Buch
Taschenbuch (254 Seiten)
11. Auflage
Sprache: Deutsch
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Seine Eltern wollen, dass er endlich ein Haus baut. Seine Freundin will endlich ein Kind. Und seine Freunde wollen zum elften Mal nach Mallorca. Doch Pitschi Greulich hat einen ganz anderen Plan. Eine ziemlich komische Geschichte über einen 37-jährigen Brauerei-Manager, der ausgerechnet am Ende der Welt das sucht, was er zu Hause längst hatte. »Tommy Jaud hat ein brachliegendes Genre neu belebt - den deutschen Männerroman. Es geht in >Resturlaub< um alle großen Themen unserer Zeit. Ein Hammer von Gegenwartsroman also.« DER SPIEGEL »Natürlich schreibt das Leben die besten Geschichten. Aber Tommy Jaud reicht das nicht, weil er weiß, dass seine Figuren in diesem Leben erst einmal zurechtkommen müssen!« Bastian Pastewka
| Verkaufsrang: | 9.093 |
|---|---|
| ISBN-10: | 3-596-16842-2 |
| EAN: | 9783596168422 |
| Erschienen: | 07.11.2011 |
| Verlag: | Fischer Taschenbuch Verlag |
| Einband: | Taschenbuch |
| Sprache(n): | Deutsch |
| Auflage: | 11. Auflage |
| Seitenzahl: | 254 |
| Länge/Breite: | 189mm/126mm |
| Gewicht: | 284 g |
| Reihe: | Fischer Taschenbücher Allgemeine Reihe |
Tommy Jaud wurde in Schweinfurt geboren und arbeitete dort nach dem Abitur für genau zwei Tage bei McDonald's (zuständig für Mc Rib). Er begann ein Germanistikstudium in Bamberg und moderierte bei Antenne Thüringen, zog dann nach Köln, wo er für die "Wochenshow" arbeitete und als Creative Producer bei "Ladykracher". 2004 schrieb Jaud seinen ersten Roman, weitere folgten. Tommy Jaud schrieb auch die Drehbücher zu den Komödien "Vollidiot", "Resturlaub" und "Zwei Weihnachtsmänner". Derzeit lebt und schreibt Tommy Jaud als freier Autor vor allem in Köln.
von Nicole Thannesberger, am 21.09.2010 aus der Thalia-Buchhandlung in Wels, max.center
von Kerstin Ponleitner, am 28.03.2010 aus der Thalia-Buchhandlung in Pasching
von Vanessa Sülthaus, am 15.01.2013
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von einer Kundin/einem Kunden, am 16.04.2012
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von Michael Pietzka, am 16.04.2012
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von einer Kundin/einem Kunden, am 01.01.2012
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von einer Kundin/einem Kunden, am 22.10.2011
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von einer Kundin/einem Kunden, am 19.10.2011
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von Sucra, am 26.06.2011
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von einer Kundin/einem Kunden, am 13.06.2011
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von Thyra, am 06.06.2011
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von Maike Hochapfel, am 04.05.2011
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von einer Kundin/einem Kunden, am 05.04.2011
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von Kristin Mielke, am 27.03.2011
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von Mareike, am 27.10.2010
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von Rebecca Bäumer, am 31.08.2010
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von Alexandra Zander, am 22.08.2010
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von Edith Kölzer, am 25.04.2010
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von Tanna, am 15.10.2009
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von rebellyell666, am 19.06.2009
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von Blacky, am 29.03.2009
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von Ernestine Brandau, am 10.12.2008
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LEBERKÄS MIT HUT
Spätestens wenn dir einer deiner besten Freunde einen Strafzettel hinter den Scheibenwischer klemmt, ist es Zeit über ein paar grundsätzliche Dinge nachzudenken. Doch so weit war ich damals noch nicht. "Damals", das ist jetzt genau vier Tage her. Wutschnaubend kämpfte ich mich an diesem Nachmittag durch die flirrende Sommerhitze der touristenverseuchten Bamberger Altstadt, vorbei an Großgruppen von schnatternden Japanern und Busladungen steifer Senioren. Ich wollte den Mann stellen, der mir den Strafzettel verpasst hatte: Checko. Und natürlich erwischte ich ihn dort, wo man ihn immer erwischt zur Mittagszeit: an einem der blankgescheuerten Holztische im Schlenkerla, einer über 300 Jahre alten Gaststätte. Das Schlenkerla ist eine Institution in Bamberg und es schenkt ausschließlich Bier aus, das so schmeckt, als sei gerade ein Schinken und eine Tüte Barbecue-Chips hineingefallen: das Aecht Schlenkerla Rauchbier.
