kunden, am 08.01.2011
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von einer Kundin/einem Kunden, am 25.10.2010
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von einer Kundin/einem Kunden, am 25.10.2010
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von Anne, am 24.10.2010
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von Karin Stolze, am 15.10.2010
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von einer Kundin/einem Kunden, am 11.10.2010
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von einer Kundin/einem Kunden, am 18.09.2010
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von einer Kundin/einem Kunden, am 07.09.2010
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von Nicolene, am 26.08.2010
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von Katniss, am 16.08.2010
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von Anja Terporten, am 14.08.2010
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Alles ist Energie.«
Damens dunkle Augen blicken unverwandt in meine, fordern mich auf zuzuhören, diesmal wirklich zuzuhören. »Alles um uns herum Sein Arm vollführt eine weit ausholende Geste, folgt einem schwindenden Horizont, der bald in Schwarz vergehen wird. »Alles in unserem scheinbar stofflichen Universum ist überhaupt nicht stofflich. Es ist Energie, pure, vibrierende Energie. Und obwohl unsere Wahrnehmung uns vielleicht einredet, dass alle Dinge entweder fest, flüssig oder gasförmig sind - auf der Quantenebene sind das alles bloß Teilchen innerhalb von Teilchen. Es ist alles nur Energie.«
Ich presse die Lippen zusammen und nicke; seine Stimme wird von der in meinem Kopf übertönt, die mich drängt: Sag's ihm! Sag es ihm, jetzt gleich! Hör auf, es vor dir herzuschieben, und bring's hinter dich! Schnell, bevor er wieder anfängt zu reden.
Aber ich tue es nicht. Ich sage kein Wort. Ich warte einfach nur darauf, dass er fortfährt, damit ich es noch weiter hinauszögern kann.
»Heb die Hand.« Er streckt die Hand aus, die Handfläche nach vorn, auf meine Hand zu. Langsam und vorsichtig hebe ich den Arm, fest entschlossen, jeglichen Hautkontakt zu vermeiden, als er sagt: »Und jetzt sag mir, was siehst du?«
Ich blinzele mit zusammengekniffenen Augen; mir ist nicht ganz klar, worauf er hinauswill. Dann zucke ich die Achseln und antworte: »Na ja, ich sehe helle Haut, ein oder zwei kleine Leberflecken, Nägel, die wirklich eine Maniküre nötig hätten
»Genau.« Er lächelt, als hätte ich gerade die leichteste Prüfung der Welt bestanden. »Aber wenn du sie so wahrnehmen könntest, wie sie wirklich ist, dann würdest du nichts dergleichen sehen. Stattdessen hättest du einen Schwarm Moleküle vor dir, mit Protonen, Neutronen, Elektronen und Quarks. Und in diesen winzigen Quarks, bis zum allerwinzigsten Pünktchen, würdest du nichts als reine, vibrierende Energie sehen, die sich so langsam bewegt, dass sie fest erscheint, und doch schnell genug, dass man sie nicht als das erkennen kann, was sie wirklich ist.«
Wieder kneife ich die Augen zusammen; ich bin mir nicht sicher, ob ich das glaube. Ungeachtet der Tatsache, dass er sich seit Hunderten von Jahren mit diesem Kram beschäftigt hat.
»Ganz im Ernst, Ever. Nichts steht für sich allein.« Jetzt hat er sich richtig für sein Thema erwärmt und beugt sich zu mir herüber. »Alles ist eins. Gegenstände, die fest erscheinen, wie du und ich und dieser Sand, auf dem wir sitzen, sind in Wirklichkeit nur eine Energiemasse, die langsam genug vibriert, um stofflich zu wirken, während Dinge wie Geister so schnell vibrieren, dass sie für die meisten Menschen fast unmöglich auszumachen sind.«
»Ich sehe Riley«, bemerke ich, bemüht, ihn an all die Zeit zu erinnern, die ich mit meiner Geisterschwester verbracht habe. »Oder jedenfalls habe ich sie früher gesehen, du weißt schon, bevor sie die Brücke überquert hat und weitergezogen ist.«
»Und genau deswegen kannst du sie ja nicht mehr sehen.« Er nickt. »Ihre Vibration ist zu schnell. Obwohl es Leute gibt, die durch all das hindurchblicken können.«
Ich schaue auf den Ozean vor uns, auf die anrollenden Wellen, eine nach der anderen. Endlos, unaufhörlich, unsterblich - genau wie wir.
