Der beste Sohn
von
Thomas Zörner, am 17.10.2009
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Vier lange Jahre musste man sich als Fan der brachialen Berliner gedulden, bis man endlich das langersehnte sechste Studioalbum in Händen halten drufte. Nun ist es so weit, es ist da, und so sehr vorbelastet, ob des gewaltigen Erwartungsdrucks. Und hält es stand? Den Beginn macht das von der "Pussy" Single bekannte "Rammlied" und es gefällt immer wieder, es wird sogar noch immer besser mit jedem Mal hören. Nach dem aus Herzeleid stammenden "Rammstein" endlich eine neue Hymne. Nun also das erste unbekannte Lied, das da heißt "Ich tu dir weh". Okay, Keyboardintro und dann WAMM! Was eine Gitarrenwand! Ein Wahnsinnsriff, das so unglaublich groovt, das man kaum still sitzen kann. Und wenn dann der Refrain einsetzt, macht sich die Kinnlade auf den Weg nach unten. Till Lindemann, der Meister des grollenden Sprechgesangs, singt?! Und das auch noch verdammt gut? Der Chrous bleibt ohne Umschweife im Hirn hängen und geht da nicht mehr weg. Gleich zwei Highlights zu Beginn, toll. Nun also auf die Pirsch mit "Waidmanns Heil". Einem Bläserintro folgt ein treibendes Up Tempo Riff. Der große Moment ist aber wieder der Refrain: " Auf dem Lande/auf dem Meer/lauert das Verderben/die Kreatur muss sterben!". Wenn Lindemann das "sterben" herausschreit, als sei er selbst der Gejagte ist Gänsehaut garantiert. Das wären nun schon drei Highlights, wobei "Waidmanns Heil" wohl eine der besten Nummern ist, die Rammstein je veröffentlicht hat. Mit "Haifisch" schlagen die Deutschen das erste mal ruhigere Töne an, was nicht heißt, dass sie auf verzerrte Gitarren verzichten würden. Der Song stampft im Mid Tempo dahin und bietet einen wortspielreichen Text, und einen brechtschen Refrain, der dementsprechend lyrisch geraten ist. Gutes Lied, aber keine solchen Meisterwerke, wie die vorhergehenden. Mit "Frühling in Paris" folgt die erste Ballade der CD und als solche weiß die Nummer wirklich zu gefallen. Im direkten Vergleich zur letzten epischen Kuschelnummer "Ohne dich" macht der Neuling auf jeden Fall das Rennen. Als Österreicher muss man bei "Wiener Blut" schließlich recht heftig schlucken. Die Thematik des Textes ist der Fall Fritzel und bei Textzeilen wie "Bist du manchmal auch allein/dann pflanz ich dir ein Schweisterlein" laufen einem wahre Schauer über den Rücken. Der Song überzeugt aber als muskalisch verdammt hartes Brett. Naja, dann kommt "Pussy".Auch wenn das Lied nach mehrfachem Hören etwas zulegt, gehört es sich zu den schwächsten Rammsteinsongs aller Zeiten. "Liebe ist für alle da" ist aber mitnichten dort einzuordnen. Der Titeltrack ist wieder mal ein sexfixiertes Werk, das vor allem in Sachen Schlagzeug für Überraschungen sorgt. Schneider darf sich richtig austoben. "Mehr" ist dann wohl, neben "Pussy" natürlich, der wohl schwächste Song der Scheibe. Textlich recht belanglos und musikalisch monoton, verklingt das Lied recht schnell. "Roter Sand" ist der abschließende Ruhepunkt, den man auch nötig hat nach dieser rammsteinschen Tour de Force. Es sei gesagt: "L.I.F.A.D." ist das beste Album der Jungs seit "Mutter". Sie legen ungewohnte Härte an den Tag und Lindemann läuft stimmlich zu neuer Hochform auf und bereichert sein stimmliches Repertoire um einige neue interessante Facetten. Unbedingte Kaufempfehlung.