Ich sah Checkos Uniform schon durchs Fenster, doch erst der Bierkrug in der linken Hand und die Leberkässemmel in der rechten ließen eine eindeutige Identifizierung zu: Uniform plus Leberkäs plus Bierkrug gleich Checko. Und da Checko sich schon vor langer Zeit aus seiner dunkelblauen Dienstkleidung herausgefuttert hatte, sah er inzwischen selbst ein wenig aus wie ein Leberkäs oder, genauer, wegen der offiziellen Mütze, wie ein Leberkäs mit Hut. Durch die offene Tür betrat ich den dunklen Gastraum mit seiner niedrigen braunen Holzdecke und wurde von Babsi, der Bedienung, sofort mit einem herzlichen „Der Greulich!“ begrüßt. Energisch zog ich mir einen der hellen Holzstühle mit dem Herz in der Lehne heran und hielt dem erschrockenen Checko mein frisch gezapftes Knöllchen vors Gesicht.
„Mensch Bidschi! Da gricht mer ja an Herzkaschber!“, stöhnte er in breitestem Mittagspausenfränkisch.
Ich setzte mich. Checko blickte zunächst auf meinen Strafzettel, dann auf mich und stellte erst dann seinen Bierkrug ab.
„Wenn du Touristen aufschreiben würdest statt Freunde, würde dich auch keiner erschrecken!“
Ich muss wohl ziemlich energisch geklungen haben, denn nicht nur Checko, sondern auch die dralle Babsi am Ausschank warf mir einen missbilligenden Blick zu. Checko wischte sich einen Senfrest aus dem Bart, kaute zu Ende und deutete auf mein Knöllchen.
„Der blaue Golf vor der Reinichung?“
„Der blaue Golf vor der Reinichung, genau!“
„Der wo im eingeschränkten Haldeverbot g’standen war für mehr als wie fünf Minuden?“
Ich konnte es nicht fassen. Da geht man zusammen zur Schule, fährt neun Mal zusammen nach Mallorca und trinkt eine Million Bier miteinander und dann so was! Ich atmete tief durch, dann legte ich die Hand auf Checkos Schulter. Irgendwas Grundsätzliches schien da zwischen uns gerade schief zu laufen.
„Checko, du weißt, dass das MEIN Golf ist! Der Golf, den ich seit drei Jahren habe? Der Golf, mit dem wir beide ab und zu nach Nürnberg fahren oder ins Freibad?“
Checko nickte.
„Klar, dein Golf. Ich kenn doch deinen „Bitte kein Bit“- Aufkleber hinten drauf!“
„Und warum zum Teufel schreibst du mich dann auf?“, schnaubte ich und hielt das Knöllchen mit Zeigefinger und Daumen über Checkos Rauchbier. Ungerührt schob er den gesamten Rest seines Brötchens in sich hinein. Offenbar hatte Checko Angst, wegen einer überraschenden Sturmflut oder eines fränkisch-bayerischen Bürgerkrieges wochenlang nichts mehr zu essen zu bekommen. Die dralle Bedienung mit der gezimmerten CSU-Frisur nickte fränkisch vom Ausschank zu mir herüber. Richtig – unser fränkischer Akzent manifestiert sich nicht nur in der Sprache selbst, sondern auch in Gestik und Mimik. So beinhaltet der soeben von Babsi dargebotene, typisch fränkische Nicker meist zugleich Angriffslust, Übellaunigkeit, aber auch eine gewisse Durchsetzungsfähigkeit.
„Was grichste denn?“
„Nix!“
„Des geht net!“
„Dann halt ... a kleines Bier!“
„Hammer net!“
„Mein Gott, dann halt auch a Rauchbier!“
„Na also!“
Checko hatte seine Leberkässemmel in der Zwischenzeit vollständig vernichtet. „Warum ich dich aufschreib?“, wiederholte er und schnappte sich den Strafzettel, noch bevor ich ihn in seinen Krug fallen lassen konnte. „Da steht´s doch: Du warst in der Kasernstraße länger als wie fünf Minuden im eingeschränkten Haldeverbot g’standen!“
„Checko! Biene und ich wohnen da! Ich muss irgendwo parken!“
„Des habt ihr doch gewusst, bevor ihr da hingezoochen seid!“
Ich warf den Strafzettel in Checkos Krug.