»Jetzt heb noch mal die Hand und halt sie so dicht vor meine, dass wir uns gerade eben nicht berühren.«
Ich zögere, fülle meine Hände mit Sand; ich will das nicht tun. Im Gegensatz zu ihm kenne ich den Preis, die schreckliche Konsequenz, die der leiseste Hautkontakt bringen kann. Das ist auch der Grund, weshalb ich seit letztem Freitag jede Berührung mit ihm gemieden haben. Doch als er abermals die Handfläche vorstreckt, hole ich tief Luft und hebe ebenfalls die Hand - und schnappe nach Luft, als seine Hand der meinen so nahe kommt, dass der Zwischenraum, der uns trennt, rasierklingenschmal ist.
»Fühlst du das?« Er lächelt. »Dieses Kribbeln, die Hitze? Das ist unsere Energie, die sich kurzschließt.« Er bewegt die Hand vor und zurück, manipuliert das Ziehen und Schieben des Energiefeldes zwischen uns.
»Aber wenn wir alle miteinander verbunden sind, wie du behauptest, warum fühlt sich dann nicht alles gleich an?«, flüstere ich, angezogen von dem unleugbaren magischen Strom, der uns verbindet und wunderbare Wärme durch meinen Körper fließen lässt.
»Wir sind alle verbunden, wir sind alle aus derselben vibrierenden Quelle geschaffen. Aber während einen manche Energie kaltlässt, fühlt sich die, für die man bestimmt ist, genau so an.«
Ich schließe die Augen, drehe mich weg und lasse die Tränen meine Wangen hinunterströmen, kann sie nicht länger zurückhalten. Ich weiß, dass mir das Gefühl seiner Haut an meiner verwehrt ist, die Berührung seiner Lippen, der warme Trost seines Körpers an meinem. Näher als dieses elektrische Energiefeld, das zwischen uns vibriert, werde ich ihm nicht kommen, dank der furchtbaren Entscheidung, die ich getroffen habe.
»Die Wissenschaft erfasst gerade eben erst, was Metaphysiker und die großen spirituellen Lehrer schon seit Jahrhunderten gewusst haben. Alles ist Energie. Alles ist eins.«
Ich kann das Lächeln in seiner Stimme hören, als er die Hand nach mir ausstreckt, seine Finger mit den meinen verschlingen will. Doch ich zucke rasch zurück und fange seinen Blick gerade lange genug auf, um den verletzten Ausdruck zu bemerken, der über seine Züge huscht - derselbe Gesichtsausdruck, den er hat, seit ich ihm das Gegengift eingeflößt habe, das ihn ins Leben zurückgeholt hat. Er fragt sich, warum ich so still bin, so distanziert, so fern - warum ich ihn nicht berühren will, da ich doch noch vor ein paar Wochen gar nicht genug von ihm bekommen konnte. Fälschlicherweise glaubt er, es läge an seinem verletzenden Verhalten - an seinem Flirten mit Stacia, seinen Gemeinheiten mir gegenüber -, und dabei hat es in Wirklichkeit überhaupt nichts damit zu tun. Er hat unter Romans Bann gestanden, genau wie die ganze Schule. Es war nicht seine Schuld.
Was er nicht weiß, ist, dass das Gegengift, obwohl es ihn ins Leben zurückgeholt hat, in dem Moment, als ich der Mischung mein Blut hinzugefügt habe, auch dafür gesorgt hat, dass wir niemals zusammen sein können.
Nie.
Niemals.
Bis in alle Ewigkeit.
»Ever?«, flüstert er. Seine Stimme ist tief und aufrichtig.
Doch ich kann ihn nicht ansehen. Kann ihn nicht berühren. Und ganz bestimmt kann ich die Worte nicht aussprechen, die zu hören er verdient.
