Der Ruf der Trommel

Roman

von Diana Gabaldon

Buch

Taschenbuch (1196 Seiten)

Sprache: Deutsch

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Weitere Artikelinformationen

Die faszinierende Geschichte von Claire Randall und Jamie Fraser geht weiter!


Eigentlich hat Claire als Ärztin in Boston alles erreicht, was die moderne Zeit ihr bieten kann. Und doch führt die Liebe zu Jamie, dem rebellischen schottischen Clanführer, sie erneut zurück in das 18. Jahrhundert. Unruhige Zeiten hatten Jamie aus seiner Heimat vertrieben. In den Häfen Europas beginnt nun für Claire eine abenteuerliche Suche nach dem Geliebten, die sie schließlich zu ihm und auf ihren eigenen Kontinent zurückführen wird, mitten hinein in die rauhe Welt der ersten Siedler. In den unberührten Bergen von North Carolina ertrotzen sich Claire und Jamie schließlich ein neues Leben fernab der Zivilisation. Doch der Atem der Vergangenheit reicht weit. Denn auch ihre gemeinsame Tochter Brianna ist dem Ruf der Trommel gefolgt...


Produktdetails

ISBN-10: 3-442-36108-7
EAN: 9783442361083
Originaltitel: Drums of Autumn (Outlander Book IV)
Erschienen: 01.05.2004
Verlag: Blanvalet
Einband: Taschenbuch
Sprache(n): Deutsch
Seitenzahl: 1196
Länge/Breite: 183mm/125mm
Gewicht: 684 g
Übersetzer: Barbara Schnell
Reihe: Blanvalet Taschenbücher
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Diana Gabaldon

Diana Gabaldon, wurde 1952 in Arizona geboren und besitzt mexikanische und amerikanische Wurzeln. Während ihrer Schulzeit hat sie sich nie fürs Schreiben interessiert, weshalb Diana Gabaldon auch Tiefseebiologie, Zoologie und Ökologie studierte. Bevor sie sich hauptberuflich dem Schreiben widmete, arbeitete sie als Honorarprofessorin für Tiefseebiologie und Zoologie, als Computerspezialistin und schrieb Storylines für Walt Diesney Comics. Ab 1980 begann Diana Gabaldon zu schreiben, ob Bücher über Computer, Rezensionen oder Artikel. Bereits ihr erster Roman "Feuer und Stein" (1991) wurde international zu einem riesigen Erfolg. Die Highland- Saga rund um die zeitreisende Krankenschwester Claire und den schottischen Rebellen Jamie verzauberten Millionen von Lesern. Die beiden treffen sich im Schottland des 18. Jahrhunderts und verlieben sich ineinander. Die zweite Romanreihe von Diana Gabaldon, die "Lord John Saga" besitzt ebenfalls großes Hitpotential, nicht zuletzt, da Lord John den Lesern als treuer Freund des Helden der ersten Saga, Jamie, bekannt sein dürfte. Zuletzt belegten in Deutschland "Das flammende Kreuz" und "Das Meer der Lügen" Spitzenplätze auf allen Bestsellerlisten. Diana Gabaldon lebt mit Mann und drei Kindern in Scottsdale, Arizona.

Meinung der Redaktion
Die Romane von Diana Gabaldon sind genau recherchiert historische Leckerbissen mit einer Ansammlung Spannung, Humor, Romantik und einer Prise Erotik. Die große Anzahl treuer Fans erwarten jeden neue Veröffentlichung mit Spannung und warten gebannt, wohin die Reise erneut führt.

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  • Süchtigmachend Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv

    von Brunette, am 19.03.2011

    0 von 0 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.

    Wie die ersten Bücher einfach süchtigmachend...sehr kurzweilig geschrieben und bei jedem Kapitel fragt man sich, welches Abenteuer Claire und Jamie als nächstes ereilt.

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  • Zeitlos magisch! Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv

    von raubkatzal, am 26.08.2007

    1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.

