Die Wohlgesinnten

Die Wohlgesinnten

Roman. Ausgezeichnet mit dem Prix Goncourt 2008 und dem Bad Sex Award 2009

von Jonathan Littell

Buch

gebunden (1383 Seiten)

2. Auflage

Sprache: Deutsch

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Weitere Artikelinformationen

Die Wohlgesinnten wurden von der Kritik als ein neues Krieg und Frieden gefeiert: die fiktiven Lebenserinnerungen des SS- Obersturmführers Maximilian Aue, Jahrgang 1913, Sohn eines deutschen Vaters und einer französischen Mutter, promovierter Jurist, frühes NSDAP-Mitglied, in die SS eingetreten, um sich der Strafverfolgung nach
175 zu entziehen, aber lebenslang seiner Zwillingsschwester inzestuös verbunden. Es sind die verstörenden Erinnerungen an die Schauplätze des Zweiten Weltkriegs und an das Grauen der Verfolgung und Vernichtung der Juden von Juni 1941 bis April 1945, an die Einsatzkommandos und Massenhinrichtungen in der Ukraine und im Kaukasus, an Babi Jar, den Kessel von Stalingrad, Auschwitz und Krakau, an Mittelbau Dora, das besetzte Paris oder das kriegszerstörte Berlin. Es sind die beklemmenden Erinnerungen an all die Begegnungen mit den Nazigrößen, an Himmler, in dessen persönlichen Stab Aue 1943 aufgenommen wird, an Abendessen mit Eichmann, an Heydrich, Höß oder Speer. Es ist ein erschreckend detailgenauer Roman über die nazistischen Verbrechen, konsequent erzählt aus der Perspektive eines Täters, der sich nach dem Zweiten Weltkrieg in die sichere Existenz eines Fabrikdirektors in Frankreich gerettet hat. "Es ist eines der eindrucksvollsten Bücher, die je über den Nazismus geschrieben wurden."

Produktdetails

ISBN-10: 3-8270-0738-0
EAN: 9783827007384
Originaltitel: Les Bienveillantes
Erschienen: 23.02.2008
Verlag: Berlin Verlag
Einband: gebunden
Sprache(n): Deutsch
Auflage: 2. Auflage
Seitenzahl: 1383
Gewicht: 1382 g
Übersetzer: Hainer Kober
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Jonathan Littell

Jonathan Littell, 1967 in New York geboren in einer jüdischen Familie russischer Herkunft, die sich Ende des 19. Jahrhunderts in Amerika niedergelassen hat, ist in Frankreich aufgewachsen, wo er 1985 das Abitur machte, studierte in Yale (USA). Zwischen 1993 und 2001 arbeitete er für die humanitäre Organisation „Aktion gegen den Hunger“ (ACF) in Bosnien und Afghanistan, im Kongo und in Tschetschenien. Littell lebt mit seiner Familie in Barcelona. Für seinen Roman erhielt er 2006 den Grand Prix du Roman der Académie Française und den Prix Goncourt.

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Buchhändlertipps

  • EXTREM !

    von Ulrich Raifer, am 09.03.2010 aus der Thalia-Buchhandlung in Wien, Q19

    genial, verstörend, brutal, genau, wahnsinnig, unbeschreiblich, gut, spannend, lang, hart, unvergleichlich, extrem !
  • Unbeschreiblich, ein Meisterwerk

    von Edith Berger, am 06.04.2009 aus der Thalia-Buchhandlung in Graz

    " Die Wohlgesinnten" sind die fiktiven Erinnerungen des SS-Offiziers Maximilian Aue.
    Das Buch ist aus der Sicht des Täters geschrieben und geht in seiner entsetzlich detailgetreuen Beschreibung über eine Grenze.
    In seiner konsequenten Genauigkeit erlaubt das Buch nicht, die entstehenden Bilder im Kopf auszublenden.
    Das Buch wird Sie fordern, es ist schonungslos, man kommt an seine Grenzen.


Kundenrezensionen

  • Verstörendes Meisterwerk! Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern inaktiv

    von Dave, am 11.02.2009

    1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.