Ich habe Mist gebaut. Es tut mir so leid. Roman hat mich reingelegt, und ich war verzweifelt und dumm genug, um auf seinen Trick reinzufallen. Und jetzt gibt es keine Hoffnung für uns, denn wenn wir uns küssen, wenn wir DNS austauschen, dann stirbst du ^
Ich kann nicht. Ich bin der größte Feigling aller Zeiten. Ich bin erbärmlich und schwach. Ich bringe einfach den Mut dazu nicht auf.
»Ever, bitte, was ist los?«, fragt er, erschrocken über meine Tränen. »Du bist jetzt schon seit Tagen so. Liegt es an mir? Habe ich irgendetwas getan? Denn du weißt doch, ich erinnere mich kaum an das, was passiert ist, und das, was an Erinnerungen allmählich zurückkommt, also, inzwischen musst du doch wissen, dass das nicht wirklich ich war. Ich würde dir nie absichtlich wehtun. Ich würde dir nie irgendetwas zu Leide tun.«
Ich schlinge die Arme fest um meinen Körper, ziehe die Schultern hoch und senke den Kopf. Und wünsche mir, ich könnte mich kleiner machen, so klein, dass er mich nicht mehr sehen kann. Ich weiß, dass seine Worte wahr sind, dass er unfähig ist, mich zu verletzen. Nur ich bringe etwas so Schlimmes fertig, etwas so Leichtsinniges, so lächerlich Impulsives. Nur ich kann dämlich genug sein, auf Romans Köder reinzufallen. So versessen darauf sein, mich als Damens einzige wahre Liebe zu beweisen - die Einzige sein zu wollen, die ihn retten kann. Und jetzt seht euch den Schlamassel an, den ich angerichtet habe.
Er rückt näher, legt den Arm um meine Taille und zieht mich an sich. Doch ich kann diese Nähe nicht riskieren;
meine Tränen sind jetzt lebensgefährlich und müssen von seiner Haut ferngehalten werden.
Hastig stehe ich auf und renne zum Wasser. Ich krümme die Zehen und lasse den kalten weißen Schaum gegen meine Schienbeine spritzen. Und wünsche mir, ich könnte in der Gewaltigkeit des Ozeans untertauchen und von der Ebbe fortgetragen werden. Alles, um die Worte nicht aussprechen zu müssen - alles, um meiner einzigen wahren Liebe, meinem ewigen Partner, meinem Seelengefährten der letzten vierhundert Jahre, nicht sagen zu müssen, dass ich, obgleich er mir die Ewigkeit gegeben haben mag, uns unser Ende gebracht habe.
So verharre ich, schweigend und reglos. Warte, bis die Sonne untergeht, ehe ich mich zu ihm umdrehe. Dann betrachte ich seinen dunklen, schattenhaften Umriss, fast nicht von der Nacht zu unterscheiden, und spreche trotz des Brennens in meiner Kehle. »Damen«, sage ich leise. »Liebster, ich muss dir etwas sagen.«
ZWEI
I
ch knie neben ihm, die Hände auf den Oberschenkeln, die Zehen im Sand vergraben, und wünsche mir, dass er mich ansehen würde, etwas sagen würde. Und wenn nur, um mir zu sagen, was ich bereits weiß - dass ich einen schweren, dummen Fehler gemacht habe, einen Fehler, der wahrscheinlich nie wiedergutgemacht werden kann. Das würde ich mit Freuden akzeptieren - verdammt, das habe ich verdient. Was ich nicht ertragen kann, ist dieses absolute Schweigen und dieser geistesabwesende Blick.
Und ich will gerade etwas sagen, irgendetwas, um diese unerträgliche Stille zu beenden, als er mich ansieht, mit so müden Augen, dass sie die vollkommene Verkörperung seiner sechshundert Lebensjahre sind. »Roman.« Seufzend schüttelt er den Kopf. »Ich habe ihn nicht erkannt, ich hatte keine Ahnung -« Seine Stimme erstirbt, sein Blick gleitet davon.