    Der vierte Gabaldon-Streich. Jamie und Claire haben sich nach einigen Startschwierigkeiten ihre eigene Existenz "Fraser's Ridge" in South Carolina aufgebaut und leben relativ glücklich (und natürlich leidenschaftlich) wie eh und je. Doch ihre Tochter Brianna hält es in der Zukunft nicht aus, sie muss ihre Eltern retten! Auf ihren Geliebten Roger und sie kommen einige Abenteuer zu, ihr kleiner Sohn Jemmy mittendrin. Kann das gut gehen, in einer Zeit, die der ihren so gar nicht ähnlich ist?
    Packend, wie die drei Vorgänger, noch ein bisschen dicker, und endlich als Familie vereint!

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  • ...ist und bleibt eine Sucht... Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern inaktiv

    von Tinkerbell, am 18.09.2006

    1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.

    Auch das 4. Buch der Highland-Saga ist absolut spannend. Jamie und Claire versuchen ihr Glück in Amerika und die Geschichte nimmt eine ganz unerwartete Wendung. Was ich sehr schade finde ist, dass die Autorin grundsätzlich die Gefühle der Personen sehr gut beschreibt aber die Trauer über die Verluste von einigen Menschen wird nicht gross umschrieben. Oder auch die Gefühle und Reaktionen bei Widerbegegnungen werden nicht speziell betont. Trotzdem bin ich süchtig nach Jamie und Claire und bin gespannt wie es weitergeht...

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  • Einfach richtig gut!! Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv

    von einer Kundin/einem Kunden, am 21.01.2006

    1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.

    Ich bin ein Bücherwurm, aber diese Serie ist einfach unbeschreiblich. Einfach süchtigmachend, wie schon gesagt. Mich fasziniert die Sprache in Vollendung. Handlung, Gefühle, Umgebung und Windungen der Ereignisse sind perfekt beschrieben.
    Diana Gabaldon ist eine herausragende Schriftstellerin.
    Immer wärmstens weiterzuempfehlen.
    Jedoch Achtung: Nicht damit anfangen, wenn man ausser viel lesen noch was anderes wichtiges zu tun hat.

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  • Wird nie langweilig Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv

    von einer Kundin/einem Kunden, am 17.03.2005

    1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.

    Es ist eine wunderschöne Higland Sage. D.Gabaldon ist wirklich eine ganz tolle Schriftstellerin. Keins der Bücher war bis jetz in irgend einer form langweilig. Man möchte gar nicht aufhören zu lesen. Es ist mir immer schwer gefallen das Buch aus der Hand zu legen.

