Lob der Disziplin

Lob der Disziplin

Eine Streitschrift

von Bernhard Bueb

Buch

gebunden (173 Seiten)

Sprache: Deutsch

mehr zum Inhalt

Sofort lieferbar

Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern inaktiv Bewertungsstern inaktiv
0
0
0
0
0

€ 18,50

In den Warenkorb

Auf den Merkzettel

  • Windows PC und Mac OS (mit der kostenlosen Software "Adobe Digital Editions")
  • Mobilgeräte mit Android (z.B. mit der kostenlosen OYO App von Thalia)
  • Mobilgeräte mit Apple iOS (z.B. mit der kostenlosen App "Bluefire Reader")
  • eReader (z.B. OYO, Sony Reader)
  • Kindle unterstützt aktuell leider kein Adobe DRM.
  • Linux unterstützt derzeit leider kein Adobe DRM.
  • Kostenlose Lieferung ab
    € 20 Einkaufswert
  • Bonuscard Kunden bestellen Bücher versandkostenfrei

    Bonuskarte
  • Lieferung zur Abholung in Ihre Thalia Filiale möglich

Andere Kunden, die "Lob der Disziplin" kauften, interessierten sich auch für:

Weitere Artikelinformationen

1 Wir brauchen wieder Mut zur Erziehung


Der Bildungsnotstand in Deutschland ist die Folge eines Erziehungsnotstandes. Kinder und Jugendliche werden heute nicht mehr aufgezogen, sondern wachsen einfach auf. Sie sind umgeben von ungewollt aggressiv präsenten Erziehern: vom Fernsehen, vom plakativen Wohlstand unseres Landes, von den Verführern der Konsumgesellschaft, von den Vorbildern eines geistigen und charakterlichen Mittelmaßes, das unsere „Eliten“ repräsentieren. Zukunftserwartungen, die Jugendliche zu Taten beflügeln könnten, sind Zukunftsdrohungen gewichen: die strukturbedingte Arbeitslosigkeit, die Sinnentleerung unseres Daseins, auch verursacht durch den Verlust der Religion, die Vergreisung der Gesellschaft, die Ausbeutung der Lebensgrundlagen der Menschen, die Herrschaft des Geldes als letzter sinngebender Instanz – die Aufzählung ließe sich fortsetzen. Wem die Zukunft verloren geht, der wird nicht an sich arbeiten, sich nicht mehr anstrengen und keinen Idealen nachstreben. Den mangelnden Zukunftsaussichten treten wir nicht durch Erziehung entgegen. Die Kunst der Erziehung haben wir verlernt, gemeinsame Maßstäbe sind verloren gegangen, der Glaube hat sich breitgemacht, das Aufwachsen der Kinder werde schon irgendwie gelingen. Alle meinen es gut. Von Gottfried Benn haben wir jedoch gelernt, dass das Gegenteil von Kunst nicht Natur ist, sondern gut gemeint. Wir fahren auf einem Schiff ohne Kompass.
Was heißt Erziehung? Wie können wir durch Erziehung und Bildung Jugendliche zu Zuversicht und Lebensmut führen und wie können wir sie überhaupt erreichen?
Der Trainer führte seine Schüler mit harter Hand durch die hohe Schule des Handballs. Zügig flog der Ball von Mann zu Mann, ein atemberaubendes Tempo ließ auch den Zuschauern das Herz schneller schlagen, präzise und wie nach einem geheimen Plan bewegten sich die Spieler. Intellektuell und körperlich verlangte der Trainer höchste Anstrengung. Handballtraining hieß bei ihm, eine Gruppe durchtrainierter junger Menschen zu strategischem Denken, taktisch wendigem Zusammenspiel und zu einer Haltung des Fair Play zu führen. Was zunächst wie eine Folge schneidender Befehle klang, wurde von den Spielern als fortlaufende Liebeserklärungen erlebt. Die Führung seiner Schüler mit Disziplin und Liebe bildete das Geheimnis seines Erfolges. Mit jedem Handballtraining demonstrierte er, was Erziehung bedeuten kann.
Dieser Trainer war Lehrer und Erzieher am Internat Salem, er war Argentinier, sein Anspruch an sich und die Schüler erinnerte eher an Preußen als an Südamerika. Wie er die Handballmannschaft trainierte, erzog er seine Schüler im Internat. Die Schüler liebten und verehrten ihn. Wir anderen Lehrer und Erzieher bewunderten, wie er mit Konsequenz und Fürsorge die Jugendlichen erreichte; wir beneideten ihn auch ein wenig, dass er so unbefangen mitten im Deutschland der Jahre nach l968 Disziplin forderte.
Sein Erziehungsstil fand erstaunlicherweise allgemeine Zustimmung in einem Umfeld, das Erziehung eher als verständnisvolle Begleitung aufwachsender junger Menschen propagierte, weil die Leidenschaft seiner Zuwendung und sein pädagogischer Eros jeden Einwand theoretisch und dürr erscheinen ließen. Es gibt geborene Lehrer und Erzieher, er war so einer.