»Du hättest es doch unmöglich wissen können«, wende ich ein, bemüht, jegliche Schuldgefühle auszumerzen, die er vielleicht empfindet. »Du warst vom ersten Tag an in seinem Bann. Glaub mir, er hat das alles geplant, hat dafür gesorgt, dass alle Erinnerungen vollständig gelöscht waren.«
Seine Augen suchen in meinem Gesicht, betrachten mich eingehend, ehe er aufsteht und sich abwendet. Er starrt aufs Meer hinaus, die Hände zu Fäusten geballt, als er fragt: »Hat er dir etwas getan? War er hinter dir her oder hat er dir irgendwie wehgetan?«
Ich schüttele den Kopf. »Das war gar nicht nötig. Es hat gereicht, mir durch dich wehzutun.«
Er dreht sich um, seine Augen werden dunkler, während seine Züge sich verhärten. Dann atmet er tief durch. »Das ist alles meine Schuld.«
Mit offenem Mund starre ich ihn an und überlege fieberhaft, wie er das denken kann, bei dem, was ich ihm gerade geschildert habe. Ich trete neben ihn und rufe: »Sei doch nicht albern! Natürlich ist es nicht deine Schuld! Hast du denn überhaupt nichts von dem mitgekriegt, was ich gesagt habe?« Heftig schüttele ich den Kopf. »Roman hat dein Elixier vergiftet und dich hypnotisiert. Du hattest nichts damit zu tun, du hast einfach nur getan, was er von dir wollte - du hattest keine Kontrolle darüber!«
Doch ich habe kaum geendet, als er meine Worte bereits mit einer Handbewegung abtut. »Ever, verstehst du denn nicht? Hier geht es nicht um Roman oder dich, das hier ist Karma. Das ist die Vergeltung für sechshundert Jahre egoistisches Leben.« Er schüttelt den Kopf und lacht, allerdings ist es kein Lachen von der Sorte, bei dem man mitlachen möchte. Es ist eines, bei dem einem kalt wird bis ins Mark. »Nach all diesen Jahren, in denen ich dich geliebt und verloren habe, wieder und wieder, war ich mir sicher, das wäre meine Strafe dafür, wie ich gelebt habe. Ich wusste ja nicht, dass du durch Drinas Hand umgekommen bist. Aber jetzt sehe ich die Wahrheit, die ich die ganze Zeit verkannt habe. Gerade als ich mir sicher war, dass ich dem Karma ein Schnippchen geschlagen habe, indem ich dich unsterblich mache und dich für immer an meiner Seite behalte, zeigt mir das Karma, was Sache ist, indem es uns eine Ewigkeit zusammen gestattet, aber nur mit Gucken, nie wieder mit Anfassen.«
Ich strecke die Hand nach ihm aus, will ihn festhalten, ihn trösten, ihn davon überzeugen, dass das gar nicht wahr ist. Doch ebenso schnell zucke ich zurück, und es fällt mir wieder ein: Es ist die Tatsache, dass wir uns nicht berühren können, die uns beide an diesen Punkt gebracht hat.
»Das ist nicht wahr«, beteure ich. »Wieso solltest du bestraft werden, wenn ich diejenige bin, die den Fehler gemacht hat? Verstehst du das denn nicht?« Frustriert von seiner eigenartigen Sicht der Dinge schüttele ich den Kopf. »Roman hat das die ganze Zeit geplant. Er hat Drina geliebt - ich wette, das hast du nicht gewusst, oder? Er war eines von den Waisenkindern, die du damals während der Renaissance in Florenz vor der Pest gerettet hast, und er hat sie all die Jahrhunderte lang geliebt, hätte alles für sie getan. Aber Drina hat sich nichts aus ihm gemacht, sie hat nur dich geliebt - und du hast nur mich geliebt. Und dann, na ja, nachdem ich sie getötet habe, hat Roman beschlossen, mich fertigzumachen - nur hat er das durch dich getan. Er wollte, dass ich den Schmerz erleide, dich nie wieder berühren zu können - genauso, wie es ihm mit Drina geht! Und es ging alles so schnell, ich habe einfach -« Ich verstumme, weil ich weiß, dass es sinnlos ist, reine Wortverschwendung. Er hat aufgehört zuzuhören. Er ist davon überzeugt, dass es seine Schuld ist.
Aber ich weigere mich, auf diesen Zug aufzuspringen, und ich werde auch nicht zulassen, dass er das tut.