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Charleston, Juni 1767


Ich hörte die Trommeln, lange bevor sie in Sichtweite kamen. Die Schläge hallten in meiner Magengrube wider, als wäre ich selber hohl. Der Klang breitete sich in der Menge aus, ein harter, militärischer Rhythmus, der dazu gedacht war, jedes Gespräch und selbst Schüsse zu übertönen. Ich sah, wie sich die Köpfe umwandten, während die Menschen verstummten und jenen Abschnitt der East Bay Street entlangblickten, der den Rohbau des neuen Zollhauses mit den White Point Gardens verband.
Es war ein heißer Tag, sogar für Charleston im Juni. Die besten Plätze waren auf dem Hafendamm, wo wenigstens ein Luftzug wehte; hier unten war es, als würde man lebendig gegrillt. Mein Hemd war durchnäßt, und das Baumwollmieder klebte mir zwischen den Brüsten. Zum zehnten Mal in ebenso vielen Minuten wischte ich mir über das Gesicht und hob meinen schweren Haarknoten in der vergeblichen Hoffnung, daß ein Luftzug mir den Hals kühlen würde.
Überhaupt fielen mir im Moment makabererweise Hälse besonders auf. Unauffällig legte ich die Hand an meine Kehle und umspannte sie mit den Fingern. Ich konnte spüren, wie der Puls meiner Halsschlagadern im Takt mit den Trommeln schlug, und beim Atmen verstopfte mir die heiße, feuchte Luft die Kehle, als wäre ich selber dem Ersticken nahe.
Ich zog hastig meine Hand weg und holte Luft, so tief ich konnte. Das war ein Fehler. Der Mann vor mir hatte seit mindestens einem Monat nicht mehr gebadet. Der Rand seiner Halsbinde stand vor Dreck, und seine Kleider rochen säuerlich und muffig und überdeckten sogar den Schweißgeruch der Menge. Aus den Buden, an denen Eßbares verkauft wurde, drang der Geruch von heißem Brot und siedendem Schweinefett und vermischte sich mit dem Moder verfaulenden Seegrases, der aus der Marsch herüberwehte und durch einen salzigen Luftzug vom Hafen her kaum gemildert wurde.
Vor mir reckten ein paar Kinder gaffend die Hälse. Sie rannten zwischen den Eichen und Fächerpalmen hervor, um einen Blick auf die Straße zu werfen und wurden von ihren besorgten Eltern wieder zurückgerufen. Der Hals des Mädchens neben mir erinnerte an den weißen Teil eines Grashalmes, schlank und glänzend.
Ein aufgeregtes Raunen ging durch die Menge: Die Galgenprozession kam am anderen Ende der Straße in Sicht. Die Trommeln wurden lauter.
»Wo ist er?« murmelte Fergus neben mir und reckte ebenfalls den Hals, um etwas zu sehen. »Ich wußte doch, daß ich besser mit ihm gegangen wäre.«
»Er kommt schon noch.« Ich hätte mich am liebsten auf die Zehenspitzen gestellt, ließ es aber bleiben, weil ich es als unpassend empfand. Dennoch blickte ich mich suchend um. Ich konnte Jamie in jeder Menschenmenge ausmachen, denn sein Kopf und seine Schultern überragten die meisten Männer, und in seinem Haar fing sich das Licht in einer rotgoldenen Flamme. Er war noch nicht zu sehen, nur das Meer wogender Hauben und Dreispitze, mit denen sich jene Bürger vor der Hitze schützten, die zu spät gekommen waren, um noch einen Platz im Schatten zu ergattern.
Zuerst kamen die Flaggen. Über den Köpfen der aufgeregten Menge wehten die Banner von Großbritannien und der Kronkolonie South Carolina. Und ein weiteres, das das Wappen des Gouverneurs der Kolonie trug.
Dann kamen die Trommler, in Zweierreihen und im Gleichschritt, und ihre Stöcke wechselten zwischen Schlägen und Wirbeln ab. Es war ein langsamer Marsch, grimmig und unerbittlich. Totenmarsch, so glaubte ich, nannte man diese spezielle Kadenz; sehr passend unter diesen Umständen. Alle anderen Geräusche ertranken im Trommelwirbel.