Zur gleichen Zeit arbeitete an der Schule eine Lehrerin, deren Erziehungsstil gegensätzlicher nicht hätte sein können, die aber denselben Anspruch auf Führung der Schüler erhob, nur tat sie es mit anmutiger, stiller Autorität, aber keinem geringeren pädagogischen Eros als der Argentinier und mit derselben Gefolgschaft der Schüler.
Führen oder wachsen lassen – so charakterisieren wir traditionell die gegensätzlichen Pole der Erziehung. Sie lassen sich im Bild des Töpfers oder des Gärtners anschaulich darstellen. Der Erzieher, der das Bild des Töpfers zu seiner Leitidee erkoren hat, will den jungen Menschen formen, er greift ein, steuert, fordert heraus, diszipliniert, schafft Freiräume, um ihn auf die Selbstständigkeit vorzubereiten, ja er wird ihn in die Selbstständigkeit und Freiheit zwingen. Wer sich am Bild des Gärtners orientiert, wird eher darauf achten, dass der junge Mensch gute Bedingungen des Aufwachsens vorfindet, er wird ihn mehr fördern als fordern, weniger eingreifen, aber darauf vertrauen, dass er sich selbst diszipliniert, also wenig Zwang und Autorität braucht.
Der Töpfer und der Gärtner repräsentieren zwei legitime Stile der Erziehung, die in Reinform selten vorkommen, meistens treffen wir eine Mischung mit einer Neigung zum einen oder anderen Pol an. Beide Stile bergen Gefahren in sich, der Stil des Töpfers kann in autoritäre Erziehung ausarten und der Stil des Gärtners in Nicht-Erziehung.
Wir wollten nach den Erfahrungen einer autoritären Erziehungstradition, die in einer Diktatur endete, eine Nation von Gärtnern werden, sind aber zu einer Nation von Nicht-Erziehern geworden, denn es herrscht das Missverständnis, dass der Gärtner auf Führung verzichten dürfe. Auch er greift ein, beschneidet die Pflanzen, bindet sie an Stangen und bewahrt sie vor Befall und Fehlentwicklung, wenn er ein guter Gärtner sein will.
Erziehung bedeutet immer Führung, diese Wahrheit wird durch den Begriff „Pädagoge“ bestätigt. Er stammt aus dem Griechischen und heißt Knabenführer. Wer führt, erwartet Gefolgschaft. Da Kinder nicht gehorsam geboren werden, ignorieren sie Anweisungen, rebellieren gegen Erziehungsmaßnahmen, missachten Gebote und wenden alle Mittel an, um ihren eigenen Willen durchzusetzen. Wutanfälle eines dreijährigen Kindes auszuhalten, dessen Äußerungen ohne Verstand sind, und sich nicht ab und an zu Klapsen oder gar Schlägen hinreißen zu lassen, bedarf gehöriger Selbstdisziplin von Vater oder Mutter. Solche Selbstdisziplin wächst mit dem Bildungsgrad der Eltern. Gebildete Eltern wissen, dass Erziehung nicht ohne Konflikte gelingen kann. Sich ihnen zu stellen, nicht gleich nachzugeben und auch die Öffentlichkeit nicht zu scheuen, wenn konsequentes Handeln Ärgernis erregt, braucht Mut zur Erziehung. Supermärkte, Restaurants und Eisenbahnabteile sind beliebte öffentliche Austragungsorte pädagogischer Konflikte. Wer konsequent Unterordnung eines Kindes verlangt, beweist Mut vor Zuschauern, die in Deutschland konsequentes Handeln zu häufig missbilligen. Das gilt auch für die kleinere Öffentlichkeit der weiteren Familie oder der Freunde.
Mut zur Erziehung heißt vor allem Mut zur Disziplin. Disziplin ist das ungeliebte Kind der Pädagogik, sie ist aber das Fundament aller Erziehung. Disziplin verkörpert alles, was Menschen verabscheuen: Zwang, Unterordnung, verordneten Verzicht, Triebunterdrückung, Einschränkung des eigenen Willens. Disziplin setzt anstelle des Lustprinzips das Leistungsprinzip: Jede Einschränkung ist erlaubt oder sogar geboten, die dem Erreichen eines gesetzten Zieles dient. Disziplin beginnt immer fremdbestimmt und sollte selbstbestimmt enden, aus Disziplin soll immer Selbstdisziplin werden. Disziplin in der Erziehung legitimiert sich nur durch Liebe zu Kindern und Jugendlichen.

Produktdetails

ISBN-10: 3-471-79542-1
EAN: 9783471795422
Erschienen: 01.09.2006
Verlag: List
Einband: gebunden
Sprache(n): Deutsch
Seitenzahl: 173
Gewicht: 303 g
Nach oben

Bernhard Bueb

Bernhard Bueb wurde 1938 in Tansania geboren und kam als Neunjähriger mit den Eltern nach Deutschland. Er studierte Philosophie und katholische Theologie. Nach seiner Promotion über Nietzsches Kritik der praktischen Vernunft wurde er Assistent von Hartmut von Hentig in Bielefeld. Zwei Jahre lang war er Erzieher an der Odenwaldschule, bevor er 1974 als Schulleiter an die Internatsschule Schloss Salem wechselte. Diese Position hielt er über dreißig Jahre inne, bis er sich im Juli 2005 in den Ruhestand verabschiedete. Er ist verheiratet und hat zwei Töchter.