»Damen, bitte! Du kannst doch nicht einfach aufgeben! Das hier ist kein Karma - das war ich! Ich habe einen Fehler gemacht, einen schrecklichen, grauenvollen Fehler. Aber das heißt doch nicht, dass wir das nicht wieder hinkriegen können! Es muss doch eine Möglichkeit geben!« Ich klammere mich an eine ultratrügerische Hoffnung, erzwinge einen Eifer, den ich gar nicht empfinde.
Damen steht vor mir, eine dunkle Silhouette in der Nacht, und die Wärme seines traurigen Blicks dient uns als einzige Form der Umarmung. »Ich hätte niemals anfangen sollen«, sagt er. »Ich hätte nie das Elixier brauen sollen - hätte die Dinge ihren natürlichen Lauf nehmen lassen sollen. Im Ernst, Ever, schau dir doch das Ergebnis an. Es hat nichts als Leid gebracht!« Sein Blick ist so betrübt, so zerknirscht, dass mir fast das Herz zerspringt. »Für dich ist es allerdings noch nicht zu spät. Du hast dein ganzes Leben vor dir - eine Ewigkeit, in der du alles sein kannst, was du willst, alles tun kannst, was du willst. Aber ich Er zuckt die Achseln. »Ich bin mit einem Makel behaftet. Ich denke, wir alle sehen das Ergebnis meiner sechshundert Jahre.«
»Nein!« Meine Stimme bebt, weil meine Lippen so sehr zittern, dass es sich bis auf meine Wangen ausdehnt. »Du haust jetzt nicht einfach ab, du verlässt mich nicht noch einmal! Ich bin den letzten Monat durch die Hölle gegangen, um dich zu retten, und jetzt, da es dir wieder gut geht, werde ich nicht einfach aufgeben. Wir sind füreinander bestimmt, das hast du selbst gesagt! Wir haben bloß gerade einen vorübergehenden Rückschlag einstecken müssen, das ist alles. Aber wenn wir uns beide richtig da reinhängen, dann fällt uns bestimmt was ein, wie wir
Ich halte inne, weil ich sehe, dass er sich bereits abgesetzt hat, in seine öde, trostlose Welt, wo er allein an allem schuld ist. Und ich weiß, dass es an der Zeit ist, den Rest der Geschichte zu erzählen, die schäbigen, bedauerlichen Teile, die ich lieber weglassen würde. Vielleicht sieht er das Ganze dann anders, vielleicht ^
»Das ist noch nicht alles«, sage ich und rede hastig drauflos, obwohl ich keinen Schimmer habe, wie ich das, was als Nächstes kommt, ausdrücken soll. »Bevor du also davon ausgehst, dass das Karma es auf dich abgesehen hat oder sonst was, musst du noch etwas anderes wissen, etwas, worauf ich nicht unbedingt stolz bin, aber trotzdem
Dann hole ich tief Luft und erzähle ihm von meinen Ausflügen ins Sommerland - jene magische Dimension zwischen den Dimensionen -, wo ich gelernt habe, durch die Zeit zurückzureisen, und dass ich mich, als ich die Wahl zwischen ihm und meiner Familie hatte, für sie entschieden habe. Überzeugt, dass ich irgendwie die Zukunft wiederherstellen könnte, von der ich sicher war, dass sie mir gestohlen worden war, und doch lief all das nur auf eine Lektion hinaus, die ich bereits kannte:
Manchmal ist das Schicksal einfach außerhalb unserer Reichweite.
Ich schlucke heftig und starre auf den Sand hinunter; ich will Damens Reaktion nicht sehen, wenn er in die Augen eines Menschen blickt, der ihn verraten hat.
Doch anstatt sauer oder erschüttert zu sein, wie ich gedacht hatte, hüllt er mich in wunderschönes, schimmerndes weißes Licht - ein so tröstliches, verzeihendes, so reines Licht, dass es wie das Tor zum Sommerland ist, bloß noch besser. Also schließe ich die Augen und umhülle ihn ebenfalls mit Licht, und als ich die Lider wieder öffne, sind wir von einem wunderbaren, warmen, dunstigen Schein umgeben.
