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von Andreas Edmüller, Thomas Wilhelm
EAN: 9783648019825
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Wie soll ich mich entscheiden? Dieses Buch bietet Hilfestellung zu ethischen Fragen im Job und privat. Anhand von typischen Alltagssituationen werden knifflige Entscheidungen vorgestellt und analysiert. Denkanstöße für alle, die selbst entscheiden möchten. Warum ist die eine Entscheidung sinnvoll, die andere aber nicht? Hier werden konkrete ethische Fragen des (beruflichen) Alltags einfach und verständlich erläutert, ohne dogmatisch zu sein. Finden Sie heraus, was Sie ethisch vertreten können und wollen. Und lernen Sie, Ihr Leben wieder in die Hand zu nehmen und Entscheidungen eigenständig zu treffen. INHALTE: - Praktische Entscheidungshilfe am Beispiel von 50 Alltagssituationen. - Unterstützung für eine sinnvolle Lebensführung. - Was common sense-Ethik bedeutet. - Spannende Lektüre und Denkanstöße für Menschen, die selbst entscheiden wollen.
Dr. Thomas Wilhelm ist selbstständiger Berater und Trainer für öffentliche Institutionen, Dienstleistungsunternehmen und Industriebetriebe.
| ISBN-10: | 3-648-01982-1 |
|---|---|
| EAN: | 9783648019825 |
| Erschienen: | 10.2011 |
| Verlag: | Haufe Verlag |
| Einband: | |
| Sprache(n): | Deutsch |
| Auflage: | 1 |
| Seitenzahl: | 240 |
| Erschienen bei: | Haufe Verlag |
| Spieldauer: | 1507 KB |
| Kapitel: | 0 |
| Medium: |
Dr. Andreas Edmüller ist seit 1991 selbstständiger Berater und Trainer bei Projekt Philosophie. Seine Arbeitsschwerpunkte sind Leadership, Teamunterstützung, Konfliktmanagement und Coaching. Er ist außerdem Privatdozent für Philosophie an der LMU München.
Folge deinem Gewissen (S. 15-16)
Eine nahe liegende Antwort auf die Frage, wie man handeln soll, besteht in dem Verweis auf das Gewissen. Wenn du herausfinden möchtest, was das moralisch Richtige ist, dann höre einfach auf deine innere Stimme. Sie wird dir sagen - wenn du nur richtig zuhörst -, was du zu tun hast. Unser Gewissen, eine Art innerer, mentaler Behälter, birgt alle unsere akzeptierten Handlungsnormen und unsere Vorstellungen davon, was richtig oder falsch ist. Unser Gewissen ist daher die erste und uns nächste moralische Instanz, die wir in schwierigen moralischen Situationen befragen können. Gewissermaßen der kostengünstigste ethische Berater.
Petersen aus unserem Beispiel könnte also einfach auf sein Gewissen hören, um zur richtigen Entscheidung zu gelangen. Das Gewissen wird ihm die richtige Antwort liefern.
Die Lösung, das eigene Gewissen zu befragen und auf dessen Antwort zu hören, klingt vernünftig. Denn in der Tat drückt uns ein schlechtes Gewissen, wenn wir etwas tun, was moralisch nicht richtig ist. Ein schlechtes Gewissen oder Gewissensbisse sind ein gutes Signal, dass wir etwas getan haben, was wir nicht hätten tun sollen. Wir haben vielleicht zu einer Ausrede gegriffen, um ein Versprechen nicht halten zu müssen; wir hätten vielleicht jemandem helfen sollen, haben uns aber mehr um unsere eigenen Interessen gekümmert. Andererseits: Ein gutes Gewissen zu haben, bedeutet, das moralisch Richtige getan zu haben und mit seiner Handlungsweise zufrieden zu sein.
Leider sind jedoch die Ratschläge des Gewissens mit Vorsicht zu genießen. Das Hauptproblem liegt darin, dass das Gewissen uns täuschen kann. Unsere innere Stimme kann uns falsche Dinge einflüstern und uns in eine verkehrte Richtung oder sogar in die Irre führen. Die Grundfrage an das Gewissen lautet nämlich: Wie können wir sicher sein, dass das, was uns unser Gewissen sagt, wirklich richtig ist? Nur die Tatsache, dass die moralische Handlungsempfehlung aus unserem Gewissen stammt, bürgt noch nicht für Qualität. Wir brauchen eine zusätzliche unabhängige Qualitätskontrolle. Doch wie könnte die aussehen? Sich auf das Gewissen zu verlassen, ist, als ob man ungeprüft den Inhalt einer Kiste kaufen würde, auf der "Made in Germany" steht. "Made in Germany" mag zwar ein Qualitätssiegel sein, es garantiert aber nicht in jedem Fall ein einwandfreies Produkt. Mit dem "Handeln by Gewissen" verhält es sich ähnlich. Die Bezugnahme auf das Gewissen kann zwar zum moralisch Richtigen führen, muss aber nicht. Beispiele aus der Geschichte, in denen Personen mit Berufung auf ihr Gewissen Gräueltaten begingen, sind schnell aufgezählt. Von Erich Kästner stammt das Zitat: "Das Gewissen ist fähig, Unrecht für Recht zu halten, Inquisition für Gott wohlgefällig und Mord für politisch wertvoll. Das Gewissen ist um 180 Grad drehbar."
Meistens erhält man auf diesen Einwand zur Antwort, dass diese Personen nicht dem wahren Gewissen gefolgt sind. Denn das wahre und gute Gewissen wird uns nie etwas Falsches eingeben. Wenn es also gewissermaßen gute und schlechte Gewissen gibt - so wie es gute und schlechte Äpfel gibt -, wie unterscheidet man sie voneinander? Versucht man diese Frage zu beantworten, landet man letzten Endes bei der inhaltlichen Auseinandersetzung mit den Gewissensinhalten. Das heißt die Qualität der Gewissensinhalte ist es, die ausmacht, ob eine Handlung oder Entscheidung moralisch zulässig ist. Die Berufung auf das Gewissen als Quelle für moralisch richtiges Handeln bringt uns keinen Schritt weiter. Das Gewissen, als Summe unserer Wertvorstellungen, ist bereits durch unsere Erziehung und Weltanschauungen geprägt, es enthält nicht einfach moralisch korrekte Lehrsätze, die wir mit genügend innerer Konzentration zu Tage fördern könnten.