Nach oben

Übersicht der Bewertungen

Bewertung abgeben

Sagen Sie Ihre Meinung!

Rezension schreiben

Buchhändlertipps

Kundenrezensionen

  • interessante ansätze. Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern inaktiv Bewertungsstern inaktiv Bewertungsstern inaktiv

    von einer Kundin/einem Kunden, am 16.03.2008

    0 von 0 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.

    er hat in vielen punkten recht.nur was machen wir zu hause?die kinder in die mülltonne werfen? ich konnte nichts für zu hause übernehmen.

    Hat Ihnen diese Rezension geholfen?

    ja nein

  • Interessante Ansätze Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern inaktiv Bewertungsstern inaktiv

    von einer Kundin/einem Kunden, am 27.12.2007

    1 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.

    Man bekommt direkt mit, dass Bueb Anhänger der Autoritären Erziehung ist - d.h. die Kinder sollen durch die Eltern, Kirche und den Staat erzogen werden. Bueb liefert einige interessante Ansätze, doch finde ich seine Begründungen manchmal weltfremd: Wie kann er von Erziehung sprechen, wenn er Kinder, die sich nicht an seine Regeln halten, vom Internat wirft, anstatt sich mit ihnen auseinander zu setzen?
    Ich denke einige Ansätze sind brauchbar, um über die Erziehung von Kindern nachzudenken, andere wiederrum werden nur strenge Anhänger der autoritären Erziehung gut finden.

    Hat Ihnen diese Rezension geholfen?

    ja nein

  • Der Geist des Regiments Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern inaktiv Bewertungsstern inaktiv

    von Leopold Schikora,Therapeut und Dozent, am 22.12.2007

    3 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.

    Die Inhalte dieses Buches erscheinen mir zum Teil sehr anachronistisch.Ich selbst bedarf keiner Autorität,keinen Imperativ oder irgendeiner "höheren Instanz" um gut zu sein,um sich ethisch im Sinne der Menschlichkeit zu verhalten.Jiddu Krishnamurti hat mal trefflich formuliert,daß "Unterdrückung die grobe Form der subtileren Selbstdisziplin sei.".Ich frage mich,warum man sich überhaupt disziplinieren muß,sich zwingen?Warum laßen sich so viele Menschen in ein bestimmtes Schema pressen?Warum verschereiben sich so viele Menschen,vielfgältigen Lehren der Disziplin,die sie angeblich sogar zu "Gott" führen.Ich für mich habe festgestellt,und hierbei gehe ich mit dem Verfasser nicht konform,daß je mehr jemand seinen Geist diszipliniert,dem Geist trainiert,um so mehr engt er ihm ein.Disziplin läßt auf einen Geist schließen,der durch Bedingungen gebunden ist.In der Beweglichkeit aber gibt es keine Disziplin,wie Krishnamurti sagte.Der Autor plediert für die alten "Werte",aber wohin haben uns diese "Werte" in den letzten 2000 Jahren hingeführt?In der Tat ist die Willkür der 60/70-Jahre nicht die Antwort auf unsere Probleme,aber ebenso ist die "Disziplinierte Generation" der Vorkriegszeit" es auch nicht! Wenn die Liebe fehlt,verlernt der Mensch kreativ zu sein und wird destruktiv; dann in der Tat benötigt er Disziplin um sich selbst und andere nicht zu zerstören aber letztendlich,macht ihm die Disziplin nicht zu einen besseren Menschen.Sie macht ihm nur zu einem sich anders verhaltenden Menschen.Aus der Disziplin kann nichts Kreatives entstehen,denn das Gute entsteht stetts aus der Freiheit und die Disziplin ist alles andere als Freiheit.

    Hat Ihnen diese Rezension geholfen?

    ja nein

  • Gutes Buch Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv

    von einer Kundin/einem Kunden, am 01.03.2007

    1 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.

    Dieses Buch spiegelt einige Fehler, die wir aus den Augen verloren haben, es sind die Tugenden, Werte, Verzicht und Autoritätsanerkennung.
    Dieses Buch regt angenehm an, über die Erziehung von Kindern nachzudenken.
    Ein "Nein" ist manchmal heilsamer als eine ewige Diskussion die sich verläuft.

    Hat Ihnen diese Rezension geholfen?

    ja nein

  • Dieses Buch sollten vorallem alle Eltern lesen Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern inaktiv

    von einer Kundin/einem Kunden, am 09.11.2006

    1 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.

    Endlich begründet ein Mann, der aus dem reichen Schatz seiner Erfahrung schöpft, das oftmals kritisierte Verhalten der heutigen Jugend- ohne belehrend aufzutreten.
    Eine Streitschrift ist es nicht sondern ein Leitfaden für Erzieher, dh. Eltern und Lehrer und ein lesenswertes Buch für alle, die "erzogen" werden sollen.

    Hat Ihnen diese Rezension geholfen?

    ja nein

Zuletzt angesehene Produkte