    Es ist erstaunlich, mit welcher Intensität und Authentizität Jonathan Littel diese Geschichte aus dem Blickwinkel des Hauptprotagonisten Aue, eines SS-Offiziers, niedergeschrieben hat.Schon nach kurzer Zeit versteht der Leser, weshalb Littel seine Hauptperson Aue in der ersten Person erzählen lässt. Der Leser gerät damit unweigerlich in Versuchung, Aue eine gewisse Sympathie zuzugestehen.Subjektiv betrachtet, ist Aue ein Monster, ein Unmensch in Ausübung unsäglicher Gräueltaten.Doch aus objektiver Sicht ist Aue ein unter "normalen" Umständen durchschnittlicher Mitmensch mit Gefühl und Verstand. Durch den immer tieferen Einblick in Aue's geschundene Seele wird man sich bald einmal bewusst, dass dieser im Grunde nichts weiter als eines unter vielen Opfern der Kriegsmaschinerie darstellt. So ist auch Aue in den zahlreichen, detailliert beschriebenen Grauensszenarien nicht mehr sich selbst; seine kranke Psyche hat seinen willenlos agierenden Körper schon längst verlassen!
    Das Buch lässt sich schwer mit anderen Genre-Titeln vergleichen. Die zeitgeschichtliche und charakterliche Tiefe sucht seinesgleichen. Sprachlich bewegt sich Littel auf hohem Niveau."Die Wohlgesinnten" gehört ohne Zweifel zu den Büchern, die man auch als Vielleser zeitlebens nie vergessen wird!

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  • Spannend und informativ! Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern inaktiv

    von Zitronenblau, am 01.05.2008

    2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.

    Vorsicht! Wer dieses Buch liest, sollte wissen, was die Aufzeichnungen eines SS-Offziers (Aue) bedeuten!

    Trotzdem: Sie sind unrealistisch. Sie können nichts anderes sein als fiktiv. Ursache für die Irrealität sind beispielsweise die übertriebene Hartnäckigkeit der "Wohlgesinnten", die Begegnungen mit zahlreichen Bedeutungsträgern (Inkarnationen wie dem alten Juden, dem Gegenpol bildenden Bolschewisten, dem James-Bond-Film-artigen Bösewicht Dr. Mandelbrod etc.) u.a.
    Hinzu kommt das Klischee eines homosexuellen SS-Offiziers, das Nicht-Erkennen des Protagonisten seiner eigenen Orestie, obgleich er doch so Sophokles-, Heridot- und Homer-belesen ist (ergo mit griechisch-antiker Literatur äußerst vertraut zu sein scheint), der etwas bizarre Tod von Aues stetigem Begleiter Thomas oder auch der Hitler-Nasen-Biss zur Krönung, zum Abschluss!

    Wichtig ist, dass man wissen sollte, dass diese Geschichte nur sekundär vom Holocaust erzählt (vielleicht sollte ich besser schreiben: parallel). Das klingt jetzt paradox, weil: was sollen die Aufzeichnungen eines SS-Offiziers denn sonst erzählen? Aber die Orestie des Aischylos ist hier vordergründig. Es dreht sich alles um den Muttermord, die Verfolgung durch die Wohlgesinnten und die dadurch hervortretenden Wahnvorstellungen (bis hin zur Psychopathie).

    Der Holocaust ist das andere Thema, das erschreckend detailgetreu (und dafür auch umso realistischer) dargestellt wird, wobei der zitierte Vergleich von Ausschwitz mit Dantes Inferno sicher keine Hyperbel darstellt. Zudem wird der Leser mit den "großen Namen" des NS konfrontiert (Eichmann, Hitler, Höß, Speer usw.). Diese Konfrontation mit den Namen bedeutet eine Konfrontation mit den skizzierten Personen. Monster? Teilweise ja, teilweise nein. Menschen, eben.

    Zum SS-Offizier Aue per se: Er ist ohne Gefühl, da hilft auch seine Liebe zu Literatur und Musik (allen voran Bach) nicht viel. Er ist sexuell gestört und er ist ein Mörder (nicht kriegslegitimiert, sondern wahrhaftig), ein Psychopath und er hätte meiner Meinung nach bezahlen sollen. Aber wie hätte er dann seine Memoiren niederschreiben können?

    Der Einbau einer griechisch-antiken Vorgabe, wie in diesem Falle die Orestie des Aischylos, mag Gang und Gebe sein und kann ein narratives "Upgrading" bedeuten, jedoch halte ich die Verbindung zum Holocaust hier nicht als gerechtfertigt. Die Aufzeichnungen sind fiktiv, der Genozid war real. Beides in einen Topf zu werfen (griechische Mythologie und Völkervernichtung) kann zweierlei Negatives bedeuten: Zum einen wird hier "die Endlösung der Judenfrage" zum Spielball einer narrativen Pseudostory (und damit ist der Wert dieser Stoffverarbeitungslogik zweifelhaft), zum anderen wird sie auch wieder mystifiziert, also maskiert, obgleich Littell doch eine Demaskierung, ein Begreifen des Bösen, beabsichtigt hatte: die Intention eines Verstehen-Wollens; aber tatsächlich scheitert Littell, das Böse zu isolieren, es zu fassen; denn er selbst lässt Aue sagen, dass wir alle Menschen sind und darin liegt das Erschreckende - die Moral.

