Mehr Hop weniger Hip
von
Thomas Zörner, am 08.11.2011
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Der Spaß mit dieser Platte beginnt schon beim Titel. "Böhse Enkelz", ein netter Seitenschlag gegen die Rocker Böhse Onkelz. Das sind aber auch schon alle Parallelen, die man zwischen KIZ und den Deutschrockern ziehen kann, denn musikalisch liegt man meilenweit auseinander, und wohl auch niveautechnisch. Bereits mit dem "Intro" machen KIZ klar was hier gespielt wird, schwarzhumorige, oft derbe, wie sexistische, und wunderbar hintergründige Texte auf elektronische Beats, die, immerhin ist dies ein Mixtape, nicht immer exklusiv sind. "Freiwild" geht den gleichen Weg, überrascht aber mit einer melodiösen Hook, die sich unweigerlich im Ohr festsetzt. Das tut auch das bekannte "Hurensohn", das es diesmal als Remix zu bestaunen gibt, der sich nur textlich unterscheidet, beattechnisch bleibt alles, bis auf Details, beim alten. Dass KIZ trotz ihrer vordergründigen Prolligkeit nicht davor zurück schrecken auch ernste Themen, nicht ohne besagte Prolligkeit, darzubieten weiß man ja, und das beweisen sie auch hier mit Nummern wie "Wir werden jetzt Stars", oder dem grandiose genialen "Was willst du machen?". Natürlich bieten die vier Berliner aber nicht nur solche Songs, sondern auch eine Menge Spaßtracks, wie das beinahe rockige "Bong verkippt", "Riesenglied", und das großartige, auf einen Lil John Beat gerappte, "Los geht's". Weniger prollig, und sogar noch ernster zeigt man sich bei dem überraschenden "This Way", ebenfalls auf einem nicht exklusiven Beat, und auch teilweise bei "Frei sein", auch wenn da die geliebte Derbheit wieder durchschlägt. Auf "Böhse Enkelz" zeigen sich KIZ so facettenrech, wie später kaum noch. Alle Alben ab "Hahnenkampf" sind zwar gut, bis sehr gut, dennoch muss man dort für die Themen schon ein sehr waches Ohr haben. Gegen Ende rocken die Jungs noch mal mit "Siebzehn Jahr, blondes Haar", und im "Outro" auf "Seven Nation Army" von den Whitestripes. "Böhse Enkelz" ist ein guter Einstieg für all jene, die sich dem Phänomen KIZ gerne nähern würden, oder jene, die sich die Wurzeln der Berliner gerne mal zu Gemüte führen würden.