Dann kam der Zug der rotberockten Soldaten, und in ihrer Mitte die Gefangenen.
Sie waren zu dritt. Man hatte ihnen die Hände vor den Bauch gebunden und sie mit einer Kette aneinandergefesselt, die durch Ringe an ihren Halseisen lief. Der erste war ein kleiner, älterer Mann, zerlumpt und verlottert, ein verfallenes Wrack, und er torkelte und stolperte so sehr, daß sich der dunkelgewandete Geistliche an seiner Seite gezwungen sah, ihn beim Arm zu nehmen, damit er nicht hinfiel.
»Ist das Gavin Hayes? Er sieht schlecht aus« , murmelte ich Fergus zu.
»Er ist betrunken.« Die leise Stimme erklang hinter mir, und ich wirbelte herum. Jamie stand genau hinter mir und hatte die Augen auf die klägliche Prozession gerichtet.
Die Gleichgewichtsstörungen des kleinen Mannes behinderten die Prozession, denn sein Torkeln zwang die beiden an ihn geketteten Männer zu abrupten Kurswechseln, wenn sie auf den Füßen bleiben wollten. Sie erinnerten an drei Betrunkene auf dem Nachhauseweg von der Dorfkneipe, was in drastischem Kontrast zum Ernst der Lage stand. Über die Trommeln hinweg hörte ich Gelächter aufbrausen, und von den schmiedeeisernen Balkonen der East Bay Street erschollen Anfeuerungsrufe.
»Warst du das?« Ich sprach leise, um keine Aufmerksamkeit zu erregen, aber ich hätte auch schreien und mit den Armen rudern können; niemand hatte Augen für irgend etwas anderes als die Szene vor uns.
Ich spürte Jamies Schulterzucken mehr, als daß ich es sah, während er einen Schritt vortrat und sich neben mich stellte.
»Er hat mich darum gebeten«, sagte er. »Es war alles, was ich für ihn tun konnte.«
»Brandy oder Whisky?« fragte Fergus, der Hayes' Erscheinung mit Kennerblick begutachtete.
»Der Mann ist ein Schotte, mein lieber Fergus.« Jamies Stimme war so ruhig wie sein Gesicht, doch ich hörte die leise Anspannung darin. »Er wollte Whisky.«
»Gute Wahl. Mit etwas Glück wird er es nicht einmal merken, wenn sie ihn hängen«, murmelte Fergus. Der kleine Mann war dem Griff des Priesters entschlüpft, auf der sandigen Straße mitten aufs Gesicht gefallen und hatte dabei einen seiner Mitgefangenen auf die Knie heruntergezogen. Der dritte Gefangene, ein hochgewachsener junger Mann, blieb auf den Füßen, schwankte aber wild hin und her, während er mit aller Kraft versuchte, die Balance zu halten. Die Menge auf dem Platz brüllte vor Schadenfreude.
Der Hauptmann der Wache glühte zwischen seiner weißen Perücke und seinem Kragen vor Wut mindestens genauso feuerrot wie von der Sonne. Er bellte einen Befehl, die Trommeln setzten ihr finsteres Rollen fort, und ein Soldat bemühte sich hastig, die Kette zu entfernen, die die Gefangenen aneinanderfesselte. Hayes wurde ohne Umschweife auf die Füße gerissen, an beiden Armen von einem Soldaten ergriffen, und die Prozession nahm ihren Weg wieder auf, diesmal in besserer Ordnung.
Das Gelächter verstummte, als sie das Schafott erreichten, einen von Maultieren gezogenen Karren unter den Ästen einer riesigen Eiche. Ich spürte das Schlagen der Trommeln durch meine Fußsohlen. Mir war ein bißchen schlecht von der Sonne und den Gerüchen. Das Trommeln endete abrupt, und die Stille summte in meinen Ohren.
»Du mußt es dir nicht ansehen, Sassenach« ,flüsterte Jamie mir zu. »Geh zurück zum Wagen.« Seine Augen waren fest auf Hayes gerichtet, der murmelnd im Griff der Soldaten schwankte und sich trübäugig umschaute.
Zusehen war das letzte, was ich wollte. Aber ich konnte Jamie auch nicht dabei im Stich lassen. Er war wegen Gavin Hayes gekommen; ich war seinetwegen gekommen. Ich berührte seine Hand.
»Ich bleibe hier.«