    Fazit: Trotz der Widersprüchlichkeit zum Inhalt, ist dieses Buch eigenlich ein moralisches Buch. Und auch wenn es ein moralisches Buch ist, so scheint mir die Verkettung des Holocausts mit einer griechisch-antiken Geschichte beinahe schon wieder zweifelhaft, anrüchig, unmoralisch - ja, sinn- und wertlos.
    Das Buch ist zweifelsohne ein Meisterwerk, das Maßstäbe setzt (vielleicht ist nur Wassili Grossmans "Leben und Schicksal" aus dem letzten Jahrhundert vergleichbar), aber es wird auch sicher polarisieren!

    P.S.: "Air" halte ich für pervertierte Ironie!

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  • Toller Roman für Selbstdenker Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern inaktiv

    von einer Kundin/einem Kunden, am 27.04.2008

    2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.

    Der Autor schildert die fiktiven Ereignisse sehr detailgenau wodurch ein "versetzen" in die Lage des Hauptcharakters Dr. Aue gut möglich ist. Obwohl der Autor kein Zeitzeuge ist, fiel es mir schwer Ungereimtheiten in der zeitlichen Abhandlung des Romans zu finden, obwohl Dr. Aue bei allen ansatzweise bedeutenden Ereignissen des zweiten Weltkrieges anwesend ist. Durch die Gewissensbisse des Dr. Aue während vielen "Aktionen" wird eine Brücke vom eiskalten Massenmörder zum fühlenden Menschen geschlagen. Ein vielleicht bisher in der Nachkriegsliteratur absolutes NO-GO um die Opfer des NS-Regimes nicht im Ansatz zu verletzen. Als Kritikpunkt kann ich allenfalls anmerken, dass stellenweise wird bis zu 3 Seiten über den Geschmack von Cognac philosophiert wird, was die Motivation zum Weiterlesen bei mir erschwert hat.Alles in allem jedoch ein sehr guter Roman mit Jahrhundertpotential.

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  • Beklemmend und erklärend. Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern inaktiv

    von einer Kundin/einem Kunden, am 22.04.2008

    3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.

    Ein Buch, das mir geholfen hatte, meine "Deutsch-Sünde" besser zu verstehen. Bislang war ich immer der Meinung: komm, hört doch endlich auf mit dem Kram, was unsere Opi´s mal in einem Krieg von vielen Jahren gemacht haben. Ich konnte nicht verstehen, daß es eine Jewish Claims Conference gab und weshalb man sich erst vor wenigen Jahren auf die Zwangsarbeiterentschädigung verständigt hat und kritisierte die für mich damals nicht nachvollziehbaren Forderungen.

    Dieses Buch ließ mich jedoch in meiner Meinung umschwenken und zeigte mir ein wenig auf, weshalb wir "Deutsche" zu büßen hatten.

    Ich bin kein politischer Mensch, kein Historiker und kein Anhänger einer religiösen oder politischen Richtung. Aber dieses Werk sollte wirklich jedem Leugner und auch dem Typen aus dem Iran (seit respräsentiert ein "Präsident" sein Land eigentlich ohne Krawatte?) als Pflichtlektüre verdonnert werden.

    Ein paar überflüssige Stellen sind aber leider auch im Buch niedergeschrieben, weshalb ich nur 4 Sterne vergebe (hiermit meine ich das Delirium des Protagonisten im Haus seiner Schwester).

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  • Aussergewöhnlich gut und fast unerträglich Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv

    von Stefan Dörig, am 10.03.2008

    5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.

    Auf sehr realistische Art und Weise wird der SS-Offizier Maximilian Aue dargestellt. Der Autor macht es dem Leser nicht leicht, denn Aue ist ein hochkomplexer, an sich nicht unsympathischer Charakter, welcher sehr wohl den Irrsinn und die Unmenschlichkeit des Vorgehens der Deutschen in Russland erkennt und trotzdem mitmacht. Wäre Aue ein stumpfsinniger, primitiver Killer, wäre die Botschaft wesentlich erträglicher. Aue weiss schon sehr, sehr früh, dass er einen Weg beschritten hat, von dem es keine Rückkehr gibt.
    Die Kern-Aussage des Buches ist meines Erachtens, dass totale Organisationen wie die NS-Diktatur gerade eben auf normalen Durchschnittsmenschen aufbauten bzw. aufbauen. Und das ist meiner Meinung nach die wirklich erschreckende Botschaft aus der Vergangenheit an die Zukunft.

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