»Du hattest doch gar keine Wahl«, sagt er mit sanfter Stimme und tröstendem Blick, tut alles, um meine Scham zu lindern. »Natürlich hast du dich für deine Familie entschieden. Das war richtig. Ich hätte dasselbe getan - wenn ich die Wahl gehabt hätte.«
Ich nicke, lasse sein Licht noch heller leuchten und füge noch eine telepathische Umarmung hinzu. Dabei ist mir klar, dass das nicht einmal annähernd so tröstend ist wie eine echte, aber fürs Erste reicht es. »Ich weiß das von deiner Familie, ich weiß alles, ich habe alles gesehen.« Er sieht mich an, und seine Augen sind so dunkel und eindringlich, dass ich mich zwinge weiterzusprechen. »Du hast immer so geheimnisvoll getan, wenn es um deine Vergangenheit ging, wo du herkommst, wie du gelebt hast - also habe ich mich eines Tages nach dir erkundigt, als ich im Sommerland war. Und ^ na ja ^ da ist deine ganze Lebensgeschichte ans Licht gekommen.«
Ich presse die Lippen zusammen und schaue ihn an, wie er da so reglos und stumm vor mir steht. Und seufze, als er mir auf telepathischem Wege mit seinen Fingern über die Wange streicht und ein Bild erzeugt, das so bedacht ist, so greifbar, dass es fast wirklich erscheint.
»Es tut mir leid«, sagt er und liebkost mental mit dem Daumen mein Kinn. »Es tut mir leid, dass ich so wenig bereit war, mich dir mitzuteilen, dass du dazu gezwungen warst. Aber obwohl das alles vor langer Zeit geschehen ist, möchte ich lieber nicht darüber sprechen.«
Ich nicke; ich habe nicht die Absicht, ihn zu bedrängen. Dass er mit angesehen hat, wie seine Eltern ermordet wurden, gefolgt von jahrelangen Misshandlungen in den Händen der Kirche, ist kein Thema, auf das ich näher eingehen will.
»Aber da ist noch mehr«, sage ich, weil ich ein wenig Hoffnung wecken möchte, indem ich ihm noch etwas anderes berichte, was ich in Erfahrung gebracht habe. »Als sich dein Leben vor mir entfaltet hat, hat Roman dich am Ende getötet. Aber obwohl es anscheinend Schicksal war, dass das passiert, habe ich es trotzdem geschafft, dich zu retten.« Ich sehe ihn an, merke, dass er alles andere als überzeugt ist, und fahre hastig fort, ehe er sich mir ganz entzieht. »Ich meine, ja, vielleicht ist unser Schicksal ja manchmal vorherbestimmt und unveränderlich, aber es gibt doch auch wieder Momente, in denen es ganz allein durch unser Handeln bestimmt wird. Als ich also meine Familie nicht dadurch retten konnte, dass ich durch die Zeit zurückgereist bin, da lag das nur daran, dass das eine Bestimmung war, die nicht verändert werden konnte. Oder, wie Riley gesagt hat, kurz bevor sie bei dem Unfall wieder umgekommen sind:>Du kannst die Vergangenheit nicht ändern, sie ist einfach da. »Vielleicht.« Er seufzt. »Aber dem Karma kann man nicht entrinnen, Ever. Es ist, was es ist. Es urteilt nicht, es ist weder gut noch böse, wie die meisten Menschen denken. Es ist das Resultat allen Handelns - gutem und schlechtem. Ein ständiges Ausbalancieren von Ereignissen, Ursache und Wirkung, wie du mir, so ich dir. Säen und Ernten, alles rächt sich irgendwann. Ganz gleich, wie man es ausdrückt, am Ende ist es dasselbe. Und so gern du auch etwas anderes denken möchtest, genau das passiert hier. Jede Aktion löst eine Reaktion aus. Und das hier ist das, was mein Handeln mir eingebracht hat.« Er schüttelt den Kopf. »Die ganze Zeit habe ich mir eingeredet, ich hätte dich aus Liebe unsterblich gemacht ^ Aber jetzt sehe ich, dass ich es in Wirklichkeit aus Selbstsucht getan habe, weil ich nicht ohne dich leben konnte. Deswegen geschieht das jetzt alles.«