DasiseinDinggegendeinKinn
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Thomas Zörner, am 22.10.2011
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Sie sind die Gruppe, die diese Szene braucht. Radikale, respektlose Anarchie, die dieses gangstaverseuchte Genre richtig auf den Kopf stellt. Die vier kreativen Köpfe Nico, Tarek, Maxim und DJ Craft hören dabei auf den Namen KIZ. Wofür das steht? Keine Ahnung, das ist ja Teil des Witzes dessen Pointe prinzipiell geschmacklos ist, so heißt es ein Mal Kannibalen in Zivil und ein anderes Mal Kapitalismus ist zauberhaft. Nach einigen, bereits zu Klassiker avancierten, Mixtapes veröffentlichen KIZ schließlich ihr Debütalbum, das den schönen Namen Hahnenkampf trägt, und eröffnen dieses mit der Single Geld essen. Der Beat gibt aber einiges her, wer saß denn da an den Reglern? Unter anderem zeichnen sich Tai Jason, Biztam und Mach One für die musikalische Untermalung verantwortlich, im Fall des Openers ist es Tai Jason. Stilmittel der Band lassen sich auch bereits ausmachen. Immer provokant, immer ungeschönt, immer aufs Maul, so heißt es gleich Ich bin unbeliebt, seitdem ich beim Bunker unterschrieb, mach' ich menschenverachtende Untergrundmusik. In diesem Ton geht es auch auf der Klassenfahrt weiter, aber all die Schwarzhumorabgeneigten können beruhigt sein, die Rüttli Schule und Columbine finden zwar Erwähnung, sonst bleibt der Ausflug aber blutlos. Spasst ist eine weitere Single und das, was man in den Reihen KIZs wahrscheinlich Partysong nennen würde. Davon gibt es mit Hahnenkampf und Walpurgisnacht noch weitere, wobei bei ersterem vor allem das geniale Daft Punk Sample gefällt. Dass man aber auch irgendwie ernst kann, beweist die Berliner Kombo mit Nummern wie Pauch it, einem Abgesang auf die Rauchergesellschaft, und Wenn es brennt, eine extrem #!# zynische Auseinandersetzung mit der Unterschicht. Am besten machen sich die vier aber, wenn sie ihrem Wahnwitz vollkommen freie Bahn lassen, und dem Hörer alles entgegen blasen, was ihnen gerade durch den Kopf geht. Neuruppin, auf der kongenialen Melodie des Animals Klassikers House of the rising sun erzählt z.B. eine schaurigschöne, anspielungsbespickte Killergeschichte. Herbstzeitblätter ist eine wunderbare Satire auf die Battlerapszene mit gewollt schlechten Parts, und einigen Flowimitationen, die keinen Zweifel am Orignal lassen. Savas ich blicke in deine Richtung. Hahnenkampf ist wie ein Kinnhaken für ein Genre, das viel zu lange schon in diesem ewig gleichen Gangstaeinheitssumpf versinkt, der so platziert ist, dass er das Ganze nicht nur aus der Brühe holt, sondern ans Ufer schleudert. Großartig.