Jamie richtete sich höher auf. Er trat einen Schritt vor und sorgte so dafür, daß er in der Menge gut sichtbar war. Falls Hayes noch nüchtern genug war, um irgend etwas zu sehen, dann wäre das Letzte, was er auf dieser Welt sah, das Gesicht eines Freundes.
Er konnte sehen - Hayes stierte hierhin und dorthin, als sie ihn auf den Karren hoben, und reckte verzweifelnd suchend den Hals.
»Gabhainn! A charaid!« rief Jamie plötzlich. Hayes' Blick fand ihn sofort, und er mühte sich nicht länger ab.
Der kleine Mann stand leicht schwankend da, als die Anklage verlesen wurde: Diebstahl in Höhe von sechs Pfund, zehn Schillingen. Er war mit rötlichem Staub bedeckt, und Schweißperlen hingen zitternd in seinen grauen Bartstoppeln. Der Priester beugte sich dicht zu ihm herüber und murmelte drängend in sein Ohr.
Dann setzten die Trommeln in einem gleichmäßigen Wirbel wieder ein. Der Henker führte die Schlinge über den fast kahlen Kopf und zog sie fest. Den Knoten positionierte er präzise unter dem Ohr. Der Hauptmann der Wache stand mit erhobenem Säbel in Habachtstellung.
Plötzlich richtete sich der Verurteilte zu voller Höhe auf. Den Blick auf Jamie gerichtet, öffnete er den Mund, als wollte er etwas sagen.
Der Säbel blitzte in der Morgensonne, und das Trommeln endete mit einem letzten, abgehackten Schlag.
Ich sah Jamie an. Er war kalkweiß und starrte ins Leere. Aus dem Augenwinkel sah ich das ruckende Seil und das schwache, unwillkürliche Zucken des baumelnden Kleiderbündels. Ein scharfer Geruch nach Urin und Fäkalien durchschnitt die dicke Luft.
Neben mir beobachtete Fergus gelassen das Geschehen. »Dann hat er es wohl doch gemerkt«, murmelte er mit Bedauern.
Die Leiche schwang sacht, ein totes Gewicht, das wie ein Senkblei an seiner Schnur baumelte. Aus der Menge erklang ein Seufzer der Verschüchterung und Erleichterung. Seeschwalben kreischten am brennenden Himmel, und entfernte Hafengeräusche durchdrangen gedämpft die schwere Luft, doch der Platz war in Schweigen gehüllt. Von meinem Platz aus konnte ich das leise Plitsch, Platsch, Plitsch der Tropfen hören, die vom Zeh der baumelnden Leiche fielen.
Ich hatte Gavin Hayes nicht gekannt, und sein Tod ging mir nicht persönlich nahe, doch ich war froh, daß es schnell gegangen war. Ich warf einen verstohlenen Blick auf ihn und fühlte mich wie ein Störenfried. Es war eine höchst öffentliche Art, einen ganz privaten Akt zu vollbringen, und es machte mich verlegen, ihn anzusehen.
Der Henker hatte seine Sache gut gemacht: Es hatte kein entwürdigendes Gezappel gegeben, keine vorquellenden Augen, keine heraushängende Zunge. Gavins kleiner, runder Kopf war scharf zur Seite geknickt, sein Hals war grotesk in die Länge gezogen, doch sein Genick war glatt gebrochen.
Jemand anders dagegen war derweil ausgebrochen. Nachdem er sich von Hayes' Tod überzeugt hatte, gab der Hauptmann der Wache mit seinem Säbel das Signal, den nächsten Mann zum Galgen zu bringen. Ich sah, wie seine Augen an der rotberockten Kolonne entlangschweiften und sich dann vor Entrüstung weiteten.
Im selben Moment erscholl ein Schrei aus der Menge, und eine Welle der Aufregung breitete sich aus. Köpfe drehten sich, und die Zuschauer drängten gegeneinander, um etwas zu sehen, wo es nichts zu sehen gab.
»Weg ist er!«
»Da ist er!«
»Haltet ihn!«
Es war der dritte Gefangene, der hochgewachsene junge Mann, der den Augenblick von Gavins Tod dazu benutzt hatte, um sein Leben zu rennen. Er hatte sich an der Wache vorbeigeschlichen, die auf ihn hätte aufpassen sollen, sich aber der Faszination des Galgens nicht hatte entziehen können.