„Männo! Lass des!“
Ich schaute mich in der rustikalen Stube nach Hilfe um. Es bot sich keine an. Kein Jack Baur von der CTU und auch kein Bruce Willis. Nicht mal Johannes B. Kerner, der Checko mit einem betroffenen Blick und einem „Und das ist mir jetzt persönlich wichtig“ hätte einschläfern können. Stattdessen blickte ich in die verständnislosen Augen der drallen Babsi, die einem älteren Touristen mit einer Radkarte gerade eine Spezi gebracht hatte.
Mein Seidla Rauchbier kam und ich nahm einen großen, ersten Schluck. Wie immer schmeckte es scheußlich am Anfang, Rauchbier, das muss man wissen, wird erst ab dem dritten Krug genießbar.
„Ja, wenn Sie falsch g’standen sind, dann sind Sie falsch g’standen!“, kommentierte Babsi achselzuckend und stapfte in Richtung Ausschank. Checko hatte inzwischen die in Rauchbier getränkte Bedrohung unserer Freundschaft zum Trocknen über zwei Bierdeckel-Häuschen gelegt.
„Des tut mir jetzt echt Leid, Bidschi, aber ich kann da kei Ausnahme machen.“
„Aber wir sind doch Freunde!“, protestierte ich.
„Ja glar sinn mir Freunde, aber trotzdem kann ich net des eine Audo aufschreim und des andere net, bloß weil ich jetzt jemanden kenn...“
„Jemanden!?!“
„Na, dich halt!“
Ich zog den Strafzettel von den Bierdeckel-Häuschen ab und warf ihn wieder in Checkos Krug.
„Männo!“, sagte Checko und klang dabei wie ein siebenjähriger Rotzlöffel, dem man im Freibad sein Wassereis wegnimmt.
„Schreib doch die Schwaben auf, die sich mit ihrer Klorollen-C-Klasse quer vor`s Rathaus stellen oder die ganzen Fischköpfe, fremde Kennzeichen halt!“
„Nanana!“, schimpfte Babsi. „Mir müssen scho a weng dollerand sei!“
„Des find ich a!“, ergänzte der Radtourist vom Nachbartisch ungefragt.
„Du nimmst ihn also nicht zurück?“, fragte ich Checko, wobei ich den Strafzettel genüsslich in den übrig gebliebenen Leberkäs-Senf drückte.
„Des kann ich net machen, weil...“
„Weil...?“
„Des geht echt net! Die Daden sind längst in die Zendrale g’funkt.“
Am liebsten hätte ich auch Checko mitsamt seiner „Daden“ in die bescheuerte Zentrale gefunkt. Checko, der sich seinen Spitznamen bereits in der Grundschule verdient hatte, weil er immer der letzte war, der irgendwas begriff. Checko, der sich inzwischen munter über die 100-Kilogrenze gefuttert hat und als einziger meiner Freunde einen Vollbart trägt. Checko, der mit seinen zarten 36 Jahren immer noch bei seinen Eltern wohnt und lieber Playstation spielt als mit Frauen auszugehen.
„Ordnung muss halt amal sein, Greulich“, tröstete mich die dralle Babsi.
„Genau!“, bestätigte der Radtourist.
Ich trank frustriert mein Bier leer und verabschiedete mich von Checko.
„Okay. Dann bis heute Abend?“
„Bis heut Abend!“
Ich war schon an der Tür, da drehte ich mich noch einmal zu Checko um. Er tat mir plötzlich Leid, wie er so gefangen war in seiner kleinen Welt des geordneten, ruhenden Verkehrs. Auch er schaute noch einmal zu mir rüber, wie ein Kind, das gemerkt hat, dass es etwas falsch gemacht hat, aber noch nicht so ganz weiß, was.
„Ich geb dir nächste Woch ä Bier aus auf Malle, okay?“, lautete sein Angebot der Wiedergutmachung.
„Ach Gott, ja. Malle ...“, seufzte ich. Unseren gemeinsamen Urlaub hatte ich schon wieder verdrängt. Wahrscheinlich, weil ich mich nicht gerade übermäßig freute auf unseren mittlerweile zehnten Trip nach El Arenal. Und dann stand da auch noch eine klitzekleine Kleinigkeit zwischen mir und diesem Urlaub: die Hochzeit meines besten Freundes.