Ich sah eine kurze Bewegung hinter einer Bude, ein Aufblitzen ungewaschener, blonder Haare. Einige der Soldaten sahen es ebenfalls und liefen dorthin, doch viele hasteten auch in andere Richtungen, und in der allgemeinen Verwirrung erreichten sie gar nichts.
Der Hauptmann der Wache brüllte mit hochrotem Gesicht, doch seine Stimme war in dem Aufruhr kaum zu hören. Der letzte Gefangene, der ein verblüfftes Gesicht machte, wurde ergriffen und zum Quartier der Wache zurückverfrachtet, während die Rotröcke hastig begannen, unter der peitschenden Stimme ihres Hauptmanns ordentliche Aufstellung einzunehmen.
Jamie schlang seinen Arm um meine Taille und brachte mich vor einer anrollenden Woge von Menschen in Sicherheit. Soldatentrupps rückten an, formierten sich und marschierten schnellen Schrittes davon, um die Umgebung unter dem grimmigen und zornbebenden Kommando ihres Sergeanten zu durchkämmen, und die Menge wich vor ihnen zurück.
»Wir sollten Ian suchen« , sagte Jamie, während er eine Gruppe aufgeregter Lehrjungen verscheuchte. Er sah Fergus an und deutete auf den Galgen und seine traurige Bürde. »Sag, daß wir die Leiche haben wollen, aye? Wir treffen uns nachher im Willow Tree.«
»Meinst du, sie kriegen ihn?« fragte ich, während wir uns durch das abflauende Gedränge schoben und durch eine kopfsteingepflasterte Gasse zu den Lagerhäusern der Handelsleute gingen.
»Ich denke schon. Wo sollte er denn hin?« Er klang abwesend, und ich sah eine dünne Linie zwischen seinen Augenbrauen. Seine Gedanken waren ganz offensichtlich noch bei dem Toten, und er hatte für die Lebenden nicht viel Aufmerksamkeit übrig.
»Hatte Hayes irgendwelche Verwandten?« fragte ich. Er schüttelte den Kopf.
»Das habe ich ihn auch gefragt, als ich ihm den Whisky brachte. Er meinte, einer seiner Brüder könnte noch leben, hatte aber keine Ahnung, wo. Der Bruder war kurz nach dem Aufstand deportiert worden - nach Virginia, meinte Hayes, hat aber seitdem nie wieder von ihm gehört.«
Kein Wunder - ein Zwangsarbeiter hätte keine Möglichkeit gehabt, mit seinen Verwandten in Schottland in Verbindung zu treten, es sei denn, sein Herr war so großzügig, für ihn einen Brief dorthin zu schicken. Und großzügig oder nicht, es war unwahrscheinlich, daß ein solcher Brief Gavin Hayes erreicht hätte, denn er hatte zehn Jahre im Gefängnis von Ardsmuir verbracht, bevor er ebenfalls deportiert wurde.
»Duncan!« rief Jamie, und ein hochgewachsener, dünner Mann drehte sich um und hob als Erwiderung seine Hand. Er wand sich durch die Menge, wobei er sich die Leute vom Leib hielt, indem er seinen Arm in weitem Bogen schwang.
»Mac Dubh« , sagte er und begrüßte Jamie mit einem Kopfnicken. »Mrs. Claire.« Sein langes, schmales Gesicht war von Traurigkeit durchfurcht. Auch er hatte als Gefangener in Ardsmuir gesessen, zusammen mit Hayes und Jamie. Nur die Tatsache, daß er seinen Arm durch eine Blutvergiftung verloren hatte, hatte verhindert, daß er mit den anderen deportiert wurde. Da man ihn nicht als Arbeiter verkaufen konnte, hatte man ihn begnadigt und dem Hunger überlassen - bis Jamie ihn gefunden hatte.
»Möge der arme Gavin in Frieden ruhen« , sagte Duncan und schüttelte leidvoll den Kopf.
Jamie murmelte eine Antwort auf Gälisch und bekreuzigte sich. Dann richtete er sich auf und schüttelte mit sichtbarer Anstrengung die bedrückende Atmosphäre ab.
»Aye, gut. Ich muß zu den Docks gehen und Ians Überfahrt arrangieren, und dann können wir uns um Gavins Begräbnis kümmern. Aber erst muß ich den Jungen unterbringen.«
Wir kämpften uns durch das Gewühl zu den Docks voran, zwängten uns zwischen Grüppchen aufgeregter Klatschmäuler hindurch und wichen den Fuhrwerken und Handkarren aus, die mit dem behäbigen Gleichmut von Handel und Wandel durchs Gedränge fuhren.
Eine Reihe rotberockter Soldaten kam im Laufschritt vom anderen Ende des Kais und zerteilte die Menge, wie wenn man Essig auf Mayonnaise träufelt. Die Sonne glänzte heiß auf ihren Bayonettspitzen, und der Rhythmus ihres Trotts klang im Lärmen der Menge wie eine gedämpfte Trommel. Sogar die rumpelnden Gespanne und Karren hielten abrupt an, um sie vorbeizulassen.
»Paß auf deine Tasche auf, Sassenach« , murmelte Jamie mir ins Ohr und schob mich durch die enge Lücke zwischen einem turbantragenden Sklaven, der zwei kleine Kinder umklammert hielt, und einem Straßenprediger, der auf einer Kiste thronte. Er schrie Sodom und Gomorrha, aber bei dem Lärm konnte man nur jedes dritte Wort verstehen.
»Ich habe sie zugenäht« , sagte ich und griff trotzdem nach dem kleinen Gewicht, das an meinem Oberschenkel baumelte. »Was ist mit deiner?«
Er grinste und schob seinen Hut hoch. Seine dunkelblauen Augen blinzelten in das gleißende Sonnenlicht.
»Die ist da, wo ich den Sporran tragen würde, wenn ich einen hätte. So lange mir keine Hure mit langen Fingern begegnet, kann mir nichts passieren.«
Ich blickte auf die leicht ausgebeulte Vorderseite seiner Kniehose und sah dann zu ihm hoch. Er war breitschultrig und hochgewachsen, und mit seinen ausgeprägten, kühnen Gesichtszügen und der stolzen Haltung des Highlanders zog er die Blicke aller Frauen auf sich, an denen er vorbeiging - und das, obwohl sein leuchtendes Haar unter einem nüchternen blauen Dreispitz verborgen war. Die Kniehose war eine Leihgabe und viel zu eng, was den allgemeinen Effekt nicht im geringsten minderte - und verstärkt wurde er noch dadurch, daß er selbst sich dessen nicht bewußt war.
»Du bist eine wandelnde Einladung für Huren« , sagte ich. »Bleib in meiner Nähe, ich beschütze dich.«
Er lachte und nahm mich beim Arm, als wir auf einen kleinen, freien Platz hinaustraten.
»Ian!« rief er, als er seinen Neffen über die Köpfe der Menschenmenge hinweg erblickte. Einen Augenblick später tauchte ein hochgewachsener, sehniger Bauernlümmel aus der Menge auf, schob sich ein braunes Haarbüschel aus den Augen und grinste breit.
»Ich dachte schon, ich würd' dich nie finden, Onkel Jamie!« rief er aus. »Himmel, hier gibt's ja mehr Leute als am Lawnmarket in Edinburgh!« Er wischte sich mit dem Hemdsärmel über sein langes, unscheinbares Gesicht und hinterließ einen Schmutzstreifen auf der einen Wange.
Jamie beäugte seinen Neffen mißtrauisch.
»Dein Frohsinn scheint mir ein bißchen fehl am Platz, Ian, wenn man bedenkt, daß du gerade einen Mann hast sterben sehen.«
Ian änderte hastig seine Miene und bemühte sich, den angemessenen Ernst an den Tag zu legen.
»O nein, Onkel Jamie« , sagte er. »Ich war nicht bei der Hinrichtung.« Duncan zog eine Augenbraue hoch, und Ian errötete leicht. »Ich - ich hatte keine Angst zuzuschauen, aber es war so, ich... hatte etwas anderes vor.«
Jamie zeigte die Spur eines Lächelns und klopfte seinem Neffen auf den Rücken.
»Mach dir keine Sorgen, Ian, ich wäre lieber auch nicht dabeigewesen, aber Gavin war nun mal mein Freund.«
»Das weiß ich, Onkel Jamie. Tut mir leid.« Mitgefühl blitzte in den braunen Augen des Jungen auf, das einzige in seinem Gesicht, was man mit Fug und Recht schön nennen konnte. Er sah mich an. »War es schlimm, Tante Claire?«
»Ja« , sagte ich. » Aber es ist vorbei.« Ich zog mir das feuchte Taschentuch aus dem Ausschnitt und stellte mich auf die Zehenspitzen, um ihm den Flecken von der Wange zu wischen.

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